Was vom Tage 84 übrig blieb:
Park Café Planten un Blomen, St. Pauli

Hamburg, 23. November 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:15 Uhr.

🎶 Pupkulies & Rebecca: Ici

Letzter Tag in Hamburg vor dem Umzug. Noch mal zu Planten un Blomen. Im zugehörigen Café …

Park Café Planten un Blomen
Holstenwall 30
(St. Pauli)

… gibt es herrlich lieblos hingepfefferten Espresso, keine Untertasse, kein Löffel, nix.

Espresso: €2,50.

Dann schlendernd-schiebend durch die Wallanlagen, der Teutonia wird noch mal richtig ausgefahren.

Knapp drei Monate Karenzzeitabenteuer in Hamburg, dabei ist eine kleine Espressomap entstanden:

Parental Leave Espresso Map (Stand 23. November 2022)
Parental Leave Espresso Map (Stand 23. November 2022, volle Auflösung)

Noch schnell die heutige Speedlektüre rekapitulieren. Eine ganz herrlich gefüllte FAZ lässt mich noch schneller als sonst lesen. Aufmacher von Stefan Trinks, Besprechung der Guido-Reni-Ausstellung im geliebten Städel, 130 eigenhändige Werke sind da also zu sehen, darunter »dreizehn famose Neuzuschreibungen«. Die FAZ illustriert mit einem Reni-typischen Farbfeuerwerk, »Bacchus und Ariadne«, entliehen vom Los Angeles County Museum of Art.

Als nächstes die Besprechung von Michael Mönninger über die Erinnerungen von Wilhelm von Boddien, dem Gründer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, einem »geradezu fanatischen kulturellen Proselytenmacher«.

Dann Jochen Schimmang über die Memoiren von Gunilla Palmstierna-Weiss, auf Schwedisch schon 2013, jetzt im Verbrecher Verlag in einer noch mal überarbeiteten Version auf Deutsch erschienen.

Ich würde gern noch mehr lesen in dieser grandiosen FAZ, aber keine Zeit, es muss noch geschaukelt, geschoben und dann zu Hause mit dem Regenmacher und dem Oball gespielt werden, und auch Sophie la girafe ist wieder aufgetaucht, nachdem sie irgendwie drei Tage verschwunden war, und sie quietscht lustig wie eh und je.

Nach dem Zubettbringen dann noch pflichtschuldig die SZ durchgeblättert, ich lese nur schnell Christine Dössel und ihre Premierenkritik zu »Blood Moon Blues« am Gorki-Theater. Sie ist ein bisschen enttäuscht, denn »recht viel mehr als die boulevardeske Porträt-Skizze einer aufgrund ihrer Krankheit egomanischen, schwer manipulativen Frau und Mutter gibt dieses Stück dann doch nicht her«. Ihre Kritik beginnt aber etwas random damit, dass sie einen Bogen zu Schillers »Wallenstein« schlägt, das zog mich dann in den Text.

Okay, das war es erst mal. Ab nächste Woche dann in Berlin, allerdings dann kurz Pause für »Was vom Tage übrig blieb«, bis alle Kisten ausgepackt sind usw.
 

Was vom Tage 77 übrig blieb:
Barmbeker Schachcafé, Barmbek-Nord

Hamburg, 16. November 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:30 Uhr.

Direkt am sozusagen Vierländereck gelegen – Alsterdorf, Ohlsdorf, Winterhude, Barmbek-Nord – liegt es knapp im letztgenannten Stadteil, hence the name:

Barmbeker Schachcafé
Rübenkamp 227
(Barmbek-Nord)

Ziemliches Grauwetter heute und daher gar nicht schlimm, dass wir länger bleiben als geplant, denn wir verquatschen uns mit einem der Kellner: Babys, Elternzeit, Nachtwachen.

Espresso: €2,10.

