Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 5:
The Office (5. Staffel, NBC)

Paris, 14. September 2009, 12:01 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

Die Suche nach Twists für eine Büroserie ist sicher nicht leicht. Es muss ja per se eigentlich immer wieder dasselbe passieren. Nachdem Michael Scott in Folge 18 seinen Job quittiert hat wie einst George Costanza in der berüchtigten Seinfeld-Folge »The Revenge«, wird es ernst für ihn: Er muss Dunder Mifflin verlassen, was ja normalerweise auch das Ende der Serie bedeuten würde.

Zusammen mit Pam und Ryan (B. J. Novak, zuletzt ganz unerwartet gesehen in »Inglourious Basterds«) gründet er aber gleich nebenan die Michael Scott Paper Company, und in Folge 21 gibt es sogar eine dahingehend geänderte Introsequenz, die auf die neue Firma zugeschnitten ist. Michael und die anderen werden letztlich wieder in die alte Firma zurückkehren, aber wie hier für einige Folgen das Sitcom-Prinzip der ewigen Wiederkehr der immer gleichen Story durchbrochen wurde, ist einmalig und war ein Höhepunkt des Serienjahres.

Steve Carell spielt seinen Michael Scott immer noch mit einer Frische, dass man sich nicht satt sehen kann an dieser Figur, auch wenn sich die Themen wiederholen. Es ist immer wieder neu komisch, wenn Michael jemanden für eine missglückte Aktion zum Sündenbock macht, sobald die Firmenleitung die Aktion aber lobt, den ganzen Credit wieder für sich haben will, so wie in Folge 17, als er Dwight für eine »Golden Ticket«-Kampagne verantwortlich macht, die erst ein Desaster, dann aber ein Erfolg für Dunder Mifflin wird.

Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 6:
Big Love (3. Staffel, HBO)

Paris, 13. September 2009, 12:56 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

Die Polygamisten-Saga »Big Love« ist auch in der dritten Staffel noch nicht langweilig geworden. Die Serie erzählt sich immer noch grandios vorbei an den 08/15-Plots traditioneller Familienserien.

Zum Beispiel wird die Geschichte um die mögliche Viertfrau Ana aus der Vorgängerstaffel wieder aufgegriffen und eine Stufe weitergeführt. Und es ist serien- und filmgeschichtlich sicher innovativ, einmal einen Polygamisten und seinen drei Frauen dabei zuzusehen, wie sie gemein­sam eine weitere mögliche Ehefrau daten (Folge 2). Lustig wird es dann, wenn Ana Bill fragt, warum sie als Frau nicht auch polygamistisch leben könne, wenn er es doch auch tue. Aber sexuelle Emanzipation ist im »principle« natürlich nicht vorgesehen. Dennoch entschließt sich Ana zur Heirat, das Ganze scheitert aber schon nach kurzer Zeit, und am Ende von Folge 5 knallt sie ihren Ehering auf den Tisch.

Statt nach Zuwachs sieht es dann sogar nach Familiendezimierung aus, denn Bill erwägt, sich von Nicki zu trennen. Nicht nur hat sie für den Patriarchen Roman spioniert, der ihr Vater und Bills Erzfeind ist. Sie hat auch die Zuneigung ihres Vorgesetzten in Ansätzen erwidert. Es stellt sich dann noch heraus, dass sie seit 4 Jahren die Pille nimmt, obwohl sie an der Reihe mit dem Kinderkriegen ist, und sich damit am »principle« und am »purpose« der Vielehe schlimm versündigt hat. Am Ende präsentiert sie auch noch eine verheimlichte, inzwischen 14-jährige Tochter, aber das kann dann schon nicht mehr zusätzlich ins Gewicht fallen.

Durch ihre Spionage hat Nicki ihrem Vater geholfen, die Anklage wegen Zwangsverheiratung Minderjähriger abzuwehren. Zum Verhängnis wird ihm allerdings, dass er dafür auch die aussagewillige Kathy in den Unfalltod getrieben hat. Sie war als zweite Frau für Bills Bruder Joey vorgesehen, der sich am Ende an Roman rächen wird. Der Patriarch stirbt im gestreiften Pyjama.

