Archiv des Themenkreises ›Die Zeit‹


Ein Interview mit dem Interviewmüller

Konstanz, 21. Februar 2012, 13:04 | von Marcuccio

Moritz von Uslar gegen Jahresende in der »Zeit« (Nr. 50/2011): »Warum habe ich den Interviewer André Müller nie interviewt?«

Vor gut einem Jahr, am 10. April 2011, ist der Interviewmüller gestorben. »Interviewkünstler« haben ihn die Nachrufe genannt. Interviews mit dem Interviewer gibt es kaum, und in Uslars Frage schwingt mit, was für ein kulturhistorisches Versäumnis das ist.

Einige wenige gibt es immerhin doch (Claudia von Arx für NZZ Folio 1997 und, besonders toll, das Videointerview mit amadelio von 2007). Und Volker Weidermann hat ihn zum Gespräch getroffen und dieses dann im Januar 2011 für die FAS beschrieben.

Beim Entstauben der Bücherregale habe ich nun in einem Handbuch für Journalisten noch ein weiteres leibhaftiges Interview mit André Müller entdeckt, geführt von Michael Haller im Februar 1990. [*] Ein Werk­stattgespräch mit hervorragendem Material für Zitatdatenbanken.

Haller fragt Müller sinngemäß: Warum eigentlich Interviews, und nur Interviews?

Das habe, wie so typisch bei den Großen, banalere Gründe als man denkt. Interviews seien einfach das gegen Redigiermaßnahmen am besten gefeite Genre gewesen. Müller:

»Ich hatte mit anderen journalistischen Formen überwiegend schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn ich ein Feature schrieb, für den ›stern‹ zum Beispiel, dann wurde mir der Text in der Redaktion umgeschrieben. Mich ärgerte das.«

Für die Spezialisierung auf Interviews sprach aber nicht nur das Redigierungsgebaren, sondern auch die Einkommensfrage. Müller:

»Ich begriff, dass dies eine Form ist, mit der ich rasch auf einen großen Umfang komme. Das wirkt sich im Honorar aus. Einen ähnlich langen Text selbst zu erarbeiten, kostet viel Anstrengung.«

Ernst Jünger lachte auf eine merkwürdige Weise viel

Auf Hallers Frage, wie das eigentlich mit dem Warm-up in Interviews vonstatten gehe, hat Müller eine aparte Anekdote zu Ernst Jünger parat:

»Sie wissen ja, wenn man jemanden interviewt und der macht zu Beginn des Gesprächs ein paar Witze, dann lacht man als Interviewer einfach mit, ob man diese nun lustig findet oder nicht. Ernst Jünger lachte auf eine merkwürdige Weise viel. Ganz zu Beginn habe ich ein, zwei Mal mitgelacht. Doch er hat sein Lachen, als meines einsetzte, abrupt beendet. Ich verstand: Er verbittet sich jede Solidarisierung, jede Annäherung. Das war ein sehr schönes Erlebnis für mich.«

Irgendwann geht es dann darum, dass die besten Interviews die sind, bei denen Interviewer und Interviewter in stiller Übereinkunft wissen, dass sie Leser bedienen müssen und sich die Bälle deswegen ruhig ein bisschen zuspielen:

»Thomas Bernhard sagte mal zu mir: ›Es ist wurscht, was Sie schreiben; schreiben Sie, wie Sie es haben wollen.‹«

Daraufhin stellt Haller die (heute muss man sie so nennen) Tom-Kummer-Frage: »Erfinden Sie im Spiel auch Dialoge – oder müssen die sich real ereignet haben?« Müller:

»Ich habe mich mal als Theaterstückeschreiber versucht, es aber dann bleiben lassen: ich kann keine Dialoge erfinden. Ich benötige das tatsächlich stattgefundene Gespräch.«

Haller spricht Müller daraufhin auf das Interview »mit Ihrer eigenen Mutter« an (»Die Zeit« Nr. 40/1989): »Die Frau, ungebildet und offenbar Alkoholikerin, war betrunken, gelegentlich flossen Tränen. Doch die Sprache, die Sie Ihrer Mutter in den Mund legen, ist ungeheuer prägnant, von literarischer Qualität. Der Text hat Tiefe, die ein Interview eigentlich nicht erreicht.«

Woraufhin Müller zugibt, dass das Gespräch in diesem Fall »nur den Stoff für den Text« geliefert habe:

»Ja, ich habe ihn gestaltet wie ein Stück Literatur, mit Spannungsbögen, mit Dehnungen und Verkürzungen. Es sind meine Formulierungen.«

Vom Stoff sprach und spricht ja auch Kummer immer gern, wenn er sinngemäß sagt, er habe nur den Stoff geliefert, den die Medien von ihm wollten. Die feinen Unterschiede zwischen einer Müllermutter-Interviewmontage und der ins Interviewformat gegossenen Hollywood-Fanfiction eines Tom Kummer hätte man von der Journalistik und/oder Literaturwissenschaft aber schon noch mal gerne aufgearbeitet.


[*] Das ganze Interview: »Nein, ich habe kein Schamgefühl«. Ein Gespräch mit dem hauptberuflichen Interviewer André Müller über seine besondere Art, Gespräche zu führen. In: Michael Haller: Das Interview. Ein Handbuch für Journalisten. München: Ölschläger 1991. Alle Zitate aus der 2. Auflage, Konstanz: UVK 1997, S. 419–429.
 


Die Ergebnisse der …
Feuilleton-Meisterschaft 2011

Leipzig, 10. Januar 2012, 04:08 | von Paco

The Maulwurf has landed! Heute zum *siebten* Mal seit 2005, der Goldene Maulwurf 2011:

Der Goldene Maulwurf

Nach unseren umstrittenen Juryentscheidungen zu Iris Radisch (2008), Maxim Biller (2009) und Christopher Schmidt (2010) ist der diesjährige Siegertext vom Typ her eher ein Konsenstext. Vielleicht sind wir nach sieben Jahren in der Halbwelt des Feuilletons wirklich etwas milder geworden, hehe.

Aber vielleicht hat es damit auch gar nichts zu tun, denn Marcus Jauers Text über die »Lust am Alarm« ist so oder so einfach der beste gewesen. Die fürs Web geänderte Überschrift »Tor in Fukushima!« hat im letzten Jahr nicht ihresgleichen gehabt. Schon dadurch ist der Artikel lange im Gedächtnis geblieben, und beim Wiederlesen nach jetzt neun Monaten wundert und freut man sich erneut über den verblüffenden Textaufbau mit drei voll ausgebildeten Erzählsträngen. Das ist eine Übererfüllung des feuilletonistischen Solls, wie sie 2011 ebenfalls einmalig war.

