Kaffeehaus des Monats (Teil 85)

sine loco, 25. November 2014, 20:21 | von Baumanski

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Steam Coffee, Helsinki, ein wie immer absichtsvoll schlechtes Foto, sry

Helsinki
Das »Steam Coffee« in der Kaisaniemenkatu.

(Man könnte sich in Finnland ausschliesslich von Lachs und Zimtschnecken ernähren, und so weit weg davon bin ich nicht. Die Zimtschnecken heissen hier »Korvapuusti«, aber ich versuche es natürlich nie auf Finnisch, zumal ich nicht weiss, ob man im Akkusativ oder im Partitiv bestellt. Ausserdem können ja alle Finnen perfekt Englisch. Ganz anders ist das in der ungarischen Provinz, wo die Speisekarte ähnlich unverständlich ist, aber Fremdsprachenkenntnisse rar, und man muss sich dort also ein paar Lebensmittel auf Ungarisch merken. Zimtschnecken zum Beispiel heissen »Fahéjas csiga«.)
 

Vossianische Antonomasie (Teil 93)

Berlin, 22. November 2014, 09:43 | von Josik

 

  1. der brandenburgische Sarrazin
  2. the Steve Jobs of Beer
  3. der deutsche Horaz
  4. der Frank Sinatra der Steiermark
  5. der Obama des deutschen Fernsehens

 

Vossianische Antonomasie (Teil 92)

Göttingen, 21. November 2014, 10:57 | von Paco

 

  1. der Justin Bieber der Wirtschaftswissenschaften
  2. der Tarantino des Barock
  3. Frankreichs Marcel Reich-Ranicki
  4. der Mozart der Komik
  5. der Mozart Wagners

#456: Dank an @GregorKeuschnig.
#457: Dank an @FJ_Murau.
#458: Dank an @CastorUndPollux.

 

Vossianische Antonomasie (Teil 91)

Berlin, 20. November 2014, 17:57 | von Josik

 

  1. der Lucky Luke der deutschen Literatur
  2. der deutsche Letterman
  3. Doktor Schiwago der Geschichtsschreibung
  4. der Thomas Pynchon der Nachkriegskunst
  5. ein Hermes Phettberg der Straßenphilosophie

 

Kaffeehaus des Monats (Teil 84)

sine loco, 12. November 2014, 13:58 | von Baumanski

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Das Café Zähringer in Zürich, ein wie immer absichtsvoll schlechtes Foto, sry

Zürich
Das »Café Zähringer« am Zähringerplatz.

(Ich lese gerade etwas von Timothy Garton Ash, und da horche ich natürlich auf, als am Nebentisch jemand mit extrem sympathischem Akzent den schönen Satz sagt: »Auf eine Revolución folgt immer eine Evolución.« Es scheint sich um eine Deutsch-Konversationsgruppe zu handeln, auch viele Amerikaner dabei, aber das Gespräch bewegt sich leider von der Revolución weg und hin zu alltäglicheren Dingen (»Mein Schwiegerelterns Geburtstag ist im Januar« etc.). Dafür beginnt nun ein bärtiger Herr mit Kopftuch scheinbar planlos, aber äusserst gewissenhaft Stühle umzustellen und das Büchergestell neu zu ordnen. Ja, das ist ein guter Ort hier, linksalternativ, aber natürlich auch helvetisch-ordentlich. Der Cappuccino kostet fünf Franken sechzig.)
 