Durch Romans Abwesenheit ist auch die Machtfrage innerhalb der Gemeinde wieder aktuell. Sein immer noch schön schmieriger Sohn Alby will sie zu seinen Gunsten entscheiden, indem er ein angebliches Dokument ins Spiel bringt, das beweisen soll, dass die Mormonenkirche die Polygamie nur zum Schein abgeschafft hat. Der Wisch stellt sich letztlich als Fake heraus, mit dem Alby Geld von der Kirche erpressen wollte.

Am Ende landet noch Bills Erstfrau Barb vor dem Kirchengericht, zeigt aber keine Reue wegen ihrer Polygamie und wird exkommuniziert. Und wenn nicht mal die eigene Kirche den polygamen Lifestyle protegiert, was bleibt da übrig: Am heimischen Swimmingpool gründet der Baumarktbesitzer Bill eine neue Kirche. Way to go!

Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 7:
Mad Men (2. Staffel, amc)

Paris, 12. September 2009, 17:52 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

Nach dem Finale der 1. Staffel setzt die Handlung erst zwei Jahre später wieder ein, 1962. Gleich am Anfang wird etwas holzhammer­artig die Skrupellosigkeit des PR- und Werbe-Business thematisiert: Bei Sterling Cooper befürworten nämlich alle außer Don, dass American Airlines als Kunde akzeptiert werde, obwohl deren Flight 1 gerade abgestürzt und die historische Flugzeugkatastrophe vom 1. März 1962 verursacht hat. Pete, der bei dem Absturz auch noch seinen Vater verloren hat, will und soll den Account übernehmen.

Dem Zynismus wird also wieder breit Raum gemacht, wohlfeile Sprüche wie der folgende sind keine Seltenheit: »Every scientist, engineer, and general, is trying to figure out a way to bring a man on the moon, or blow up Moscow, whichever one costs more. We have to explain to them how we can help them spend that money.«

Im erzählerischen Mittelpunkt steht immer noch Don Draper, der sich diesmal durch die Affäre mit der Frau des bösartigen Comedians Jimmy Barrett (Patrick Fischler, der in »Lost« einen der 70er-Jahre-Others spielt) in die Bredouille bringt. Der (historisch verbürgte) Komiker bekommt den Fling mit und weiht Dons Frau Betty ein, die vom Affärenausmaß ihres Mannes bisher keine Ahnung hatte. Sie setzt ihn vor die Tür, rächt sich ein bisschen und lässt ihn dann lustlos zurückkommen, gekoppelt an die für sie fundamentale Erkenntnis: »I don’t know. Honestly, things haven’t been that different without you.«

Ansonsten wird Don auch wieder ein wenig von seiner älteren Vergangenheit eingeholt, seinem Identitätsdiebstahl (eigentlich heißt er Dick Whitman, der echte Don Draper war in Korea gefallen), aber ansonsten wirkt dieser Subplot diesmal arg in die Länge gezogen. Wie gut, dass es mit Peggy (Elisabeth Moss) eine viel interessantere Figur gibt. Sie war zu Beginn von Staffel 1 als kleine Sekretärin ins Büro gekommen, hatte sich von Pete schwängern lassen, das Kind aber heimlich geboren und inzwischen bei ihrer Familie untergebracht. Und nun ist sie zurück und steigt weiter auf in der Hierarchie der 60er-Jahre-Männer. In einem Flashback sehen wir, wie Don sie in der Geburtsklinik besucht und sie anspornt, zurückzukommen und weiterzumachen: »It will shock you how much it never happened!«

Neben ihrer Arbeit bei Sterling Cooper wird Peggy unter anderem von einem katholischen Priester gefragt, ob sie ihm aufgrund ihrer PR-Erfahrung nicht thematisch bei seiner Rede für den Palmsonntag behilflich sein könne, eine super Szene mit einer schönen rhetorischen Frage ihrerseits: »Don’t they (d. h. die katholische Kirche) have stuff that you’re supposed to talk about?«

Ansonsten wurde Sterling Cooper an eine britische Company verkauft und agiert nun als deren US-Abteilung. Diese Übernahme wird in der 3. Staffel, die seit Mitte August läuft, zu ein paar Umgruppierungen in der Figurenkonstellation führen, im Großen und Ganzen aber kaum eine Rolle spielen.

Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 8:
The Tudors (3. Staffel, Showtime)

Paris, 11. September 2009, 11:43 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

Neue Staffel, neue Ehefrau. Allerdings beschleunigt sich nun das Schicksal Henrys VIII., denn in Staffel 3 bleibt es nicht bei dieser einen Gattin, obwohl mit Jane Seymour für einmal so etwas wie familiäre Eintracht aufscheint, denn sie hat es geschafft, Mary und Elizabeth an den Hof zurückzuholen. Am Ende von Folge 4 gebiert Jane sogar den lang gewünschten Thronfolger, stirbt aber bei dessen Geburt.

