Kaffeehaus des Monats (Teil 81)

sine loco, 13. September 2013, 10:53 | von Josik

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Das Café Dalyano in Dalyan, ein wie immer künstlerisch bescheidenes Foto, sry

Dalyan
Das »Café Dalyano« an der Sulungur Caddesi.

(Im Zeitschriftenstapel neben dem Spielestapel taucht plötzlich z. B. auch die »Marie Claire« auf. Der Chef des Café Dalyano spricht fließend Holländisch, deshalb finden sich im Spielestapel auch ein holländisches »Trivial Pursuit«, ein holländisches »Scrabble« und ein holländisches »Vier gewinnt«. Da wir des Holländischen nicht mächtig sind, überlegen wir kurz, ein bisschen Fantasieholländisch-Scrabble zu spielen. Stattdessen entscheiden wir uns aber, wie es sich gehört, für Backgammon. Jeden Tag kommen wir ein bis drei Mal hierher, da es nirgendwo sonst einen orangigeren Orangensaft und fantastischere Cocktails gibt – auch solche, die gar nicht auf der Karte stehen. Der Caféhund bellt jedes vorüberfahrende Auto an, sehr gut! Irgendwann fangen die Kellner an, sobald sie uns hereinspazieren sehen, uns sofort das Backgammonbrett zu bringen. Statt der »Marie Claire« lesen wir die selbstmitgebrachten »Atlantic«-Hefte, da wir fatalerweise schon zweieinhalb Ausgaben im Lektürerückstand sind. Als wir bei dem Artikel angelangt sind, in dem behauptet wird, Kafka sei overrated, verlässt uns der Mut dennoch nicht. Hier, wo einem der Wein ins Gesicht wächst, ist es viel zu schön, als dass wir uns über eine derart billige Polemik überhaupt erregen könnten. Drei süße holländische Kinder springen vom Nachbartisch herüber und wollen uns das Backgammonbrett abschwatzen. Natürlich darf man sich davon aber nicht erweichen lassen.)
 

Vossianische Antonomasie (Teil 30)

Leipzig, 9. September 2013, 16:03 | von Paco

 

  1. der Günter Grass der Friseure
  2. der Salinger der Vertriebenen
  3. der Hannes Jaenicke des Feuilletons
  4. der Jürgen Habermas der deutschen Lyrik
  5. der Jürgen Drews der philosophischen Colloquien

 

Cronut

Barcelona, 7. September 2013, 19:26 | von Dique

Dann hört man etwas zum ersten Mal und wundert sich noch und plötzlich ist es überall. Der 3D-Druck zum Beispiel, diese irre Technologie, die laut »Economist« das Zeug zur dritten industriellen Revolution hat.

Zuletzt passierte mir das mit etwas eher Banalem, nämlich mit dem Cronut. Ich las diesen herrlichen Artikel in der FAS, im Wirtschaftsteil, über ein New Yorker Pärchen, das sich die Haushaltskasse mit einem interessanten Geschäftsmodell aufbessert. Die beiden stehen morgens ab und an sehr zeitig auf und stellen sich in die Schlange einer hippen Bäckerei, der Dominique Ansel Bakery, und kaufen 4 Cronuts zu je 5 Dollar, die sie dann für 35 Dollar das Stück weiterverkaufen. Sie bieten diesen Service über Craigslist an und haben keine Probleme, Abnehmer zu finden, Lieferung frei Haus.

Bäckermeister Ansel stellt pro Tag nur 350 Cronuts her und verkauft nur 2 pro Person. Diese künstliche Verknappung des Angebots füttert den Hype. Das ultrasympathische Pärchen aus dem FAS-Artikel hat selbst übrigens noch nie einen Cronut gegessen, auch wenn die Versuchung wohl sehr groß ist. Ach so, ein Cronut ist natürlich die Verheiratung von Donut und Croissant. Das klingt unglaublich lecker und ich konnte nach der Lektüre des Artikels an nichts anderes mehr denken, wenn ich morgens oder nachmittags Kaffee getrunken habe, und eigentlich auch sonst immer.

Neulich saß ich mit zwei Amerikanern beim Abendessen und die wussten natürlich über den Cronut Bescheid und über den Hype um den New Yorker Cronut-Erfinder. Ein paar Tage später hörte ich dann von jemand ganz anderem in großer Selbstverständlichkeit, dass es hier in Barcelona doch auch schon Cronuts gebe und die seien genauso gut und weniger teuer und man brauche sich darum auch nicht zu prügeln. Der Laden heißt »Sweet Dreams« und ist in der Carrer de Regomir.

