Monatsarchiv für August 2009


Cinnabon

London, 31. August 2009, 16:13 | von Dique

Lange war ich achtlos an der Cinnabon-Filiale auf dem Queensway vorbeigegangen. Dann sah ich letzte Woche die Stand-up-Show »Chewed Up« von Louis C. K., der darin von diesen fetten Zimtbomben erzählt. Für alle, die wie ich bis vor kurzem keine Ahnung hatten, was ein Cinnabon ist – so beschreibt sie Louis C. K. in his very own words:

»It’s a six-foot high cinnamon-swirled cake made for one sad fat man. Even if you have a vagina, you’re a man if you are eating a Cinnabon. In that moment you are a man!«

Mit diesem Wissen ging ich heute wieder an der erwähnten Cinnabon-Filiale vorbei. Der Laden schien aber nicht wirklich einzuschlagen wie eine Bombe, er war gähnend leer, obwohl er laut Louis C. K. voll mit einer bestimmten Art Mensch sein sollte:

»It’s all dudes like me, or fatter, saying like, oh fuck, I’m getting a Cinnabon.«

Irgendwie ist in letzter Zeit alles Zimt. In Hamburg beim Bäcker gibt es überall Franzbrötchen. Die sehen aus wie überfahrene Croissants, aber eben mit Zimt, und sind tatsächlich Überlebende der napoléonischen Besatzung. Außerdem schaue ich ab und an die amerikanische Show »Man v. Food« mit Adam Richman, die eigentlich richtig fürchterlich ist, denn es geht um lukullisch-prollige Megalomanie. Irgendwann sah ich ihn, wie er ein über zwei Kilo schweres Steak aß und das tatsächlich irgendwie überstand. (Man vs. food! Man won!)

In einer der letzten Folgen war er in Texas, um den schärfsten Burger der Welt zu essen, den bisher nur drei Männer vor ihm schafften und, ohne groß Spannung erzeugen zu wollen, Richman wird der vierte im Bunde. Vorher war er aber noch in einer Bäckerei, in der sie auch Zimtrollen anbieten, nicht die world-famous Cinnabons, sondern eben eine lokale Variante, allerdings so groß und schwer, dass sie niemand allein bewältigen kann. Die Dinger wiegen auch mehrere Kilogramm und beim Anblick all der Butter, des Zuckers und des Zuckergusses wird einem ganz schwindelig.

Obwohl die Cinnabons deutlich kleiner sind als die texanischen Zimtbomben aus »Man v. Food«, musste ich an diese denken, als an mir vorbei eine Frau in die Cinnabon-Filiale schritt. Sie war mit ihrem Freund da und der wollte gar nicht so richtig ran an die Zimtriesen. Dem Akzent nach kam sie aus Amerika und war mit den Cinnabon­freuden anscheinend wohlvertraut, und durch die Scheibe sah ich, wie sie wirklich eine dieser zuckergussig glänzenden Zimtschnecken bestellte.

Und ich musste an Louis C. K. denken, und während die Frau schmatzend den Laden verließ, wurde sie tatsächlich vor meinen Augen zum Mann. Und obwohl ich eigentlich auch mit dem Gedanken gespielt hatte, so einen Cinnabon zu kosten, verging mir der Appetit, und ich bin dann einfach unverrichteter Dinge gegangen, und weil ich den »Economist« schon ausgelesen hatte, habe ich dann doch noch den Weltkriegs-»Spiegel« gekauft, obwohl ich das eigentlich vermeiden wollte. (Man vs. food! Man lost!)


Vossianische Antonomasie (Teil 7)

Paris, 30. August 2009, 16:47 | von Paco

 

  1. der Elvis des Massenmords
  2. der Karl May des 21. Jahrhunderts
  3. der Michael Jordan des Frauenfußballs
  4. ein Mozart des 100-Meter-Laufens
  5. der Gorbi des Kapitalismus

 

Thx to Martin Wildau für diese gesamte Folge.

