»Der Louvre in 20 Minuten«

St. Petersburg, 22. August 2011, 14:18 | von Paco

Aus der Redaktion · Gerade eben ist als Nr. 105 der »Schöner Lesen«-Reihe des SuKuLTuR-Verlags dieser Band erschienen:

Der Louvre in 20 Minuten (Cover)
Der Louvre in 20 Minuten

Frank Fischer · Berlin · SuKuLTuR · 2011
20 Seiten · 1,– € · ISBN 978-3-941592-26-1
Veröffentlicht unter der CC by-nc-sa 3.0 DE

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»Was in Frank Fischers neuestem Band über den Louvre gesagt wird, hat mich sehr nachdenklich gestimmt.«
— Christian Kracht

Inhalt

Denon-Flügel … Seite 3
Sully-Flügel … Seite 13
Richelieu-Flügel … Seite 15

Als sozusagen Vorwort eignet sich sehr gut der grandiose FAZ-Artikel von Julia Voss über die bevorstehende Leonardo-Ausstellung in der National Gallery in London: »4 Minuten, 17 Sekunden«.

Ach so, »Der Louvre in 20 Minuten« ist wie üblich auch in einigen Süßwarenautomaten in Berlin und auf Sylt zu haben sowie direkt und ohne Bestellung in Buchhandlungen in Leipzig (Lehmanns in der Grimmaischen Straße 10) und Berlin, siehe diese Übersicht.
 

100-Seiten-Bücher – Teil 12
Ludwig Wittgenstein: »Tractatus Logico-Philosophicus« (1921)

Düsseldorf, 18. August 2011, 10:15 | von Luisa

Dem »Tractatus« nähert man sich am besten durch die Türen des Hauses, das Wittgenstein für seine Schwester in Wien baute. Die Türen sind sehr hoch und aus Glas und Metall. Kühl und erhaben weht uns aus ihnen die Abstraktion entgegen, und so eingestimmt und ergriffen ziehen wir das rote Suhrkamp-Bändchen aus der Tasche und lesen den ersten Satz: »Die Welt ist alles, was der Fall ist.«

Das klingt erst mal sehr nachvollziehbar. Allerdings geht es dann weniger um die Welt als um deren Abbildung. Um Reinheit der Logik und Aussonderung des Bedeutungslosen, um Sagbares und endlich im letzten Satz um das, »wovon man nicht sprechen kann«.

Der »Tractatus« war 1918 vollendet und erschien 1921. Sein verständigster Leser wäre vielleicht nicht Bertrand Russell, sondern Kafka gewesen. Hätte Wittgenstein ihm doch eine Abschrift geschickt, als kaiserliche Botschaft und Traum von Träumer zu Träumer! Schon die Gewichtung der Sätze durch Zahlen hätte Kafka gefallen: endlich mal Ordnung im existenziellen Zores. Und die Idee, eine lange, komplizierte Deduktion aufzubauen, die sich am Schluss als unsinnig erkennt und selber wegstößt wie eine Leiter, hätte ihn entzückt.

Später schwor Wittgenstein dem System ab und erreichte nie mehr eine so lässige Selbstwahrnehmungshöhe: »Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben«, schrieb er im Vorwort zum »Tractatus«. Diese Überzeugung besäßen wir auch mal gern, und sei es nur an unserem Todestag. Großer Seufzer.

Das Wiener Haus sollte 1971 abgerissen werden. Gerettet hat es die Volksrepublik Bulgarien. Sie nutzte es als Kulturinstitut, ließ es aber, wie es war: leer. Man kann es durchwandern, die Architektur auf sich wirken lassen und die weltberühmten Türklinken drücken. Und darüber nachdenken, was alles der Fall sein kann.