Als Ersatzfrau wird Henry die deutsche Herzogstochter Anna von Kleve zugeschoben. Von Holbein fordert der strategische Kuppler Cromwell, dass er bei ihrem Porträt ein bisschen trickse, damit Henry sie für schön genug hält und durch die Heirat die protestantische Liga mit ins Boot geholt wird, um bei der Auseinandersetzung mit dem Papst besser gerüstet zu sein. Übrigens ist Peter O’Toole als Papst Paul III. nicht mehr mit dabei. Die Kräfte gegen Henrys Abspaltung von Rom versucht in dieser Staffel Kardinal von Waldburg (Max von Sydow!) zu bündeln.

Auch sonst ist die Besetzung wieder überraschend, die Anna wird etwa gespielt von Joss Stone, die ein bisschen wie eine Vogelscheuche aussehen und mit deutschem Akzent sprechen muss. Als Henry ihr endlich in natura begegnet, ist er außer sich: »She looks like a horse! A Flanders mare!« Der Ehevollzug misslingt dann kräftig, ein Kind will Anna irgendwie sowieso nicht, und in Folge 8 ist mal wieder eine Ehe »null and void«. Anna wird weggeschickt, darf sich aber »sister« Henrys nennen und unter der Zusage monatlicher Zuschüsse in England bleiben. Henrys Libido kehrt erst mit der Teenagerin Catherine Howard zurück, die dann auch Ehefrau Nummer 5 wird.

Innenpolitisch setzt im Oktober 1536 die Pilgrimage of Grace ein, der Aufstand der Katholiken im Land. Die Rädelsführer werden getäuscht, zu versprochenen Verhandlungen kommt es nicht, und dann wird fleißig gehenkt. So richtig voran geht es mit der Anglikanischen Kirche aber auch nicht, und da muss auch wieder ein Schuldiger her. Nach Kardinal Wolsey und Thomas More muss mit dem Lordsiegelbewahrer Cromwell wieder ein enger Verbündeter das Hin und Her des Königs am Schafott ausbaden. Er wird als Verräter eingebuchtet, bloßgestellt und von einem unfähigen Henker, der nicht richtig trifft und das Beil mehrfach neu ansetzen muss, grausam etappenweise enthauptet.

Ansonsten wird wieder viel diplomatisiert in der aktuellen Staffel, und deswegen schreit dauernd jemand den Titel irgendeines Ankömmlings durch die Gegend: »The Lord Chancelor! … The Duke of Suffolk, my Lord! … The English envoys! … The Imperial ambassador, your majesty!«

Historisch war das Material der ersten beiden Staffeln sicher etwas dankbarer, und mit Staffel 4 wird die Serie demnächst geschichts­bedingt enden. Das ist auch gut so, denn sie ist ein wenig langweilig geworden, sicher auch für Jonathan Rhys Meyers, denn Henrys Charakter bekommt einfach keine neuen Facetten.

Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 9:
The Big Bang Theory (2. Staffel, CBS)

Paris, 10. September 2009, 15:37 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

Das Schöne an »The Big Bang Theory«: Es ist eine Sitcom, will nicht mehr sein als genau das, und das macht sie sehr gut, obwohl das eingespielte Gelächter mehr als outdated ist.

Die zweite Staffel hat endlich auch die Erkenntnis gebracht, dass nicht etwa der halbwegs nach Normalität strebende Leonard die Hauptfigur ist, sondern der gegen Normalität allergische Sheldon. Er muss einerseits den von wissenschaftlicher Korrektheit beseelten Nerd spielen, schafft es aber inmitten der anderen Klamaukfiguren (Wolowitz und Raj), eine ganz eigene Würde auszustrahlen.

