Besuch im Serienland #11:
Die 15 besten US-Serien der Saison 2015/16

Moskau, 6. Juni 2016, 18:29 | von Paco

Die drei fast besten Staffeln in dieser TV-/Streaming-Saison waren eigentlich UK-Serien: »Downton Abbey« 6, »Peep Show« 9, »Fresh Meat« 4. Das mexikanische »Club de Cuervos« war auch nicht schlecht, und das brasilianische »O Negócio« läuft grad in der 4. Staffel. Aber diese Liste ist ja US-zentriert und kommt heut zum elften Mal, seit 2005 sind dann insgesamt 145 Staffeln hier gelistet. Wie immer wird nicht verraten, wo die Stelle ist, ab der nicht mehr gute, sondern eher sehr schlechte Staffeln gelistet werden:

1. Fargo   (2. Staffel, FX)
2. Better Call Saul   (2. Staffel, amc)
3. Narcos   (1. Staffel, Netflix)
4. House of Cards   (4. Staffel, Netflix)
5. Game of Thrones   (6. Staffel, HBO)
6. True Detective   (2. Staffel, HBO)
7. Veep   (5. Staffel, HBO)
8. Mr. Robot   (1. Staffel, USA Network)
9. Silicon Valley   (3. Staffel, HBO)
10. Girls   (5. Staffel, HBO)
11. The X-Files   (10. Staffel, Fox)
12. The Man in the High Castle   (1. Staffel, Amazon Video)
13. The Jim Gaffigan Show   (1. Staffel, TV Land)
14. Vinyl   (1. Staffel, HBO)
15. Homeland   (6. Staffel, Showtime)

Und! Ein absolutes Lektüremuss zu diesem wirklich schrecklichen zeitgenössischen Serienhype (hehe) ist nach wie vor der »ZEIT Online«-Artikel von Fabian Wolff, den wir Anfang des Jahres mit Feuillongold ausgezeichnet haben: »Oh, Tolstoi ist im Fernsehen«.

(Legacy: Die Seriencharts der letzten Jahre sind hier: 2005/06, 2006/07, 2007/08, 2008/09, 2009/10, 2010/11, 2011/12, 2012/13, 2013/14, 2014/15.)
 

Gruß aus Wien

Wien, 12. April 2016, 14:19 | von Niwoabyl

Ich sitze nämlich gerade im vierten Ausstellungsraum des nagelneuen Literaturmuseums im Grillparzerhaus. Schöner und reicher ist wohl kein Literaturhaus auf der Welt. Diese Räumlichkeiten sind eine Hymne an die Schriftkultur österreichisch-größenwahnsinnigsten Ausmaßes.

Ich sitze da ganz allein und verlassen, als einziger Besucher tief in der Höhle, von Raum zu Raum gejagt von gefühlt zwanzig älteren, steifen, wienerisch vor sich hin murmelnden Museumswärtern, faszinierend.

In einer Vitrine mir gegenüber sind versammelt: ein Krauthobel aus dem Nachlass von Adalbert Stifter, der Selbstmordrevolver von Ferdinand von Saar, Ernst Jandls Metronom, Peter Handkes Maultrommel, Lernet-Holenias Springschnur und Doderers Morgenmantel.

Und dann das Original eines handschriftlichen Fanbriefs von Ian Fleming an Leo Perutz!
 

Durch den neuen »Spiegel« fegt ein kalter Wind

München, 21. Februar 2016, 13:17 | von Josik

Die Metapher der Woche, auf die man sich für die Ausgabe 8/2016 inner­redaktionell geeinigt hat, ist diesmal auf den Seiten 96 und 129 zu bestaunen:

»Vom Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit, steigt die Straße steil an und führt zum Präsidentenpalast. Über ihr Pflaster fegt ein kalter Wind, so kalt wie im Februar vor zwei Jahren, als das Blut in den Ritzen zwischen den Steinen versickerte.«

Moritz Gathmann: »Die Enttäuschten«, S. 96

»Zwei Wochen vorher in Moskau. Kalter Wind fegt durch die Straßen, als sich Nadja Tolokonnikowa noch einmal für ein paar Stunden in den Moskauer Untergrund begibt.«

Tobias Rapp, Matthias Schepp: »Anti-Putin-Superstar«, S. 129
 

Die besten Feuilletons der Jahre 2005–2015

Göttingen, 8. Februar 2016, 21:43 | von Paco

Wie versprochen folgt hier ein bisschen Feuilletongoldstatistik. Wir, das Consortium Feuilletonorum Insaniaeque, haben ja in den letzten 11 Jahren jeweils 10 beste Feuilletontexte ausgezeichnet. Die ausführlichen Listings kann man nach wie vor rechts in der Seitenleiste aufrufen, aber eine viel bessere Komplettübersicht findet sich seit neuestem hier in unserem Datenzentrum.

