Leipzig, 31. Mai 2007, 23:01 | von Paco
Auch Der Umblätterer wurde gefragt, wo er sich bei dieser Dichotomie positioniert. Auf diese Frage müssen wir nicht antworten, aber vielleicht noch mal klar machen, dass wir Goetz alles verdanken, Lottmann in seinem Leben dagegen nur einen einzigen Satz geschrieben oder gesagt hat, der Weltliteratur ist.
Dieser Satz ist inzwischen so allüberall, dass wir die Quelle, das Ursprungsdatum, gar nicht mehr wissen (anyone?). Wie auch immer. Joachim Lottmann sagte also einmal:
»Ich bin der deutsche Rainald Goetz.«
Das ist so groß, großartig, umwerfend, hinreißend und syllogistisch, dass wir den Satz bis heute noch nicht vollständig verstanden haben.
(Vgl. hier und hier und hier.)
Themenkreis: Buchbuch | Kommentar schreiben | Trackback
Leipzig, 31. Mai 2007, 19:45 | von Paco
Die Headliner-Szene ist sehr klein und überschaubar und arbeitet im Prinzip nur für die überregionalen Zeitungen. Manchmal auch für Magazine. Gabriel hat mir mal erzählt, dass er irgendwann kurzfristig mit einem Pornolabel zusammengearbeitet hat, denn da ist die Titelfindung noch wichtiger als im Feuilleton und mindestens genauso diffizil. Am Titel der »Cum Buckets«-Reihe hat er zum Beispiel mitgearbeitet, was immer das jetzt auch heißt, »mitgearbeitet«.
In der Filmbranche zu arbeiten, ist in der Szene hingegen mehr als verpönt. Und offenbar ist bei der Titelfindung deutscher Synchronisationswerke auch nie ein Profi-Headliner mit zugange gewesen. Die deutschen Titel englischsprachiger Filme sind der Schandfleck der deutschen Gegenwartsästhetik. Wenn sie wenigstens lustig wären.
Als aktuelles Beispiel dient jetzt mal:
»Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis«
Die deutsche Sekundärüberschrift hat rein gar nichts mit dem Film zu tun. Offenbar soll der Film hierzulande an das ehemalige Burt-Reynolds-Publikum vermarktet werden. Was schon schlimm genug ist, weil es Leute mit Cordura sicher davon abhält, so einen Film noch sehen zu können. Wie auch immer, Gabi erzählte mir neulich, dass es eine verdeckt arbeitende Titelpolizei gibt, die alle Verantwortlichen ausmacht und in einem Violet Book verzeichnet. Mehr weiß ich nicht.
Themenkreis: Filmakademie, Headlinerz | Kommentar schreiben | Trackback
sine loco, 30. Mai 2007, 19:43 | von Marcuccio
Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

London
Das Café Mozart in Highgate.
(»A chance finding but what a gem.«)
Themenkreis: Kaffeehaus des Monats | Kommentar schreiben | Trackback
Leipzig, 30. Mai 2007, 18:14 | von John Roxton
Wiglaf Droste, heute gesehen im 13.52er ICE Berlin Hbf. nach Leipzig Hbf.
Mit Hut und Mantel.
Themenkreis: Leute erster Klasse | Kommentar schreiben | Trackback
London, 29. Mai 2007, 21:37 | von Dique
Ich moechte hiermit den Peter Richter Artikel aus der FAS 20/2007 vom 20. Mai nominieren, Seite 33, »Alles, was Quark ist«.
Der Artikel ist schoen spritzig geschrieben und deckt sehr gut das Megakunstjahr 2007 mit seinen Documentas, Skulpturenschauen, Biennale etc. perfekt ab.
»Die Schlangen vor den Ausstellungshallen sind also gewissermassen die Verdi Demonstrationen der Mittelschicht.« ist z. B. ein schoener Satz.
Ich habe den Artikel online nicht wieder finden koennen und weise aus diesem Anlass zusaetzlich noch mal auf die unbedingte Ablehnung der F-Zeitung wegen der Benennung der URLs hin.
Themenkreis: FAS, Kunstkunst, Nominiert 2007 | Kommentar schreiben | Trackback
Leipzig, 28. Mai 2007, 12:28 | von Austin
»Mir schien diese Passage (jedenfalls von meinem Platz in der 22. Reihe aus) zu stürmisch, zu bewegt genommen.«
Themenkreis: Der Sätze-Kaiser | Kommentar schreiben | Trackback
Leipzig, 27. Mai 2007, 18:00 | von Paco
Wer erinnert sich nicht daran! Literarisches Quartett. Reich-Ranicki wird auf eine Kritik in der taz hingewiesen. Er wiegelt ab: »Sowas lese ich nicht.« Alle anderen unisono: »Das sollten Sie aber!« Mehr ist dazu nicht zu sagen. taz lesen? Ja. Und zwar jede Ausgabe, und nicht nur am ersten Monatsmontag wegen Gabriele Goettle (dann sogar eher lieber nicht lesen).
