362.597 Seiten

Genf, 20. August 2012, 10:21 | von Baumanski

 
Lieber Baumanski,

noch mal zu den 1001 Büchern, die wir lesen müssen, bevor wir sterben. Ich habe jetzt endlich ein paar Informationen gesammelt:

Also: Wenn du all das Zeug lesen willst, sind es dann insgesamt 362.597 Seiten. Durchschnittlich somit 362,23 Seiten pro Buch, ziemlich nahe bei unserer Schätzung. Bei einer Leserate von 100 Seiten pro Tag bräuchte man 9 Jahre, 11 Monate und 5 Tage. Oder 19 Jahre, 10 Monate, 1 Woche und 2 Tage bei täglich 50 Seiten.

Das längste Buch, hätte man sich auch vorher denken können, ist eine 3703-seitige koreanische Saga, die man in der westlichen Hemisphäre kaum findet, die aber dafür in Südkorea ein paar Millionen mal verkauft worden ist (»The Taebaek Mountains« von Jo-Jung Rae).

Ein weiterer Fakt: 380 der Buchtitel beginnen mit T und nur einer mit Z. Ich empfehle dir die drei Bücher, die mit Y beginnen, da sie durchschnitt­lich nur 162 Seiten lang sind. Vermeide Bücher mit U (durchschnittlich 555 Seiten)!

Du hast schon 14.732 Seiten gelesen (46 Bücher), gratuliere! Ich bin dir mit 40.830 Seiten (104 Bücher) aber voraus.

Soviel für heute, speak soon,
William

 

Alte Fälle der Feuilleton-Kriminalistik:
Luciana Glaser

Krakau, 17. August 2012, 14:10 | von Marcuccio

Hauptsache, man ist überhaupt irgendwie. Sichtbar und greifbar. Deswegen erinnert die Enthüllung von Per Johansson ein bisschen an den Fall Luciana Glaser, der aber in sich noch mal ganz anders gelagert war, auch weil der Verlag (Zsolnay) damals nicht mitspielte, sondern mit reingelegt wurde. Aber der Reihe nach, denn auch diese Autorin kam scheinbar aus dem Nichts:

»Nirgends hatte sie vorgelesen, nie hatte sie Stipendien beantragt oder Literaturpreise empfangen, nicht einmal im Rundfunk an irgendwelchen Diskussionsrunden zum traurigen Stand der Gegenwartsliteratur teilgenommen.«

Schreibt Willi Winkler im »Spiegel« 27/1990. Interessant, wie sehr die in die Jahre gekommene Bemerkung auch darüber Auskunft gibt, wie extrem literarische Identität damals noch an klassische Zugangswege gekoppelt war. Unvorstellbar ein Airen, der einfach mal so als Blogger da ist, entdeckt, plagiiert, berühmt wird.

Wer also war Luciana Glaser?

Ein Pseudonym. Eine Fake-Person. Aber zuallererst mal war sie eine angeblich 1952 geborene Südtiroler Autorin, die für ihre im Februar 1990 erschienene Erzählung »Winterende« gelobt wurde – in den höchsten Tönen: »Den Kritikern fielen nur erlauchte Namen ein, um vergleichsweise der vollkommen unbekannten Größe Glasers gerecht zu werden: Thomas Bernhard und Rilke und Hölderlin mußten es schon sein«, berichtet Winkler rückblickend in bewährt-süffiger »Spiegel«-Häme. Ansonsten gab es nur »eine biographische Notiz, nach der Luciana Glaser aus Rovereto stamme, Tochter eines österreichischen Vaters und einer italienischen Mutter sei und in Wien studiert habe. Mit dem Verlag verkehrte sie zeitweilig über eine c/o-Adresse in Innsbruck.«

Und ein Foto der 38-jährigen, das gab es auch nicht, offizielle Begründung: Sie lebe »in solcher Zurückgezogenheit, daß keine Photographie zur Verfügung steht«. Und überhaupt: Sie »habe eine Zeitlang in einem Verlag gearbeitet und dort lernen können, was es für einen Autor und mehr noch für eine Autorin bedeutet, sich auf diesen Markt der Körper zu begeben«. Hui. »Ich bin nicht in der psychischen Verfassung, mir das zuzutrauen«, verlautete, acht Jahre vor Erfindung des literarischen Fräuleinwunders, der O-Ton von Luciana Glaser im »Spiegel«.