100-Seiten-Bücher – Teil 112
Italo Svevo: »Der alte Herr und das schöne Mädchen« (1926)

Berlin, 10. November 2014, 13:52 | von Cetrois

Auf der Fahrt von Berlin nach Hannover saß mir der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestags gegenüber. Er hatte sich offenbar einiges vorgenommen: Zuerst arbeitete er einen beträchtlichen Aktenstapel durch und dann die »Zeit«, Politikteil und Dossier. Ich bin nicht sicher, ob er auch mit meiner Lektüre einverstanden war. Hin und wieder ein kritischer Blick. Ich versuchte meine Hand so auf dem Buchdeckel zu positionieren, dass sie den Namen des Autors möglichst vollständig verbarg und am besten auch noch die handaufgeklebte Aktzeichnung, die natürlich einen alten Herrn und ein schönes Mädchen zeigt. Der rote Wagenbach-Einband als solcher konnte hingegen kaum der Grund für des ehemaligen Bundestags­präsidenten Missfallen sein, hatte mein Gegenüber doch bei der Feier zum vierzigsten Geburtstag des Wagenbach Verlags die Festrede gehalten. Die Feier fand am Wannsee, beim Literarischen Colloquium Berlin statt und war ein großer Erfolg. Einzig an der Bewirtung der vielen Gäste mangelte es offenbar – Jörg Magenau schrieb damals (2004) in der FAZ, dass es bei den Sommerfesten des LCB schon immer schwierig gewesen sei, auch nur »eine Wurst zu ergattern«. Ganz anders der alte Herr in Svevos Erzählung, der seiner Besucherin die köstlichsten Delikatessen offerieren kann, trotz oder vielmehr wegen des in der Ferne grollenden Weltkriegs und der allgemeinen Verarmung ringsum. Immerhin, Christian Kracht berichtete im Interview einmal von einer »Schale mit Erdnusslocken«, die das LCB den Autoren nach ihrer Lesung hinstellt: »eine einzige Schale«!

Länge des Buches: > 115.000 Zeichen. – Ausgaben:

Italo Svevo: Der alte Herr und das schöne Mädchen. Übers. von Barbara Kleiner. Berlin: Wagenbach 1998.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

Ist »Der Circle« von Dave Eggers ein gutes Buch?

Bonn, 5. November 2014, 13:12 | von Katana

Es gab in der »Zeit« mal wieder viel zu lachen, als Ijoma Mangold sich witzigerweise fragte, ob »Der Circle« ein gutes Buch sei. Da war sicherlich einiges los in den Redaktionsräumen und man rieb sich sicherlich auch vor Freude die Hände, dass diese grandiose und so grundsätzliche Frage mal wieder existenziell gestellt werden konnte, denn im Feuilleton stellt sie sich ja immer, wenn man über Romane spricht, aber selten so explizit wie hier. Was für ein Aufmacher!

Und dann natürlich auch dieser geniale Wechsel auf das Mediale, nicht das Formelle, denn ob »Der Circle« ein guter Roman ist, wen interessiert das denn schon, aber ein gutes Buch, das ist ja die Frage des materiellen Konterparts auf Datenträgerebene, das ist genau die Frage, die man an »Der Circle« stellen muss: Taugst du auch als Medium, wenn du über Medien schreibst? Und dann auch noch dieser Twist gleich im ersten Absatz, dass »Der Circle« letztlich »bilderbuchmäßig die klassischen Kriterien« erfülle, denn das Bildliche ist doch in einem Buch ohne Bilder eine mediale Kategorie, die sich so konkret selten an manch andere Bücher stellt.

Schade nur, dass Mangold dann doch so tut, als ginge es darum, ob »Der Circle« ein schlechter Roman ist, denn das Medium interessiert es eigentlich nicht, ob die Figuren platt sind oder das Weltbild manichäisch, nicht mal ein Bilderbuch würde das interessieren, denn das sind absolut keine bilderbuchmäßigen Kriterien. Es ist auch total egal, ob in dem Buch literarische oder intellektuelle Ansprüche genug erfüllt sind, das sind dann doch irgendwie Fragen, die, wie bestimmte Leute immer sagen, ziemlich »inhaltistisch« sind (tolles Wort, btw!).