 


Tarantino und das deutsche Dorf am Piz Palü

Konstanz, 26. August 2009, 09:58 | von Marcuccio

»Schneefall im Hochsommer«, das ist eigentlich schon das Höchste, was man von einer NZZ-Überschrift im August erwarten kann. Im zugehörigen Artikel ging es um eine Ausstellung, hinter der ich ja zuerst eine Jörg-Fauser-Werkschau vermutete:

»Schnee. Rohstoff der Kunst«

Im VLM Bregenz gab es dann einen großen Bergfilm-Tag, gezeigt wurden: »Die weiße Hölle vom Piz Palü« & »Der weiße Rausch« – dazu die Stills live kommentiert von Mathias Fanck, der über seinen Groß­vater Arnold Fanck aus dem Nähkästchen plauderte (»Warum er rauchte, verstehe ich bis heute nicht«).

Durch Fanck kamen übrigens auch Luis Trenker und Leni Riefenstahl zum Film. Was jetzt vielleicht ein pindarischer Sprung ist, aber auf jeden Fall Quentin Tarantino gefreut haben dürfte, der laut »Spiegel«-Interview von neulich zwar offiziell nur Riefenstahl die Regisseurin verehrt, aber, wer weiß, bestimmt auch Leni das Skihaserl aus den Fanck-Filmen ganz gut findet.

Wie er überhaupt von der deutschen Bergfilmhoheit ganz fasziniert scheint. Hätte er sonst extra »ein deutsches Dorf« an den Fuß des Piz Palü geschmuggelt? Es ist die Szene in den »Inglourious Basterds«, die Claudius Seidl als Engadin-Urlauber filetiert hat, um richtig­zustellen, »dass am Fuß des Piz Palü vielleicht Pontresina liegt, aber bestimmt kein deutsches Dorf«. Deutsches Dorf vielleicht nicht, aber ein Ur-Ort deutschen Bergfilmschaffens eben irgendwie doch. Also wohl ein typischer Tarantino-Gruß an die Kino­geschichte.


Tarzan und das deutsche Feuilleton

Paris, 24. August 2009, 10:56 | von Paco

Tarzan of the Apes (Cover)Nachdem ich mehrfach dazu aufgefordert wurde, war ich nun endlich einmal im Musée du Quai Branly, um mir die »Tarzan!«-Ausstellung anzusehen. Ich mäanderte den verschlungenen Eingangspfad nach oben und ging immer dem Gejodel nach: Iaaaiaiaaaiaiaaa!

Alles begann 1912 mit E. R. Burroughs‘ Roman »Tarzan of the Apes«. Es folgten 25 weitere Bände mit immer absurderen Plots. In »Tarzan and the Lost Empire« (1929) etwa findet der Lendenschurzträger mitten im afrikanischen Urwald einen alten Außenposten des Römischen Reichs, der dort die Jahrtausende überdauert hat, und wird sofort in die Arena geschubst, wo er allerlei wildes Getier bewältigen muss.

Die künstlerische Verarbeitung der Figur übernahmen die Filmstudios und Comic-Zeichner, mit deren Produkten die Pariser Ausstellung dann auch vor allem bestückt ist. Überall flimmern Filmausschnitte und prangen flächenweise Originalzeichnungen. Soweit die Sachlage, die auch vom tarzanbegeisterten deutschen Feuilleton aufs Genauste geschildert wurde, denn es gab (mindestens) fünf hauptamtliche Rezensionen:

Sascha Lehnartz: »Tarzan hangelt sich von der Liane in die Vitrine«, WELT, 26. Juni 2009

Werner Spies: »Ich Tarzan, du Leser«, FAZ, 6. Juli 2009

Johannes Willms: »Sexprotz im Dschungel«, SZ, 11. Juli 2009

Martina Meister: »Der Schrei des Menschenaffen«, FR, 14. Juli 2009

Samuel Herzog: »Jungfer im Grünen«, NZZ, 25. Juli 2009

Der persönlichste und sprachgewaltigste Artikel ist der in der NZZ. Unter all den eindrucksvollen Jugenderinnerungen, schönen Metaphern und Wortfindungen (»tarzanös«) kommt sogar ein Kalauer ziemlich gut, nämlich wenn der Autor rhetorisch fragt, ob an den Affenmensch-Storys nicht womöglich der »Tarzahn der Zeit« genagt habe.