Das ist nun schon über zwei Wochen her. Ich habe es nicht vergessen und nehme mir den Besuch auch heute wieder vor, passiere dann aber zufällig gerade eine Filiale der Konditorei »boldú« in der Carrer Provença. Eigentlich will ich dort nur ein bisschen Brot kaufen, sehe dann aber sofort, dass es hier auch Cronuts gibt. Wow, denke ich, obwohl mir natürlich vollkommen klar ist, dass es sich nicht um die Originale handeln kann, aber hey, es sind Cronuts und das ist ein guter Anfang.

Hier gibt es natürlich keine Schlange und auch kein Verkaufslimit. Die Dame vor mir kauft gerade 14 Stück. Mir erzählt die Verkäuferin dann allerdings, dass man mindestens 2 Cronuts nehmen muss und das ist für mich natürlich vollkommen in Ordnung, das Paar kostet 5 Euro. Super, ich nehme also einen Creme und einen Schoko und sie sehen denen aus der FAS sehr ähnlich, obwohl es bei Dominique Ansel anscheinend nur die Klassikvariante gibt, mit einer Art Vanilleglasur oben auf. Egal, die beiden Cronuts schmecken extrem gut, besser als Croissant und besser als Donut, eben Cronut, was für eine Combo!
 

Strandlektüre 2013

Jena, 4. September 2013, 19:10 | von Montúfar

Meine Strandlektüre dieses Jahr war Michael Köhlmeiers »Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf« und ich kann sagen, dass dieses Buch als Strandbuch zumindest für mich nicht geeignet ist.

Denn im achten Kapitel des sechsten Abenteuers beschreibt Köhlmeier, freilich ohne dies deutlich zu machen, den Coburger Marktplatz und lobt die dortige Buchhandlung für ihr Aushängeschild, denn »die Buchstaben dieses Namens sind lauter Stäbchen aus Bücherrücken, so daß man tatsächlich von Buchstaben sprechen kann, und diese lustig-kluge Wörtlichnahme eines sonst so Dahergeredeten läßt auf einen hohen Geist des Besitzers und auf ein befriedigendes Angebot seines Ladens schließen«.

Mich hielt also nichts mehr am Strand, ich wollte sofort nach Coburg zu der beschriebenen Buchhandlung und mich von der Klugheit des Aushängeschildes überzeugen. Was ich auch sofort tat, als mein Urlaub endlich vorbei war. Tatsächlich ist es ein wirklich gelungenes Aushängeschild und verpackt seine Buchstaberei auch viel dezenter als beispielsweise die italienische Designmöbel-Marke Lema.

Ich sprach natürlich sofort die Servicedamen in der Buchhandlung auf diese Köhlmeier-Passage an und sie waren sehr erfreut über die literarische Wertschätzung ihres Geschäfts. Sie ließen mich sogar vor zum Besitzer, der in diesem Fall eine Besitzerin ist. Auch diese war hocherfreut und erzählte, dass Köhlmeier vor langer Zeit auch einmal hier in dieser Buchhandlung aus seinem damals gerade neu erschienenen Roman »Bleib über Nacht« gelesen habe, der ja vor allem in Coburg spiele.

Es sei eine wunderschöne Lesung gewesen und sie erinnere sich heute noch sehr häufig, wenn sie auf Arbeit gehe, an die Köhlmeier’sche Beschreibung der Veste Coburg, denn ihr Weg ermögliche ihr eine ähnliche Blickrichtung auf die Veste wie die, die Köhlmeier seinerzeit bei der Beschreibung gehabt haben müsse. Sie wollte auch gern für mich in ihren Unterlagen nachschauen, wann die Lesung war und sie versprach mir, wenn ich es denn einrichten könne, erneut vorbeizuschauen, diesen Coburg-Roman als Geschenk.

Ich warf natürlich sofort meine weiteren Reisepläne über Bord und kam zwei Tage später in die Buchhandlung zurück. Die Besitzerin konnte sich leider nicht mehr erinnern, mir das Buch schenken zu wollen. Die Paperback-Ausgabe kostet 9,90 Euro. Doch bin ich nun stolzer Besitzer eines originalen Ankündigungsplakats für Köhlmeiers Lesung. Diese fand am 10. März 1993 statt und die beiden Coburger Lokalzeitungen – die Besitzerin hatte mir die Artikel von damals kopiert – berichteten ausführlich.