Also müssen wir uns jetzt selbst die Frage beantworten, ob »Der Circle« ein gutes Buch ist. Ich selber würde sagen: Kommt drauf an. Denn erst mal ist natürlich wichtig, welche Ausgabe man hat. Ich selbst besitze die britische Ausgabe als Taschenbuch von Penguin aus dem Jahr 2014 und muss mich im Folgenden auch auf diese beziehen.

Zunächst ist das Buch sehr handlich, es macht dem Namen Taschenbuch ganz bilderbuchmäßig alle Ehre, denn es passt trotz seiner ca. 500 Seiten ziemlich gut in jede Tasche. Absoluter Pluspunkt. Das Cover ist das bekannte Motiv des Circle, silbern schimmernd aufgedruckt und haptisch abgehoben, genau wie der Buchtitel, dieser in Schwarz auf einem leuchtenden Rot. Gleiches gilt auch für den Buchrücken, den man dann doch im Regal auch eher sieht, sollte man keine Ausstellungsvitrine besitzen, was ich allerdings jedem empfehlen kann.

Der Buchdeckel fühlt sich etwas gummiartig an, was, ganz inhaltistisch, vielleicht ein Augenzwinkern in Richtung Silicon Valley ist. Manko hier: Bei zu viel Transport (ich bin mit dem Buch viel gereist) löst sich die gummiartige Beschichtung leicht ab. Da wäre mehr drin gewesen, gerade für ein Taschenbuch, das zum Transport uneingeschränkt geeignet sein sollte. »Der Circle« fasst sich also auch gut an und man schaut auch gerne länger auf diese tanzenden Farben und Formen. In dieser Hinsicht für meine Begriffe sogar eines der besten Bücher der letzten Jahre. Einziges Minus ist das doch eher dem Colourblocking verschriebene Penguin-Logo in Orange, das nicht so recht zur restlichen Farbgebung passen will.

Schlägt man das Buch auf, merkt man, dass es sich um einen guten Taschenbuchstandard handelt. Die Seiten sind etwas rau und die Tinte verwischt nicht, wie bei vielen amerikanischen Taschenbüchern, wenn man zu lange den Daumen an einer bestimmten Textstelle lässt. Das macht das Buch auch auf die Dauer für die Zukunft relevant, denn auch nachfolgende Generationen werden keine Probleme haben, den Text zu entziffern, sofern sie einigermaßen Englisch können. Und keine Probleme mit den Augen haben. Denn die Schrift ist doch etwas sehr klein geraten, ca. 10pt, schätze ich. Auch hier wäre sicherlich manches mehr drin gewesen, die gebundene Version ist beispielsweise größer gedruckt. Gerade in öffentlichen Transportmitteln ist die Bonsaischrift nicht gerade förderlich, denn hier muss in Bewegung gelesen werden, was das Einhaken in die Zeilen merklich erschwert. Punktabzug an dieser Stelle.

Das scheint den Setzern jedoch auch klar gewesen sein, denn ungewöhnlicherweise ist das Buch im Flattersatz gedruckt, was ich persönlich erst als unmöglich empfunden habe und was dazu führte, dass ich zunächst keine Lust hatte, es zu kaufen und zu lesen. Mich erinnert Flattersatz immer an diese abgerissenen Piratenflaggen und macht mich beim Draufkucken ganz nervös. Allerdings muss ich sagen, dass in der Praxis das Einhaken in die Zeilen dadurch leichter fällt und man beim Lesen selten abrutscht. Ich bin am Ende doch überzeugt, dass das, zumindest bei der gewählten Schriftgröße, doch die richtige Entscheidung war.