Zu den Gimmicks der 2. Staffel zählte der Auftritt des astrophysikali­schen Nobelpreisträgers George Smoot, der in Folge 17 einen kurzen Cameo-Auftritt absolviert. Er hatte sich als Fan an die Show gewandt und durfte daraufhin bei einer fiktiven Konferenz auf seinen Fan Sheldon treffen, der ihm vorschlägt, demnächst als Team zu forschen (natürlich in alphabetischer Reihenfolge, »Cooper – Smoot«). Und Smoot antwortet: »With all due respect, Dr Cooper, are you on crack?«

Die Leonard-Penny-Frage steht immer noch wie ein Elefant im Raum, sozusagen, und deren Ungeklärtheit führt am Ende sogar dazu, dass Leonard und die anderen Sheldon auf eine Nordpolarexpedition begleiten, bei der er – was sonst? – die Stringtheorie endlich mal beweisen will.

Die 10 besten US-Serien 2008/09, Platz 10:
How I Met Your Mother (4. Staffel, CBS)

Paris, 9. September 2009, 16:31 | von Paco

(Übersicht: Alle 10 besprochenen Serien. – Vorwort: Besuch im Serienland.)

So wie »Seinfeld« und »Friends« hat es auch HIMYM geschafft, einige Wendungen und Catch-Phrases in der Umgangssprache unterzu­bringen, zum Beispiel Barneys »Bro Code«. Auch in dieser Staffel gab es wieder einige Kandidaten (etwa die »intervention!«-Rufe, um bei Freunden tribunalartig nervende Verhaltensmuster zu thematisieren; Folge 4).

Überhaupt scheint der Humor der Serie äußerst nachhaltig zu sein, wie sablog das anhand einer Szene aus Folge 22 demonstriert hat. Mir selbst ist vor allem Marshalls Eloge auf den Hamburger-an-sich im Gedächtnis geblieben, ein sehr schön überkandideltes Lobgedicht (»This is God, speaking to us in food.«; Folge 2). Seine Rede ist so stilecht, dass Lily vorwurfsvoll fragt: »And you got our wedding vows off the internet!«

Sehr gut war auch Folge 15, »The Stinsons«. Darin stellt sich heraus, dass Barney seiner Mutter seit 7 Jahren eine glückliche Ehe inkl. Wunschkind vorgaukelt. Er hat dazu zwei Schauspieler engagiert, mit denen er ab und zu bei seiner Mutter (Frances Conroy aus »Six Feet Under«) vorbeischaut. Das Ganze fliegt auf, als Ted mit der schau­spielernden Barney-Frau anbandelt, nachdem sich beide hocherfreut über die »Heilige Johanna der Schlachthöfe« und Brechts Versuch »to alienate the audience« unterhalten haben. Sie werden in flagranti erwischt, und Barney klärt alles auf, und es ist dann auch nicht so schlimm, no harm done.

Wieder steht ein paar Mal im Raum, dass einer der fünf Friends für immer weggeht (Ted mit Stella nach New Jersey, Robin nach Japan), aber dann bleiben alle da, das ist ja der Witz bei dieser Serie und war es schon bei »Friends«. Eine Anspielung auf »Friends« ist übrigens auch die Trennung von Stella und Ted unmittelbar vor dem Traualtar (Folge 5), aber die war sowieso vorhersehbar, da Ted die titelgebende »Mother« ja noch nicht getroffen hat. Die zukünftige Mutter von Teds Kindern wird wie immer als völlig lächerlicher Teaser in der letzten Folge erwähnt, sie sitzt angeblich in einem von Teds Architektur­seminaren. Usw., usw., usw.

Die 10 besten US-Serien:
Besuch im Serienland 2008/09

Paris, 8. September 2009, 22:29 | von Paco

Ende Mai wurden wie immer die Finalfolgen der US-Serien-Saison gezeigt. Bevor in ca. 3 Wochen die neuen Seasons beginnen, soll hier wie jedes Jahr (2005/06, 2006/07, 2007/08) eine Auswahl der besten Serien folgen. Im letzten Jahr war das eine Top-30, in diesem Jahr ist es nur eine Top-10.

Denn der US-Serien-Hype ist irgendwie vorbei. Er knüpfte sich an eine Erzählrevolution der TV-Drehbücher, die es schafften, ihre romanhaften Entwürfe auch tatsächlich schwungvoll über mehrere Episoden und Staffeln zu entfalten. »Die Menschen gehen auch deshalb seltener ins Kino, weil das Fernsehen inzwischen oft das bessere Kino liefert«, schrieb der »steadycam«-Gründer Milan Pavlovic vor 2 Jahren in der SZ (9./10. Juni 2007). »Die neueren Fernsehserien sind die wahren Epen des frühen 21. Jahrhunderts.«

Dieses Gefühl der TV-Serien-Übermacht haben damals viele konstatiert. Spätestens 2001 begann der Hype mit Sagas wie »Six Feet Under« und erreichte seinen Höhepunkt 2004 mit dem Start der beiden Jahrhundertserien »Lost« und »Desperate Housewives«, und während die eine demnächst endet und die andere sich langsam aber sicher selbst wiederholt (was trotzdem noch sehr gut funktioniert), ist weit und breit nichts in Sicht, das es an erzählerischer Pracht und Fülle mit beiden aufnehmen könnte.