»Michael Köhlmeier liebt Coburg, und so läßt er die Liebe in Coburg erwachen.« So stand es am 12. März 1993 in der »Neuen Presse«. Und das »Coburger Tageblatt« merkte in seiner Ausgabe vom selben Tag in ausgewogener Kritik an: »Altmodisch mag man solch Erzählen nennen, allzu schlicht bisweilen im Tonfall – sein Lobpreis der zarten Innerlichkeit freilich stieß in Coburg auf offene Ohren.« Und er tut es bis heute, möchte man nach diesem Besuch der Buchhandlung 20 Jahre danach ergänzen.
 

Regionalzeitung (Teil 60)

Leipzig, 3. September 2013, 11:43 | von Paco

 
  296.   kann jetzt seinen wohlverdienten Lebensabend genießen

  297.   ist ein hartes Brot

  298.   mitten in der Saure-Gurken-Zeit

  299.   ist echt auf Draht

  300.   plaudert munter drauf los
 

Regionalzeitung (Teil 59)

Leipzig, 2. September 2013, 14:32 | von Paco

 
  291.   ein Urgestein

  292.   versetzte seine Fans in Ekstase

  293.   einer der wichtigsten Autorenfilmer der letzten Jahre

  294.   ein unverstellter Blick

  295.   pflegt ein inniges Verhältnis zu
 

Software & Erinnerung (Teil 8)

Leipzig, 1. September 2013, 19:45 | von Paco

Das Motto ist immer noch dasselbe:
»Et tout d’un coup le souvenir m’est apparu.« (Proust, Combray)

(Als Vorwort bitte das vom letzten, vorletzten oder vorvorletzten Jahr lesen. Ein Riesending in diesem letzten Softwarejahr war sicher, dass Opera auf Googles Rendering-Engine Blink umgestiegen ist. Und von XMLmind gibt es seit Version 5.4.0 keine Free Personal Edition mehr. Und Adobe stellt die Creative Suite ein und bietet neue Versionen nur noch im Abomodell an (Creative Cloud). Usw., usw.! Aber wie auch immer, hier jetzt die siebte Ausgabe unserer Versionsnummernlyrik mit dem Stand 1. Sept. 2013. (Die vorigen Teile befinden sich hier: 1. Sept. 2007, 1. Sept. 2008, 1. Sept. 2009, 1. Sept. 2010, 1. Sept. 2011, 1. Sept. 2012). Die Versionsnummern der aktuellen stabilen Releases stehen zuerst, dahinter dann die Versionsnummern, die vor genau einem, zwei, drei, vier, fünf und sechs Jahren aktuell waren. Es handelt sich um Software, die wir auch damals schon benutzt haben. Neue Programme wurden nicht aufgenommen, obwohl man diese Versionsnummernpoesie z. B. auch auf Apps erweitern sollte.)

(Schema)

(Name) (V-Nr. 2013) | (V-Nr. 2012) | (V-Nr. 2011) | (V-Nr. 2010) | (V-Nr. 2009) | (V-Nr. 2008) | (V-Nr. 2007)

Browser & Aufsätze

Opera 16.0 | 12.02 | 11.51 | 10.61 | 10.00 | 9.52 | 9.23
Firefox 23.0.1 | 15.0 | 6.0.1 | 3.6.8 | 3.5.2 | 3.0.1 | 2.0.0.6
SeaMonkey 2.20 | 2.12 | 2.3.2 | 2.0.6 | 1.1.17 | 1.1.11 | 1.1.4
Netscape Navigator (†) 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0b3
Konqueror 4.11.0 | 4.9.0 | 4.7.0 | 4.5.0 | 4.3.0 | 4.1.0 | 3.5.7
Safari 6.0.5 (für Windows eingestellt) | 6.0 (für Windows: 5.1.7 [7534.57.2]) | 5.1 (7534.50) | 5.0.1 (7533.17.8) | 4.0.3 (531.9.1) | 3.1.2 (525.21) | 3.0.3 (522.15.5)
Google Chrome 29.0.1547.57 | 21.0.1180.89 | 13.0.782.218 | 5.0.375.127 | 2.0.172.43 | 0.2.149.27 [1583] | –
Amaya 11.4.7 | 11.4.4 | 11.3.1 | 11.3.1 | 11.2 | 10.0.1 | 9.55
Internet Explorer 10.0.9200.16521 | 10.0.9200.16384 | 9.0.8112.16421 | 8.0.6001.18943 | 8.0.6001.18813 | 8.0.6001.18241 | 7.0.5730.11
Maxthon 4.1.2.3000 | 3.4.2.3000 | 3.1.6.1000 | 2.5.15.1000 | 2.5.6.350 | 2.1.4.238 | 2.0.3.4643

