Die Juso-Vorsitzende und das Feuilleton

Konstanz, 23. März 2010, 07:57 | von Marcuccio

Es scheint noch mehr Stuckrad-Barre-Stammtische in deutschen Zügen zu geben, nicht nur den im ICE Interlaken–Berlin. Im »ICE 5111 nach München, über Leipzig und Nürnberg«, sitzt Stuckrad-Barre himself mit Franziska Drohsel, und weil es dabei zu einer schönen Zeitungsszene kommt, müssen wir aus der »Zugfahrt mit der Juso-Vorsitzenden« hier natürlich noch unbedingt zitieren:

»Sie zieht die ›FAZ‹ aus ihrem Rucksack und sagt, dass sie sich voll blöd vorkomme, aber sie abonniere die ›FAZ‹ nun mal, obwohl die ja nun nicht gerade links sei; das sei irgendwie durch das Jura-Studium gekommen, das ›FAZ‹-Lesen, zu juristischen Themen biete diese Zeitung einfach die ausführlichste Berichterstattung. Den Politikteil lese sie, so’n bisschen die Wirtschaft – und, wenn sie viel Zeit habe, auch das Feuilleton.«

(BvSB: »Auch Deutsche unter den Opfern«, S. 97)

Regionalzeitung (Teil 23)

Leipzig, 22. März 2010, 07:10 | von Paco

 
  111.   sind ein absolutes Muss für Kunstinteressierte

  112.   waren sie schon mittendrin im Geschehen

  113.   seine Errungenschaften wirken fort

  114.   das Publikum in Atem zu halten

  115.   mit gemischten Gefühlen entgegen
 

Zweite Leipziger Erklärung

Leipzig, 21. März 2010, 13:30 | von Paco

(Zum Werk von Alban Nikolai Herbst)

Sehr verehrte Damen und auch Herren,

wenn ein Autor unangekündigt und auf bewusst undurchsichtige Weise Authentizität und Fiktion, Realität und Phantastik miteinander vermengt, wenn dies vom Leser und von der Forschung einfach so hingenommen werden muss, demonstriert dies eine gefährliche Anomalie im etablierten Literaturbetrieb.

Die Rede ist von Alban Nikolai Herbst. Er hat sich auf der noch bis heute Abend andauernden Leipziger Buchmesse aufgehalten und berichtet in seinem Weblog »Die Dschungel. Anderswelt.« für den 19. März 2010 das Folgende:

»Ach so, ja […], nachmittag traf ich dann bei Beck >>>> Benjamin Stein, >>>> Umblätterers Paco kam dazu, plötzlich wurde das ein Treffen von Netzbürgern, in die die schöne Ophelia Abeler ihre neue >>>> Traffic hineinreichte; dann kam sogar der BILD-Blog hinzu, wir alle sahen uns zum ersten Mal in all den rund sieben Jahren, in denen wir immer nur kommunizierten, ohne uns persönlich zu sehen.«

Um der Forschung zum Autor zu- und um falschen Vermutungen entgegenzuarbeiten, bestätige ich hiermit:

Das von Alban Nikolai Herbst geschilderte Treffen hat im Hyper­raum der diesjährigen Leipziger Buchmesse, am Stand von C. H. Beck, tatsächlich stattgefunden.

Nur so, durch den Nachweis realer Realitäten, kann der Wert der ANH’schen Wortkunst richtig eingeschätzt und in den Kontext der künstlerischen Freiheiten aller Autorinnen und Autoren gestellt werden.

Leipzig, 21. März 2010
Umblätterers Paco
–Consortium Feuilletonorum Insaniaeque–

Stuckrad-Barre-Stammtisch im ICE

Berlin, 21. März 2010, 09:29 | von Marcuccio

Im ICE Interlaken–Berlin, irgendwo hinter Frankfurt. Mein Stuckrad-Barre liegt schon seit mindestens Mannheim auf dem Tisch, du packst deinen dazu. Hast du überhaupt nur hier Platz genommen, um jetzt auf mein Buch zu weisen und zu sagen: »Nee, oder?«

Ich begeistert. Du:

–Ja, eigentlich … war ich ja nicht mehr so auf der Stuckrad-Barre-Schiene.
–Aber der hier ist doch gut!
–Absolut! Und er sieht auch wieder aus wie dieses, das ich auch schon so mochte …
–»Deutsches Theater«.
–Genau. Spätestens nach dem Verriss in der »Stuttgarter Zeitung« wusste ich, dass ich den hier haben muss.