Es gibt daneben auf jeden Fall noch andere brillante Serien, die narrativ und atmosphärisch ganz eigene Stimmungen erzeugen, zum Beispiel die relativ neuen Projekte »Breaking Bad« und »Mad Men«, und es wird sich auch weiterhin lohnen, die vielen kleinen Sitcoms zu schauen, »The Office« oder »How I Met Your Mother«. Aber der große Innovationsschub der letzten Jahre scheint erst mal vorbei zu sein.

Exemplarisch dafür standen schon die drei propagierten Hitserien der vorletzten Saison, »Chuck«, »Reaper« und »Journeyman«, die inzwischen alle glanzlos abgesetzt wurden bzw. bald enden. Das 2006 so rasant gestartete »Heroes« war mit einer der bescheuertsten Finalfolgen ever schon nach einer Staffel erledigt und tritt das Serienkonzept mittlerweile nur noch breit. Auch dem bonbonfarben durchgestylten »Pushing Daisies« ging nach nur zwei Staffeln storywise die Luft aus.

Aber okay, es gibt auch noch Serien, die Spaß machen, und zehn davon werden hier in den nächsten Tagen anhand ihrer zuletzt gelaufenen Staffeln kurz vorgestellt. Wie immer geht es vor allem um die Narration, nicht vorderhand um Quoten oder Schauspielernamen, die nur in Ausnahmefällen genannt werden. Das lockere Ranking, der Countdown von 10 bis 1, kann auch einfach als wertneutrale Durchnummerierung gelesen werden, hehe.

Oskar Lafontaine als Umblätterer

Konstanz, 5. September 2009, 09:49 | von Marcuccio

Das Praktische am Wahlkampf ist ja, dass jetzt wieder diese ganzen Interviews aus den Abgeordnetenbüros kommen, mit Fotos direkt vom Politikerschreibtisch. Uns von der Partei der Zeitungswähler interes­siert da natürlich vor allem, welches Presse-Portfolio so ausliegt. Lafontaine hat griffbereit:

Obenauf die Junge Welt
dann die taz,
erst dann Neues Deutschland,
und zuunterst die Süddeutsche.

Ob sich das Quartett nach Zeitungsformat, Weltanschauung oder Leseritual stapelt, haben die Regionalzeitungskorrespondenten leider nicht gefragt. Vorn auf dem Tisch übrigens ein Buch namens »Die Linke Versuchung«, rechts hinter Lafontaine, auf dem Regal, winkt Papst Benedikt von einem Foto.

Software & Erinnerung (Teil 4)

Paris, 1. September 2009, 21:08 | von Paco

Das Motto bleibt dasselbe:
»Et tout d’un coup le souvenir m’est apparu.« (Proust, Combray)

Unsere Versionsnummern-Lyrik geht ins dritte Jahr (siehe 1. Sept. 2007, 1. Sept. 2008). Wir listen hier also die heute aktuellen Versionsnummern und dahinter, getrennt durch einen senkrechten Strich, die Versionsnummern, die vor genau einem Jahr bzw. zwei Jahren aktuell waren. Wie immer wird nur eine Auswahl von Software gelistet, alles Tools, die wir regelmäßig benutzen.

Versionsnummern-Politik kann man schön vergleichen, wenn man den aktuellen Stand des VLC media players mit dem von RapidSVN (einem SubVersioN-Client) vergleicht. Das eine Programm hat einen Sprung von 0.9.x auf 1.0.x gemacht, das andere von 0.9.x auf 0.10.x. Im ersten Fall geht es um die Vermittelbarkeit bei einer so populären Software wie dem VLC-Player. Mit dem Status 1.0 wird so mit suggeriert, dass das Betastadium verlassen und die Finalversion erreicht wurde, obwohl die Versionen davor auch ausnehmend stabil waren. Im zweiten Fall geht es ums keepin‘ it real der Open-Source-Szene, deswegen heißt die Version 0.10 und nicht 1.0.

