Monatsarchiv für Juni 2008


Die FT Weekend und die FAS vom 29. 6. 2008:
Die Butter, die Stille, die großen Häuser Europas

London, 30. Juni 2008, 13:07 | von Dique

Ein Teller mit Butter »is the only item of food Hammershoi is known to have painted«, schreibt Jackie Wullschlager in der FT Weekend in ihrem Review zur VilhelmHammershøi-Ausstellung »The Poetry of Silence« in der Royal Academy of Arts, und da muss ich erneut einen Teilnehmer der kürzlich in den Musei Vaticani absolvierten Speedtour zitieren, »now that’s a useful bon mot«.

Hammershøi ist mir vor Jahren nach einer Empfehlung aufgefallen, von dieser Ausstellung hatte ich vorher allerdings keinerlei Peilung. Wenn man nicht gerade nach Skandinavien fährt, sieht man von ihm auch relativ wenig. Ich bin dann gestern gleich hingegangen, denn so linear können Medien manchmal wirken.

»Hammershøi led an uneventful life.«

Das ist der erste Satz der Einführung in Raum 1 der Ausstellung, und im Œuvre des Malers spiegelt sich das genau so wider. Weniger »eventful« geht es kaum, und das meine ich keinesfalls negativ.

Hammershøi hat sich in weiten Teilen seines Werkes auf das Innenleben seiner eigenen vier Wände beschränkt und erzeugt mit diesen distanzierten Schnappschüssen genau die poetische Stille, mit der die Ausstellung treffenderweise bezeichnet wurde.

Er erinnert an Vermeer, an de Hooch und andere Niederländer dieses Umfelds, und bei denen hat er sich ausdrücklich bedient, allerdings nicht einfach kopiert. Spartanisch eingerichtete Räume, und wir betrachten sie aus kühler Distanz.

Wenn auf den Bildern Personen dargestellt sind, dann sieht man sie von hinten oder wie sie beschäftigt nach unten sehen. Man nimmt nicht Anteil an ihnen, und die Figuren laden auch nicht dazu ein. In dieser Distanziertheit erinnert Hammershøi auch an Edward Hopper, allerdings farblich deutlich gedämpfter. Ein leichter Grauschleier hängt über seinen Bildern, und sie wirken dadurch etwas schlierig und erinnern mich darin im weiten Sinne auch etwas an die minimalistischen Stillleben von Giorgio Morandi.

Die Überschrift des Artikels in der FT Weekend lautet: »Rooms without a view«, und in der gestrigen FAS, welche ich dann beim Kaffee in der RA las, ist Andreas Kilbs Artikel über die Berliner SebastianodelPiombo-Ausstellung so überschrieben: »Warte, bis es helldunkel wird«. Was für Überschriften, und was würde unser Experte Gabriel wohl dazu sagen, zu billig, zu easy? Mir gefallen beide.

Bei Andreas Kilb gefällt mir aber besonders der Artikel. Der ist ganz wunderbar geschrieben, dicht und informativ, man hat das Gefühl, schon erschöpfend dort gewesen zu sein, aber trotzdem noch mal hinzuwollen, allerdings schreibt Kilb:

»Die italienischen und spanischen Museen haben ihre Kostbarkeiten für das Projekt hergegeben; aus den großen Häusern Europas dagegen, der National Gallery, dem Louvre, der Ermitage, kommt fast nichts außer ein paar Zeichnungen«.

Was schlecht für das Projekt ist, ist gut für mich, denn bis zur National Gallery sind es nur ein paar Minuten Fußweg, und ich kann mir gleich noch ein paar der Schätze ansehen, die die »großen Häuser Europas« garstigerweise nicht für die Ausstellung rausgerückt haben.


Feuilleton und Pornografie (Teil 1):
Alexander Osang über Pornywood

London, 28. Juni 2008, 16:06 | von Paco

Hier werden ab heute (und danach in hoffentlich nicht allzu loser Folge) ein paar Standardartikel zum Thema vorgestellt, die man unbedingt gelesen haben muss. Damit es nicht zu lustig wird, starte ich mit diesem Text:

Alexander Osang: Männer sind knapp im Moment.
In: »Der Spiegel« 21 (17. 5. 2004), S. 142-146.

Osangs Reportage ist natürlich kein Loblied auf die US-amerikanische Pornoindustrie mit deren Hauptschauplatz San Fernando Valley, genannt Pornywood. Vom Tonfall bis zur Pointe zeichnet er ein eher dunkles Sittengemälde der Milliardenbranche.

Zwar werden genaue Berufsbilder vom Modelagenten über den Regisseur/Kameramann und den Produzenten bis zu den Darstellern gezeichnet. Als beruflicher Appetizer der FAZ-Beilage »Beruf & Chance« ließe sich der Text aber dennoch nicht verbraten. Das liegt vor allem am Aufhänger: dem HIV-Skandal, der Pornywood vor 4 Jahren erschütterte.