Das ließ die feuilletonistische Kriminalistik nicht ungerührt, aber sie musste vor der Erfindung von Google noch richtig reisen. Noch mal Willi Winkler:

»Vor allem die österreichischen Literaturkritiker verwandelten sich über Nacht in nichtlizenzierte Detektive und forschten im Geburtenregister der Stadt Rovereto (eine Familie Glaser gibt es dort nicht), blätterten im Immatrikulationsverzeichnis der Universität Wien (unter diesem Namen hat niemand studiert). Es gab sie offenbar nicht. Das Rätsel verlieh der Erzählung eine Bedeutung, die sie gar nicht hatte.«

Und damit sind wir beim Thema, das Gregor Keuschnig angeschnitten hat. Die Bereitschaft, Texte ohne Paratexte, sprich: Literatur von Autoren ohne Herkunft, ohne Foto, ohne Identität zu akzeptieren, ist gering. Ob sie in der professionellen Kritik jemals stärker vorhanden war als heute, sei aber dahingestellt. Beim aktuellen Fall Johansson/Steinfeld war sie freilich nie einzufordern, denn ein Verlag, der Blurbs, Fake-Foto und Fake-Biografien so opulent arrangiert wie S. Fischer für Per Johansson, der will ja gerade einen außerliterarischen Referenzrahmen schaffen.
 

Der Koffer

Leipzig, 16. August 2012, 13:45 | von Paco

Man kann doch so ein regelmäßiges 65537-Eck einfach mal konstruie­ren, muss sich Johann Gustav Hermes gedacht haben. Am 4. November 1879 legte er los. Zehn Jahre später war er dann soweit. Er ließ einen passenden Koffer anfertigen, verstaute das Papierkonvolut darin und gab das Ganze an die Universität Göttingen, wo es bis heute aufbe­wahrt wird.

Ich glaube, es war im Sommersemester 1998, als ich zum ersten Mal von diesem sagenumwobenen Göttinger Koffer hörte. Herbert Kästner hat kurz von ihm erzählt, in seinen Vorlesungen im alten Seminar­gebäude der Uni Leipzig. Seitdem bin ich diesem Mysterium immer mal wieder begegnet, und immer klang die zugehörige Anekdote ein bisschen anders.

Neulich lief ich dann Herbert Kästner, der übrigens gerade auch eine Bibliografie der Insel-Bücherei herausgegeben hat, wieder über den Weg. Nebenbei kamen wir auf den Koffer zu sprechen, und da ich ein paar Tage später sowieso in Göttingen war, verabredete ich mich am Mathematischen Institut in der Bunsenstraße mit den Proff. Brüdern und Schick, die den Koffer ausnahmsweise mal wieder hervorholten.

Die ganze Geschichte steht in der heute erschienenen Ausgabe der »Zeit«, Seite 33. Die auratischen Fotos stammen von Christian Malsch.

Artikel über den Hermes-Koffer aus der ZEIT

Corrigendum:

Folgende Fehler / die sich im Dru- / cken eingeschlichen / beliebe der / geneigte Leser ohnbeschwehrt / zu verbessern.

  • Im Text fehlen drei Wörter, es muss natürlich heißen: »(…), dass ein regelmäßiges n-Eck mit primer Eckenzahl genau dann nur mit Zirkel und Lineal konstruierbar ist, (…)“ – Online ist der Fehler korrigiert. Dank an T. D., J. D., W. L., R. H.