Nach der Fahrkartenkontrolle:

–Cem Özdemir schon durch?
–Den Kulturwahlkampf für die Grünen? Yeah! Stuckrad-Barre als Anzugträger vor einem Asia Imbiss in Kreuzberg: »Wäre ich ein Porsche, ich würde vermutlich schon brennen.«

Nach dem Toilettengang:

–Überhaupt das ganze Genre Politikerbeobachtung. Guido Westerwelle im Wahlkampf, die SPD am Wahlabend …
–Michael Naumann beim Versuch, Hamburger Bürgermeister zu werden … Stuckrad-Barre at his very best.

Übereinstimmendes Weiterlesen bis Berlin, ab und zu hörbare Zustimmung, ohne dass wir uns jetzt erzählen, an welcher Stelle und warum. Eine Idee für Platzkarten der Zukunft: Statt der Option Abteil oder Großraum, Fenster oder Gang gerne wieder die Frage: Mit welchem Buch sollen Ihre Sitznachbarn reisen?

Regionalzeitung (Teil 22)

Leipzig, 19. März 2010, 07:20 | von Paco

 
  106.   warten neue Herausforderungen

  107.   zimmerte den Ball unhaltbar in die Maschen

  108.   schenkten leckere Heißgetränke aus

  109.   erschreckend aktuell

  110.   versprach glänzende Unterhaltung
 

Lost: 6. Staffel, 8. Folge

Paris, 18. März 2010, 10:16 | von Paco

Achtung! Spoiler!
Episode Title: »Recon«
Episode Number: 6.08 (#110)
First Aired: March 16, 2010 (Tuesday)
Deutscher Titel: »Kundschafter« (EA 5. 5. 2010)
Umblätterers Episodenführer (Staffeln 4, 5 und 6)

Widmore bereitet sich auf der Nachbarinsel auf den Kampf mit Fake-Locke vor, warum auch immer. Sawyer spielt sich als Doppelagent auf, verfolgt aber natürlich noch mal eigene Interessen. Und in der Nicht-Absturz-Welt ist er kein praktizierender Betrugskünstler mehr, sondern ein Cop, und sein Partner ist Miles.

Den ganzen Beitrag lesen »

Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (2/2010)

Paris, 16. März 2010, 08:54 | von Paco

Paris Blick aus dem Fenster

1. Der Umblätterer – Your Après-Feuilleton Dish.

2. Von Anfang bis Mitte Februar hat hier das Coen-Brothers-Projekt von San Andreas stattgefunden.

3. »Die Wahrheit der Sprache hängt nicht an jedem einzelnen Wort.« (Georg Diez, wohl gedacht als Werbeslogan für die Literaturverkürzer bei getAbstract)

4. Das PROJEKT: »Die Algorithmen müssen in Narration übersetzt werden.« – Frank Schirrmacher bei dctp.tv (14:20 mins. in)

5. LOST: Die Serienautoren haben sich so halbwegs gefangen, scheint’s. Kein Zeitreiseschrott mehr, dafür eine zeitparallele Nicht-Absturz-Welt, die den Keim eines würdevollen Finales in sich tragen könnte. Wir machen hier weiter mit unseren Recaps zu jeder einzelnen Folge, bis am 25. Mai 2010 das Finale läuft. Und dann: Nie wieder US-Serien! Denn Gründe dafür gibt es glücklicherweise kaum noch welche, hehe.