Server/Database/CMS

Apache 2.4.6 | 2.4.3 | 2.2.20 | 2.2.16 | 2.2.13 | 2.2.9 | 2.2.4
MySQL Community Server 5.6.13 | 5.5.27 | 5.5.15 | 5.1.50 | 5.1.37 | 5.0.67 | 5.0.45
PostgreSQL 9.2.4 | 9.1.5 | 9.0.4 | 8.4.4 | 8.4.0 | 8.3.3 | 8.2.4
MediaWiki 1.21.1 | 1.19.1 | 1.17.0 | 1.16.0 | 1.15.1 | 1.13.0 | 1.10.1
osCommerce v3.0.2 | v3.0.2 | v3.0.2 | v3.0 Alpha 5 | 3.0 Alpha 5 | 2.2 RC 2a | 2.2 RC1
Trac 1.0.1 | 0.12.3 | 0.12.2 | 0.12 | 0.11.5 | 0.11.1 | 0.10.4
WordPress 3.6 | 3.4.1 | 3.2.1 | 3.0.1 | 2.8.4 | 2.6.1 | 2.2.2
Typo3 6.1.3 | 4.7.4 | 4.5.5 | 4.4.2 | 4.2.8 | 4.2.1 | 4.1.2
Joomla 3.1.5 | 2.5.6 | 1.7.0 | 1.5.20 | 1.5.14 | 1.5.6 | 1.5 RC1

Clients

WinSCP 5.1.7 | 4.3.9 | 4.3.4 | 4.2.8 | 4.1.9 | 4.1.6 | 4.0.3
FileZilla 3.7.3 | 3.5.3 | 3.5.1 | 3.3.4.1 | 3.2.7.1 | 3.1.2 | 3.0.0 RC3
FireFTP 2.0.16 | 2.0.7 | 1.99.5 | 1.0.9 | 1.0.5 | 1.0.2 | 0.98
Trillian 5.3.0.16 | 5.2.0.12 | 5.0.0.34 | 4.2.0.22 | 4.0.0.117 | 3.1.10.0 | 3.1.7.0
mIRC 7.32 | 7.25 | 7.19 | 7.1 | 6.35 | 6.34 | 6.3
RapidSVN 0.12.1 | 0.12.1 | 0.12.0 | 0.12.0 | 0.10.0 | 0.9.6 | 0.9.4 / Subversion 1.8.3 | 1.7.6 | 1.6.17 | 1.6.5 | 1.6.3 | 1.5.2 | 1.4.2

Media Players

VLC media player 2.0.8 | 2.0.3 | 1.1.11 | 1.1.4 | 1.0.1 | 0.8.6i | 0.8.6c
Media Player Classic 1.6.8.7417 | 1.6.3.5818 | (neuer Fork: Media Player Classic Home Cinema, 1.5.2.3456) | 6.4.9.1 rev 107 | 6.4.9.1 rev 104 | 6.4.9.1 rev 72 | 6.4.9.0
Songbird 2.2.0 | 2.0.0 | 1.9.3 | 1.7.3 | 1.2.0 | 0.7.0 | 0.2.5
Amarok 2.8 | 2.6 | 2.4.3 | 2.3.1 | 2.1.1 | 1.4.10 | 1.4.6
foobar2000 1.2.9 | 1.1.14a | 1.1.7 | 1.1 | 0.9.6.9 | 0.9.5.5 | 0.9.4.4
Winamp 5.65 | 5.63 | 5.621 | 5.58 | 5.56 | 5.541 | 5.35 (immer noch gut: 2.91)