Wie auch immer, eine Ästhetik der Versionsnummer und der erste Lehrstuhl für Softwaregeschichte lassen nach wie vor auf sich warten. Und derweil sammeln wir weiter Material. Hier nun die Übersicht, Stand 1. 9. 2009 – in den Reihen 2 und 3 stehen die Versionen, die am 1. 9. 2008 bzw. am am 1. 9. 2007 aktuell waren. Die meisten Kommandozeilentools sind seit letztem Jahr nicht mehr mit in der Liste, außerdem wurde Software, die sich überlebt hat, entfernt (der BSplayer zum Beispiel):

Browser & Aufsätze:
Opera 10.00 | 9.52 | 9.23
Firefox 3.5.2 | 3.0.1 | 2.0.0.6
SeaMonkey 1.1.17 | 1.1.11 | 1.1.4
Netscape Navigator (eingestellt) 9.0.0.6 | 9.0.0.6 | 9.0b3
Konqueror 4.3.0 | 4.1.0 | 3.5.7
Safari 4.0.3 (531.9.1) | 3.1.2 (525.21) | 3.0.3 (522.15.5)
Google Chrome 2.0.172.43 | 0.2.149.27 [1583] | –
Amaya 11.2 | 10.0.1 | 9.55
Internet Explorer 8.0.6001.18813 | 8.0.6001.18241 | 7.0.5730.11
Maxthon 2.5.6.350 | 2.1.4.238 | 2.0.3.4643

Server/Database/CMS:
Apache 2.2.13 | 2.2.9 | 2.2.4
MySQL Community Server 5.1.37 | 5.0.67 | 5.0.45
PostgreSQL 8.4.0 | 8.3.3 | 8.2.4
MediaWiki 1.15.1 | 1.13.0 | 1.10.1
osCommerce 3.0 Alpha 5 | 2.2 RC 2a | 2.2 RC1
Trac 0.11.5 | 0.11.1 | 0.10.4
WordPress 2.8.4 | 2.6.1 | 2.2.2
Typo3 4.2.8 | 4.2.1 | 4.1.2
Joomla 1.5.14 | 1.5.6 | 1.5 RC1

Clients:
WinSCP 4.1.9 | 4.1.6 | 4.0.3
FileZilla 3.2.7.1 | 3.1.2 | 3.0.0 RC3
FireFTP 1.0.5 | 1.0.2 | 0.98
Trillian 4.0.0.117 | 3.1.10.0 | 3.1.7.0
mIRC 6.35 | 6.34 | 6.3
RapidSVN 0.10.0 | 0.9.6 | 0.9.4 / Subversion 1.6.3 | 1.5.2 | 1.4.2

Media Players:
VLC media player 1.0.1 | 0.8.6i | 0.8.6c
Media Player Classic 6.4.9.1 rev 104 | 6.4.9.1 rev 72 | 6.4.9.0
Songbird 1.2.0 | 0.7.0 | 0.2.5
Amarok 2.1.1 | 1.4.10 | 1.4.6
foobar2000 0.9.6.9 | 0.9.5.5 | 0.9.4.4
Winamp 5.56 | 5.541 | 5.35 (immer noch gut: 2.91)

Editoren/Word Processors:
OpenOffice 3.1.1 | 2.4.1 | 2.2.1
XMLmind 4.4.0 | 4.0.0 | 3.6.1
Notepad++ 5.4.5 | 5.0.3 | 4.2.2
UltraEdit 15.10 | 14.10 | 13.10a
Kate 3.3.0 | 3.1 | 2.5.4
XEmacs 21.4.22 | 21.4.21 | 21.4.20
JOE 3.7 | 3.5 | 3.5

Coding:
Perl 5.10.1 | 5.10.0 | 5.8.8
PHP 5.3.0 | 5.2.6 | 5.2.4
Python 3.1.1 | 2.5.2 | 2.5.1
GCC 4.4.1 | 4.3.2 | 4.2.1
Ruby 1.9.1 | 1.9.0 | 1.8.6
Ruby on Rails 2.3.3 | 2.1.0 | 1.2.3
JDK 6 Update 16 | 6 Update 7 | 6 Update 2