Und noch ein paar Kontextlinks:


 

Von Hunden und Hesse

Jena, 10. August 2012, 17:19 | von Montúfar

In dieser Woche ist Hermann Hesse seit 50 Jahren tot. Das ist ein Grund zum Feiern und die deutschen Medien tun es ausführlich. Sehr gelungen ist meines Erachtens die Extraseite der »Frankfurter Allge­meinen Sonntagszeitung« mit dem Titel »Mein Hesse-Moment«. Unter einem breiten Balken mit der Inschrift »Sommerpause« berichten sechs namhafte deutsche Autoren von ihren Leseeindrücken mit Hesse. Die Blütenlese könnte wie folgt lauten:

Sibylle Berg gibt zu, dass Hesse kein satisfaktionsfähiger Autor ist, aber seine Wirkung entfalten kann, wenn man ihn als dreizehnjährige DDR-Jugendliche auf dem Weimarer Friedhof liest.

Einen etwas weniger exquisiten Leseplatz hatte Annika Scheffel gefunden: Sie las den »Steppenwolf« auf einer Fähre, ließ ihn aber halb gelesen eben dort liegen. Hesse wirkt anscheinend nicht überall gleich gut.

Auf Clemens Meyer hat er gewirkt, deswegen hat er auch gleich mehrere Hesse-Bücher gelesen, kann sich allerdings an vieles nur noch vage erinnern.

Das Problem möglicher Erinnerungslücken umschifft Jan Peter Bremer. Er hat nämlich noch nie Hesse gelesen. Doch für einen Artikel in der FAS entfernt er sich von einer Hochzeitsgesellschaft (auf Sichtweite, damit seine Freunde ihm winken können, während er Hesse liest) und liest zusammen mit seinem Hund »Die Morgenlandfahrt«. Am Ende steht fest: Sein Hund und er hätten ein »ganz ähnliches Erlebnis« bei der Lektüre gehabt.

Auch Tino Hanekamp gesteht, dass er sich beim Hesse-Lesen wie ein Hund fühlte. Das lag bei ihm aber an der unglücklichen Liebe zu einem Mädchen, das ihm anstatt eines Korbs den »Steppenwolf« gab. Den 50. Todestag seines Autors nutzt Hanekamp deswegen für eine Kontaktanzeige: »Jana Müller, melde dich, es ist noch nicht zu spät!«

Was wird man also antworten in ein paar Jahren, wenn die unvermeid­liche Frage aufkommt: »Was ist dir in Erinnerung geblieben von Hesses 50. Todestag?«
 

25 berühmte Günters und 25 berühmte Günthers

Berlin, 9. August 2012, 14:05 | von Josik

(inspiriert von Marcus Jauer)

25 berühmte Günters ohne H:

Günter Amendt
Günter Baumann
Günter Behnisch
Günter Blöcker
Günter de Bruyn
Günter, der innere Schweinehund
Günter Eich
Günter Bruno Fuchs
Günter Gaus
Günter Graß
Günter Grünwald
Günter Guillaume
Günter Herburger
Günter Kunert
Günter Lamprecht
Günter Netzer
Günter Nooke
Günter Pfitzmann
Günter Rexrodt
Günter Rohrmoser
Günter Schabowski
Günter Strack
Günter Struve
Günter Verheugen
Günter Wallraff

25 berühmte Günthers mit H:

Günther and the Sunshine Girls
Günther Anders
Günther Beckstein
Günther Beelitz
Günther, der Treckerfahrer
Günther Fielmann
Günther Fischer
Günther Grotkamp
Günther Haack
Günther Maria Halmer
Günther Hoffmann
Günther Jauch
Günther Kaufmann
Günther Kaunzinger
Günther Klum
Günther von Lojewski
Günther Lütjens
Günther Nonnenmacher
Günther Oettinger
Günther Patzig
Günther Quandt
Günther Rall
Günther Rühle
Günther Saßmannshausen
Günther Weisenborn

 

100-Seiten-Bücher – Teil 31
Sun Tsu: »Die Kunst des Krieges« (um 500 BC)

Hamburg, 1. August 2012, 21:23 | von Dique

Das Buch ist für Leseökonomen der beste Shortcut vorbei am tausendseitigen Ziegelstein von Clausewitz, ob zu Recht oder Unrecht, soll hier nicht das Thema sein. Der kurze Klassiker von Sun Tsu ist 2.500 Jahre alt und liegt seit ca. 100 Jahren auf Deutsch vor. Das Buch gilt als zeitlos und zu jeder Lebensphase passend, ungefähr so wie der »Fürst« von Machiavelli.