Editoren/Word Processors

OpenOffice 4.0.0 | 3.4.1 | 3.3.0 | 3.2.1 | 3.1.1 | 2.4.1 | 2.2.1 (neuer Fork: LibreOffice 4.1.1 | 3.6.1 | 3.4.3)
XMLmind 5.7.0 | 5.3.0 | 4.9.1 | 4.6.1 | 4.4.0 | 4.0.0 | 3.6.1
Notepad++ 6.4.5 | 6.1.6 | 5.9.3 | 5.7 | 5.4.5 | 5.0.3 | 4.2.2
UltraEdit 19.10 | 18.10 | 17.20 | 16.10 | 15.10 | 14.10 | 13.10a
Kate 3.11 | 3.7 | 3.6 | 3.4 | 3.3.0 | 3.1 | 2.5.4
XEmacs 21.4.22 | 21.4.22 | 21.4.22 | 21.4.22 | 21.4.22 | 21.4.21 | 21.4.20
JOE 3.7 | 3.7 | 3.7 | 3.7 | 3.7 | 3.5 | 3.5

Coding

Perl 5.18.1 | 5.16.1 | 5.14.1 | 5.12.1 | 5.10.1 | 5.10.0 | 5.8.8
PHP 5.5.3 | 5.4.6 | 5.3.8 | 5.3.3 | 5.3.0 | 5.2.6 | 5.2.4
Python 3.3.2 | 3.2.3 | 3.2.1 | 3.1.2 | 3.1.1 | 2.5.2 | 2.5.1
GCC 4.8.1 | 4.7.1 | 4.6.1 | 4.5.1 | 4.4.1 | 4.3.2 | 4.2.1
Ruby 2.0.0 | 1.9.3 | 1.9.2 | 1.9.2 | 1.9.1 | 1.9.0 | 1.8.6
Ruby on Rails 4.0.0 | 3.2.8 | 3.1.0 | 3.0.0 | 2.3.3 | 2.1.0 | 1.2.3
JDK 7 update 25 | 7 update 6 | 6 Update 27 | 6 Update 21 | 6 Update 16 | 6 Update 7 | 6 Update 2

Gfx/Pics/Print

Photoshop CS6 (neue Version nur im Abo: CC) | CS6 | CS5 | CS5 | CS4 | CS3 | CS3
GIMP 2.8.6 | 2.8.2 | 2.6.11 | 2.6.10 | 2.6.7 | 2.4.7 | 2.2.17
IrfanView 4.36 | 4.33 | 4.30 | 4.27 | 4.25 | 4.20 | 4.00g
Picasa 3.9 Build 136.20 | 3.9 Build 136.07 | 3.8 Build 117.43 | 3.8 Build 115.45 | 3.1.0 Build 71.43 | 2.70 Build 37.36 | 2.7.0
ImageMagick 6.8.6-9 | 6.7.9-2 | 6.7.2-1 | 6.6.3-8 | 6.5.5-5 | 6.4.3-6 | 6.3.5-6
Ghostscript 9.10 | 9.06 | 9.04 | 8.71 | 8.70 | 8.63 | 8.60

Edu

LingoPad 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.5.1 (325)
Google Earth 7.1.1.1888 | 6.2.2.6613 | 6.0.3.2197 | 5.2.1.1547 | 5.0.11733.9347 | 4.3.7284.3916 | 4.2.0181.2634

Distros

Kubuntu 13.04 | 12.04 | 11.04 | 10.04 | 9.04 | 8.04 | 7.04
OpenSUSE 12.3 | 12.1 | 11.4 | 11.3 | 11.1 | 11.0 | 10.2
Slackware 14.0 | 13.37 | 13.37 | 13.1 | 13.0 | 12.1 | 12.0

Desktop/Command Line

KDE 4.11.0 | 4.9.0 | 4.7.0 | 4.5.0 | 4.3.0 | 4.1.0 | 3.5.7
Beagle (momentan gestoppt) 0.3.9 | 0.3.9 | 0.3.9 | 0.3.9 | 0.3.9 | 0.3.8 | 0.2.18
Bash 4.2 | 4.2 | 4.2 | 4.1.7 | 4.0.28 | 3.2.33 | 3.2.17
 

Regionalzeitung (Teil 58)

Leipzig, 29. August 2013, 15:15 | von Paco

 
  286.   eine Kultfigur

  287.   ihre Wahlheimat

  288.   eine grandiose Feier des Lebens

  289.   und verschwand im Nebel der Geschichte

  290.   waren sein Metier
 

Kaffeehaus des Monats (Teil 80)

sine loco, 22. August 2013, 09:21 | von Dique

Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

Das Alpineum in Luzern, ein wie immer künstlerisch bescheidenes Foto, sry

Luzern
Das »Alpineum« in der Denkmalstrasse.