Alles Weitere steht in den 10 Laudationes. Hier also endlich die Autoren und Zeitungen der 10 angeblich™ besten Artikel aus den Feuilletons des Jahres 2011:

1. Marcus Jauer (FAZ)
2. Frank Schirrmacher (FAS)
3. Roland Reuß (NZZ)
4. Judith Liere (SZ)
5. Ulrich Stock (Zeit)
6. Tilman Krause (Welt)
7. Samuel Herzog (NZZ)
8. Kathrin Passig (taz)
9. Ina Hartwig (Freitag)
10. Jürgen Kaube (FAZ)

Eine mención honrosa geht noch an Niklas Maak (FAZ/FAS) und Renate Meinhof (SZ) für beider Berichterstattung zu den Beltracchi-Festspielen in Köln, d. h. den Prozess um die zusammengefälschte »Sammlung Jägers«. Von Maak stammt auch der schwerwiegendste Satz zum ganzen Kunstmarktskandal: »Tatsächlich muss man zugeben, dass Beltracchi den besten Campendonk malte, den es je gab.«

Ansonsten war die Longlist diesmal, wie gesagt, 51 Artikel lang, auch Dank einiger Lesermails, merci bokú! Hinweise auf Supertexte des laufenden Jahres bitte wie immer an <umblaetterer ›@‹ mail ›.‹ ru>.

Usw.

Bis nächstes Jahr,
Consortium Feuilletonorum Insaniaeque
 


Feuilletonismus 2011

Leipzig, 9. Januar 2012, 00:20 | von Paco

Maulwurf popping up!Nur schnell die übliche kurze Ankündigung: Der Maulwurf steht wieder vor der Tür. In ca. 24 Stun­den kürt Der Umblätterer zum siebten Mal seit 2005 die zehn besten Texte aus den Feuilletons des vergangenen Jahres (a.k.a. Der Goldene Maulwurf 2011). Und um gleich mal den BVB-Torwart Roman Weidenfeller zu zitieren: Die deutschsprachigen Feuilletonisten »have a grandios Saison gespielt«, auch 2011 wieder, und zwar alle.

Schon bis zum Frühjahr war ja mehr passiert als in so manchem Jahrzehnt der vorhergehenden Jahrhunderthälfte zusammen­genommen. Und es gab dementsprechende feuilletonistische Fort­setzungsgeschichten. Die meisten Ereignisse wurden auch von den anderen Ressorts abgedeckt, aber richtig in seinem Element war das Feuilleton bei den Telenovelas um Guttenbergs Doktorarbeit und die sympathische Beltracchi-Fälscherbande mit ihrer zusammengefakten »Sammlung Jägers«.

Eine weitere feuilletonistische Großtat war die Idee der FAZ, Hans Ulrich Gumbrecht ein eigenes Blog zu geben, »Digital/Pausen«, und es ist eigentlich ein eigenes Subfeuilleton, ein intellektueller Playground mit einer markanten Themenwahl und einmaligem analytischem Durchstich. Zwischendurch gab es am 9. Oktober noch die »Jahrhun­dert-FAS« mit superster Staatstrojaner-Coverage – die Ausgabe war sofort vergriffen, die entsprechenden Seiten 41–47 gab es dann aber schnell als PDF zum Download (zu diesem Feuilletonevent gehört unbedingt auch der »Alternativlos«-Podcast Nr. 20 vom 23. Oktober).

In der SZ, der NZZ, der TAZ, der WELT, dem SPIEGEL, der ZEIT und im FREITAG standen natürlich auch wieder die unfassbarsten Sachen drin. Die Idee des Goldenen Maulwurfs ist ja, die noch nie falsifizierte Großartigkeit eines Feuilletonjahres in den zehn angeblich™ besten Artikeln zusammenzufassen. Das ist bei einer Longlist von diesmal 51 Artikelvorschlägen eigentlich zu knapp, aber wir werden es wieder hinkriegen. Dazu dann morgen mehr.

Hier noch schnell unsere Backlist, die Preisträger der vergangenen Feuilletonjahre:

2005   (#1 Stephan Maus/SZ)
2006   (#1 Mariusz Szczygieł/DIE PRESSE)
2007   (#1 Renate Meinhof/SZ)
2008   (#1 Iris Radisch/DIE ZEIT)
2009   (#1 Maxim Biller/FAS)
2010   (#1 Christopher Schmidt/SZ)
2011   (#1 ???/???)

Am Dienstag im Morgengrauen dann also die zehn besten Texte aus den Feuilletons des Jahres 2011. Hier.

Bis gleich,
Consortium Feuilletonorum Insaniaeque

 
(Bild: Wikimedia Commons)


Vor 10 Jahren im »ZDF nachtstudio«:
»Fernsehen I bis III« (Rainald Goetz & Comp.)

Leipzig, 11. Dezember 2011, 18:20 | von Paco

Viele schauen das »ZDF nachtstudio« nur wegen Volker Panzer und seinen grauen Anzügen, grauen Krawatten und dunklen Hemden. Die Show läuft jetzt schon seit 1997, sie ist immer noch und immer wieder spitze, aber der absolute Höhepunkt bleiben die drei Sendungen vom September 2001, die unter dem Titel »Fernsehen I–III« liefen (alle bei YouTube).

Das dort ausprobierte Format geht zurück auf das beste Buch der letzten 25 Jahre (mindestens), nämlich »Dekonspiratione« von Rainald Goetz, in dem Folgendes geplant wird: »Eine wöchentliche Talkshow übers Fernsehen. Drei feste Leute, ein Gast, fünf vorher festgelegte Sendungen der vergangenen Woche, die dann nach Art des literarischen Quartetts diskutiert werden.«

Und nach diesen Regeln wird die Show im ZDF dann auch umgesetzt. Die festen Leute sind der Showerfinder Rainald Goetz, sein Wingman Moritz von Uslar und der Moderator Volker Panzer. Ein von Anfang an eingespieltes Dreamteam mit klarer Rollenverteilung, Panzer z. B. spielt den Kulturkonservativen und spielt ihn gut, und auch die drei Gäste, aus Quotengründen alles Frauen, sind genial gecastet: Alexa Hennig von Lange, Klaudia Brunst, Barbara Sichtermann.

Die erste Folge …

… läuft am 5. September 2001. Im Rückblick ist schon diese Eröff­nungssendung unheimlich, 9/11 dräut ja am Horizont. Dieses Gefühl der Unheimlichkeit ist aber noch nichts gegen die dann am 12. Septem­ber 2001 wirklich und tatsächlich stattfindende zweite Folge. Die wollte ich erst gar nicht wieder sehen, aber ich musste mich ihr natürlich aussetzen, um dann hier davon berichten zu können.

Doch jetzt erst mal Folge 1, die Einar Schleef gewidmet ist. Bei bzw. vor bzw. neben Goetz sind Zeitungen und Bücher ausgebreitet, es ist die schönste Grundierung, die sich überhaupt denken lässt. Besprochen wird u. a. die Sendung »Kulturzeit« auf 3sat, und alle machen sich über die damals gerade neu eingesetzte Moderatorin Tina Mendelsohn her, und Moritz von Uslar sagt den wahrscheinlich besten und nachvollziehbarsten Satz, der in den gesamten Nuller Jahren gefallen ist: »Ich will nicht eine Sendung sehen, wo eine Moderatorin sagt: ›Ich hab in der New York Times gelesen, dass –‹«

Insgesamt wird die »Kulturzeit« aber doch für gut und toll befunden. Und Goetz liefert auch noch gleich den zweitbesten Satz der Sendung nach, anlässlich eines »Kulturzeit«-Interviews: »Das ist wirklich ein Problem, dass alle Schauspielerinnen so dumm sind, das ist unerträglich.« Und es ist auch gar nicht polemisch oder ironisch gemeint, das muss man sich wirklich ansehen, wie das rüberkommt, es ist wie im »Abécédaire« von Deleuze, wenn er etwa sagt, der Hund sei der Abschaum der Tierwelt, es ist einfach eine sehr fein herausgearbeitete These inklusive mitgelieferter Beweiskette.