Wenn man das alles ein bisschen ausgezählt hat, kann nun verkündet werden, dass die besten drei Feuilletons der Jahre 2005–2015 von diesen Zeitungen gemacht wurde, und zwar in dieser Reihenfolge:

1. SZ (19 Artikel in den Top Tens)
2. FAZ (15)
3. FAS (13)

Auf den nächsten Plätzen:

4. Spiegel (10)
4. Zeit (10)
6. Welt (7)

Jeweils drei Mal wurden ausgezeichnet: der Freitag, FR, NZZ, taz, Zeit-Magazin. – Zwei Mal: Netzeitung, SPON, SZ-Magazin, Wiener Zeitung. – Jeweils einmal kamen vor: ARD, Evening Standard, Facebook, Focus, Guardian, Handelsblatt, junge Welt, Jungle World, Literaturen, Münchner Abendzeitung, Presse, Russkij Pioner, Standard, stern, Tages-Anzeiger, Tagespost, Tagesspiegel, The European, WAMS.

Wenn man die – nun ja – Medienkonglomerate jeweils zusammennimmt, ergibt sich dieses Ranking, das vielleicht ein noch besseres Bild vermittelt:

1. FAZ + FAS (28)
2. SZ + SZ-Magazin (21)
3. Zeit + Zeit-Magazin (13)
4. Spiegel + SPON (12)
5. Welt + WAMS (8)

Es gab bei unseren Rankings einige Anomalien, anfangs wurden auch nicht-deutschsprachige Artikel prämiert, ab und zu wurden zwei Artikel verschiedener Autoren als nur gemeinsam preiswürdig erachtet (zuletzt Böhmermann & Rosenfelder). Und noch ein paar andere Sachen. Aber grosso modo ergibt sich aus unserer Zusammenzählerei doch ein gutes Bild der letzten 11 Feuilletonjahre, no?

Und hier noch unsere Lieblingsautorinnen und -autoren, nämlich jene, die mehr als einmal mit Feuilletongold bedacht wurden:

Dreimal ausgezeichnet:

  • Renate Meinhof
  • Kathrin Passig
  • Michael Angele

Zweimal ausgezeichnet:

  • Simone Meier
  • Iris Radisch
  • Henryk M. Broder
  • Dietmar Dath
  • Marcus Jauer
  • Heribert Prantl
  • Peter Richter
  • Frank Schirrmacher

Und das war’s jetzt nun aber wirklich mit dem Heavy Feuilletoning der letzten Jahre. Golden Mole is over, bye-bye!
 

Das »Umblätterer«-Archiv

Göttingen, 5. Februar 2016, 17:37 | von Paco

Lange nach dem Abklingen der letzten Feuilletongoldfanfaren haben wir nun unser Archiv ausgemistet und zumindest die physischen Teile nach M geschickt (Müll oder Marbach, lassen wir mal offen, hehe). Wir haben auch ein bisschen dokumentiert, hier zum Beispiel unser nun schon knapp elf Jahre alter Belegausriss des ersten Gewinnerartikels (2005):

Beim nächsten Glas (Artikel von Stephan Maus, 2005)

Am Montag kommt dann die versprochene Feuilletongoldstatistik nach, da kann man noch mal kucken, ob unsere Befunde dem eigenen Feuille­tongefühl entsprechen, das man so zuletzt hatte. Bis dahin, la-la-la!
 