Während der empfohlenen 60-Tage-Quarantäne herrschte eine Knappheit an männlichen Darstellern, viel Zeit zur Besinnung schien aber nicht zu bleiben: »Die Frauen gehen gelangweilt ihrer Arbeit nach. Die Frauen hier wollen Männer. Für eine ›Girl-Girl‹-Szene gibt es 400 Dollar, für eine ›Boy-Girl‹-Szene doppelt so viel.«

Es waren solche Details, die auch noch Wochen nach dem Erscheinen des Textes Mitte Mai 2004 immer mal wieder Thema an irgendwelchen Nebentischen waren. Diese Nachhaltigkeit ist vor allem auch auf die literarische Grundhaltung des Autors zurück­zuführen: Schon aufgrund des Aufhängers war es Osang nicht möglich, seinen Bericht mit einem ironischen Unterton zu versehen, wie es Feuilletontexte über die Pornoszene sonst gern tun (Beispiele folgen).


Vor dem Spiel:
Sehr sehr, ganz ganz, absolut

Konstanz, 25. Juni 2008, 18:44 | von Marcuccio

Überraschungsmomente in der Regionalzeitung, heute: Fußballer­sprache. Aber keine Sorge, keine weiteren Kalauer vom Schlage »Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien« oder »Die Medien haben das alles hochsterilisiert«. Nein, an Ralf Mittmanns »Anpfiff« im heutigen »Südkurier«-Sportteil ist überhaupt nichts regionalzeitungssteril.

»Auch für Medienvertreter sind Pausentage schwierige.« Endlich mal ein Sportreporter, der überhaupt noch ausspricht, dass nun nicht jeder Trainingslagergrashalm das ultimative Rasenereignis vor dem Spiel ist. Und der sich, weil trotzdem täglich neue Presse­konferenzen von und mit der deutschen Elf anstehen, auch mal auf neue Standardsituationen verlegt, etwa das Zusammen­rücken der »Sprache vom Bundestrainer bis zum 23. Spieler«:

»Da ist alles ›sehr, sehr‹ oder ›ganz, ganz‹, und muss ein Wort ausreichen, Aussagen zu unterstreichen, dann gibt es nur eines: ›absolut‹. Tag für Tag, ›sehr, sehr‹, ›ganz, ganz‹ und ›absolut‹. So passen wir uns also an und teilen mit: Die sehr, sehr lange Zeit des Wartens hat heute ein Ende. Auch wenn es ein ganz, ganz schwerer Gang gegen die Türken wird, ist es absolut gut, dass gespielt wird. Sehr sehr überzeugt sind wir von einem deutschen Sieg, ganz ganz sicher sind wir aber absolut nicht.«

Das ist doch mal fein aufgegriffen. Und man malt sich schon jetzt zukünftige Strafarbeiten für Medienlinguisten oder Sportpublizistik-Studenten aus: Ermitteln Sie aus den Mannschaftsleistungen auf dem Platz und dem Sprachgebrauch der Spieler bei Presse­gesprächen den Teamgeist-Koeffizienten aller DFB-Pflicht­spiele seit der Ära Klinsmann. Oder so.


Darf man das lesen? (Teil 13):
»Bücher«

Konstanz, 25. Juni 2008, 07:55 | von Marcuccio

Na, selbstverständlich darf man Bücher lesen. Bei der gleich­namigen Zeitschrift ist eine gewisse Sigrid Löffler vermutlich anderer Meinung, schließlich hat sie ihr »Journal für Bücher und Themen« seinerzeit nicht umsonst »Literaturen« getauft (und die Domain-Posse mit Christian Kracht nahm ihren Lauf, aber das ist eine andere Geschichte …).

»Bücher. Das unabhängige Magazin zum Lesen« erscheint seit 2003, in einem Verlag, von dem der eine oder andere vielleicht schon mal die »blond«, das »snowboarder MBM« oder auch »Sylt geht aus« (stand hierzu nicht schon alles in »Faserland«?) in der Hand hatte.

Zur Optik nur soviel: Heft 3/2008, mit einer makellosen Nina Hoss auf dem Cover und dem Titelthema »Einsamkeit: Das Gefühl 2008«, könnte glatt als Klon des G&J-Titels »emotion« durchgehen.

Aber ich muss gestehen, ich fühle mich, seit ich das Magazin kenne, vom normalen Feuilleton ein wenig unterversorgt, denn mindestens vier feine »Bücher«-Rubriken gibt es, die es so sonst nirgends gibt:

1. Das »Cover-Ranking«

Please judge a book by its cover: Hier werden Bücher (und zwar jeweils zwei) endlich mal unter rein verpackungsästhetischen Gesichtspunkten rezensiert. »Denn das Auge liest mit« … Die in Heft 3/2008 gestellte Frage, warum ein- und dasselbe Cover (»a rose is a rose is a rose«) hier vollkommen in Ordnung und da total daneben geht, ist wirklich eine hübsche Idee, zumal für Paratext-Freunde.