Über einen Artikel von Matthias Altenburg in der »Zeit« sagt Goetz: »Es ist ein Kracher, der Artikel, aber ich find, dass er sozusagen im Einzelnen nicht stimmt.« So muss über Feuilleton sowieso geredet werden, völlig überzogene Affirmation, die Feier des Glücks, dass da was auf Papier oder sonst wohin gedruckt wurde, und es dann unerwarteterweise doch irgendwie nicht stimmt und dass es trotzdem da steht. Und es ist so herrlich, wie Alexa Hennig von Lange an einer anderen Stelle Goetz widerspricht, es gibt da überhaupt kein böses Blut, es ist einfach der allerschönste Dissens, so wie Dissens sowieso am besten funktioniert, wenn er schön ist und nicht hässlich.

Moritz von Uslar lobt anschließend die sozialen Momente der RTL-Reality-Show »Gestrandet« (»Das ist das Beste von den Sachen, die wir heute besprechen, das Interessanteste und Avancierteste.«). Und Goetz fasst die Erfahrung Fernsehen für uns Heutige noch mal zusammen, wo wir gar nicht mehr wirklich wissen, wie das war damals, als wir noch Fernsehen gekuckt haben: »Fernsehen ist dazu da, um Erinnerung zu vernichten. Man kuckt die Sachen und weiß am nächsten Tag, Moment, was war gestern Abend eigentlich, was war da so angenehm, was ich gesehen habe?«

Das »nachtstudio«-Experiment also funktioniert auch nach 10 Jahren noch, man kann diese erste Sendung immer wieder und wieder sehen, genau wie den Auftritt von Rainald Goetz bei Harald Schmidt im April 2010. Aber dann:

Die zweite Folge …

… vom 12. September 2011 2001 (hier bei YouTube). Sie ist, wie gesagt, kaum auszuhalten. Weil man weiß, dass z. B. Harald Schmidt am 9/11-Dienstag nicht aus der Sommerpause zurückgekehrt ist, dass er eine Weile nicht auf Sendung gegangen ist, und es retrospektiv eine der wirkmächtigsten Entscheidungen der dt. TV-Geschichte gewesen ist, für die es einen Grimme-Preis der Abteilung »Spezial« gab.

Aber »Fernsehen II« ging auf Sendung. Zunächst wird Luhmann zitiert, wird 9/11 als ultimative Bestätigung seines Satzes interpretiert: »Was wir von der Welt wissen, wissen wir aus den Massenmedien.« Dem Ad-hoc-Gespräch über 9/11 setzt Goetz zum Glück sofort enge Grenzen, das rettet dann doch die Sendung: »Und ich will nur einfach nur noch eins kurz sagen. Dass wir uns wirklich zurückhalten sollten mit dem Versuch von Einschätzungen, weil uns das absolut überfordert und weil unsere Fähigkeiten der Analyse des Fernsehens, finde ich, das wirklich nicht erreichen, was da –«

Beobachtungen zusammentragen, mehr geht erst mal nicht. Nach 20 Minuten wird das 9/11-Thema abgebrochen und über die vorher ausgemachten Sendungen gesprochen, Goetz referiert die Günther-Jauch-Samstagabendshow »Der große IQ-Test« auf RTL. Und schon damals wird die Jauchlosigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens beklagt (darum sei die IQ-Show nicht auf ARD oder ZDF gelaufen, mangels eines Moderators, der so eine Sendung quasi »mit seinem Gesicht« halten kann).

Die eingeladene Klaudia Brunst stellt dann »Herrchen gesucht« vor: »Es ist eine Tiersendung vom Hessischen Rundfunk, die es schon seit 26 Jahren gibt. (…) Ich sehe diese Sendung sehr gerne.« Goetz und Uslar finden die (mittlerweile abgesetzte) Schau deprimierend und traurig und falsch, es gibt eine entspannte Brandrede gegen die Emotionsarbeit des Fernsehens: »Ich will nicht so bedrängt werden.«

Und eine schöne Beobachtung zu »Beckmann« gibt es noch (besprochen wird die damals aktuelle Sendung mit Ulla Schmidt, Paul Sahner, Wladimir Klitschko). Und zwar beobachtet Goetz sehr fein Beckmanns schon per Körperhaltung angedeutetes »Reinschlupfen« in seine Talkgäste.

Die dritte Folge …

… kommt am 19. September 2001 (hier bei YouTube). Zu Gast ist Barbara Sichtermann, die ich damals nur als Figur aus Stuckrad-Barres »Blackbox« kannte (»Sichtie«).

Es geht u. a. um »Sex and the City«, die erste Staffel von 1998, die am 18. September 2001 auf ProSieben Premiere hatte. Goetz findet die Serie und das mitgelieferte Bilder- und Themenarsenal schon »extrem historisch« (»es ist so fucking alt, es ist so dated«). Panzer fragt: »Würden Sie denn diese Serie auch freiwillig weiterkucken?« Goetz (enthusiasmiert von Sichtermanns Analyse): »Ja, ehrlich gesagt ja, komischerweise.« 2001, das ist auch kurz vor dem Zeitpunkt, als in Deutschland das Serienjunkiewesen beginnt, was mit SATC ja auch etwas zu tun hat. Plötzlich konnte man wildfremde Menschen z. B. fragen, ob sie »Six Feet Under« s04e05 gesehen haben usw., das waren plötzlich Referenzpunkte wie Bibelstellen.

In »Fernsehen III« liefert Goetz sonst noch eine schön anzuhörende Strukturanalyse von »Sabine Christiansen« (Sichtermann: »Ich sehe die Sendung nicht so gerne. Sie ist mir zu behäbig und die Moderatorin zu …« – Goetz: »… betrunken vielleicht?«). Es ging in der »Christiansen«-Sendung natürlich um 9/11 und die Folgen, und Goetz lobt in einem Anfall von Systemtheorie den verklausulierten, staatstragenden Gestus der talkenden Politiker, Schilys zum Beispiel:

(zu Sichtermann:) »Ich finde nur, das, was Sie da angreifen an dem gesetzten Talk der Politiker, das hab ich grade in der Sendung jetzt noch mal so richtig verstanden und gut gefunden, weil es sozusagen darum geht, dass die künstliche Intelligenz der Institutionen quasi angezapft wird. Es geht jetzt nicht darum, was Schily als Person denkt, sondern es geht darum, dass diese Probleme eingespeist werden – das findet jetzt eben statt – in Apparate. Kein einzelnes Bewusstsein ist in der Lage sozusagen, die Konsequenzen zu überblicken, das denken zu können, das verstehen zu können, aber Kommunikation als Ganzes, diese Art von künstlicher Intelligenz, die da jetzt zu marschieren anfängt, und das sah man da so extrem. Es gab dann ja auch sofort in der FAZ von Mark Siemons einen Artikel darüber, dass Schily, und Fischer übrigens auch, bei ntv, dass die sozusagen die Diskurse abblocken. (…)«