Umblätterer’s Delight: Mixtape 2012

Bonn, 2. Februar 2016, 19:22 | von Katana

 

  1. Here We Go Magic: Hard To Be Close (vimeo)
  2. Purity Ring: Fineshrine (youtube)
  3. XXYYXX: Breeze
  4. Alt-J: Breezeblocks (youtube)
  5. Beach House: Lazuli (youtube)
  6. Kuedo: Scissors (soundcloud)
  7. Animal Collective: Wide Eyed (youtube)
  8. Grimes: Eight
  9. John Talabot: Missing You (youtube)
  10. Hot Chip: Night & Day (youtube)
  11. Hobo: Shadowz
  12. Lower Dens: Lamb
  13. The xx: Swept Away
  14. Ben Howard: Black Flies (youtube/live)
  15. Holy Other: Tense Past
  16. Maximo Park: Hips and Lips (vimeo)
  17. Grizzly Bear: Speak in Rounds (youtube/live)
  18. Lorn: Everything Is Violence
  19. Cristian Vogel: Deep Water (soundcloud)
  20. Marsimoto: Alice im WLAN Land
  21. Twin Shadow: You Call Me On
  22. Patrick Watson: Noisy Sunday
  23. Lana Del Rey: This Is What Makes Us Girls

The Umblätterer’s Delight Series 2012–2015:
Mixtape 2012 | Mixtape 2013 | 50 wichtigste Alben 2013 | Jahresrückblickiana 2014 | Mixtape 2015

 

Umblätterer’s Delight: Mixtape 2013

Bonn, 1. Februar 2016, 18:59 | von Katana

 

  1. Edward Snowden Intro (youtube)
  2. Fuck Buttons: Stalker
  3. James Blake: Digital Lion
  4. Mount Kimbie: Made to Stray
  5. Bonobo: Cirrus (youtube)
  6. Death Grips: Two Heavens (youtube)
  7. Chance the Rapper: Favorite Song
  8. Phoenix: Chloroform (youtube)
  9. Lorde: Ribs
  10. Tegan and Sara: Drove Me Wild
  11. Chvrches: We Sink (universal-music)
  12. Arcade Fire: Afterlife (youtube)
  13. Sigur Rós: Stormur
  14. Volcano Choir: Comrade (youtube/live)
  15. Vampire Weekend: Finger Back
  16. Veronica Falls: Falling Out
  17. The National: Sea of Love (youtube)
  18. Gold Panda: We Work Nights (youtube)
  19. DJ Koze: Nices Wölkchen (youtube)
  20. Moderat: This Time (youtube)
  21. Jon Hopkins: Open Eye Signal (youtube)
  22. Deptford Goth: Union (youtube)
  23. Burial: Come Down to Us (youtube)
  24. Queens of the Stone Age: … Like Clockwork (youtube)
  25. Edward Snowden Outro (youtube)

The Umblätterer’s Delight Series 2012–2015:
Mixtape 2012 | Mixtape 2013 | 50 wichtigste Alben 2013 | Jahresrückblickiana 2014 | Mixtape 2015

 

Umblätterer’s Delight: Mixtape 2015

Bonn, 22. Januar 2016, 04:56 | von Katana

 

  1. Jamie xx: SeeSaw
  2. Hot Chip: Huarache Lights   (vimeo)
  3. Tocotronic: Prolog   (youtube)
  4. Sufjan Stevens: Fourth of July
  5. Young Fathers: Shame   (youtube)
  6. Zugezogen Maskulin: Agenturensohn
  7. XOV: Lucifer   (youtube)
  8. Action Bronson: Baby Blue
  9. Hudson Mohawke: Very First Breath   (vimeo)
  10. Blur: Ghost Ship
  11. Godspeed You! Black Emperor: Piss Crowns Are Trebled
  12. FFS: Call Girl
  13. DJ Snake: You Know You Like It
  14. Boy: Fear   (youtube/live)
  15. Major Lazer: Lean On
  16. Jack Ü: Where Are Ü Now   (youtube)
  17. The Weeknd: Can’t Feel My Face   (vevo)
  18. Macklemore & Ryan Lewis: Downtown   (youtube)
  19. Dr. Dre: Talk About It
  20. Taylor Swift: Bad Blood   (youtube)
  21. Kendrick Lamar: Alright   (vevo)
  22. Bilderbuch: Maschin   (youtube)
  23. Grimes: Flesh without Blood   (youtube)
  24. Tame Impala: Let It Happen   (vimeo)
  25. Deafheaven: Luna
  26. U.S. Girls: Damn That Valley   (tape.tv)
  27. Beach House: PPP

The Umblätterer’s Delight Series 2012–2015:
Mixtape 2012 | Mixtape 2013 | 50 wichtigste Alben 2013 | Jahresrückblickiana 2014 | Mixtape 2015

 