Das Buch selbst besteht aus drei Büchern in einem. Gerade das letzte Buch ist nur – mit Titelblatt – fünf Seiten lang, was gerade die Freunde des kurzen Buches sehr befriedigen wird. Man sollte allerdings, wieder auf der inhaltlichen Ebene, erst die anderen beiden Bücher lesen, um die Handlung von »Book III« (schön auch mit den römischen Zahlen, wobei dem Thema auch eine arabische Ziffer gut zu Gesicht gestanden hätte) nachvollziehen zu können. »Book III« hat allerdings auch die beste Handlung und das beste Ende. Kapiteleinteilungen gibt es sonst nicht, allerdings viele Absätze und einige mit Asterisken abgegrenzte Sinnabschnitte, das hält die ganze Sache übersichtlicher, als man meinen würde, und macht das Lesen auch an Tagen mit weniger Muße zu einer guten Option.

Was ich an gerade englischsprachigen Büchern schätze, ist auch die Dialogeinteilung in dramatische Absätze, wo jede Äußerung eine eigene Zeile bekommt. Das liest sich nicht nur wie ein Drehbuch (Film muss unbedingt her, am besten von Duncan Jones oder Sofia Coppola), sondern macht den Text optisch abwechslungsreich, denn gerade dialogue-heavy Texte wie dieser sehen immer eleganter aus als die geblockten Beschreibungsmonologriesen oft zentraleuropäischer Herkunft.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass »Der Circle« ein großartiges Buch ist, das besser erscheint, als es auf den ersten Blick aussieht, sich übrigens auch in anderen Ausgaben uneingeschränkt genießen lässt (die deutsche bei KiWi ist auch wirklich toll geworden) und sich in jedem Bücherregal des 21. Jahrhunderts gut macht.
 

Tausendseiter

Göttingen, 21. Oktober 2014, 13:40 | von Paco

Teilnahmebedingungen für Tausendseiter sind: eine Buchausgabe (egal welche Sprache, auch Übersetzungen) mit mindestens 900 Seiten. Mehrtausendseiter gelten hier vereinfacht auch als Tausendseiter. Bevorzugt kanonisierte Werke und keine Fantasy-Bahnhofsbuchladen­romane, auch keine expliziten Romanserien wie Harry Potter (romans-fleuves wie von Rolland und Proust dagegen schon).

Als Vergleich kann herangezogen werden die »List of longest novels« in der englischen Wikipedia, die aber seit ihrem Entstehen mehrfach ihren Charakter geändert und höchst problematisch ist, auch weil keine einheitliche Metrik verwendet wird.

Die Sammlung unten wird momentan laufend ergänzt. Beginnen sollten wir (mit Ausnahmen) in der Neuzeit, das längste Buch der Antike (wohl Titus Livius’ nur fragmentarisch überlieferte römische Geschichte »Ab urbe condita«) oder die Vier klassischen Romane der chinesischen Literatur + Pflaumen­blüte (jeweils mehr als 1000 Seiten) u. ä. spielen erst mal keine Rolle. Die Liste ist jahrzehntweise geordnet. Auf geht’s:

* * *

Prosalancelot (Anfang 13. Jh.) 5526

Thomas Malory: König Artus (1485) 1102

Cervantes: Don Quijote (1605–1615) 1487
Honoré d’Urfé: L’Astrée (1607–1627) 5399 2188

Madeleine de Scudéry: Artamène, ou le Grand Cyrus (10 Bde., 1649–1653) 13095 7485

Baltasar Gracián: El Criticón (1651–1657) 1013
Madeleine de Scudéry: Clélie, histoire romaine (10 Bde., 1654–1660)

Anton Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel: Römische Octavia (1677–1762) >7000

Daniel Casper von Lohenstein: Großmüthiger Feldherr Arminius (1689/90) 3076

Johann Gottfried Schnabel: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer (1731–1743) 2272

Samuel Richardson: Clarissa (1748) 1536
Henry Fielding: Tom Jones (1749) 965

Theodor Gottlieb von Hippel: Lebensläufe nach aufsteigender Linie (1778–1781) 2290

Wilhelm Friedrich von Meyern: Dya-Na-Sore oder die Wanderer (1787–1791) 994

Giacomo Casanova: Geschichte meines Lebens (1794) 6227 3896
August Lafontaine: Quinctius Heymeran von Flaming (1795/96) 1452