Es geht dann auch noch um die ausgebliebene Harald-Schmidt-Show, es kommt zu folgendem Dialog:

Goetz: Wir haben ja sozusagen gewartet, schon letzten Mittwoch bin ich hier reingekommen und hab gesagt: Was macht Harald Schmidt? Sozusagen ich warte bereits seit einer Woche drauf: Wie tritt er vor die Leute, was passiert?
Uslar: Ich bin gleichzeitig irre gespannt und kann gleichzeitig auch verstehen, dass er im Moment nicht sendet. Die Amerikaner senden auch nicht im Moment, das ist so ein Argument –
Goetz: Die amerikanischen Talkshows laufen nicht, oder wie?
Uslar: Nee, Leno und Letterman senden nicht.
Goetz: Ah, das ist ja interessant.
Uslar: Und das ist sicher ein Argument für die, die –
Goetz (unterbrechend): Woher weißt du das?
Uslar (mit Understatement gehaucht, absolut sympathisch): Das hab ich in der Zeitung gelesen.
Goetz (sehr, sehr heiter).

Am Schluss dieses dreifolgigen »nachtstudio«-Experiments wird noch gefragt: »Ist das Fernsehen als Ganzes vielleicht das größte Kunstwerk des 20. Jahrhunderts überhaupt?« Wenn man das damals vor 10 Jahren mit Enzensbergers »Nullmedium«-Idee im Hinterkopf als provokant empfunden haben könnte, ist es heute eine noch berechtigtere Frage, aus historischer, aus kunsthistorischer Sicht, denn das 20. Jahrhundert ist ja genauso vorbei wie das Fernsehen as we knew it.

Ich habe die drei Sendungen noch irgendwo auf VHS, aber im Moment keine Zeit, um sie ins Museum historischer Abspielgeräte zu bringen. Deshalb ein großer Dank an den Uploader alexomat2, und hier noch mal der LINK zu diesem Goldnugget der TV-Geschichte.
 


100-Seiten-Bücher – Teil 19
Eduard von Keyserling: »Am Südhang« (1916)

Düsseldorf, 12. November 2011, 10:51 | von Luisa

Eduard von Keyserling wird abwechselnd sanft vergessen und wieder entdeckt – insofern ist »Wellen« (der Titel seines bekanntesten Romans) auch eine schöne Beschreibung seines Nachruhms. Dass dieser nicht intensiver wurde, verhinderte der baltische Graf, indem er stets dieselbe Geschichte erzählte. Man stelle sich vor, Thomas Mann hätte dem »Verfall einer Familie« noch andere folgen lassen – der Nobelpreis wäre dahin gewesen.

Eine Keyserling-Geschichte spielt auf östlichen Landgütern unter müden Adligen, handelt von Amouren, die nicht lustvoller sind als die Ehen, von Todesfällen, Langeweile, Sommerhitze und Schwermut. Herrliche Gärten, intakte Natur und das strahlende Licht über der Ostsee werden durchaus geschätzt, helfen aber nicht gegen den ennui. Frauen tun nichts, Männer wenig mehr, manchmal sorgen ein Duell oder ein Suizid für ein wenig Aufregung. Geweint wird reichlich, auch von Männern, aber die Tränen erschüttern nicht mal die, die sie vergießen.

Vielleicht weil »Am Südhang« alle diese Elemente perfekt vereint, wurde die Erzählung von Florian Illies als Keyserlings Meisterstück gerühmt. Aber mir gefällt »Schwüle Tage« viel besser, weil da endlich mal nicht nur Melancholie herrscht, sondern auch Komik. Ein teils muffliger, teils munterer Siebzehnjähriger berichtet, dessen naiver Charme entschieden mehr Anteilnahme weckt als der Leutnant Karl Erdmann, mit dem sich der allwissende »Südhang«-Erzähler auch ziemlich zu langweilen scheint. Beide Geschichten warten übrigens am Ende mit einer Leiche auf und natürlich wird dann geweint, aber die Tränen, siehe oben.

Länge des Buches: ca. 148.500 Zeichen. – Ausgaben:

Eduard von Keyserling: Am Südhang. Erzählung. Berlin: S. Fischer [1916].

Eduard von Keyserling: Am Südhang. Erzählung. Mit einem Nachwort von Richard Brinkmann. Stuttgart: Reclam 1963.

Eduard von Keyserling: Am Südhang. Erzählung. Coesfeld: Elsinor 2006.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)


Betriebsjubiläum:
Vor 30 Jahren begann die Feuilletonmanie von Rainald Goetz

St. Petersburg, 29. August 2011, 00:50 | von Paco

Er ist promovierter Historiker und Mediziner und arbeitet nun schon seit drei Jahrzehnten an einem ordentlich durchnummerierten literarischen Œuvre. Den größeren Teil seines erwachsenen Lebens dürfte Rainald Goetz aber mit etwas anderem zugebracht haben. Er dürfte irgendwo herumgesessen, herumgelegen oder herumgestanden haben mit einem aufgeschlagenen Feuilleton vor der Nase.

Teleologisch schien dieses Zeitungsleserleben auf den Auftritt in der Harald-Schmidt-Show am 8. April 2010 gerichtet zu sein, als Goetz vor einem Millionenpublikum triumphal die erste Seite des aktuellen FAZ-Feuilletons vorführte und auf sympathische Weise feierte und lob­preiste. Angefangen hat diese manische Auseinandersetzung mit dem Kulturressort der deutschsprachigen Zeitungen aber vor genau 30 Jahren. Damals erschien unter dem Titel »Reise durch das deutsche Feuilleton« einer der ersten Goetz-Texte überhaupt. Er fand sich in der von Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore gegrün­deten Zeitschrift »TransAtlantik«, in der Ausgabe vom August 1981.

Dieses einige Jahre später eingestellte Monatsmagazin wollte sich nach dem Vorbild des »New Yorker« auf große Reportagen speziali­sieren, entlang der von Enzensberger ausgegebenen Parole von der »Untersuchung der Wirklichkeit mit literarischen Mitteln«. Der 27-jährige Rainald Goetz ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht der ewige Suhrkamp-Autor, er ist noch erkennbar auf der Suche nach seiner Sprache und den vom Herausgeber angekündigten »literarischen Mitteln«.

Heiliger Bezirk

Der Münchner Medizinstudent, der gerade in der Psychiatrie arbeitet, nutzt für seine geplante Reportage drei Wochen Ferien, um einige der von ihm »bewunderten Herren des Feuilletons« aufzusuchen und persönlich kennenzulernen, als erklärter Fan. Als Zeitungsleser ist man ja sowieso auch erst satisfaktionsfähig, wenn einem die Namen der Journalisten mindestens genauso wichtig sind wie deren jeweilige Themen, wenn nicht wichtiger. Und so schnappt er sich seinen Kassettenrekorder und macht sich auf den Weg zu Wolfram Schütte (»Frankfurter Rundschau«), Wolfgang Ignée (»Stuttgarter Zeitung«), einem ungenannten »Spiegel«-Redakteur, Fritz J. Raddatz (»Die Zeit«), Marcel Reich-Ranicki (FAZ) sowie Joachim Kaiser (SZ).