Ich hörte das erste Mal von dem schönen kleinen Büchlein in Oliver Stones »Wall Street«, in dem er Gordon Gekko daraus zitieren lässt. Es handelt sich dabei natürlich nicht um die beiden Gekko-Klassiker »If you need a friend, get a dog« oder »Lunch is for wimps«. Sondern eher hierum: »I don’t throw darts at a board. I bet on sure things. Read Sun-tzu, The Art of War. Every battle is won before it is ever fought.« Der aufstrebende Bud Fox folgt natürlich dem Rat von Gekko und zitiert später im Film selbst noch Sun Tsu.

Das Buch ist in seiner Kürze schnörkellos, pragmatisch und kompakt. Theoretisch könnte das auf viele Titel dieser Serie über 100-Seiten-Bücher zutreffen. Im Vergleich zur fließenden Lektüre der »Kunst des Krieges« gleicht aber zum Beispiel das Lesen von Handkes »Angst des Tormanns beim Elfmeter« einer endlosen Woche in der Dante-Hölle.

Wie üblich bei urheberrechtsfreien Titeln gibt es jede Menge Ausgaben in schrecklicher Aufmachung oder PDF-Versionen direkt aus dem Internet. Die gängigste deutsche Version hat ein Vorwort von James Clavell, das mit den versöhnlichen Worten endet: »… das wahre Ziel des Krieges ist der Frieden.«

Länge des Buches: ca. 117.000 Zeichen (dt.). – Ausgaben:

Sunzi: Das Buch vom Kriege. Der Militär-Klassiker der Chinesen. Mit Bildern nach chinesischen Originalen. Verdeutscht von Bruno Navarra. Berlin: Boll u. Pickardt 1910.

Sunzi: Die Kunst des Krieges. Hrsg. u. mit e. Vorw. von James Clavell. Aus d. Amerikan. von Jürgen Langowsky. München: Droemer Knaur 1988.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

Kaffeehaus des Monats (Teil 70)

sine loco, 26. Juli 2012, 08:38 | von Mynaral

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Gilmore's Café-Bar, verwackeltes Touri-Foto (wie immer)

Berlin-Wedding
Gilmore’s Café-Bar in der Müllerstraße.

(»Come in and chill out …« grüßt das »Gilmore’s« den Besucher. Innen erwarten mit bunter Kreide beschriebene Wandtafeln und durchschnittlich zwölf Kerzen jeglicher Couleur in einem Umkreis von zwei Metern. Draußen, am Klapptisch mit roter Laterne: Lindenblüte, herabsinkende airberlin-Flüge in der Ferne und rechter Hand die schon in Rainald Goetz‘ »Abfall für Alle« erwähnte DAUERKOLONIE TOGO E. V. Die Tageszeitungs­auslage ist auf die Berliner Zeitung beschränkt und die Inhaberin ist laut Qype »manchmal etwas mürrisch«, was aber nicht stimmt.)
 

100-Seiten-Bücher – Teil 30
Wallace D. Wattles: »The Science of Getting Rich« (1910)

Hamburg, 21. Juli 2012, 14:24 | von Dique

Hundert Jahre alt und hundert Seiten lang. Reichwerden mit Ansage. Seit seinem ersten Erscheinen ist dieses Buch natürlich ein Dauer­brenner. Der irgendwie wissenschaftliche Ansatz entpuppt sich dabei gleich als ziemlich esoterische Kante.

Wattles geht davon aus, dass es eine Kraft gibt, die frei verfügbar ist und von jedem Individuum abgerufen werden kann. Mit Hilfe dieser Kraft kann man alles erreichen. Es geht ihm dabei nicht unbedingt um monetären Reichtum, sondern Erfolg im Allgemeinen. Diesen Erfolg muss man wollen, man muss ihn planen und man muss sich diesem opfern. Man muss sich bereits in der Position sehen, in die man strebt, man muss von seinem Ziel ein mentales Bild formen (das Traumhaus mental planen, einrichten und bewohnen), damit sich das angestrebte Ziel einstellen kann und schlussendlich Realität wird, werden muss.