Jean Paul: Titan (1800–1803) 903
Jan Graf Potocki: Die Handschrift von Saragossa (1805–1815) 959

Charles Robert Maturin: Melmoth der Wanderer (1820) 1006

Willibald Alexis: Schloß Avalon (1827) 1022
Alessandro Manzoni: Die Brautleute (1827/1840–1842) 914

Charles Dickens: Die Pickwickier (1836/37) 848 1039
Karl Immermann: Münchhausen (1838/39) 1089 929

Charles Dickens: Barnaby Rudge (1841) 768 940
Eugène Sue: Die Geheimnisse von Paris (1842/43) 1976
Charles Dickens: Martin Chuzzlewit (1843/44) 864 1000
Charles Dickens: Dombey and Son (1846–1848) 1072
William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit (1847/48) 987
Charles Dickens: David Copperfield (1849/50) 1008
Herman Melville: Mardi und eine Reise dorthin (1849) 1080
Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste (1850/51) 4111

Edward Bulwer-Lytton: Dein Roman (1850–1853) 1539
Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht (1852) 1273
Charles Dickens: Bleak House (1852/53) 1088 1166
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (1854/55) 908
Charles Dickens: Klein Dorrit (1855–1859) 1088 9946
Karl Gutzkow: Der Zauberer von Rom (1858–1861) 2920

Friedrich Spielhagen: Problematische Naturen (1861) 983 1078
Victor Hugo: Die Elenden (1862) 1684
Charles Dickens: Unser gemeinsamer Freund (1864/65) 928 978
Leo Tolstoi: Krieg und Frieden (1865–1869) 1291
Ippolito Nievo: Bekenntnisse eines Italieners (1867) 1679
Adalbert Stifter: Witiko (1867) 966
Iwan Gontscharow: Die Schlucht (1869) 1257
Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre (1870) 905

George Eliot: Middlemarch (1871/72) 1145
Fjodor Dostojewski: Böse Geister (1873) 962
Leo Tolstoi: Anna Karenina (1875–1878) 1204
Felix Dahn: Ein Kampf um Rom (1876) 1128
George Eliot: Daniel Deronda (1876) 1062
Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow (1880) 1063 1271

Benito Pérez Galdós: Fortunata und Jacinta (1887) 1282

Romain Rolland: Jean-Christophe (1904–1912) 1979 1489
Stefan Żeromski: In Schutt und Asche (1904) 990
John Galsworthy: Die Forsyte-Saga (1906–1921) 1111

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913–1927) 4229
Alfred Döblin: Wallenstein (1920) 924 750
Sigrid Undset: Kristin Lavranstochter (1920–1922) 1195 926

Roger Martin du Gard: Die Thibaults (1922–1940) 992
James Joyce: Ulysses (1922) 1014 987
Thomas Mann: Der Zauberberg (1924) 997 1100
Gertrude Stein: The Making of Americans (1925) 1021
Hans Grimm: Volk ohne Raum (1926) 1352
Michail Scholochow: Der stille Don (1928–1940) 1473
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1930–1942) 2154

Jules Romains: Les Hommes de bonne volonté (1932–1946) 4914
John Cowper Powys: A Glastonbury Romance (1933) 1120 1228
Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933) 1029
Thomas Mann: Joseph und seine Brüder (1933–1943) 1344
Miklós Bánffy: Siebenbürger Geschichte (1934–1940) 1777
Margaret Mitchell: Vom Winde verweht (1936) 1119

Tibor Déry: Der unvollendete Satz (1947) 1259 950
Alfred Döblin: November 1918 (1948–1950) 1650 2328
Carl Sandburg: Remembrance Rock (1948) 1067
Wolf von Niebelschütz: Der blaue Kammerherr (1949) 778 1147
Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer (1949–1961) 2144

Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege (1951) 908
Madison Cooper: Sironia, Texas (1952) 1731
Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts (1953) 990 736 943
J. R. R. Tolkien: The Lord of the Rings (1954/55) 1236 1360
William Gaddis: Die Fälschung der Welt (1955) 1227
Heimito von Doderer: Die Dämonen (1956) 1344
Ayn Rand: Der Streik (1957) 1258
S. Yizhar: Yemei Tziklag (1958) 1156
Wassili Grossman: Leben und Schicksal (1959) 1084

Paul Schuster: Fünf Liter Zuika (1962–2007) 928 1250
Marguerite Young: Miss MacIntosh, My Darling (1965) 1198
Roman Brandstaetter: Jesus von Nazareth (1967–1973) 1768
Albert Cohen: Belle du Seigneur (1968) 1109 890

Arno Schmidt: Zettel’s Traum (1970) 1330 1513
Uwe Johnson: Jahrestage (1970–1983) 2150
Alexander Solschenizyn: Das Rote Rad (1971–1991) ~6000
Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel (1973) 1193
Carlos Fuentes: Terra nostra (1975) 1139
William Gaddis: JR (1975) 1039
Xavier Herbert: Poor Fellow My Country (1975) 1463
Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands (1975–1981) 1195
Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie (1978–1982) 924
Stephen King: The Stand (1978/1990) 1196
Norman Mailer: The Executioner’s Song (1979) 999

Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon (1982) 1117
Jo Jong-rae: Taebaek sanmaek (1983–1989) 3682
Marianne Fritz: Dessen Sprache du nicht verstehst (1985) 3387
Stephen King: Es (1986) 1214
Péter Nádas: Buch der Erinnerung (1986) 1303
Marge Piercy: Menschen im Krieg (1987) 759 999

Harold Brodkey: Die flüchtige Seele (1991) 1342
Alban Nikolai Herbst: Wolpertinger oder Das Blau (1993) 1009
James Clavell: Gai-jin (1993) 1247
Adolf Muschg: Der Rote Ritter (1993) 1006
Vikram Seth: Eine gute Partie (1993) 1421 1997
Peter Handke: Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994) 1066 628
William H. Gass: Der Tunnel (1995) 1092
Mircea Cărtărescu: Orbitor-Trilogie (1996–2007) 1834
J. J. Voskuil: Das Büro (1996–2000) ~5200
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (1996) 1547
Don DeLillo: Unterwelt (1997) 965
Thomas Pynchon: Mason & Dixon (1997) 1022 878
Alban Nikolai Herbst: Anderswelt-Trilogie (1998–2013) 2035
Neal Stephenson: Cryptonomicon (1999) 1180
Péter Esterházy: Harmonia caelestis (2000) 920
Alexander Kluge: Chronik der Gefühle (2000) 2036

Martin Kluger: Abwesende Tiere (2002) 1039
Alexander Kluge: Die Lücke, die der Teufel läßt (2003) 949
Neal Stephenson: Quicksilver (2003) 1145
Roberto Bolaño: 2666 (2004) 1093
Rafik Schami: Die dunkle Seite der Liebe (2004) 1033
Frank Schätzing: Der Schwarm (2004) 997
Neal Stephenson: The Confusion (2004) 1017
Neal Stephenson: The System of the World (2004) 1119
Dietmar Dath: Für immer in Honig (2005) 971 1035
Péter Nádas: Parallelgeschichten (2005) 1723
William T. Vollmann: Europe Central (2005) 1025
Matthias Wegehaupt: Die Insel (2005) 1013
Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten (2006) 903 1401 1383
Thomas Pynchon: Gegen den Tag (2006) 1595
A. F. Th. van der Heijden: Das Scherbengericht (2007) 1166
Elfriede Jelinek: Neid (abgeschlossen 2008) 936
Ma Jian: Peking Koma (2008) 927
Neal Stephenson: Anathem (2008) 1022
Uwe Tellkamp: Der Turm (2008) 972
Stephen King: Die Arena (2009) 1279
Karl Ove Knausgård: Min Kamp (2009–2011) >3600
Haruki Murakami: 1Q84 (2009/10) 1591