Die kurzen Ausflüge führen ihn nach Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und in den Münchner Norden. Berlin, heute unangefochten die Stadt mit dem höchsten Feuilletonistenaufkommen pro km², ist noch geteilt und weit ab vom Schuss, für ein Porträt des bundesrepublikanischen Kulturjournalismus entbehrlich. Das Feuilleton ist damals auch noch nicht zur diskursiven Allzweckwaffe umgebaut, und so begegnet Goetz vor allem Rezensenten alter Schule, inklusive »Großkritiker« und »Literaturpapst«. Seine Feuilletonhelden haben ihm mit ihren Kritiken vor allem eingeimpft, »dass die Literatur ein heiliger Bezirk ist«.

Und so klingt die Reportage ab und zu noch wunderbar gestelzt, Goetz redet von sich in der dritten Person und tritt stets als »der Besucher« auf. Als solcher lässt er sich von seinen Idolen des Kulturbetriebs begierig die Biografien heruntererzählen, denn eines scheint ihn vor allem zu interessieren: Wie wird man Feuilletonist? Als ihm Reich-Ranicki seinen Tagesablauf schildert, sinniert Goetz: »Von einer solchen Existenzweise, meint der Besucher, kann man nur träumen.«

Zweifel und Dissen

Dabei haben ihn die Besuche bei Schütte (»verquälte Selbstzweifel«) und Ignée (»forcierte Bescheidenheit«) sowie der Klatsch und Tratsch auf seiner ersten Buchmesse erst mal desillusioniert. Begeistert ist er über das Frankfurter Gelände gestapft und hat freudig Hellmuth Karasek und Reinhard Baumgart an sich vorüberhuschen sehen. Aber dann muss er erschrocken in einen Abgrund blicken: »Menschenver­achtung beherrscht diesen Betrieb, Neid, Verlogenheit, Größenwahn, Ungerechtigkeit, Anmaßung.« Erst Raddatz wird ihn wieder beruhigen. Das sei doch alles ganz normal. Und am Ende reden sie noch über stilvolle Selbstmorde und alles ist wieder gut.

Auch die Jovialität von Reich-Ranicki und Kaiser holen ihn zurück in die Welt seiner Feuilletonfantasien. Dabei hat er schon noch das Gefühl, abgefertigt zu werden. Kaiser scheint durch ihn hindurchzublicken, und von Reich-Ranicki muss er sich dessen Buch »Zur Literatur der DDR« signieren und schenken lassen. Aber Goetz will kritisch sein, wie man das eben sein muss, und stellt dabei gelungene Coming-of-Age-Fragen: »Aus welchem Impuls heraus schreiben Sie?« Und zwischen­durch wendet er ab und zu ordnungsgemäß die Kassetten im Rekorder.

So begann also vor 30 Jahren seine Tätigkeit im feuilletonverarbei­tenden Gewerbe. Die Manie ist schon da (wer sonst besucht freiwillig sechs Literaturredakteure?), aber noch will Goetz etwas angestrengt an allem zweifeln, um seine Begeisterung ansatzweise zu relativieren. Trotzdem schimmert hier schon die unbedingte Totalaffirmation des deutschsprachigen Feuilletons durch, die sich später etwa an den täglichen Eintragungen in »Abfall für alle« ablesen lässt, wenn er längst Zweifel durch Dissen ersetzt hat. Für den Autor Goetz ist die intensive Feuilletonlektüre nachgerade überlebensnotwendig geworden. Ohne sie würde er wahrscheinlich seine Bücher auch gar nicht mehr vollkriegen, hehe.


(Dass Goetz beim Bücherschreiben und nicht beim Feuilleton selbst gelandet ist, hat übrigens auch mit dieser frühen Reportage und einem kleinen Disput mit Enzensberger zu tun, siehe R. G., »Kronos«, Suhrkamp 1993, S. 259f.; dazu vielleicht später mehr.)
 


Der Seinsüberwurf und die drei Verdoppelungen (Lottchen, Marx und Malick)

Stanford, 21. Juni 2011, 02:30 | von Srifo

Aus dem Schatten des doppelten Lottchens hat Ekkehard Knörer ja im »Freitag« den »doppelten Marx« heraustreten lassen, was als Sequel gut passt, denn 1942 hieß Kästners Drehbuch noch »Das große Geheimnis«. Beide Märxe waren vor kurzem nämlich gleichzeitig im bekannten Ferienheim Berlin zu Besuch. Sie konnten sich erst gar nicht ausstehen und fanden aber dann bei Schokoladenmilch auf irgendeine Weise heraus, dass sie durch die Scheidung ihrer Eltern getrennt wurden.

Was nun das große Geheimnis der Stunde angeht, friemelt Knörer auseinander, muss es so sein, dass obwohl die zwei Märxe »zuneh­mend blaß um die Nase« werden, sie trotzdem »egal ob auf Kopf oder Füßen« hinterlistig und qua Bekanntschaft ihrer Erzeuger (der eine aus Saarlouis, der andere aus Ljubljana) als »Virtuosen der Vernetzung« agieren.

Das sieht auch Uwe Justus Wenzel in der NZZ so. Laut seiner Beobach­tung der marxistischen Szenik gibt es einzig bei der »Tischgenossen­schaft« der Märxe, dieses täuschend einhelligen Zusammenhalts der »Keimzelle eines neuen ›Wir‹«, »allenthalben« eine neue Erkenntnis, nämlich die der Vervielfältigung. Dass es damit dann den »authentischen Marx« gar »nicht zu entdecken gibt«, hat ob der Verdopplungswirren auch Tania Martini in der taz feststellen müssen. Was bleibt, ist gegenseitige Verwechselbarkeit im Ferienlager, bei Schokomilch und Heidesand.

Selbst der alte Marx-Monadist Immanuel Wallerstein, dessen soziologisches »World-System« 1974 wider allen Anschein von nur einer Welt voll dependency sprechen wollte, hat letztens indirekt eingeräumt, dass es nach dem »next-to-last speculative bubble burst« 2008 nun vorbei ist mit dem erstrebten Glanz seiner alten Einheits-Idee. Ein Vervielfachen, »an ever-escalating stretching of the interpretation of Marxism« ist wohl die Lösung bzw. ist »actually a world depression«.

Auch das letzte Ressort der Seinsgelassenheit, ein neuer Film von Terrence Malick, kann da nicht mehr zeigen, wie alles Sein zusammen­hängt – Brad Pitt als Naturstrenge? Die Mutter Jessica Chastain als Urknallgnade? Abermals die falschen Eltern. Das klingt sogar nach einem ›ever-escalating stretching‹ von Malick. »Days of Heaven« (1978) hat jedenfalls mehr Sakralität draufgehabt. Hier könnte man jetzt wieder auf Heidegger referieren. Aber das tun ja die anderen schon. Bloß die »Zeit«-Diagnostik macht es kurz und sagt es der Tischgenossenschaft ins Gesicht: »Malicks Naturgott ist schizophren«.
 