Länge des Buches: ca. 126.000 Zeichen (dt.), ca. 122.000 Zeichen (engl. Übersetzung von Ogden/Ramsey, 1922), ca. 128.000 Zeichen (engl. Übersetzung von Pears/McGuinness, 1961). – Ausgaben:

Ludwig Wittgenstein: Logisch-Philosophische Abhandlung. In: Wilhelm Ostwald (Hg.): Annalen der Naturphilosophie 14 (1921), S. 185–262. (= 78 Textseiten)

Ludwig Wittgenstein: Tractatus logicophilosophicus. Logisch-philosophische Abhandlung. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1963.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

Bayreuth

auf Reisen, 16. August 2011, 16:43 | von Austin

Der Moment des Sommers. In der ersten Pause von Stefan Herheims genialischer »Parsifal«-Inszenierung: Eine Dame in Abendkleid bückt sich im Park und trägt, durch Mitleid wissend, eine Schnecke von der Mitte des Weges ins Gebüsch.
 

Touristische Ernsthaftigkeit

La Rochelle, 16. August 2011, 01:53 | von Papageno

Je crois qu’il est très important de comprendre que la
France est simultanément le pays des révolutions
et une grande terre de la réaction.

Alain Badiou

»No, I have never been there, this is my first time in Europe, but I heard it is absolutely gorgeous!«, meint Steve, der mir im TGV von München nach Paris gegenübersitzt. Steve kommt aus Miami, hat gerade das College hinter sich und ist auf großer Europatour. München habe ihm, nach Berlin natürlich, am besten gefallen, nur seien die Bayern so unfreundlich gewesen. »A friend of mine told it is even worse in France. He said that the French always answer you in English, even if you try to speak their language.«

Das stimmt natürlich beides nicht. Wie so oft wollte hier jemand einem Davonreisenden aus purem Neid mit einem touristischen Vorurteil Angst einjagen. Denn die Pariser sind in den letzten Jahren zum Beispiel extrem zutraulich und sehr, sehr freundlich geworden, vgl. Gumbrecht 2010.

Wenn man so den Artikel »Charming Paris. Quand la Cité devient parc à thème« von Benoît Duteurtre liest, in der Augustausgabe von »Le Monde diplomatique«, könnte man allerdings meinen, Steves Freund habe doch noch Recht. Der mürrische Autor behauptet da nämlich, dass man in Paris einfach nicht mehr leben könne, besonders in den Sommermonaten sei es unmöglich. Die Attitüde kultureller Überlegen­heit, wenn die amerikanischen Touristen sich anmaßen, jemanden mit »Parlez-vous anglais?« anzusprechen, aber auch die englische Ausschilderung der Sehenswürdigkeiten, all das vermiest Duteurtre reichlich den Sommer. Nur auf Kitsch seien die Touristen aus, das wahre Paris bleibe ihnen allen ja verborgen, es mangele einfach an touristischer Ernsthaftigkeit.

Dieses ewige autochthon-antitouristische Lamento hätte natürlich genau so schon in den letzten 50 Jahren erscheinen können. Gott sei Dank beobachte ich wenig später am Gare de Montparnasse eine amerikanische Familie in Abercrombie & Fitch-Aufzug, die, nach reiflicher Vorbereitung mit einem Wörterbuch, belegte Baguettes bei »Paul« bestellt. Die Verkäuferin antwortet dabei ganz langsam auf Franzö­sisch, zum Schluss wünscht sie ihnen sogar noch einen schönen Sonntag!

Dann lese ich noch den Artikel »Dans le laboratoire de l’écolo-bourgeoisie« von Olivier Cyran über die Grünen, in der Hoffnung, dass die Deutschen vielleicht ein bisschen besser wegkommen. Leider glaubt Cyran, dass Karl-Theodor zu Guttenberg der FDP angehört, und das sind leider nicht mal Breaking News. Das kommt einfach davon, dass man die Praktikanten die ganze Arbeit machen lässt, ähnlich wie ja schon letzten Sommer, als »Monocle« so schön vom Münchner Transrapid geschwärmt hat.

Und dann habe ich in Steves neuer Ausgabe des »Lonely Planet« noch gelesen, dass ausdrücklich davor gewarnt wird, sich in Paris in die Nähe der Rue d’Ulm zu begeben. Dort verbrennen nämlich aufstän­dische französische Intellektuelle Abercrombie & Fitch-Sweater, man fürchte, dass sich die Aufstände ausweiten.
 