Gfx/Pics/Print:
Photoshop CS4 | CS3 | CS3
GIMP 2.6.7 | 2.4.7 | 2.2.17
IrfanView 4.25 | 4.20 | 4.00g
Picasa 3.1.0 Build 71.43 | 2.70 Build 37.36 | 2.7.0
ImageMagick 6.5.5-5 | 6.4.3-6 | 6.3.5-6
Ghostscript 8.70 | 8.63 | 8.60

Edu:
LingoPad 2.6 (360) | 2.6 (360) | 2.5.1 (325)
Google Earth 5.0.11733.9347 | 4.3.7284.3916 | 4.2.0181.2634

Distros:
Kubuntu 9.04 | 8.04 | 7.04
OpenSUSE 11.1 | 11.0 | 10.2
Slackware 13.0 | 12.1 | 12.0

Desktop/Command Line:
KDE 4.3.0 | 4.1.0 | 3.5.7
Beagle 0.3.9 | 0.3.8 | 0.2.18
Bash 4.0.28 | 3.2.33 | 3.2.17

Cinnabon

London, 31. August 2009, 16:13 | von Dique

Lange war ich achtlos an der Cinnabon-Filiale auf dem Queensway vorbeigegangen. Dann sah ich letzte Woche die Stand-up-Show »Chewed Up« von Louis C. K., der darin von diesen fetten Zimtbomben erzählt. Für alle, die wie ich bis vor kurzem keine Ahnung hatten, was ein Cinnabon ist – so beschreibt sie Louis C. K. in his very own words:

»It’s a six-foot high cinnamon-swirled cake made for one sad fat man. Even if you have a vagina, you’re a man if you are eating a Cinnabon. In that moment you are a man!«

Mit diesem Wissen ging ich heute wieder an der erwähnten Cinnabon-Filiale vorbei. Der Laden schien aber nicht wirklich einzuschlagen wie eine Bombe, er war gähnend leer, obwohl er laut Louis C. K. voll mit einer bestimmten Art Mensch sein sollte:

»It’s all dudes like me, or fatter, saying like, oh fuck, I’m getting a Cinnabon.«

Irgendwie ist in letzter Zeit alles Zimt. In Hamburg beim Bäcker gibt es überall Franzbrötchen. Die sehen aus wie überfahrene Croissants, aber eben mit Zimt, und sind tatsächlich Überlebende der napoléonischen Besatzung. Außerdem schaue ich ab und an die amerikanische Show »Man v. Food« mit Adam Richman, die eigentlich richtig fürchterlich ist, denn es geht um lukullisch-prollige Megalomanie. Irgendwann sah ich ihn, wie er ein über zwei Kilo schweres Steak aß und das tatsächlich irgendwie überstand. (Man vs. food! Man won!)

In einer der letzten Folgen war er in Texas, um den schärfsten Burger der Welt zu essen, den bisher nur drei Männer vor ihm schafften und, ohne groß Spannung erzeugen zu wollen, Richman wird der vierte im Bunde. Vorher war er aber noch in einer Bäckerei, in der sie auch Zimtrollen anbieten, nicht die world-famous Cinnabons, sondern eben eine lokale Variante, allerdings so groß und schwer, dass sie niemand allein bewältigen kann. Die Dinger wiegen auch mehrere Kilogramm und beim Anblick all der Butter, des Zuckers und des Zuckergusses wird einem ganz schwindelig.

Obwohl die Cinnabons deutlich kleiner sind als die texanischen Zimtbomben aus »Man v. Food«, musste ich an diese denken, als an mir vorbei eine Frau in die Cinnabon-Filiale schritt. Sie war mit ihrem Freund da und der wollte gar nicht so richtig ran an die Zimtriesen. Dem Akzent nach kam sie aus Amerika und war mit den Cinnabon­freuden anscheinend wohlvertraut, und durch die Scheibe sah ich, wie sie wirklich eine dieser zuckergussig glänzenden Zimtschnecken bestellte.

Und ich musste an Louis C. K. denken, und während die Frau schmatzend den Laden verließ, wurde sie tatsächlich vor meinen Augen zum Mann. Und obwohl ich eigentlich auch mit dem Gedanken gespielt hatte, so einen Cinnabon zu kosten, verging mir der Appetit, und ich bin dann einfach unverrichteter Dinge gegangen, und weil ich den »Economist« schon ausgelesen hatte, habe ich dann doch noch den Weltkriegs-»Spiegel« gekauft, obwohl ich das eigentlich vermeiden wollte. (Man vs. food! Man lost!)