2. »Wiederentdeckte Klassiker«

Das Prinzip der Buchpatenschaft als solches ist ja nichts Neues, die lit.Cologne hat ein eigenes Veranstaltungsformat draus gemacht und der »Spiegel« präsentiert allwöchentlich »Das Buch meines Lebens«. Ob es funktioniert, hängt wie im DLF bei »Klassik-Pop-et cetera« eben immer auch davon ab, wer den Paten macht. Hier schreibt Helmut Krausser, und das seit mittlerweile 28 Folgen – womit sich das Ganze schon jetzt als Steilvorlage für ein zukünftiges Bibliotheksporträt bei »Cicero« empfiehlt.

3. »Verhinderte Bestseller«

Egon Friedell als »Klassiker, der in diesen Ferien dran ist«? Was uns Peter Richter in der FAS empfiehlt (neben »Maschinenwinter« als Strandlektüre), steht vorher hier: Schon im letzten »Bücher«-Heft feierte Björn Vedder die »Kulturgeschichte der Neuzeit« (»ein barocker Überfluss an Wissen, eine virtuose One-Man-Show«) und ihren Autor gleich dazu:

»Seinen Künstlernamen Friedell trug er seit seiner Dissertation über ›Novalis als Philosoph‹ 1904. Sein Leben in der Wiener Boheme erforderte bald Kuren gegen Alkoholismus und Fettlebigkeit. Als am 16.03.1938 SA-Männer den ›Juden Friedell‹ abholen wollten, wie er selbst meinte, sprang er aus dem Fenster seiner Wohnung in den Tod – jedoch nicht, ohne die Passanten vor seinem Aufprall zu warnen.«

4. »Überschätzte Bücher«

Eine so überschriebene Seite als letzte Seite einer Zeitschrift namens »Bücher« – das ist doch mal ein super selbstironisches Heftfinale. Dabei versteht sich das Motto durchaus als seriös, nämlich als Gelegenheit, um zwischen allerlei akuten »Feuchtgebieten« und dem nicht zitierfähigen »Neid. Ein Privatroman« noch mal nachzufragen: Was war eigentlich dran an Elfriede Jelineks »Lust« vor fast 20 Jahren, was stand da drin? Klare Antwort von Andrea Neuhaus in Bücher 3/2008: Nichts, außer einem einzigen »Altherrenwitz, ausgebreitet auf mehr als 250 Seiten«.

Literaturhypes revisited, ein Gegengift zu mancher Feuilleton-Sause, das erst retrograd so richtig heilsam wirkt.


Matussek, Folge 85:
Linker und rechter Fußball

London, 23. Juni 2008, 19:37 | von Paco

Und weiter. Nach den Folgen 56, 63 und 69 heute Folge 85. Wie immer passiert alles in der sentimentalischen Genauigkeit der Einträge auf der Serien-Website TV.com. Have fun!

Matusseks Kulturtipp (2006 and on)

Ep. Title: »Matusseks EM-Studio: Linker und rechter Fußball«
Episode Number: 85
First Aired: June 17, 2008 (Tuesday)
URL: http://www.spiegel.de/video/video-31808.html

Synopsis

To mark the occasion of the 2008 UEFA European Football Championship hosted by Austria and Switzerland, Matussek mixes football with politics in this episode. Accompanied by his buddy Goethe, he collects statements of more or less renowned friends, journalists, and politicians to make his point. In the end, he skeptically removes his patriotic cheek painting as the 2006 World Cup spirit seems to be gone somehow. This episode also holds two surprises: one regarding the infamous Córdoba match from 1978, the other involving an alleged quote from Goethe’s and Schiller’s couplet collection »Xenien.«

Cast

Star: Matthias Matussek (himself)

Recurring Role: Goethe (himself)

Guest Star: Angela Merkel (herself, only seen in photos), Joachim Lottmann (himself), Thomas Schmid (himself), Gregor Gysi (himself), Oskar Lafontaine (himself), Christoph Metzelder (himself), Oliver Bierhoff (himself), Alexander Kluge (himself)

Memorable Quotes

Matussek (meeting up with Thomas Schmid): »Ich stellte ihn in der Raucherecke des Springer-Hochhauses, (es) erinnerte ein bisschen an Guantánamo.«

Thomas Schmid: »Da gibt es ja seit Netzers Zeiten und seit dem berühmten Che Guevara im Porsche oder Jaguar, ich weiß nicht mehr, drin, viele, viele Spekulationen, der eher kollektive, eher kollegiale, der eher leistungsorientierte Fußball, ich glaube, das ist Quatsch, das ist alles eine Suppe.«

Gregor Gysi (when asked about the condition of the German national football team): »Ich hab immer gesagt, nicht wieder, dass wir in den letzten Tagen einknicken, sondern durchziehen.«

