Ortsumgehung 1:
Der Proust aus der Uhlandstraße
Frankfurt/M., 24. September 2026, 09:15 | von Charlemagne
Neulich, denn ein kurzer Text über den ersten Band der ORTSUMGEHUNG von Andreas Maier, »Das Zimmer«, kann natürlich nur mit dem Wort »neulich« beginnen, hatten wir hier angekündigt, jeden Monat ein Buch aus eben dieser ORTSUMGEHUNG zu lesen und hier kurz was drüber zu schreiben, bis zum Erscheinen des lieben Gotts, los geht’s.
Ich lese Andreas Maier seit seinem Buch über Thomas Bernhard, und natürlich gibt es auch in »Das Zimmer« Anklänge, die schwer zu übersehen sind. Wäre jetzt aber auch bisschen sehr langweilig, sich daran aufzuhängen.
Für mich, diesen Text verfassend im Zug auf dem Weg zur Arbeit wie einst Onkel J., steht bei dieser erneuten Lektüre des Buchs ein ganz anderer Autor im Vordergrund, nämlich Marcel Proust. Die olfaktorische Erinnerung an Onkel J. und dem mit ihm verbundenen Gestank in der Uhlandstraße, dem Silagegeruch, setzt dieses Buch in Bewegung, tritt den ganzen Romanzyklus los und katapultiert den Autor aus dem Zimmer von Onkel J., aus dem Keller, usw. in die weite Welt hinaus. Eine Welt, die allerdings die Wetterau und die Erinnerungen an sie immer in sich trägt, denn »[s]elbst Rom und alle anderen Städte, in denen ich gelebt habe, sind heute Bestandteil der Welt, die die Wetterau ist«.