In der SZ sofort Kristina Maidt-Zinkes Rezension des 600-Seiten-Romans »Aufklärung« von Angela Steidele, »ein Werk der feministischen Literatur, und selten war Feminismus so kurzweilig«. Geht um »die kühn erfundene Freundschaft zwischen Dorothea Bach und Luise Adelgunde Gottsched«, aufgemacht ist der Artikel mit einem knalligen Gemälde des Ehepaars Gottsched. Im Roman jedenfalls treten auch Lessing, Klopstock und Goethe auf, außerdem Gellert, die »sanftmütige Nervensäge«.

Der Tag lässt mir noch Zeit für genau einen weiteren Artikel, Christian Metz in der FAZ zu den beiden Lyrikbänden »Kalbskummer« und »Phantomstute« von Marieke Lucas Rijneveld, die gerade zusammen bei Suhrkamp auf Deutsch erschienen sind. Das beste am Artikel ist, dass Metz ganz viel zitiert aus diesem Lyrikdoppelband, Verse »so extrem eigen, als hätte man sich für einen Moment im Nebel des niederländischen Unterlandes verlaufen, und plötzlich eröffnete sich vor den Augen ein Bergpanorama«.
 

Was vom Tage 76 übrig blieb:
Café par ici, Winterhude

Hamburg, 15. November 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 8:00 Uhr.

Letzten Montag diente es noch als Filmkulisse und war daher für Gäste geschlossen, heute aber ist regulärer Betrieb im …

Café par ici
Maria-Louisen-Straße 1
(Winterhude)

Draußen am äußersten Tisch mit Blickrichtung Westen, der Kinderwagen und ich können über die Streekbrücke schon nach Harvestehude hineinschauen.

Espresso: €2,50.

In der Novembersonne auf einmal riesige Lust auf Romanrezensionen. Zuerst Sigrid Löffler über Norris von Schirachs zweiten Roman »Beutezeit« in der SZ. Dann Hans Christoph Buch zu »Fünf Minuten vor Erschaffung der Welt« von Wolf Christian Schröder in der FAZ. Auf derselben FAZ-Seite auch noch Julia Bährs Review zum erzählenden Sachbuch »Ex« von Katja Lewina.

Mehr Leseambition hab ich dann doch nicht, stattdessen zirkele ich ein bisschen in der Gegend herum, die Villa Troplowitz passierend mit ihren Muschelkalk- und Rauputzfassaden.
 

Was vom Tage 75 übrig blieb:
ujote espresso, Hoheluft-West

Hamburg, 14. November 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:30 Uhr.

🎶 Ундервуд: Скарлетт Йоханссон едет в Херсон

Beim Kinderwagenmarsch durchs Generalsviertel kurz hier vorbei:

ujote espresso
Bismarckstraße 88
(Hoheluft-West)

Espresso: €1,90.

Bei bestem Wetter draußen sitzend (zwischen schlafendem Kind links und einem Westie rechts) lese ich in der SZ den Feuilleton-Aufmacher von Sonja Zekri. Sie versucht sich an einem kritischen Take zu Timothy Snyders aktivistischem Engagement in Sachen Ukraine, auch anlässlich seiner frei abrufbaren Vorlesungsreihe »The Making of Modern Ukraine«. Ich komme ungefähr bis zur Hälfte des Artikel und lese den Rest abends zu Hause. Aber erst mal schiebe ich den Teutonia weiter zu unserer Verabredung im Schanzenviertel, Playdate!

Abends dann auch noch kurz die FAZ durchblättert. In »Deutschland und die Welt« (Seite 7) berichtet Lorenz Hemicker von Xaver Meyer, einem Landsturm-Reservisten, der im Mai 1915 an die Front in Flandern geschickt wurde und sofort fiel. Sein Kanonenfutterschicksal haben – ausgehend von einer Messingplakette auf einem von Briten erbeuteten Gewehr – zwei Historiker »in seltener Präzision« dechiffriert, deren Forschungsarbeit von Hemicker referiert wird.

Ok, genug Speedlektüre, gute Nacht!
 

Was vom Tage 73 übrig blieb:
Katelbach, Ottensen

Hamburg, 12. November 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 7:15 Uhr.

🎶 Robert Miles: Children

Kleine Sonnabendrunde, und damit hinein ins …

Katelbach
Große Brunnenstraße 60
(Ottensen)

Espresso: €2,70.