Jan Brandt: Gegen die Welt (2011) 927
Navid Kermani: Dein Name (2011) 1228
Stephen King: Der Anschlag (2011) 1055
Peter Kurzeck: Vorabend (2011) 1015
Neal Stephenson: Reamde (2011) 1023
Christopher Ecker: Fahlmann (2012) 1025
Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) (2014) 1279
Frank Schätzing: Breaking News (2014) 964
Donna Tartt: Der Distelfink (2014) 1022
 

Feuilletonpressegespräch

Göttingen, 14. Oktober 2014, 15:10 | von Paco

Wie schon Harald Staun in der FAS vom 29. Juni 2014, S. 40, schrieb: »Das Radiofeuilleton im Deutschlandradio Kultur, das nach seiner Programmreform seit Montag nicht mehr zu hören ist, muss mit sofortiger Wirkung wieder eingeführt werden. Sonst.«

Ja, sonst. Das gilt insbesondere für das »Feuilletonpressegespräch«, das bis inklusive 19. Juni 2014 immer nach den 10-Uhr-Nachrichten lief, also um ca. 10:07 Uhr. Doch von nun an: Kein vor Feuilletonlust schnaufender und schmatzender Jens Jessen mehr! Kein gestochen scharf kommentierender Andreas Platthaus mehr! Kein Peter Korfmacher mehr mit Neuem und Altem aus Leipziger Oper und Gewandhaus! Kein Adrian Prechtel mehr mit seinem »Servus aus München« für die gute Laune! Letzter Gesprächspartner war an besagtem 19. Juni vor knapp vier Monaten Andreas Fanizadeh von der taz.

In diesen speziellen morgendlichen Telefongesprächen ging es immer um das Feuilleton als Gesamtzusammenhang. Die »Zeit«, die FAZ, die »Süddeutsche«, die »Welt«, der »Spiegel«, der »Tagesspiegel«, die LVZ, die taz, die Münchner »Abendzeitung«. Ab und zu Luxusformate wie »Sinn und Form« oder »Das Gedicht«. Kurz den Aufmacher durchsprechen, dann ein bisschen umblättern und noch ein, zwei weitere Artikel anreißen.

Dieser Gesamtzusammenhang, das Feuilleton als breite Gegenwart, als täglich neu verfasster Großroman, bildet sich in der gedruckten Zeitung aber nicht mehr unbedingt ab, die rasante technologie­getriebene Diversifizierung lässt sich thematisch, stilistisch und personell einfach nicht mehr komplett auffangen und abbilden. Das hat jetzt nichts mit der Programmreform beim Deutschlandradio zu tun.

Da ist es auch lächerlich, einen der wirklich erbosten verwunderten Hörer besänftigen zu wollen mit so einer Antwort: »Das Feuilletonpressegespräch wird es weiter geben – künftig in der Sendung ›Kompressor‹ (montags bis freitags von 14.00 bis 15.00 Uhr), allerdings nicht mehr täglich, sondern 2–3mal pro Woche in der Rubrik ›Das Lesen der Anderen‹.«

Nun, 14 bis 15 Uhr ist wirklich keine Zeitungszeit. Vom schrecklichen Titel des Schrumpfformats ganz zu schweigen. Dagegen ›Feuilletonpressegespräch‹, so ein grauslig-schönes doppelfranzösisch-deutsches Kompositum!
 

Vossianische Antonomasie (Teil 90)

Berlin, 13. Oktober 2014, 13:36 | von Josik

 

  1. der deutsche Jim Carrey
  2. die russische Dorothy Parker
  3. der Margot Käßmann der Katholiken
  4. der Marcel Proust der Gegenwart
  5. der Raffael der Norderde

#447: FAS, 5. Oktober 2014, S. 38.