Regionalzeitung (Teil 48)

St. Petersburg, 15. August 2011, 12:43 | von Paco

 
  236.   auf internationalem Parkett

  237.   macht dabei stets bella figura

  238.   einmal mehr unter Beweis gestellt

  239.   gilt längst als ernst zu nehmende Größe

  240.   ist kein Kavaliersdelikt
 

Donna Leon bringt den Müll raus

Venedig, 14. August 2011, 04:26 | von Austin

Sommerzeit. Reisezeit. Die Welt trifft sich in Venedig. Am Eindrucks­vollsten darauf eingestellt war der Akkordeonspieler auf Torcello, der seine Musik nach der Nationalität der Passanten ausrichtete; ich be­kam »Mein Hut, der hat drei Ecken« ab, die französische Familie vor mir »Frère Jacques«, hinter mir hörte ich dann »O sole mio«.

Gesperrt wegen Bauarbeiten waren in der Galleria dell’Accademia die Säle 5 & 6 sowie 8 & 9 & 11 & 21 und auf San Giorgio Maggiore das Refektorium. Nichtsdestotrotz hier die Top drei Tintoretto-Gemälde in Venedig nach Meinung des Umblätterers:

1) Scuola di Gran Rocco: Die Versuchung Christi. Is it a girl? Is it a boy?

2) Accademia: Der Traum des Heiligen Markus. Als hätte Tintoretto einen Workshop bei El Greco belegt.

3) Madonna dell’Orto: Der Tempelgang Mariens. It’s showtime …

Und die ganze Verzweiflung, die ein Kultururlaub in der Ferne auslösen kann, sie trifft den sehr jungen, strahlend schönen Schwulen, der als ein Objekt seiner selbst durch die Galleria streift, ganz allmählich seinen All-American Parents hinterher; vor Tintorettos »Vertreibung aus dem Paradies« hört man sein unendlich gequältes, leises Jaulen: »Oh no, my camera is dying.«

Zur Phänomenologie des Museumsbesuchers ist zu sagen – den deutschen Kultur-Touristen erkennt man in italienischen Museen neben den Kommentaren (»Haben wir gestern nicht auch eine Verkündigung von Veronese gesehen? Oder war das Bellini?«) sehr gut an der langen Leinenhose. Seit wie vielen Auflagen postet der Baedeker eigentlich schon sein gusseisernes Kleidungsgebot, dass niemals Italiener es wagen würden, in Sommerbekleidung eine Gemäldegalerie zu betreten? Machen sie doch, und zwar zahlreich. Vielleicht kann man das im Text ja mal ändern bei Gelegenheit, das wäre ein guter Beitrag zur allgemeinen Sommerfrische.

Ansonsten bin ich dreimal von japanischen Reisegruppen auf der Terrasse beim Frühstück fotografiert worden, und am letzten Abend tobte ein Gewitter über der Stadt, zweimal schlug der Blitz in Palladios San Giorgio ein, und eine geschmackvoll gekleidete ältere Dame, von der ich schwören könnte, es war Donna Leon, öffnete zaghaft ihre Haustür und hängte den Müllbeutel an den Knauf.
 

100-Seiten-Bücher – Teil 11
Thomas Mann: »Der Tod in Venedig« (1912)

Solingen, 12. August 2011, 07:04 | von Bonaventura

Der ältliche Schriftsteller Gustav Aschenbach, nobilitierter Dichter und Urenkel der deutschen Klassik, lässt sich für einen Moment gehen und weicht einer Schreibblockade aus, indem er in Urlaub fährt. In Venedig angekommen, verliebt er sich in einen 14-jährigen polnischen Knaben. Zwar versucht er dem Wieland’schen Rezept für Verliebte zu folgen und so rasch wie möglich fortzulaufen, auch eine Sublimierung ins Geistig-Platonische wird probiert, letztlich hilft aber nichts gegen den einmal ausgebrochenen Mangel an »Zucht« und Aschenbach bleibt auf der Strecke: Mit einem letzten Blick auf das Rückenstück des göttlichen Knaben erliegt er der Cholera, die er sich im unmoralischengesunden Klima Venedigs zugezogen hat.