»Every man or woman who does this will certainly get rich; for the science herein applied is an exact science, and failure is impossible.«

Das Buch ist hochgradig repetitiv. Das Buch ist hochgradig repetitiv. Das Buch ist hochgradig repetitiv.

Ich habe es vor Jahren trotzdem ganz zu Ende gelesen, danach gleich noch »Think and Grow Rich« (1937) von Napoleon Hill und »Secrets of the Millionaire Mind« (2005) von T. Harv Eker. Und was soll ich sagen, ich bin sehr, sehr reich geworden.

Länge des Buches: ca. 123.000 Zeichen (engl.), ca. 141.000 Zeichen (dt. Übersetzung von Helmut Linde, 2007). – Ausgaben:

Wallace D. Wattles: The Science of Getting Rich. Rockville: Arc Manor 2007. S. 5–107. (103 Textseiten) (online)

Wallace D. Wattles: Die Wissenschaft des Reichwerdens. Aus dem Engl. von Johanna Ellsworth. Hamburg: Nikol 2009.

Wallace D. Wattles: The science of getting rich. Die Kunst des Reichwerdens. Aus dem Engl. von Katrin Ingrisch. München: Knaur-Taschenbuch 2010.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

100-Seiten-Bücher – Teil 29
Johann Gottfried Herder: »Journal meiner Reise im Jahr 1769« (1846)

Berlin, 18. Juli 2012, 16:40 | von Josik

Laut Arno Schmidt und einigen anderen steht das Original auf »72 enggeschriebenen Quartseiten«. Gedruckt sind das rund hundert Seiten, die als ›Reisejournal‹ allerdings ziemlich irreführend gelabelt sind: Über die Reise selbst, die Herder von Riga nach Paris und von dort wiederum ins sogenannte Weimar des Nordens, nach Eutin, führte, erfährt man hier fast gar nichts, vielmehr hat man bei der Lektüre über weite Strecken den Eindruck, die Notate eines über­eifrigen jungen bayerischen Kultusministeriumsbeamten vor sich zu haben, der auch im Urlaub noch die bestmöglichen Schullehrpläne auszuarbeiten versucht.

Wie sehr sich der sturmunddrängende Mittzwanziger vor lauter Begeisterung über seine Ideen – hier für die zweite Klasse – über­schlägt, sieht man an den inflationär gebrauchten Ausrufezeichen: »Welch Gymnasium! Welche schöne Morgenröte in einer antiken Welt! Welch ein römischer Jüngling wird das werden! Hier also kommt antike Historiographie, Epistolographie, Rhetorik, Grammatik! Man sieht, wie übel, daß man […] überhaupt Grammatik einer antiken Sprache nicht von der modernen unterscheidet! Hier wird alles unterschieden, lebendig gekostet, nachgeeifert! In dieser Klasse muß sich der lateinische Stil bilden!« (S. 55)

Na ja, und so geht’s halt weiter. Immerhin, ursprünglich war das Journal gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Was Herder an den Franzosen schließlich überhaupt nicht fassen kann, ist folgendes: »Alles spricht hier Französisch, sogar Piloten und Kinder!« (S. 77) Kurz darauf notiert er noch einmal für sich als Gedächtnisstütze: »Ja, aber daß ich nirgends die Frage vergesse: in Frankreich reden auch die Kinder französisch?« (S. 80; vgl. YouTube)

Länge des Buches: ca. 182.000 Zeichen. – Ausgaben:

Johann Gottfried Herder: Journal meiner Reise im Jahr 1769. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verlag 1999. S. 3–113. (111 Textseiten)

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

Regionalzeitung (Teil 52)

Leipzig, 15. Juli 2012, 14:02 | von Paco

 
  256.   bricht mit allen Klischees

  257.   ist ein literarischer Überzeugungstäter

  258.   der Altmeister

  259.   konnte aufs neue seine Zweikampfstärke unter Beweis stellen

  260.   und viele andere namhafte Interpreten