(Nach dem Uhren-, Messer- und Schokoladeneinkauf dürstet die Touristen aus Asien nach Kultur und sie wandern zum wunderschönen Löwen­denkmal in Luzern. Nur wenige Schritte vor dem Denkmal, nach einem Entwurf von dem unglaublichen Bertel Thorvaldsen, kommen sie am Kaffeehaus Alpineum vorbei und könnten dort neben einem Kaffee einen Blick in die Basler Zeitung, den Tagi oder die NZZ werfen. Aber das schönste an unserem Kaffeehausbesuch war der extrem freundliche und sehr hippe Barista. Er machte gerade die Milch für unsere Schalen heiß und sagte, quasi aus der Hüfte heraus: »Wasser ’n Thema?« Es war einer der heißesten Tage und Wasser war gerade ein Riesenthema für uns!)
 

Gottfried Keller: »Der grüne Heinrich«

Leipzig, 19. August 2013, 12:00 | von Marcuccio

Wo hier zuletzt von vielen 100-Seiten-Büchern die Rede war, bin ich ja fast stolz, einen kapitalen Neunhundertseiter geschafft zu haben. In neun zähen Monaten übrigens: never ever so lange an einem Buch gelesen! Immerhin hätte ich in der gleichen Zeit mit Pacos Rechnung neun Hundertseiter erlesen und erleben können, und einen fürstlichen hatte ich ja auch.

Trotzdem – für keinen »Zauberberg«, keine »Buddenbrooks« und keinen »Mann ohne Eigenschaften« hab ich je so lang gebraucht wie für den »Grünen Heinrich«. Warum eigentlich?

Vielleicht, weil Gottfried Keller ein dermaßen behäbiges Erzähltempo vorlegt, dass man ihn für unter zwei Stunden erst gar nie in die Hand nehmen mochte. Ein echtes Slow-Motion-Buch: bitte immer recht laaangsam in den Modus der Langstreckenlektüre switchen, der dann aber – so muss sich ein Marathonläufer nach der kritischen Phase fühlen – umso mehr Leseendorphine freisetzt.

Übrigens. Auch wenn Matthias Matussek den grünen Heinrich »nicht als Muttersöhnchen« in Erinnerung hat – ein »mammone« nach allen Regeln der finanziellen Unselbständigkeit ist Heinrich Lee schon. Ohne Muttis Sofortkredit geht in der Ferne entweder wenig – oder alles schief. Und wie er dann nach Zürich zurückkehrt und per Zufall auf Muttis eigener Beerdigung landet – fast schon tragisch. Eher plump kommt Heinrichs eigener Tod:

933 Seiten lang tritt Keller seinen unreifen, (hallo Farbmetaphern­freunde!) »grünen« Helden erzählerisch breit (zumindest in meiner Reclam-Ausgabe), um ihn dann auf der 934. und letzten Seite binnen drei Zeilen einfach wegsterben zu lassen: Das ist schon ein fieses Finish – auch für den Leser, der bis hierher durchgehalten hat. An dieser Stelle wäre mit Lorenz Jäger zu sagen: Beim »Grünen Heinrich« öfter mal die Zweitfassung zu kaufen versuchen! In ihr stirbt Heinrich nicht. Dafür badet in ihr aber auch Judith nicht mehr nachts im Fluss wie noch im »Grünen Heinrich 1.0« von 1854/55. Überhaupt scheint sich Keller als Staatsschreiber von Zürich für seine erotischen Tagträume zunehmend geschämt zu haben, weswegen, so Jörg Drews im Nachwort, die zweite Fassung von 1879/80 auch »die kastrierte« heißen könne.

Wie kam ich eigentlich zum »Grünen Heinrich«? Im Grunde habe ich mich durch billigstes Regionalmarketing korrumpieren lassen, fing mit dem Lesen quasi nur an, weil gleich das erste Kapitel, das ich mal in einer Bahnhofsbuchhandlung angelesen hatte, meine Hometown so nett und ideell in die Ehrenliga der schönsten Schweizer Städte hebt, »welche an einem See und einem Flusse zugleich liegen«: »Zürich, Luzern, Genf; auch Konstanz gehört gewissermaßen noch zu ihnen«. Keller, das wusste ich seit »Hadlaub«, hat ein Herz für Konstanz.