Oskar Lafontaine (about Michael Ballack as possible lifelong captain of the national team): »Ja, ich fürchte, dass da etwas übersehen wird, nämlich die Kondition des Mannschaftsführers. Er ist sicherlich jetzt ein sehr guter Spieler. Ob er das in 50 Jahren noch ist, da hab ich meine Zweifel.«

Matussek (to German coach Joachim Löw, over the phone): »Sage mal, was ihr für Scheiße hier zusammenspielt. Das könnter doch net mache.«

Christoph Metzelder: »Ich glaube, dass es normal ist, dass man nach so einem Spiel sich auch hinterfragt als Mannschaft, als Verantwortlicher, als Trainerstab.«

Matussek (reinterpreting Córdoba 1978): »Wir hatten einfach keine Lust, in dem argentinischen Junta-Staat, dem Folterstaat, mit Fußball zu glänzen. Die Österreicher konnten das leichter abschütteln, hatten damit keine Probleme.«

Matussek (to Alexander Kluge): »Es ist wichtig, dass Sie, wenn Sie nicht mehr weiterwissen, ist es immer gut, wenn Sie einen Goethe dabeihaben. Ich hab bei meinen Blogs immer einen Goethe dabei.«

Matussek: »Fußball theatralisiert die Seelenlage einer Nation wie nichts Anderes.«

Trivia

Running time of this episode: 7’00 mins.

This episode starts without any form of intro or opening credits.

Matussek wears no suspenders in this episode except for a few shots during the closing credits. Instead, he wears one of these Hawaiian flower necklaces in black–red–gold, the official German colors. In one scene, he can be seen wearing a football scarf, also in German colors.

»Der alte Schirrmacher« (»good old Schirrmacher«) is not mentioned in this episode. The same goes for Ding and Dong (i. e., Mephisto).

There’s footage showing German author Joachim Lottmann commenting Croatia’s defeat of Germany on June 12th. Lottmann is seen with a couple of teenage fans introduced by Matussek as a »family from the Northern outskirts of Berlin.« Matussek and Lottmann used to work together at »Spiegel« magazine.

Thomas Schmid whom Matussek happens to meet in the smoking area of the Springer-Hochhaus is editor-in-chief of »Die Welt«, a conservative daily published by Axel Springer AG. From 2000 to 2006, Schmid worked for »Frankfurter Allgemeine Zeitung« which is also regarded as conservative (see signandsight’s key to German newspapers). In the eighties, Schmid had mainly worked for leftist publications.

Matussek published a discerning story on Gregor Gysi, head of Germany’s Left Party, in »Spiegel« magazine, no. 23 (June 2, 2008), pp. 48-50. Thus the scenes with Gysi contained in this episode can be considered outtakes since none of his statements made it into the actual article.

Instead of flocking to a public viewing, Matussek retreats to a private session to watch the match between Croatia and Germany. There he urges two kids to snatch the ball out of the game projected to the wall of the living room to help the German team protect its penalty box. (It didn’t help, though.)

In the second half of the match between Croatia and Germany, Matussek rings up German coach Joachim Löw to ask what on earth his team is doing (see Memorable Quotes). As Löw was not seen holding a phone during the match, Matussek may have dialed the wrong number.

Since football as we know it was invented after Goethe’s death in 1832, it appears to be quite prophetic that the revered German poet already alludes to it in the first part of his tragedy Faust whose first drafts date back to the 1770s: »Da steh ich nun, ich armes Tor! / Und bin so klug als wie zuvor« (»So here I stand, a poor goal! / None the wiser than before«).

German chancelière Angela Merkel is only seen in photos where she seems to be talking to Matussek about his 2006 book, »Wir Deutschen« (»We Germans«). In the beginning of this episode, he already denoted this essayistic piece as a »licence to cheer« for the German fans during the 2006 World Championship which took place in Germany.

The scenes showing defender Christoph Metzelder and team manager Oliver Bierhoff talking to journalists during a press conference are not shot by Matussek himself but taken from another source.

This episode was followed by a remix episode released three days later (June 20th) after the German team beat Portugal in the quarter finals by 3–2 in Basel on June 19th. It goes by a slightly altered title, »Matusseks EM-Remix: Linker, rechter und guter Fußball«, and mainly revises several ideas mentioned in the original video blog. It also contains some new material, though, like the opening scene where Matussek cries, »Aus! Aus! Aus!«, paying tribute to German sports reporter Herbert Zimmermann (1917–1966) who used the exact same wording after (West) Germany beat Hungary in the World Cup final of 1954 (»Miracle of Berne«).

Allusions

Matussek wears the patriotic black, red, and gold face paint but to express the curbed enthusiasm of both, the German national football team and the German fans, it was applied in the shape of a question mark.

The biggest surprise in this episode is Matussek’s reinterpretation of the infamous match between Austria and Germany in Córdoba, Argentina, during the World Championship in 1978. He insinuates that Germany lost on purpose to protest the Argentinean military junta. In contrast, Austria didn’t seem to care about the whole thing and beat (West) Germany by 3–2. This new hypothesis easily overthrows another famous reinterpretation of the match: sports commentators Grissemann & Stermann suppose that its final score actually amounted to a 5–0 in favor of Germany since all 22 players on the field where after all German (see here for details).