Im heute erschienenen »Spiegel« (46/2022) schreibt Nora Bossong drei Seiten über ihr zehntägiges Internship bei der Bundeswehr, lese ich sofort weg. Trotz fehlender Vorerfahrung wurde sie offenbar gleich als Oberleutnant eingestellt. Der Text beginnt damit, dass sie eine Patrone des Kalibers 5,56 mm aus dem G36 jagt, peng. Insgesamt bildet sie die Bundeswehr-Lingo ganz gut ab und räsoniert im zweiten Teil ihres Textes ein bisschen allgemein über Militär und Gewalt: »Der Erfinder der Zivilisation, so hat es General Samanns in Anlehnung an Freud beschrieben, sei jener gewesen, der als Erster sein Gegenüber nur beschimpft und nicht umgebracht habe.«

Viel weiter komme ich erst mal nicht, da sehe ich eine Frau mit roter Lederjacke ins Katelbach treten. Ich sitze zwischen Tür und Tresen und höre also mit, dass die Frau fragt, ob sie hier den »Spiegel« haben. Sieht nicht so aus, und leise frage ich »Wieso?« und halte mein Exemplar hoch in die Luft. Sie sieht das Titelbild und winkt ab, sie suche wegen eines bestimmten Artikels den »Spiegel« von voriger Woche, den es ja nun nicht mehr zu kaufen gebe, und ich bewundere ihre smarte Idee, die alte Ausgabe im nächstbesten Café suchen zu gehen. (Leider habe ich vergessen zu fragen, um welchen interessanten Artikel es sich handelt.)

Die SZ habe ich wie immer auch noch dabei und lese später im Stadtpark David Steinitz‘ Artikel über Jennifer Coolidges Rolle der Tanya McQuoid in »The White Lotus«. Der Artikel enthält unter anderem diese Offenlegung: »Man wird im Smalltalk immer ein bisschen schief angeschaut, wenn man sagt, dass man ›American Pie‹ für einen großen Film hält, zumal als Filmkritiker.« – Okay, Coolidge ist ja glücklicherweise trotz Schauplatzwechsel von Hawaii nach Sizilien als Stammgästin des »White Lotus« auch in Staffel 2 wieder mit dabei, morgen Abend Folge 3 auf HBO.

Am Spätnachmittag tut sich noch ein kleines Zeitenster auf und es reicht für einen Artikel in der FAZ, Paul Ingendaay über Proust als humorigen Erzähler. Untermalt mit einem witzigen Foto Prousts, auf dem er einen Bürstenhaarschnitt trägt und etwas unklar lächelt.

Abends noch zwei Folgen der neuen Staffel »Die Discounter« und danach ganz überraschend die ersten 20 Minuten des DEFA-Films »Fahrschule« (1986), der irgendwie aus der ARD Mediathek auf den Screen schwappt, schöne Dresden-Vibes.
 

Was vom Tage 35 übrig blieb:
Kropkå, Eimsbüttel

Hamburg, 5. Oktober 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:45 Uhr.

Morgens läuft im Hintergrund die neue Folge von Katherine Ryans Podcast »Telling Everybody Everything« (»Dahmer«).

Mittags nach Eimsbüttel zu Marc, der zufälligerweise nun in der alten Wohnung von Gerd Haffmans wohnt. Wir streunen ausgiebig durchs Viertel (die Garmin wird für unseren Spaziergang über 10.000 Schritte anzeigen), mittendrin werden wir immer mal wieder von den sprichwörtlichen älteren Damen angehalten, die voller Komplimente einen Blick in die Trage erhaschen wollen.

Dann hinein ins …

Kropkå
Eppendorfer Weg 174
(Eimsbüttel)

Bzw. nicht hinein, wir setzen uns draußen hin in den Spätsommeroktober. Rechts neben dem Kropkå befindet sich der Dittsche-Drehort Eppendorfer Grill-Station (ein Hauch von Grillhähnchen zieht herüber).