In der FAZ gibt es einen veritablen Essay zum Thema, der sich gut wegliest. Werner Spies zieht erwartungsgemäß auch ein paar überraschende kunsthistorische Vergleiche. Zur »Haken schlagenden Strichführung« der Comics schreibt er: »Die Lianen, grafische Lassos, lassen an die ›écriture automatique‹ der Surrealisten denken.«

Martina Meister in der FR findet die Schau zu kuschelig. Die tarzanischen Abenteuer seien beispielsweise an keiner Stelle mit Burroughs‘ Eugenik-Interesse abgeglichen worden. Am Mythos habe man eben nicht kratzen wollen, ganz im Gegenteil: Am Ende des Parcours wird Tarzan als Öko-Held aktualisiert, der auf den Urwald aufpasst und ihn vor äußeren Gefahren schützt.

Sascha Lehnartz in der WELT hat einen sehr, sehr schönen Satz gefunden, um seine Gelangweiltheit auszudrücken: »Das Ganze wirkt wie ein mit Requisiten ausstaffierter Schulaufsatz.«

Johannes Willms sieht das genauso. Die SZ hat wie so oft die beste Überschrift (»Sexprotz im Dschungel« – superst!), dabei aber den schlechtesten Artikel. Denn Willms doziert vor sich hin und kommt erst im vorletzten Absatz auf die Ausstellung selbst zu sprechen, die er für »harmlos« und »reichlich unspektakulär« hält. Was letztlich auch stimmt.

Noch bis 27. September.
Bild: Wikimedia Commons.


Die Rezensionen

Paris, 23. August 2009, 09:30 | von Paco

Gestern, Samstag, haben alle Zeitungen ordnungsgemäß ihre Kritiken zum morgen erscheinenden Buchbuch der Saison gebracht. »Infinite Jest« von David Foster Wallace hat im amerikanischen Original 1.079 Seiten, in der deutschen Übersetzung »Unendlicher Spaß« nun 1.648 Seiten.

Und hier sind endlich auch die Längenangaben der Rezensionen:

TAZ: 8.384 Zeichen     (Ekkehard Knörer)
FR: 11.031 Zeichen     (Guido Graf)
NZZ: 14.652 Zeichen     (Angela Schader)
FAZ: 16.117 Zeichen     (Richard Kämmerlings)
SZ: 17.194 Zeichen     (Alex Rühle)

 


Filippo und Filippino Lippi
im Musée du Luxembourg

Paris, 20. August 2009, 08:20 | von Paco

Die Ausstellung »La Renaissance à Prato« im Musée du Luxembourg wurde schon vor über zwei Wochen abgebaut, dieser Text hier kann also nicht mehr als kulturtouristische Serviceleistung durchgehen. Jedenfalls wird das Museo Civico in Prato gerade restauriert, und deswegen hat man ein paar Werke nach Paris entliehen, »die noch nie in Frankreich zu sehen waren und die teilweise auch Italien noch nie verlassen haben«.

Exposition Lippi au Musée du Luxembourg

Als Zugpferde wurden ganz groß Vater und Sohn LIPPI auf die Plakate geschrieben. Sicher auch wegen des leicht vermittelbaren biografi­schen Clous: der Beziehung des Karmeliterbruders Filippo zu einer Prateser Nonne, die dann zur Geburt Filippinos führte (Details wie immer nachzulesen bei Vasari).

Seit Ende März kursierte in Paris nun aber das Gerücht, dass es nur eine Handvoll bzw. nur eins oder zwei bzw. tendenziell eher gar keine Gemälde der Lippis zu sehen gebe. Ich ging also ewig nicht hin, bis dann neulich am letzten Wochenende vor dem Ausstellungsende.

Wenn ich richtig gezählt habe, waren es neun Bilder vom Vater und drei vom Sohn, wobei auf der Hälfte dieser Bilder Fra Diamante mitgemalt hat. Es kann auch sein, dass ich beim Zählen und Merken arg durcheinander gekommen bin, denn: In dem klitzekleinen Luxembourg-Museum ist es immer so überfüllt (auch diesmal, trotz der gestreuten Fehlinformation von den fehlenden Lippis), dass man die Werke niemals eines nach dem anderen abgehen kann. Sobald man mit einem fertig ist, muss man sich mit Radarblick auf ein wenig bedrängtes Gemälde orientieren und so weiter bis man ungefähr durch ist.