Matussek mentions a popular Goethe dictum, »Stolpern fördert« (»to stumble brings forward«) and provides his and Schiller’s »Xenien« as its source. Yet this small piece of wisdom, jotted down by Goethe during his second journey to Italy, never made it into a poetic work. The respective note reads, »Holl. Spr. W. Stolpern fördert.« – »Holl. Spr. W.« is an abbreviation for »Holländisches Sprichwort«, i. e., »Dutch proverb.« According to Jacob and Wilhelm Grimm’s »Deutsches Wörterbuch« (vol. 19, 229), »Stolpern fördert« is a proper German saying. Goethe also lists an Italian equivalent: »Un calce in culo fa un passo avanti.« However, this sentence must be corrected: the misheard ›calce‹ is to be replaced by ›calcio‹. Since ›calcio‹ is also the Italian word for ›football‹ the wheel comes full circle here. This indicates that delivering the wrong source was intended by Matussek to send us off on a little journey ad fontes.


Bei Sotheby’s

London, 22. Juni 2008, 23:58 | von Dique

Gestern MIA. im Goethe-Institut. Das ist immer so geil bei diesen deutschen Bands, die auf deutsch singen und zu denen hier auch nur deutsche Expats gehen, die eine Handvoll britischer Freunde mitschleifen, weswegen die Bands dann immer auf Englisch reden. »We are the group MIA. from Berlin.« The group MIA., hehe.

Zum Ausgleich für gestern dann heute ein bisschen Kultur (hehe) bei Sotheby’s, Modern and Contemporary Art Sales Preview. Ziemlich geiles Zeug überraschenderweise, zwei dieser abgeschliffen wirkenden Richter-Leinwände, eine in kleinem Format. Und wie immer Lucio Fontanas unifarbene Leinwände mit Schlitzen, die mich in ihrer Simplizität immer mehr begeistern.

Das Gleiche kann ich von Piero Manzoni sagen, ein weißer Rahmen, darin 30 Quadrate aus weißer Dämmwolle, super. Der Hit sind aber Anish Kapoor und sein ca. 2 Meter großer Alabasterblock, in den hinten und vorn ein großes Loch hineingefräst ist. Auch hier bestechen die Schlichtheit und das wunderbare Material. Nach dem Hit noch der Knüller, die »Danseuse« von Gino Severini, eine in gelb, grün, rosa und hellblau leuchtende futuristische Tänzerin, so schön, hat aber auch einen Schätzwert zwischen 7 und 10.000.000 britischen Pfund.

Gerade rüber, bei Partridge, läuft momentan ein Hammer Sale, Correggio, Pontormo, Reni, Preti, Allori und: Parmigianino. Ein Porträt. Im Katalog vergleichen sie es mit dem Kunsthändler-Porträt in der National Gallery, allerdings wegen der Form des Hutes und der daraus folgenden Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Position des Porträtierten, es ist nämlich lange nicht so schön, aber eben ein typisches seiner Porträts.

Und der Preis? »Fern jeder Schätzung«, sage ich da Mal mit Vincent Ludwig, der Frank Drebin mit diesem Satz in »Die nackte Kanone« ein paar japanische Zierfische zeigt, welche Frank kurze Zeit später mit einem Füllfederhalter, dessen Feder nur durch Wasser zerstörbar ist, aufspießen wird.

Dann Treffen mit Paco, der die FAS verschlampt hat, Mann, was soll ich heut abend lesen.


Die FAS vom 22. 6. 2008:
Maschinenwinter am Strand

London, 22. Juni 2008, 19:36 | von Paco

Abbildung:
Holbein d. J., »Der Leichnam Christi im Grabe« (1521), Kunstmuseum Basel.

Es ist das wohl horizontalste Gemälde der Kunstgeschichte. Rainald Goetz hat Holbeins Christus gerade aufrecht in die rechte Seitenleiste seines »Klage«-Blogs hingestellt. Der Witz dabei ist, dass er so einerseits Abschied feiert, denn »Klage« ist zumindest in Blog-Gestalt inzwischen auch eine Art Leichnam und wird im Herbst bei Suhrkamp als Buch erscheinen. Andererseits zeigt er mit dem aufrecht hingepappten Bild gleich mal allen den Finger, denn der tote Christus hält auf Holbeins Bild den Mittelfinger aus dem Fingerensemble hervorgestreckt wie ein Aggro-Rapper auf Provo-Tour in der »Bravo«.