Das Café hat sehr viele Kindersitze, in denen sich ein halbes Dutzend Null-bis-Drei-Jährige niedergelassen haben. Auch für uns ist noch einer übrig und wir essen und trinken und erzählen eine Stunde oder so. Wir bonden auch ein bisschen mit dem Personal, und interessant ist zum Beispiel, dass ›Kropkå‹ ein Fantasiename ist, weder polnisch noch skandinavisch gemeint!

Espresso: €2,20.

Zeitungen überfliege ich erst später während des Babynachmittagsschlafs im Stadtpark. In der SZ zuerst aus alter Verbundenheit Max Fellmanns Rezension der neuen, zehnten Björk-Platte, »Fossora«. Er beschreibt den Inhalt ihres Albums »Debut« vor 29 Jahren sehr schön mit: »Techno plus Island-Pop plus Alien-Charme«. Ich kann mich noch sehr erinnern, wie ich zum ersten Mal »Big Time Sensuality« gehört habe 💥 und dann in den nächsten Wochen tausend weitere Male. Ein bisschen der Subtext in Fellmans Artikel ist, und damit steht er sicher nicht allein, dass es seit »Debut«, na ja, nicht unbedingt immer besser wurde. Ansonsten ist sein Artikel eine einzige Lobpreisung von Björks Stimme, »das einmaligste aller Instrumente«, okay!

Eine Seite weiter Peter Richter über die Louise-Bourgeois-Ausstellung im Gropius-Bau, da wollte ich eigentlich auch noch hin, aber schaffe das leider nicht mehr bis zum 23. Oktober, kleiner Trost: »inzwischen wird praktisch auch jederzeit irgendwo anders das Werk der Louise Bourgeois gezeigt«.

Will die SZ schon aus der Hand legen, als ich auf der Medien-Seite noch Willy Winkler entdecke, Rezension der dreiteiligen Doku-Serie »Petra Kelly – Der rätselhafte Tod einer Friedensikone« (auf Sky). Die Spielszenen innerhalb der Doku gehören »zur Guido-Knopp-Anmutung, ohne die Zeitgeschichte im Fernsehen offenbar nicht geht« usw.

Der Babynachmittagsschlaf dauert noch etwas länger, und ich schaue das SuKuLTuR-Leseheftpaket durch, das mir Marc eben mitgegeben hat. Ich bleibe bei Leonhard Hieronymi hängen, »Materialien zur Kritik Jodie Fosters«, weil Kapitel 2 in Leipzig spielt, im Juni 2008, während der Verleihung des »BILD Osgar«, falls diesen Preis noch jemand kennt. Genrebezeichnung der Erzählung: »Ein Stunt«, und in 10 Minuten oder so rase ich durch die 14 Seiten, und beschwingt durch den manifestösen Ton der letzten Sätze schaue ich in plötzlich offene Babyaugen und wir setzen unsere Reise durch den unendlichen Hamburger Stadtpark fort, immer gefangen in der »continuidad de los parques«, von der Cortázar schrieb.

Ach so, heute wurde auch der Podcast von Cathy Hummels und Heinz Strunk gedroppt, höre abends noch schnell den ersten Teil.
 

Was vom Tage 34 übrig blieb:
Die Villa, Volksdorf

Hamburg, 4. Oktober 2022, 23:00 | von Paco

»Warum musste die Weide sterben?« Das ist heute die Frage, dazu später mehr.

Aufwach: 5:45 Uhr.

🎶 Jens Friebe: Wir sind schön

Warum nicht mal – trotz Tina Uebel – nach Volksdorf? Zuerst Babyschwimmen im Bäderland. Eines der Babys hat statt einer Schwimm- einfach eine normale Windel an. Das müssen kiloweise Wasser sein, die da aus dem Becken gesaugt werden.

Nach einer fröhlichen Dreiviertelstunde mit Plantsch und Quatsch gehen wir – die Artipoppe mit Inhalt und ich – in »eines der besten Cafés in Deutschland«. Das ist ein Zitat aus dem »Feinschmecker«, nicht von mir nachgeprüft, aber es steht auf einem großen Banner, das den Aufgang zur Ohlendorffschen Villa ziert, in dem das Café residiert:

Die Villa
Im Alten Dorfe 28
(Volksdorf)

Espresso: €3,00.