Ein Highlight ist sicher – auch wenn ein Kritiker diesbezüglich schrieb: »Im Louvre hängt besseres Zeug!« – Filippinos »Retable de la salle de l’Audience«, eine Maria mit Kind und den Heiligen Stephanus und Johannes dem Täufer. Ersterer Märtyrer hat ganz surrealistisch sein Attribut am Kopf, einen Stein wie ein Comic-Denkblase, an der man sich nicht sattsehen kann.

Immer noch der wichtigste Tourismusgrund für Prato ist der Mariengürtel, die Sacra Cintola, auf die ursprünglich der Apostel Thomas aufpassen sollte. Sie kam im 12. Jahrhundert in die Stadt und löste ähnliche Euphoriestürme aus wie ein Jahrhundert später der Ankauf der Pariser Passionsreliquien durch Louis IX.

Der Gürtel gab dann ein schönes Sujet für die Maler der Gegend ab. Filippo etwa malte, assistiert von Fra Diamante, eine »Vierge de la Ceinture entre saint Thomas et la commanditaire Bartolommea de‘ Bovacchiesi et les saints Grégoire, Augustin, Tobie, Marguerite et l’archange Raphaël«. Dürfte einer der längsten Bildunterschriften der Kunstgeschichte sein und ein geeigneter Spreu-und-Weizen-Test für Museumsführer.

Ansonsten gab es noch ungefähr fünf Dutzend Werke anderer Künstler aus der Gegend, zum Beispiel ein Tabernakel von Donatello und auch irgendwas von Uccello und Botticelli (vergessen).


Der Vermeer-Fälscher

Hamburg, 18. August 2009, 14:34 | von Dique

Ganz anders als der kürzlich hier besprochene Shaun Greenhalgh war Han van Meegeren ein Dandy und Lebemann. Wie Greenhalgh fälschte er Kunst, führte aber, ganz anders als der mit seiner Familie trotz großartigen Fälschungserfolgen in einer Sozialwohnung weiterlebende Brite, ein flamboyantes Dandyleben.

Han van Meegeren (1889–1947) fälschte niederländische Altmeister­gemälde, bevorzugt Vermeer. Er besorgte alte Pigmente, benutzte Dachshaarpinsel, malte auf zeitgenössische Gemälde von zum Beispiel Govaert Flinck oder mimte die Risse des sogenannten Krakelee durch eigens entwickelte Hitzebehandlungen der Malschicht.

Nachdem er dann der Meinung war, dass die Qualität seiner Vermeers gut genug sei, begann er sie auf dem Kunstmarkt anzubieten und machte schnell einen großen Deal mit dem holländischen Reeder und Sammler van Beuningen. Der kaufte ihm für über eine Million Gulden ein »Abendmahl« ab, vermeintlich von Vermeer.

Noch spektakulärer war einige Zeit später der Verkauf eines weiteren Vermeers, »Christus und die Ehebrecherin«. Dieser ging an den Lebemann unter den Nazigranden, an Hermann Göring, der über mehrere Kunstagenten europaweit Gemälde aufsaugte und ebenso diesen Vermeer ankaufen ließ.

Das Bild hing dann stolz in den Ausstellungsräumen von Carinhall, dem aufgedonnerten Jagdschloss in der Schorfheide, und Göring erfreute sich an diesem vermeintlich echten Vermeer vielleicht bis zu seinem jähen Ende. Es sei denn, er hörte im Nürnberger Gefängnis noch von Han van Meegerens Verhaftung. Man hatte nämlich bei einem Kunsthändler Unterlagen gefunden, die den Verkauf des angeblichen Vermeer-Bildes nach Deutschland bezeugten, und deshalb wurde er als Kollaborateur und Ausverkäufer nationalen Kulturgutes angeklagt.

Nun ging Han van Meegeren gewaltig der Frack. Er legte ein Geständnis ab, »ätsch, ich habe den fetten Göring verarscht, das war gar kein echter Vermeer, den habe ich doch selbst gemalt«. Ungläubigkeit machte sich breit, doch zum Beleg seiner Aussage malte er einen weiteren Vermeer, unter Beobachtung, im Gefängnis.

Die Qualität dieses Vermeers soll aber weit hinter der Qualität der im Umlauf befindlichen Vermeerfälschungen zurückstehen, und deshalb gibt es bis heute Zweifler, die davon überzeugt sind, dass mindestens einige dieser van-Meegeren-Vermeers echt sein sollen, obwohl die gegenteiligen Beweise recht offensichtlich sind.