6. Name: Antigone Angermeier.

7. »Warum noch Zeitung?« – »Weil mein Toshiba zu hässlich ist, um sich damit ins Kaffeehaus zu setzen.«

8. Dieser Thrombosestrumpf wird in die Literaturgeschichte eingehen. (FvL)

9. »Und weiter.« (Joachim Lottmann)

 
Was bisher geschah:
 
Vorwort Nr. 1/2010

 

Feuilleton und Pornografie (Reloaded)

Leipzig, 15. März 2010, 13:23 | von Paco

Ist jetzt schon eine Weile her (Juni/Juli 2008). Seitdem ist aber nichts sehr Erwähnenswertes hinzugekommen. Deshalb hier noch mal die damals vorgestellten sechs generischen Texte zum Thema:

Teil 1: Alexander Osang über Pornywood
Teil 2: Stephan Maus über die Venus-Messe 2003
Teil 3: Tobias Rapp über Pornpop
Teil 4: Ariadne von Schirach über die Generation Porno
Teil 5: Aaralyn Barra über den »Da Vinci Code«
Teil 6: Jens Friebe über Porn-Surfing

Ach ja, ich wollte dauernd noch etwas über den herrlichen Essay »Pornographic Coding« (2005) von Florian Cramer und Stewart Home schreiben. Das würde dann Teil 7 dieser Reihe werden. Die Notizen dazu hängen leider seit Jahren in meinem Draft-Verzeichnis fest und wandern immer weiter nach unten im Dringlichkeitsstapel. Mal sehen.

Maigret

Paris, 14. März 2010, 11:49 | von Niwoabyl

Tilman Spreckelsen hat ja für FAZ.NET alle 75 Maigret-Romane von Georges Simenon gelesen, einen pro Woche, insgesamt eineinhalb Jahre lang, und alles schön lexikonisiert. Mitte Oktober war er mit allen durch, und vor ein paar Monaten sind die Texte auch gesammelt in einem Einzelband im Maigret-Verlag Diogenes erschienen.

Wie auch immer, was die Maigret-Exegese an sich betrifft, denke ich, dass das Corpus Simenoni aus zwei Gründen absolut spannend ist:

1. Simenon wird immer wieder von der Literaturwissenschaft wiederentdeckt. Dann werden immer die gleichen zwei total verrückten Sätze zitiert. Der von García Márquez: »Simenon ist der wichtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.« Und der von André Gide: »Simenon est le plus grand romancier de tous, le plus vraiment romancier que nous ayons en littérature.« Der zweite ist besonders lustig, da Gide bekanntlich mit der Gattung Roman kein einfaches Verhältnis hatte und selbst auch nie einen ›Roman‹ veröffentlichen wollte. Also klingt für mich dieser Satz eher nach verschlüsselter Beschimpfung. Die »echten« Romane Simenons sind auch extrem konventionell und eh schlampig geschrieben. Die scheinbar auch eher konventionelle, anspruchslose Krimi-Reihe gehört aber zum absolut Geilsten, was die moderne französische Literatur zu bieten hat.

2. Die Maigret-Romane wurden von Simenon tatsächlich als flotte Krimis konzipiert, zur Abwechslung und Entspannung geschrieben. Und bei der fast unbewussten ewigen Wiederkehr derselben Themen und Motive sind es gerade Simenons Schlampigkeit und sein Drauflos-Schreiben, die Wunder bewirken. Soviel ich weiß, schrieb er seine Romane meistens in einer knappen Woche. Zwei Tage Grübelei, einen Tag Notizen machen, zwei bis vier Tage Niederschrift und ab ging die Post, fünf- bis zehnmal im Jahr. Was Rainald Goetz einmal in einem anderen Zusammenhang über Helmut Krausser schrieb – »der Typ hat derartig einen an der Klatsche, Wahnsinn« – gilt also unbedingt auch für Simenon. (vgl. R. G., »Abfall für alle«, 1999, S. 765)

Usw.

Vossianische Antonomasie (Teil 9)

Berlin, 13. März 2010, 13:12 | von Paco

 

  1. die Mutter Theresa des aufgeklärten Studienrats
  2. der Hottentotte der Musik
  3. der österreichische Hemingway
  4. die Helene Hegemann der vergangenen Jahrhundertwende
  5. der Thomas Gottschalk der Literatur