Putsch – wer hat’s erfunden?

Und wo wir schon bei Städtekunde sind. Auf Seite 920 des »Grünen Heinrichs«, ich bin quasi schon im Zieleinlauf (die letzten Seiten dicker Bücher lese ich notorisch unkonzentriert, weil ich mich, statt auf den gebotenen Inhalt zu achten, einerseits freue, dass es gleich zu Ende geht, und andererseits, siehe Leseendorphine oben, absurderweise doch denke: schade eigentlich, jetzt hättest du Kondition für mehr!), auf Seite 920 also lese ich:

»Das Wort Putsch stammt aus der guten Stadt Zürich, wo man einen plötzlichen vorübergehenden Regenguß einen Putsch nennt (…)« – in einem übertragenen Sinne aber auch »jede närrische Gemüthsbewegung, Begeisterung, Zornigkeit, Laune oder Mode«.

Heinrich kehrt nach sieben Jahren Deutschland gerade in die Schweiz zurück und landet in der Zeit der »blutigen oder trockenen Umwälzungen, Wahlbewegungen und Verfassungsrevisionen, die man Putsche nannte«:

»Da nun die Züricher die ersten waren, die geputscht, so blieb der Name für alle jene Bewegungen und bürgerte sich sogar in die weitere Sprache ein, wie Sonderbündelei, Freischärler und andere Ausdrücke, die alle aus dem politischen Laboratorium der Schweiz herrühren.«

Das Meretlein

Außer »Putsch« wird »Meretlein« der zweite Begriff sein, den ich mit dem »Grünen Heinrich« verbinde. Luisa machte mich erst drauf aufmerksam, ich hatte die Passage schon im Januar gelesen und gar nicht mehr präsent. Aber, das gehört dann wohl zum Lektüremodus dicker Bücher: Einen Hunderseiter hat man längst gegen den nächsten eingetauscht, in einem Neunhundertseiter blättert man halt zurück, wenn jemand sagt: »Du liest gerade Z? Darin kommt doch XY vor?« – »Ach, echt jetzt?«

Das Meretlein steht für eine wirklich fiese Geschichte in der Geschichte. In meiner Reclam-Ausgabe beginnt sie auf Seite 89 unten, mit einer verwitterten Grabplatte aus dem Jahr 1713: »Die Leute nannten diesen Platz das Grab des Hexenkindes.«

Meretlein war auffällig geworden, weil es »erwachsene Mannspersonen verführt und es ihnen angethan« hätte. Tatsächlich hatte es schon als Kleinkind Angst, »wenn man es in die düstere, kalte Kirche brachte, wo es sich vor dem schwarzen Manne auf der Kanzel zu fürchten vorgab«.

Das arme, auf den rechten Gottesweg zu bringende Mädel wird im Alter von sieben Jahren Pflegekind des Pfarrers. Noch Generationen später hängt im Pfarrhaus »ein altes dunkles Ölgemälde, das Bildniß dieses merkwürdigen Kindes enthaltend. (…) In seinen Händen hielt das Kind den Totenschild eines andern Kindes und eine weiße Rose.«

Nun sagt es sich so schnell: Hexenkind war wahrscheinlich nur ein anderes Wort für Missbrauchsfall und Pädophilie. Keller wird an keiner Stelle explizit, er macht das wirklich nur durchs Erzählen, ein bisschen aus dem Volksmund, ein bisschen aus den Pfarrhausprotokollen über Teufelsaustreibungsaktionen zitierend:

»der kleinen Meret (Emerentia) ihre wöchentlich zukommende Correction ertheilt und verscherpft, indeme sie nackent auf die Bank legte (…), nicht ohne Lamentiren und Seufzen zum Herren, daß Er das traurige Werk zu einem guten Ende führen möge.« (S. 92)

Mit dem Meretlein embeddet der »Grüne Heinrich« eine Geschichte, die finsterste Priklopil-Elemente (die dunke Speckkammer!) mit Zombie-Magie wie aus Gotthelfs »Schwarzer Spinne« verbindet. Wer wegen Kellers gelegentlicher Langatmigkeit vergessen sollte, wie ungeheuerlich dieser »Shakespeare der Novelle« (Paul Heyse) erzählen kann, der blättere zur kleinen Meret. Also, wenn man gerade mal keine neun Hunderseiter zur Hand hat, kann man auch den »Grünen Heinrich« lesen.