Kurzes Interview zum 100-Seiten-Marathon

Hamburg, 18. Mai 2011, 16:36 | von Dique

Richard Deiss ist leidenschaftlicher Zahlenfresser, Sammler und Books-on-Demand-Fanatiker. 20 seiner Bücher sind dort bereits erschienen, darunter Sammlungen von Städte-, Stadtteil- und Gebäudebeinamen. Ein weiteres Faible sind Buchladentouren, bei einer haben wir ihn letzten August begleitet (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Nach diesem Wochenende zeigte sein Pedometer 222.222 Schritte an, wie er uns später per E-Mail mit­teilte. Als Richard von unserem Kanon hundertseitiger Bücher erfuhr, fing er sofort zu lesen an.

Der Umblätterer: Richard, du hast jetzt einfach mal so ein paar Dutzend 100-Seiten-Bücher gelesen.

Deiss: Ja, ich bin ja Geograph, lese meistens nur Sachbücher und habe leider nicht Literatur studiert, bin also ein bisschen hinterher mit der Literaturlektüre, da nehme ich als Listenfan solche Kanonsachen immer ganz gern als Anlass, Bildungslücken abzubauen.

In den Weihnachtsferien habe ich Fritz J. Raddatz’ »Tagebücher 1982–2001« gelesen, was mein Interesse für Literatur geweckt hat, und ich habe mich daran erinnert, dass Raddatz damals diese ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher herausgegeben hatte. Dieser blaue Suhrkamp-Band war in den 1980er Jahren meine Kanon-Bibel. Ich kam bis zum 25. Buch, und mich reute es in späteren Jahren immer, dass ich nicht weitergemacht hatte.

Da ich mit den Raddatz-Tagebüchern am 1. Januar durch war und diese Lektüre wie gesagt sehr anregend war, kam es zum Neujahrsvorsatz, in diesem Jahr pro Woche zwei Bücher zu lesen, also nicht nur Hundertseiter, auch längere Bücher, aber das Pensum ist natürlich mit ein paar kurzen Texten dazwischen viel realistischer. 27 Hundertseiter aus eurem 100-Seiten-Kanon habe ich inzwischen durch, also um die 2.700 Seiten (plus 13 Bücher des Kanons, die ich schon vorher gelesen hatte). Deshalb schaue ich immer wieder auf eure Liste, ein Schatz­kästlein der Literatur, das mich einen Edelstein nach dem anderen entdecken lässt.

Der Umblätterer: Zum Beispiel?

Deiss: Begonnen habe ich mit Melvilles »Bartleby«, das hat mich gleich umgehauen. Und ich hatte die Hoffnung, dass sich unter den ausstehenden 100-Seiten-Büchern noch weitere »Bartlebys« finden. Beeindruckt hat mich dann auch »Leutnant Burda« von Ferdinand von Saar. Ich kannte den Autor vorher gar nicht. Der Text liegt gerade ausgedruckt auf meinem Schreibtisch, und immer, wenn ich draufschaue, spricht die Schlüssigkeit der Geschichte mich gleich wieder an, sie ist stimmig erzählt und sehr spannend bis zu ihrem tragischen Schluss.

Der Umblätterer: Du hast den Text zum Lesen ausgedruckt, aus dem Internet?

Deiss: Ja, viele eurer Hundertseiter sind ja online, im Projekt Gutenberg oder bei zeno.org.

Der Umblätterer: Sind das dann zuverlässige Textversionen, oder gibt es da reihenweise Tipp- und OCR-Fehler?

Deiss: Soweit ich es beurteilen kann, ist die Qualität okay, Tipp- oder Scanfehler sind mir bisher eigentlich keine aufgefallen. Ich versuche natürlich trotzdem, möglichst viele der Hundertseiter in traditionellen Buchläden, die es ja weiterhin geben sollte, zu kaufen.

Der Umblätterer: Was ist dir sonst noch in Erinnerung?

Deiss: Nach »Bartleby« habe ich »Unterm Birnbaum« gelesen, auch das unglaublich spannend, und dann Aitmatows »Dshamilja« und Schnitzlers »Traumnovelle«. Alles tolle Bücher. Bei »Dshamilja« setzt Aragon in seinem Vorwort die Latte so hoch, dass man anfangs fast enttäuscht ist, doch das Buch nimmt einen dann doch mit.

Der Umblätterer: Zu welchen Gelegenheiten liest du die Bücher eigentlich so?

Deiss: »Dshamilja« zum Beispiel habe ich an einem Bahnwochenende gelesen. Ich habe an einem Tag Buchläden in drei Städten besichtigt (Trier, Saarbrücken und Ludwigshafen) und hatte ursprünglich kein anderes Buch dabei, da war es zusätzlich spannend, immer noch zu schauen, wo ich für die Bahnfahrt dazwischen schnell noch eines der Kurzbücher auftreiben konnte, denn andere Bücher mochte ich damals gar nicht lesen.

Leider landete ich dann immer in den Thalia-Filialen irgendwelcher Einkaufszentren, die alle gleich aussahen, aber dort hatten sie wenigstens einige der Hundertseiter von eurer Liste im Regal. Die Bücher hatten dann auch gerade die richtige Länge für die Fahrabschnitte zwischen den Städten. Allerdings förderte der Griff ins Kanon-Schatzkästlein auch ein paar dröge Brocken zu Tage.

Der Umblätterer: Welche denn?

Deiss: Zum Beispiel Fontanes »Grete Minde«. Da hatte ich mehr erwartet nach eurer vollmundigen Empfehlung. Schon der Anfang: Zwei Kinder sprechen herzig über Vöglein und Nestlein, es fiel mir schwer, da weiterzulesen. »Unterm Birnbaum« war viel spannender. »Grete Minde« dagegen ist eine heulsusig dahinplätschernde, für mich wenig spannende Geschichte, der am Schluss ein dramatisches Fanal aufgepfropft wird. Würde ich aus dem Kanon eher streichen, ein Fontane reicht.

Der Umblätterer: Und was noch?

Deiss: Auf jeden Fall die Sachbücher. Immer wieder ärgere ich mich bei der Lektüre, wenn ich eine spannende Geschichte erwarte und doch nur ein literaturbezogenes Sachbuch in der Hand halte. Ich würde die Liste auf genau 100 Titel begrenzen und die Sachbücher in eine eigene Liste übertragen und diese dann wiederum auf 100 ergänzen.

Der eben erwähnte ZEIT-Kanon mit 100 belletristischen Titeln wurde dann etwas später um eine Sammlung mit 100 Sachbüchern ergänzt, sehr lobenswert und auch von Raddatz herausgegeben. Bei den Sachbüchern kam ich allerdings auch nicht sehr weit, die lesen sich teilweise mühsamer als Belletristik, auch hier würde eine Liste der kurzen Werke helfen, deshalb bin ich froh, dass ich mit der Liste der Kurzwerke weitermachen kann.

Der Umblätterer: »Grete Minde« wird auf keinen Fall gestrichen, hehe.

Deiss: Schön übrigens, dass einer der ersten eurer Vorstellungstexte gleich Chamissos wirklich »wundersame Geschichte« ist, die habe ich jetzt erst am Freitag gelesen, ein wahrer Edelstein von Geschichte. Am Samstag dann noch Hemingways »Der alte Mann und das Meer«, ein wunderbares Buch, jetzt sind es, wie gesagt, mit den bereits früher gelesenen 38 aus der Liste, und ich möchte dieses Jahr noch auf 50 oder 60 kommen.