Das sollte man einfach mal als unmittelbare Reaktion auf Nils Minkmars unfeinen Verriss im Aufmacher des heutigen FAS-Feuilletons deuten (S. 21). Es ist aber auch schwer, noch irgendwas Wichtiges zu »Klage« zu sagen, nachdem Burkhard Müller den treffendsten, eventuell sogar bestmöglichen Text zu Goetz‘ Projekt schon veröffentlicht hat, in der S-Zeitung vom 28. 5. (»Zeitgenosse des Jahres«). Nur in der Kategorie »best supporting author« war noch was zu reißen, doch dieser Posten ist inzwischen von Joachim Lottmann mit einem der üblichen Mocking-Berichte zur gestrigen »Klage«-Abschiedsparty besetzt worden.

Dann empfiehlt die Feuilleton-Redaktion noch Bücher für den Sommer (S. 22). Peter Richter will sich ausgerechnet Dietmar Daths »Maschinenwinter« mit an den Strand nehmen, eine gute Idee auf jeden Fall, und so begründet er seine Wahl: »Weil ich ›Weltall – Erde – Mensch‹ schon kenne.« Sehr gut, der Jugendweihe-Klopper hätte auch in keinen Strandkorb reingepasst, hehe.

Zu mehr bin ich diesmal nicht gekommen, denn der Wind erfasste irgendwann die einzelnen Teile der FAS und trug sie davon. Und es war so so heiß, selbst im gewaltigen Baumschattenreich von Hampstead Heath, dass wir viel zu träge waren, um der FAS hinterherzulaufen.

Der Verlust der Sonntagszeitung ist auch deshalb schlimm, weil im morgen erscheinenden »Spiegel« nichts drinsteht, und vor allem der »Kultur«-Teil bildet hier mal wieder die Speerspitze. Vielleicht habe ich dann nächste Woche endlich mal Zeit, die für hier geplante Serie »Feuilleton und Pornografie« zuende zu schreiben.


Slayer und Caravaggio

London, 21. Juni 2008, 18:21 | von Dique

Ich höre gerade Possessed, diesen völlig geilen 80er-Jahre-Death-Metal. Es ist die erste Scheibe, »Seven Churches« von 1985, und die ist so hammergut. Der Nachfolger »Beyond the Gates« ist nicht der Rede wert und nach einer darauf folgenden EP, die ich nicht kenne, barst die Band Ende der 80er auseinander.

Ich habe »Seven Churches« seit 15 Jahren nicht gehört, oder länger, und nun zufällig an diesem römischen Antiquariatsstand geangelt. Dieser Hammerstoff haut einen immer noch um. Er ist ein bisschen ein anderes Kaliber, aber grundsätzlich nicht schlechter als das 85er Slayer-Album »Hell Awaits«.

Das war die erste Slayer-Platte von ungeheurer Qualität, viel reifer als »Show No Mercy«, die Debütscheibe von 83, die noch sehr Speed-Metal-mäßig war.

Dazwischen gab es noch zwei EPs, »Haunting the Chapel« und das gefakte Live-Album »Live Undead«, na ja, nicht erwähnenswert dieser Schrott, wobei die Live-Version von »Die By The Sword« schon was hat.

Nach »Hell Awaits« kam dann 86 das unschlagbare Album »Reign in Blood«, unerreicht in seiner Qualität, jedenfalls nicht mehr von Slayer. Die Band wusste das selber und trieb sich danach in für ihre Maßstäbe seichteren Gewässern herum, mit den ruhigeren Alben »South of Heaven« und »Seasons in the Abyss«.

Erst Sepultura konnte 91 mit »Arise« aufschließen, obwohl hier gern, nicht ganz unberechtigt, der Kopiervorwurf kommt. Die Stücke sind länger als die der »Reign in Blood«, aber sie werden ähnlich hart und gnadenlos durchgeprügelt.

Und da bin ich dann wieder bei Caravaggio, denn Hughes sagt in der vorgestern von Paco erwähnten Doku, dass erst ein Rembrandt oder ein Velázquez wieder an Caravaggio anknüpfen konnte, den Faden aufnehmen und weiterspinnen, und Recht hat er:

»Now in the event all that the Caravaggisti could imitate was the shell and stage props of Caravaggio’s work. And the real lesson to be drawn from his art, that extraordinary overlap between epiphanies and ordinary substances needed a Velázquez, or a Georges de la Tour, or a Rembrandt to carry it on and complete it.«

Der Link auf Velázquez ist natürlich klar, und überhaupt wäre das »goldene Zeitalter« der spanischen Malerei ohne Caravaggio kaum denkbar. Lange dachte ich ganz vage, dass Ribera die wichtigste Verbindung zu dessen Stil war, der zwar in Spanien geboren wurde, sich aber lange in Neapel aufhielt, wie Caravaggio.

In Neapel wurde die Hell-Dunkel-Malerei, das Chiaroscuro, ziemlich kultiviert, viele der so genannten Caravaggisti stammen aus dieser Gegend. Aber ein viel wichtigeres Bindeglied von Italien nach Spanien ist, zumindest nach Jonathan Brown (»Painting in Spain, 1500-1700«, 1998), Juan Bautista Maíno, der noch zu Caravaggios Lebzeiten 8 Jahre in Italien verbrachte.