An der Hauswand prangt dann ganz dissonant ein Graffiti, signalrot, aber klein und zaghaft gesprüht: »Warum musste die Weide sterben?«

Zuerst denke ich natürlich, eine ganz grüne saftige Weide ist irgendwo in der Nähe gegen den Willen der Bevölkerung plattgemacht worden. Als mir der (bisher übrigens teuerste) Espresso gebracht wird, frage ich mal nach, was es mit der Weide auf sich hat. Stellt sich heraus, es war eine andere Weide, ein Baum nämlich.

Das Graffiti draußen sei natürlich ärgerlich, Villaverschandelung and all, aber die Polizei sei da dran. Ich gehe dann unauffällig im Park hinter der Villa spazieren. Die Abholzfläche ist weiträumig mit Trassierband markiert, in der Mitte der traurige Baumstumpfrest der Weide. Zwei Fahradjungs im TKKG-Alter radeln an mir vorbei, der eine erklärt dem anderen, was hier passiert ist. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die beiden den Fall lösen und den Graffitisprüher (dessen im Prinzip gute Motive aber auch thematisiert werden) der Polizei übergeben werden.

Auch ich bin nun am Fall dran und habe gegoogelt. »volksdorf weide« ergibt leider keine geeigneten Treffer, und dann stellt sich raus: Laut Bezirksamt Wandsbek war es gar keine Weide, sondern eine Trauerbuche. Interessantes Täterprofil: jemand, der so angelegentlich um eine Weide trauert, die aber eine Buche ist.

Ich komme vor lauter Interesse an den Geschehnissen in Volksdorf kaum zu den Zeitungen. Die SZ heute nicht so interessant, in der FAZ viele so halbinteressante Artikel, bis ich auf Mirijam Günters Bericht aus ihren Literaturwerkstätten stoße (»Ganz unten«, in der Netzversion: »Arm zu sein ist wie eine Spinne im Netz, die nichts fängt«).
 

Schlosshotel Dresden-Pillnitz

Dresden, 1. Oktober 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:00 Uhr.

Eigentlich am Wochenende kein Karenzzeitespresso, ausnahmsweise aber heute eine Sonnabend-Extraausgabe, denn wir sind im …

Schlosshotel Dresden-Pillnitz
August-Böckstiegel-Straße 10

Espresso: €2,80.

Morgens noch schnell den aktuellen »Spiegel« gekauft und fix durchgeblättert, irgendwie nirgends so richtig hängengeblieben, lese dann aber doch Dirk Kurbjuweits Porträt von Jörg Bong, der gerade bei KiWi Band 1 seiner auf drei Bände angelegten Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49 vorgelegt hat. Er habe sie »als Fan geschrieben, als Fan der wahren Demokraten jener Tage«. Im weiteren Text folgt ein empirischer Nachweis: »Als Bong über [Joseph] Fickler redet, sagt er plötzlich, er habe eine Gänsehaut, und zeigt seinen Arm vor. Gänsehaut, tatsächlich.«

Und noch schnell Johann Grolle zu AlphaFold, »jene KI-Software, die den Durchbruch bei der Aufklärung von Proteinstrukturen vollbracht hat«. Den Breakthrough Prize haben die Entwickler gerade bekommen – das Nobelkomitee werde nächsten Mittwoch wohl nicht so mutig sein, als Chemiepreisträger mal eine Software zu küren, auch weil sie auf dem Code fachfremder Informatiker basiert.

Ansonsten liebe Grüße aus Dresden, Montag ist ja Einheitsfeiertag, dann also bis Dienstag back in Hamburg!
 

Was vom Tage 30 übrig blieb:
Café Reinhardt, Wellingsbüttel

Hamburg, 30. September 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 6:15 Uhr.