Der Umblätterer: Wie liegst du im Plan?

Deiss: Es sieht gut aus. Ich will ja nicht nur Kurzbücher lesen, aber weil ich mich in letzter Zeit darauf konzentriert habe und zum Beispiel zwischendrin dieses leseintensive Bahnwochenende hatte, bin ich meinen Leseplänen voraus, falle aber im Moment wieder ein bisschen zurück, da die Arbeitswoche hektisch ist. Zumindest den Klabund will ich aber bis morgen noch lesen, sind ja nur 45 Seiten.

Der Umblätterer: Wieder ausgedruckt?

Deiss: Ja, von Wikisource aus auf A4 ausgedruckt, da werden aus den 100 Seiten eben 45, die Textmenge bleibt natürlich hoffentlich die Gleiche. Aber vielleicht liest man schneller, wenn man im Hinterkopf die Zahl 45 hat und denkt, dass das ja nicht so viel ist.

Der Umblätterer: Kannst du vielleicht kurz erklären, was ein Hundertseitenbuch ist, in Abgrenzung zu anderen Textmengen?

Deiss: Also für mich ist es nur wichtig, dass es kurz ist, damit ich mit meinem 100-Bücher-Projekt vorankomme, die Abgrenzung auf eurer Liste habt ihr ja selbst definiert, ich glaube es sind Bücher mit zwischen 50.000 und 150.000 Zeichen oder so ähnlich.

Der Umblätterer: Das Maß ist 100.000 bis 225.000, durch lange Experimente bestimmt, unter Zuhilfenahme einiger Arno-Schmidt-Formeln! Was wirst du tun, wenn du hundert Hundertseiter gelesen hast?

Deiss: Durch die Liste bin ich zum Schnitzler-Fan geworden. Letzte Woche habe ich »Leutnant Gustl« gelesen, das war wieder mal großartig. Ich möchte unbedingt alle seine Werke lesen. Wenn ich damit fertig bin, möchte ich die 100 wichtigsten/besten Reisebücher lesen. Eine entsprechende Liste habe ich bereits erstellt und vor fünf Jahren auch schon mit dem Lesen angefangen, kam allerdings auch da erst bis Buch 25. Der Grund war, dass ich zu diesem Zeitpunkt begann selbst Bücher zu schreiben und keine Zeit mehr hatte. Da ich mein eigenes Veröffentlichungsprogramm Ende 2010 abgerundet habe, kann es mit dem Lesen wieder weitergehen, aber wie gesagt, im Jahr 2011 habe die Kurzbücher Vorrang.

Der Umblätterer: Welche drei Titel von der Liste fallen dir jetzt gerade spontan noch ein?

Deiss: Ok, also Stifters »Abdias«, ganz nett zu lesen, aber irgendwie fehlt der Spannungsbogen. Flex’ »Der Wanderer zwischen beiden Welten« …

Der Umblätterer: Flex, was? Wer hat den denn auf die Liste gesetzt! Ach so, ja, das war irgendwie als Ausgleich zu Christa Wolfs »Kein Ort. Nirgends« gedacht, wenn wir uns recht erinnern.

Deiss: Also wieso, ich fand Flex beeindruckend sprach- und bilderstark. Und »Frühstück bei Tiffany« hab ich auch noch lebhaft in Erinnerung, viel besser als der Film und im englischen Originaltext mit tollen Ausdrücken (»I’m the top banana of the shock department«). Aber was rede ich hier lang und breit herum, statt des Interviews hätte ich jetzt eigentlich schon wieder fünf Seiten lesen können.

Ende des Gesprächs. Inzwischen hat uns Richard wissen lassen, dass er nun auch mit »Tonio Kröger« durch sei. Habe ihn trotz unserer ausdrück­lichen Empfehlung wenig angesprochen, die Erzählung. Er stelle sie auf eine Stufe mit »Grete Minde«. Ansonsten werde er nächste Woche seinen 1000. Buchladen besuchen und habe sich dafür den »25books« in Berlin ausgesucht. Warten wir also auf neues Zahlenmaterial vom Pedometer.
 


Schneewuttke und die sieben Kleckslein

Berlin, 4. April 2011, 12:53 | von Josik

Noch heute ist auf der Rio-Reiser-Homepage jener »taz«-Artikel vom 10. November 2006 nachzulesen, der rekapituliert, wie Fans im Internet wütend auf die Handelskette Media-Markt waren, weil die ein Rio-Reiser-Cover verhökerte. Das, so meinten damals die Fans, passe zusammen »wie Gummibärchen und Blutwurst«, ein Vergleich, in dem Rio Reiser wohl die Gummibärchen sein soll und der Media-Markt die Blutwurst. Als Rio Reiser nun neulich auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg umgebettet wurde, gelangte er in die Nachbarschaft der Gebrüder Grimm, den Aufschreibern des berühmten Wurstmärchens.

Martin Wuttke nutzte dann kürzlich in der Wiener »Presse« die Gelegenheit, das Wurstmärchen, das er schon 1995 an der Seite von Bernhard Minetti spielte – damals allerdings war Robin Detje zufolge die Blutwurst das Berliner Ensemble und die Leberwurst die Zuschauer –, dem Haiderklon H. Che Strache vorzulesen.

Es handelt sich also um jenes berühmte Märchen, in dem eine Blut­wurst und eine Leberwurst in Freundschaft lebten, die Blutwurst die Leberwurst zu Gast bittet, die Leberwurst ganz vergnügt zur Blutwurst in die Stube geht, dort aber auf der Stiege viele wunderliche Dinge sieht, woraufhin sie, die Leberwurst, erschrickt, von der Blutwurst aber freundlich empfangen wird, schließlich fragt die Leberwurst die Blut­wurst, was denn da im Stiegenhaus los sei, freilich stellt sich die Blutwurst der Leberwurst gegenüber taub und marschiert in die Küche, während sie, die Leberwurst, in der Stube auf und ab geht, dann kommt jemand, von dem die Gebrüder Grimm schreiben, sie wüssten nicht, wer es gewesen ist, zur Tür herein und warnt die Leberwurst, sie solle sich schleichen, also schleicht sich die Leberwurst zur Tür hinaus auf die Straße und sieht von dort aus die Blutwurst. Soweit das Märchen.

Martin Wuttke fragt dann Strache: »Tolles Märchen, oder? Lässt sich so etwas politisch beurteilen?« Strache antwortet, dass hier der Bundeskanzler Faymann die Blutwurst sei und der Vizekanzler Pröll die Leberwurst.

Es ist überhaupt auffällig, wie sehr schon im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts die Beschäftigung mit Würsten im Schwange war. Justinus Kerner etwa veröffentlichte 1820 die Schrift »Neue Beobachtungen über die in Württemberg so häufig vorfallenden tödtlichen Vergiftungen durch den Genuß geräucherter Wurst« und 1822 das noch bahnbrechendere Werk »Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkung auf den thierischen Organismus, ein Beitrag des in verdorbenen Würsten giftig wirkenden Stoffes«.