Fazit: Es brauchte einen Rembrandt und einen Velázquez (und Georges de la Tour, jawohl!), um den Caravaggio-Style wirklich weiterzutreiben, und weniger die ungezählten Caravaggisti, und so ist das auch bei Slayer und Sepultura, und das kann man doch einfach mal so in den Raum stellen, als eine Art »useful bon mot«, wie neulich jemand sagte.


»Harzreise im Sommer«:
Gustav Seibt auf der Suche nach Andacht

London, 20. Juni 2008, 07:28 | von Paco

AAACHTUNG! Ich bin Gustav Seibt und suche Andacht! Und Kuchen! Im Osten! Das scheint das Motto des Autors zu sein. Es geht um den reportageartigen Artikel »Harzreise im Sommer«, der in der S-Zeitung vom 9. Juni veröffentlicht wurde (S. 11). Er ist leider mal wieder nicht im Netz, nur beim Perlentaucher, im DLF-»Fazit«, auf Spreeblick und in der »jungen welt« gibt es Spurenelemente des Textes.

Seibt war in osteutschen Kirchen unterwegs, vor allem in »Sachsen-Anstalt« (Oliver Kalkofe) und Brandenburg, und beschreibt nun seine Abenteuer. Leider ist seine Studie nicht religionssoziologisch unterfüttert: Dass die DDR nun mal im protestantischen Kernland stattfand und das eben Folgen hatte, scheint ihm entgangen zu sein, und daher klingt sein Text wohl auch so verschnupft. Es ist auch unklar, an wen er jetzt genau gerichtet sein soll, es handelt sich eher um einen langen pingeligen Eintrag ins Gästebuch ostdeutscher Hotels, Kirchen und Museen.

Die Überschrift

Gabriel, der Überschriftenerfinder, von dem hier ab und zu die Rede ist, fiel der Text schon wegen der selten misslungenen Überschrift auf: »Für SZ-Verhältnisse ein schlimmer Fauxpas.« Sowas hatte er noch nie gesagt.

»Harzreise im Sommer«, das spielt natürlich auf Heinrich Heines »Harzreise« an und gleichzeitig aber irgendwie auch auf dessen »Deutschland, ein Wintermärchen«. Offenbar hat der zuständige Überschriftenredakteur diese beiden Dinge durcheinandergebracht. Denn Heine unternahm seine Harzreise im September 1824, also irgendwo zwischen Spätsommer und Herbstanfang. »Harzreise IM SOMMER« suggeriert nun aber, dass irgendjemand Berühmtes mal eine »Harzreise im Winter« unternommen hat, was ja nicht der Fall ist.

(Edit: An alle Seibtologen! Der gerade gelesene Witz wird in den Kommentaren so halb erklärt – thanks to our all-too anonymous readers. Der Spaß hat auch mit den »10 Sekunden Googeln« zu tun, um die es hier gleich noch geht.)

Auf lustig geschrieben

Zurück zum Text. Seibt beschwert sich an mehreren Stellen über den Eintritt, der in vielen Kirchen zu entrichten ist. Er stellt das als ostdeutsches Phänomen dar. In Italien, nur mal als Beispiel, kann man aber auch öfters ordentlich was bezahlen für eine Kirchen­besichtigung, teilweise sogar doppelt, wie Niklas Luhmann mal irgwendwo in einer Fußnote berichtet hat.

Seibts Text ist trotz des vorherrschenden Unmuts auch erkennbar auf lustig geschrieben:

»Sachsen-Anhalt bezeichnet sich auf Schautafeln am Wegrand als ›Land der Frühaufsteher‹, das aber heißt: Kirchen und Museen schließen dort einvernehmlich um 17.00 Uhr, es gilt der Stundenplan des Kollektivs, ausgeschlafen wird nicht, und am Abend herrscht die Ruhe der Toten. Andacht am Feierabend ist nicht vorgesehen.«

Also DDR-Relikte-Bashing, und warum auch nicht, das kann Gustav Seibt ja auf jeden Fall machen. Nur stimmt es nicht mal, was er schreibt. Jetzt werde ich zwar etwas pfennigfuchsig, aber schon 10 Sekunden Googeln bringen ans Licht, dass die Dome in Magdeburg, Merseburg, Naumburg und Quedlinburg länger geöffnet haben, außerdem die Hallenser Laurentiuskirche, St. Bonifatius und St. Marien in Bernburg, St. Peter und Paul in Dessau, um nur mal eine Handvoll zu nennen. Die 10 Sekunden Googeln hätten die gesamte Textstelle zunichte gemacht, denn »17 Uhr« klingt einfach untouristischer und muss eben die Stoßrichtung des Textes stützen.