Themenkreis: Darf man das lesen?, taz | Kommentar schreiben | Trackback
London, 26. Mai 2007, 10:18 | von Dique
In den Zeitungslaeden deutscher Grossstadt-Bahnhoefe gibt es den »Spiegel« am Sonntagabend offiziell ab 20 Uhr zu kaufen. Obwohl der Spiegel dort schon deutlich frueher eintrifft, wird er keine Sekunde frueher verkauft. Um 19.45 stand ich auf dem Leipziger Hauptbahnhof und fragte nach dem Spiegel. Ich sah den Stapel der Magazine schon hinter der Verkaeuferin auf dem Regal liegen, wurde aber darauf hingewiesen, dass das aktuelle Heft erst in 15 Minuten zu haben sei. Meine Fresse. Ich habe nicht gewartet und ich habe auch nicht gebettelt. 15 Minuten!
Ich habe darueber viel nachgedacht, tue das noch heute. Die haben vernetzte Kassen, denke ich mir. Klar, und wenn die Verkaeuferin das Magazin ueber die Scannerkasse zieht, dann geht es ins Kassensystem, und man kann vielleicht tatsaechlich herausfinden, dass irgendwo, in diesem Fall in Leipzig, eine Zeitungsverkaeuferin einen »Spiegel« 15 Minuten zu frueh verkaufte. Diese Meldung geht sofort nach Hamburg in die »Spiegel«-Zentrale.
Was passiert dann? Am Sonntagabend wohl noch nichts, aber spaetestens am Montagmorgen in der Redaktionssitzung im »Spiegel«-Verlag in Hamburg bringt ein Praktikant dem Herrn Aust verschiedentliche Dokumente. Darunter befinden sich auch die Verkaufslisten der Bahnhofszeitungslaeden. Diese geht Aust dann persoenlich durch, er nennt die Gesamtsumme der illegalen Vorverkaeufe und geht dann jeden einzelnen Posten durch: »Leipzig, 19.45 Uhr, ein Exemplar.« Der Rest ist Standardprozedere, der Filialleiter von »Presse und Buch« erhaelt die Entlassungsurkunde von der »Spiegel«-Redaktion als Vordruck gemailt und braucht sie nur noch zu unterschreiben.
Laut Countdown auf der »Monocle«-Website sollte die erste Ausgabe des Blattes ab 9 Uhr morgens in den Zeitungslaeden in London erhaeltlich sein. Ich war am 15. Februar 2007 bereits um 8 Uhr morgens bei meinem Zeitungsmann und fragte nach »this new magazin called Monocle that is supposed to be coming out today«. Ohne ein Wort drehte er sich um und ging langsam nach hinten in den kleinen Lagerraum. Ueber seine Schulter sah ich auf dem Regal schon einen Stapel Monocles liegen, und er kommt strahlend zurueck, haelt mir das Heft mit beiden Haenden hin und sagt: »The best newsagent, hehh!?«
Themenkreis: Der Spiegel, Monocle | Kommentar schreiben | Trackback
Leipzig, 25. Mai 2007, 13:37 | von Paco
Ich hatte gerade die TV-Geständnisse von Aldag & Zabel kurz wahrgenommen, dann war ich gestern abend noch kurz bei Gabriel, um einen Stoß alter Economist- und Paris Match-Ausgaben abzuliefern (Februar bis März 2007). Gabriels Handy schellte, der Agent brauchte dringendst eine Überschrift oder Tagline zum Epo-Skandal, offenbar für die S-Zeitung. Die F-Zeitung würde das Ganze morgen »Epocalpyse« nennen, offenbar haben die einen neuen Informanten. Gabriel war vor Wochen auch schon auf diese Idee gekommen, hatte sie aber nicht zu seinem Kontaktmann bei der S-Zeitung gepitcht, da das Thema noch nicht genug hochgekocht war. Er rechnete jetzt kurz alle Alternativen durch, fand aber nichts Besseres. So musste sich die Redaktion heute auf sich selbst verlassen. Etappensieg für die F-Zeitung.
Themenkreis: F-Zeitung, Headlinerz, S-Zeitung | Kommentar schreiben | Trackback
sine loco, 24. Mai 2007, 09:14 | von Marcuccio
Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Sangerhausen
Das Kaffee Kolditz in der Bahnhofstraße 44.
(Bitte bringen Sie Ihre Zeitungen selber mit.)
Themenkreis: Kaffeehaus des Monats | Kommentar schreiben | Trackback