Der frühe van-Meegeren-Käufer van Beuningen glaubte jedenfalls bis zu seinem Tod im Jahr 1955 daran, dass sein Vermeer-»Abendmahl« echt und van Meegeren ein Scharlatan sei. Und auch Göring muss seinen Selbstmord in der Überzeugung begangen haben, mal Besitzer eines der ganz wenigen Vermeers gewesen zu sein.

(Ich las über den Vermeer-Fälscher in Pierre Cabannes »Geschichte großer Sammler«, sehr schönes Buch übrigens. Ich habe mir jetzt noch für ein paar Cent ein Buch über van Meegeren bestellt, »Ich war Vermeer«, weiß aber nicht, ob ich das jetzt wirklich noch lesen soll und will.

Usw.)


Vossianische Antonomasie (Teil 6)

Konstanz, 17. August 2009, 10:55 | von Marcuccio

 

  1. der Usain Bolt der deutschen Dax-Vorstände
  2. der Joschka Fischer der Linkspartei
  3. der Maverick unter den Meinungsforschungsinstituten
  4. die Pythia vom Bodensee
  5. der Napoleon unter den Buchhändlern

 

Alles aus der gestrigen FAS, außer Nr. 30,
die stand schon am Donnerstag in der FAZ.

 


Der Feuilletonforscher Peter Glotz

Konstanz, 15. August 2009, 12:00 | von Marcuccio

Die »Rezensionsfriedhöfe« werden 40. Ja, sie haben ein Geburtsdatum und wurden damals ans Licht der Welt gebracht in:

Peter Glotz und Wolfgang Langenbucher: »Der mißachtete Leser«,

einem Klassiker der empirischen Feuilletonforschung, erschienen 1969. Die einen feiern Woodstock, die anderen rocken für ein Feuilleton, das endlich auch mal den Facharbeiter interessieren soll. Und prägen ganz nebenbei das geflügelte Wort von den Rezensionsfriedhöfen:

»Unsere Literaturseiten sind häufig Rezensionsfriedhöfe.« [*]

Ein schönes Wort, obwohl es eigentlich ein Lästerwort gegen die Sache ist, also unsere guten Buchmesse-Beilagen zum Beispiel. Glotz war damals wirklich der erste, der auszählte: »55 Rezensionen, aber nur vier Interviews, vier Reportagen, drei Kurzberichte« (zu Uwe Johnsons »Zwei Ansichten«) usw.

Glotz war auch der wahrscheinlich einzige SPD-Bundesgeschäftsführer ever, der etwas zu Wilmont Haacke zu sagen wusste (vgl. seine Diss.: »Buchkritik in deutschen Zeitungen«. Hamburg 1968). Fast vier Jahre ist der Bildungsberserker schon tot. Es gab damals einen sympathi­schen Nachruf von Nils Minkmar in der FAS, geschrieben mitten im Schröder-Aufholwahlkampf-Sommer 2005.

Wird es jemals wieder eine SPD-Feuilletonforschung geben?

____
[*] Peter Glotz / Wolfgang Langenbucher: Der mißachtete Leser. Zur Kritik der deutschen Presse. Berlin (und noch nicht Köln!): Kiepenheuer & Witsch 1969, S. 91.


Der Umblätterer in Rom

Paris, 8. August 2009, 21:02 | von Paco

UMBL in Rom

Säulenhain. Gymnastik und Diskussion über die neusten Sendbriefe des Cicero.

UMBL in Rom

Piazza del Popolo, »Autoritratto con gli altri voltapagine«.

UMBL in Rom

Alan Bennett in »La Repubblica«: »Leonardo? Non mi piace!« Das scheint so aber nicht mit Vasari abgesprochen gewesen zu sein.

UMBL in Rom

»How do we get to …?« – »This way!« – »Graw-tsee-yeah!«

UMBL in Rom

»Hey Kiddie Kiddsens, zieht euch eure bed decks übers Kopfkaffee, heute geht es so um Kunst so.«

UMBL in Rom

Allons enfants, zu den Vatikanischen Museen.

UMBL in Rom

Zypressenhain, FAS-Lektüre.