🎶 Hot Chip: Down

Das Café Reinhardt gibt es zweimal, einmal in Poppenbüttel, aber ich bin heute hier, zwei Kilometer südlich:

Café Reinhardt
Julius-Vosseler-Straße 42
(Wellingsbüttel)

Espresso: €2,60.

Ganz tolle FAZ heute. Kann wie immer aus Zeitmangel nicht alles lesen und beginne erst mal mit Kai Spankes Rezension zu Jens Balzers Buch über kulturelle Aneignung.

Der Aufmacher im SZ-Feuilleton ist Andreas Bernards Rant gegen Airbnb (»Verlogen wohnen«). Er beschreibt Szenen im Pariser Marais, im Berliner Prenzlauer Berg und in El Born, Barcelona, und sieht »geschichtsträchtige Bauten, die zum Niemandsland des globalen Tourismus geworden sind«. Ihn stört auch der »Sound der Weltverbesserung und Selbsterfüllung«, der das gemeinschaftliche Geldverdienen von Konzern und Vermietern begleitet. Er zitiert einige Sätze des Airbnb-Chatbots und beschreibt das typische Airbnb-Apartment: »ein Bett, ein Stuhl für die Wäsche, ein Kleiderschrank und an der Wand ein Foto von Robert Doisneau oder den Bauarbeitern auf dem Wolkenkratzer in der Mittagspause«.

Spätnachmittags Aufbruch nach Dresden und genau als wir in den Stau auf der A2 geraten sind die 20:00-Uhr-DLF-Nachrichten zu Ende und es folgt ein Feature zu Leila Slimani: »Macht, Lügen und Geheimnisse«. Simone Hamm hat die Autorin dafür in Lissabon getroffen. Die herrliche Carine Debrabandére interpretiert den Zitrangenbaum in Slimanis Werk usw. Könnte ich stundenlang zuhören, aber nach einer knappen Stunde ist Schluss.

Vor dem Schlafengehen am Handy noch Shaun Walker im »Guardian« zu Putins Rede am Nachmittag: »more angry taxi driver than head of state«.
 

Was vom Tage 29 übrig blieb:
Café Ines, Lokstedt

Hamburg, 29. September 2022, 23:00 | von Paco

Aufwach: 5:15 Uhr.

Heute mal um den Tierpark Hagenbeck herum unterwegs, dann ins:

Café Ines
Julius-Vosseler-Straße 42
(Lokstedt)

Espresso/Bica: €2,10.

Portugiesisch geführt, deshalb steht da nach dem Schrägstrich ›Bica‹ auf der Preisliste.

Schnell in die ZEIT reinblättern (Ausgabe 40/2022). Aus dem Interview mit Edgar Reitz geht hervor, dass die Redakteurinnen Hella Kemper und Katja Nicodemus gleich drei Aufnahmegeräte dabei haben, »Nummer sicher«, interessant. Nächster Artikel: Timo Posselt über die Bedeutung von TikTok für die Buchbranche, hat auch mal direkt bei dtv nachgefragt, der Verlag ist »auf der Plattform bereits seit Sommer 2021 präsent, zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich«, derzeit kommen sie auf 12.000 Follower, und ich schau auch gleich mal nach.

In der SZ eine SEITE DREI von Renate Meinhof, über Aelrun Goettes Film »In einem Land, das es nicht mehr gibt«, super, muss ich schauen.

Die beiden Jubiläumstexte zu Brechts »Trommeln in der Nacht« (in der SZ von Albert Ostermaier, in der FAZ von Jürgen Kaube) schaffe ich zeitlich leider nicht mehr, nur irgendwie kurz überflogen. Und abends werden die Zeitungen entsorgt, denn ich hab mich hart gegen’s Aufheben entschieden, sonst häufen sich während der Karenzzeit zu viele ungelesene Ausgaben und Artikel an.

Das Café Ines liegt ja äußerst knapp nicht mehr in Stellingen, aber der Amsinckpark liegt dann wieder im Nachbarstadtteil, und dort rollt jetzt der Teutonia lang. Niemand unterwegs, schön ruhig da, dann noch Schaukeln auf dem Spielplatz Deelwisch.