Seine »halbe Erblindung«, wie er sie selbst nannte, hat Justinus Kerner sich nach Gunter Grimm, dem Herausgeber der »Ausgewählten Werke« Kerners, wohl durch seine medizinischen Versuche über Wurstvergiftungen zugezogen. Justinus Kerner aber hat das Beste aus seinem Augenleiden gemacht und uns die genialen »Klecksographien« hinterlassen, bedichtete Tintenkleckse:

Als ich mit Druckerschwärze heut klecksographiert‘,
Wozu mich nur der Teufel hat verführt,
Kam dieses Skandalum heraufspaziert.

Usw.


Die Blinky-Palermo-Ausstellung in Münster

Münster, 30. März 2011, 15:15 | von Paco

»Coffee, Coffee muss ich haben«, heißt es ja in Bachs Kaffeekantate, und so sitze ich nach dem Essen mit ein paar Leuten von der Research Unit 3 im »fyal«. Es geht immer noch um dieselben Dinge wie vorhin am Tagungsvormittag, ich höre nur halb hin, und dann klingelt mein Handy. Ich entschuldige mich nach draußen, aber das Telefonat ist dann eigentlich auch gleich beendet.

Ich bin beim Sprechen ein bisschen Richtung Dom gelaufen und schaue jetzt nach links. Da wird am Landesmuseum für die Blinky-Palermo-Ausstellung geworben. Ach ja, genau, ich hab darüber mindestens drei Teasertexte gelesen (ZEIT/dpa, SP*N, …), aber leider heute wegen der Tagung keine Zeit. Wobei. Ich hole mir einfach mal ein Ticket und gehe die Treppe hoch ins 2. Obergeschoss.

Palermo ist ja ein ziemlicher White-Cube-Fetischist gewesen, auch die acht Ausstellungsräume hier wirken schön leer und übersichtlich. Über der Eingangstür von Raum 1 prangt gleich diese berühmte, berüch­tigte, bezirzende Ad-hoc-Wandmalerei, das leuchtende »Blaue Drei­eck« von 1969, das hier von einem Mitarbeiter des Landesmuseums hingemalt wurde, unter Benutzung der von Palermo angefertigten Schablone.

SVG-Nachbildung des Blauen Dreiecks, aus dem Gedächtnis

Schon von Palermos rahmenlosen Bildobjekten wird ja generell be­hauptet, dass sie durch ihre Rahmenlosigkeit die gesamte Umgebung mit in sich aufnähmen. Der Titel der Ausstellung ist dahingehend auch programmatisch: »Who knows the beginning and who knows the end«, benannt nach zwei Werken, die in Raum 6 an der Wand pappen.

Vom »Blauen Dreieck«, das, wie gesagt, mesmerisierend in den Saal hinausstrahlt, wird im Erläuterungsheft sogar behauptet: »Zum Werk gehören der Türrahmen, die Wände, der Durchgang und letztlich das ganze Gebäude.« Wahnsinn, das ganze Gebäude, und ich lese es noch mal, und es steht tatsächlich so da.

Auch noch im Raum 1 hängt »Blau auf Grün« (Öl auf Nessel über Holz, 1965), eine satte Ladung ausgekipptes Blau, das aber unvollständig vermalt wurde und so die wiesengrüne Grundierung durchscheinen lässt. Das alles findet auf einer an den Ecken (außer unten rechts) abgerundeten Holztafel statt, es könnte sich um das Logo eines hippen TV-Senders handeln, aber ich bin schon weiter gegangen und mittlerweile in Raum 3 angelangt, da hängen die frühen Aquarelle, die auch zum ersten Mal mit dem mafiösen Künstlernamen signiert sind.

Denn mit seinem arg bürgerlichen Namen ›Peter Heisterkamp‹ könne er nichts werden, soll ihm Beuys gesagt haben, und heute erinnert der Name ja genau auch an Berthold »Ernie« Heisterkamp, den Körperschweiß-Nerd aus dem »Stromberg«-Büro. Und so steht jetzt also auf dem karierten Heftpapier unter ein paar Aquarellstrichen mit Bleistift geschrieben: »Palermo 1965«, und das ruft auch sofort eine Stimmung hervor, Palermo, Sizilien, Mafia, Sechzigerjahre, auch wenn ein anderes Aquarell qua Titel eher nach »Zeebrügge« führt.

Im selben Raum höre ich auch mal wieder den Museumsklassiker, Abteilung Moderne Kunst, hier heute gesprochen in schönstem Erasmus-Englisch: »What’s so special about these paintings, my dog could paint that!« Die skeptische Museumsbesucherin gibt das sehr laut bekannt, und es ist sehr faszinierend zuzuhören, wie ihr (deutscher?) Freund beschwichtigt und gegenredet und ihr die Blinky-Palermo-Kunst nahezubringen versucht, aber ich muss ja weiter, so langsam sollte ich auch mal wieder zurück ins »fyal«, also schnell durch Raum 4 durch und zu den Grafiken in Raum 5. Die klar gegen den weißen Grund abgegrenzten Flächen gleißen wieder intensiv, die Siebdrucke aus der Mappe »4 Prototypen« (1976) sehen aus wie eine rätselhafte iPhone-App.

Raum 6 hab ich ja schon erwähnt, hier hängen Werke aus Palermos letzten Monaten, 1976/77, der Farbauftrag ist meist sehr flüchtig, als ob ihm die Farbe ausgegangen wäre. In der Jonathan-Meese-Doku »Die Ameise der Kunst« war mal zu sehen, wie sich der Zottelkünstler im Malerbedarf tonnenweise mit wahllos zusammengesuchten Farbeimern eindeckt (hier ab Min. 7:20). Ein einziger Meese-Einkauf hätte Palermo wahrscheinlich für sein ganzes Lebenswerk gereicht.

In Raum 7 dann ein weiteres intensives Farberlebnis, vier hell leuchtende Acrylmalereien auf Alu-Tafeln. Die haben wieder etwas Logohaftes, könnten Desktop-Icons sein, und überhaupt eignete sich Palermos Werk wahrscheinlich auch sehr gut für Slideshows auf Smartphones, ganz im Gegensatz etwa zu hingeprunkter Barock- oder Renaissancemalerei (zu kleinteilig).

Im Durchgang zu Raum 8 liegt in einer Vitrine die Original-Schablone für das »Blaue Dreieck«, und zwar samt Anleitung: »Malen Sie mit Hilfe der Schablone ein / blaues Dreieck über eine Tür. Ver- / schenken Sie dann das Original Blatt. / Palermo / August 1969«.

Im abschließenden Raum selbst hängen noch ein paar schöne Lithografien und Siebdrucke, aber ich schaue schon gar nicht mehr richtig hin und verlasse dann recht bald das Museum. So eine halbe Stunde wird das jetzt gedauert haben, schätze ich, und als ich mich im »fyal« wieder an unseren Tisch setze, fragt mich der neuseeländische Doktorand: »Everything alright?« Und er meint eventuell das Telefonat, wegen dem ich ursprünglich den Tisch verlassen habe, aber ich bewerte subtextuell gleich auch noch die Ausstellung mit: »Yeah, very much so.«

Das oben zu sehende blaue Dreieck ist eine Nachbildung aus dem Gedächtnis in Form einer SVG mit folgenden Werten:
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