Das Erstaunliche an den Texten Thomas Manns ist immer wieder, dass es ihm gelingt, aus dem dünnen Fädchen seines persönlichen Erlebens und Empfindens Erzählungen von bemerkenswert artifizieller Dichte zu stricken. »Der Tod in Venedig« ist, was Ornatus, Motivik, Vorausdeu­tung, Spiegelungen und Ringstrukturen angeht, eine Perle traditionel­ler Erzählkunst. Der Wechsel von ausgewogensten Satzungeheuern und kürzesten Sentenzen verleiht dem Erzähler – bei aller inhaltlichen Schwülstigkeit und Überfrachtung des Erzählten – gerade genügend ironische Distanz, um ihn nicht unerträglich werden zu lassen. Wenn irgend ein deutscher Schriftsteller mit traumwandlerischer Sicherheit auf der Schneide eines Rasiermessers hat tanzen können, dann war es wohl Thomas Mann.

Länge des Buches: ca. 170.000 Zeichen. – Ausgaben:

Thomas Mann: Der Tod in Venedig. München: Hyperion-Verlag Hans von Weber 1912.

Thomas Mann: Der Tod in Venedig. Novelle. Frankfurt/M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag 2007.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

SPON, Helmut Kohl, Bundespresseball

Konstanz, 10. August 2011, 06:43 | von Marcuccio

Drei schöne Szenen aus Herlinde Koelbs Doku »Die Meute«, die dem deutschen Fernsehen vor genau zehn Jahren, am 10. August 2001, eine Sternstunde bescherte und längst zum Klassiker geworden ist – vgl. die Quotes in der Publizistikwissenschaft. Aber ich empfehle natürlich den ganzen Film (z. B. bei YouTube, dort in sechs Teilen).

1. Markus Deggerich!

»Deutschlands erster parlamentarischer Berichterstatter, der ausschließlich ins Internet berichtet« (Koelbl). 2001 unter lauter Print- und Rundfunkhasen noch eine echte Sensation. Mir gefällt, wie er sein Exotendasein mit diesem Laptop-Deckel behauptet, auf dem ein geradezu obszön großer (und deswegen auch hässlicher) Aufkleber von »Spiegel Online« prangt.

2. Buchpräsentation: »Mein Tagebuch« von Helmut Kohl

Sie klettern auf Stühle. Sie drängeln, sie schubsen. Die Fotografen wollen Helmut Kohl mit Buch. Der kapiert gar nicht, wie mediale Bilderlogik funktioniert – oder hat vielleicht auch einfach keine Lust:

–Aber Sie haben doch schon Bilder vom Buch.
–Ja, aber doch nicht mit Ihnen. Können Sie’s mal in die Hand heben?

3. Bundespresseball 2000

Herlinde Koelbl fragt den Silberfuchs Carl Weiss (* 1925):

Koelbl: Warum sind Sie Journalist geworden?
Weiss: Ich wollte immer Journalist werden. Ich glaube, ich war gut im Aufsatz, als ganz kleiner Junge schon. Das war natürlich im Dritten Reich. Ich hab mir gar nicht klar gemacht, wie das eigentlich sein würde, dann wäre es wohl auf Feuilleton hinausgelaufen. Ich wollte immer Journalist werden, das ist mein Beruf.
Koelbl: Was hat Sie so fasziniert?
Weiss: Die Oberflächlichkeit, fürchte ich.
Koelbl: Die Oberflächlichkeit der Welt?
Weiss: Die Oberflächlichkeit dieses Berufes, bei dem man nicht gezwungen ist, allzusehr in die Tiefe zu gehen, und es reicht trotzdem. Ein Diplomingenieur, Brückenbauer, Lungenfacharzt, der kann sich doch all so Dinge nicht leisten. So wie wir im Ungefähren zu bleiben und trotzdem akzeptiert zu werden.