Enero para siempre

Buenos Aires, 20. Januar 2016, 22:25 | von Paco

Es temprano, estoy en el café del barrio. Frente a mí, en diagonal, está sentada una mujer de unos 70 años, pelo blanco como la nieve, gruesos anteojos de sol, sonrisa absoluta. Ya vació su jarrito y ahora dibuja fervorosamente con una birome en unas hojas enormes. Desde mi mesa, veo sus dibujos. Principalmente, llena las hojas con rejillas, un cuadriculado de rayas rudas, en cuya mitad pone un circulo, lo que tal vez sea un centro de energía. Se parece un poco a la explosión de la pipa del profesor Lämpel en los cómics de Max y Moritz. La dibujante se divierte tanto, tira una hoja tras otra y empieza de nuevo, rejillas, centro de energía, otra hoja.

Pero yo, por qué estoy en el café. Por el cortado, por las medialunas, por el jugo de naranja. Y por los diarios, Clarín, La Nación, Página/12. Hoy, Argentina es el país de la narración no fiable, una técnica posmoderna que está muy de moda. En este país, los diarios contienen las mejores historias. Si venís de afuera y no conocés a las personas involucradas, bien pueden leerse como ficción. Sobre el caso Nisman existieron varias versiones que, un año después de la inesperada muerte del fiscal, siguen siendo discutidas. Más interesante, por ser bastante reciente, es lo que puede leerse sobre los tres prófugos del Triple Crimen. Los tres huyeron del penal el 26 de diciembre. Después de una fuga espectacular y algunos tiroteos con la policía uno fue detenido el 9 de enero, los otros dos el 11 de enero. La versión de la historia que dieron los prófugos es un capítulo muy interesante. Dijeron „que se vieron obligados a huir porque los iban a matar“ en la cárcel. Yo leo todo, cada mañana, y solo si veo a una chica que lee un libro gordo con cuentos de Cortázar apoyada en una parada de colectivo, recuerdo que también existen libros para leer.

Bueno, libros. El otro día estuve en el Ateneo, sobre Santa Fe, y chequeé los estantes de nueva literatura argentina. Siendo un gran fan de Hebe Uhart, me llamó la atención un librito de Liliana Villanueva, „Las clases de Hebe Uhart“, que enseguida me cautivó. Me pasé una hora así, leyendo casi todo el libro. Está lleno de argumentos maravillosos, como: „Hay palabras de repertorio de otros que no me gustan, no me llegan o no me resuenan. ‚Finisecular‘ o ‚rizomas‘ son palabras que nunca usaría; ‚insoslayable‘ tampoco.“ Yo, que soy extranjero, usaría todas estas palabras y más, pero tal vez ella tenga razón, „insoslayable“ tiene el mismo sabor amargo que el merkelismo „alternativlos“.

Ayer caminamos por la Costanera tomando mate (como hacen los uruguayos) y hablamos de todo y de nada. Yo hablé de mi visita a la Librería Anticuaria Edgardo Henschel que queda (mejor dicho, quedó) en Reconquista 533. Este lugar incomprensible cerró sus puertas para siempre la semana pasada. Días antes había escuchado un pequeño reporte sobre eso en Deutschlandradio Kultur. Fui, claro, y estuve algo de tres horas ahí adentro. Nadie más vino, fui el último cliente de Viviana Steinberg en esta antigua librería alemana (que se fundó en 1877). El olor me recordaba a un sauna, claro, siempre es así en estos lugares que albergan toneladas de madera vieja, y me estuve perdiendo en libros alemanes de los siglos 19 y 20. Leyendo palabras, lineas, páginas, capítulos de varios libros impresos en caracteres Fraktur, la herencia de la cultura clásica de mi país explotó en mi cabeza, acá, a más de 10 mil kilómetros de distancia. También encontré una edición de Max y Moritz que recordaría un par de días después, hoy, mientras veo a la artista canosa dibujando en el café.

Y acá estoy, en este mismo café, como siempre, escribiendo este textito para darme cuenta como pasamos este mes de enero de 2016, un verano portentoso, en la capital federal.

Nach der Entscheidung

Buenos Aires, 18. Januar 2016, 13:15 | von Paco

Nach der Entscheidung schuf ich dieses »Selbstbildnis mit Umblätterern«:

Nach der Entscheidung (Januar 2016, Provincia de Buenos Aires)

¡Colorín, colorado!