Okay, vielleicht schießen die gegoogelten Schließzeiten etwas übers Ziel hinaus, aber man kann schon mal darauf hinweisen, dass es ein wenig unlauter ist, aus einem allgemeinen ein ostdeutsches Phänomen zu machen. Als Abgleich wieder der Blick nach Italien, wo Kirchen oft nur bis 13.00 Uhr geöffnet haben, und das war’s dann für den ganzen Tag. Let’s call it Entchristiani­sierung, wie Seibt das tut, hehe.

Dann noch zur Kuchenepisode:

»Jeder französische Kleinstadtbäcker würde vor Scham im Boden versinken vor dem, was im Harz als ›selbstgemachter Kuchen‹ angeboten wird: ein labberiger Fertigboden mit Erdbeeren belegt und von einer dicken Gelatineglasur geschmackstötend zugekleistert.«

Über diese Stelle hat sich schon das DLF-»Fazit« mokiert, ich kenne aber mindestens zwei Leute, die Fans dieser Textpassage sind. Alles in allem ist Seibts Unmutstext ein würdiger Kandidat für den besten schlechten Text des Jahres, so wie weiland Christine Dössels Lawinky-Porträt.

Übrigens scheint Seibt doch ab und zu auch ein Freund ostdeutscher Landpartien zu sein, mir fällt da spontan sein Artikel vom letzten Jahr ein (SZ, 6. 9. 2007), der zwischen Wittenberg und Weimar die »Toskana« Deutschlands ausmachte. Da war er entschieden besser gelaunt im Mitteldeutschen unterwegs, schrieb aber auch nicht über Kirchen und ihre Öffnungszeiten.


Robert Hughes: Caravaggio (1975)

London, 19. Juni 2008, 08:29 | von Paco

Giorgio Vasari hat leider nicht lange genug gelebt, um auch die Vita des Caravaggio zu beschreiben. Also hat das der herrliche Robert Hughes mehr als 350 Jahre nach C.s Tod übernommen, natürlich nicht als Erster oder Einziger, aber als einer der kurzweiligsten Biographers.

In Vorbereitung auf den Italien-Betriebsausflug der Umblätterer-Squadra hatte ich mir noch mal Hughes‘ TV-Doku »Caravaggio« angesehen, die 75 Minuten lang ist und auch irgendwo in 7 Teilen auf YouTube rumfliegt.

In der Doku sehen wir Hughes in Jeans auftreten, in einem weiß-rosa Streifenhemd, manchmal mit einer Jeansjacke drüber, und einem fetten Staubwedel als Frisur (es waren die 70er). Damit mag der Porträtist heute wie ein Hallodri wirken – kunsthistorisch gesehen macht Hughes auf alte Schule: Der Australien-born Kunstkritiker und langjährige »Time«-Autor hatte in einem Interview vom Mai 1997 mal jeglichen Kommentar zu interaktiver Videokunst und dergleichen abgelehnt, mit den Worten: »I just don’t know. I’m a print asshole. I’m a paint boy.« (salon.com)

In seiner Annäherung an Michelangelo Merisi weist er zunächst jegliche biografische Sicherheiten von sich: »We don’t know how or why Caravaggio became a painter.« Mehrfach lobt er dann überschwänglich die realistische Malweise und den plastischen Eindruck, den bestimmte Gemäldeausschnitte beim Betrachter hinterlassen – diese Effekte sind auch ungeschulten Museumsbesuchern sofort vermittelbar und dürften noch immer erheblich zur Vermittelbarkeit und Popularität des Malers beitragen.

Ich selber habe vor einigen Jahren das Gerücht gehört, dass sich vor dem »Supper at Emmaus« in der Londoner National Gallery mal jemand am visuell herausgestreckten Ellenbogen des links vom Betrachter sitzenden Tischgenossen gestoßen haben soll. Hughes zeigt uns nun dieselbe Stelle und weist auf die Löchrigkeit der aus dem Bild ragenden Kleidung hin.

Dann wird Caravaggio von Hughes vor allem noch als »connaisseur of violence« verstanden. Dafür wird uns das »Sacrifice of Isaac« präsentiert. In der Uffizien-Variante des Themas drückt Abraham seinen Sohn derb gegen den Boden: »Only a connaisseur of violence would show you that thick implacable thumb forcing Isaac’s head down on the altar, and that squalling mouth.«

Als weiteres Beispiel führt Hughes das Blutrunst-Bild schlechthin an, die Judith, wie sie Holofernes den Kopf bereits zur Hälfte abgeschnitten hat (im Palazzo Barberini, neulich schon von Dique erwähnt). Sowas widersprach natürlich dem Decorum-Gedanken der Kirchenleute, das ist was ganz anderes als Gerhard Richters bunte Glasfenster für den Kölner Dom, hehe.

Und dann ist die Hughes-Doku auch noch ein Stelldichein dieser britischen Überbetonung und beschert uns folgende Klangerlebnisse, ganz im Sinne des neulich beobachteten graw-tsee-yeah und des Titelhelden der Doku selber, »Kerewartscho«:

  • Majkilendschelo.
  • Tischen.
  • Louränsoh Lattoh.
  • Dschordschionäj.

Usw.