Usw. usw.

Zum Nachlesen:
Herlinde Koelbl: Die Meute. Macht und Ohmacht der Medien. München: Knesebeck Verlag 2001. (DNB)

Zeitgenössische Rezensionen bei SPON (Christian Bartels) und in der FAZ.
 

Kaffeehaus des Monats (Teil 62)

sine loco, 4. August 2011, 09:50 | von Paco

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Der Hüttengrill in Detmold, unaussagekräftiges Foto, wie in dieser Reihe üblich.

Detmold
Der Hüttengrill Hiddesen in der Friedrich-Ebert-Straße.

(Eine sagenhafte Imbissbude mit deutsch-italienischer Küche. Hier haben sich schon vor über 2000 Jahren die römischen Legionen XVII bis XIX versorgt. Die Hausherrin summt alte venezianische Lieder und kocht dabei eine sehr hervorragende Pasta all’amatriciana.)

 

100-Seiten-Bücher – Teil 10
Giorgio Bassani: »Die Brille mit dem Goldrand« (1958)

Düsseldorf, 31. Juli 2011, 07:07 | von Luisa

Im Februar 1994, als er noch für die FAZ schrieb, besuchte Gustav Seibt den italienischen Autor Giorgio Bassani in Rom. Der Besuch verlief eher bizarr und endete mit einem plötzlichen Kuss Bassanis (damals 77 und unterwegs in die Demenz) auf die junge Wange des Kritikers. Der Dichter küsste das Feuilleton, das Feuilleton erwiderte den Kuss durchs Wort: Seibts Bericht, erst ein Jahr später erschienen, trug den Titel »Der Kuss« und glimmerte zwischen Grusel und Verehrung.

Alle Romane Bassanis spielen in Ferrara, wo der Autor seine Kindheit und Jugend verbrachte. Ferraras Altstadt mit Duomo, Castello und Stadtmauer ist UNESCO-Weltkulturerbe, dennoch: Ferrara never quite made it. Es liegt abseits. Kein schiefer Turm, keine Arena. Die Stadt lebt für sich und ist wunderschön.

Der Besitzer der Brille mit dem Goldrand, ein venezianischer Ohrenarzt namens Dr. Athos Fadigati, lässt sich 1919 in Ferrara nieder. Zunächst wird er freundlich aufgenommen, später ausgegrenzt. Er wohnt und ordiniert gleich hinter dem Dom, an der Kreuzung Via Bersagliere del Po/Via Garganello. Diese Wohnung gibt es noch, man steht vor dem Haus, schaut hinauf und fragt sich, ob man klingeln und um eine Nasenspülung oder um einen Kuss bitten soll. Der Roman erschien 1958, das ist lange her und vielleicht ahnt der heutige Mieter gar nicht, dass er einen fiktionalen Mitbewohner hat. Der Jude Bassani überlebte den Faschismus in Rom und kehrte nicht nach Ferrara zurück.

Zart wie der Roman, aber minder melancholisch ist die lokale Pasta-Spezialität: cappellacci di zucca, mit Kürbis gefüllte Ravioli. Gute Geschichten sind düster, Unrecht verbittert. Trost spendet die Küche.

Länge des Buches: > 115.000 Zeichen (genaue Angabe folgt). – Ausgaben:

Giorgio Bassani: Ein Arzt aus Ferrara. Erzählung. Aus dem Italienischen von Herbert Schlüter. München: Piper 1960.

Giorgio Bassani: Die Brille mit dem Goldrand. Erzählung. Aus dem Italienischen von Herbert Schlüter. München: Piper 1985. S. 3–105. (= 103 Textseiten)

Giorgio Bassani: Die Brille mit dem Goldrand. Erzählung. Aus dem Italienischen von Herbert Schlüter. Berlin: Wagenbach 2007.

(Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)