Archiv des Themenkreises ›Consortium‹


+++ Feuilletongold, morgen +++

Göttingen, 12. Januar 2015, 08:41 | von Paco

Von dem Maulwerff (2015 Edition)

Morgen, also traditionell am zweiten Dienstag des neuen Jahres, wird mit allem dazugehörigen Prunk zum *zehnten* Mal seit 2005 – und auch zum letzten Mal – der …


Goldene Maulwurf

für die 10 besten Feuilletontexte
des vergangenen Jahres,
diesmal also 2014,

verliehen, und zwar von uns, und zwar an dieser Stelle. Die Longlist wurde ordentlich durchgesiebt, die Arbeit des Consortiums ist beendet, morgen gibt’s wieder Maulwurfsgold.

Hier noch unsere Backlist mit den Preisträgern der vergangenen Feuilletonjahre:

2005   (#1 Stephan Maus/SZ)
2006   (#1 Mariusz Szczygieł/DIE PRESSE)
2007   (#1 Renate Meinhof/SZ)
2008   (#1 Iris Radisch/DIE ZEIT)
2009   (#1 Maxim Biller/FAS)
2010   (#1 Christopher Schmidt/SZ)
2011   (#1 Marcus Jauer/FAZ)
2012   (#1 Volker Weidermann/FAS)
2013   (#1 Özlem Gezer/DER SPIEGEL)
2014   (#1 ???/???)

Jetzt noch ein Mal schlafen – buona notte, talpa! – und dann werden hier die zehn Straßenfeger und Pageturner des Feuilletons 2014 verkündet.

Bis dann,
Consortium Feuilletonorum Insaniaeque

 
(Bildmotiv: Gesners »Thierbuch« von 1606; Public Domain)


Der letzte Maulwurf seiner Art

Buenos Aires, 15. Dezember 2014, 14:11 | von Paco

»Es war Dezember.«
(Christian Kracht)

Uwaga! Es ist nämlich so: Am 13. Januar 2015 (also traditionell am zweiten Dienstag des Jahres) findet zum zehnten und letzten Mal die von uns betriebene Verleihung des einzigen echten Feuilletonpreises »Der Goldene Maulwurf« statt. Es geht dabei wie immer um die Lobpreisung des einen bzw. der insgesamt zehn besten Feuilletonartikel des dann vergangenen Jahres 2014, so wie davor für die Jahre 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005.

Insgesamt haben wir dann also 10 Mal 10 Artikel aus 10 deutschspra­chigen Feuilletonjahren beisammen, »die Zeugnis geben von einer absoluten Blütezeit«, »dem goldenen Zeitalter des deutschen Feuilletons«, »dem besten Feuilleton der Welt« (jeweils Selbstzitate). Und verliehen wird dann wie stets eine virtuelle Kopie dieses netten Goldwurfs (CC by-sa 4.0):

Goldwurf 2014 (Lizenz CC by-sa 4.0)

Die oft aufgeworfene (aufgeworfene, hehe) Frage, ob es den Goldenen Maulwurf tatsächlich gibt, können wir also mit ja beantworten. Der Goldwurf wurde gehäkelt und mit einer Goldkorona versehen von Waltraud Pauer aus Pößneck, bei der wir uns sehr herzlich dafür bedanken. Und zu tun hatte und hat die ganze Maulwurfsmythologie natürlich mit dem von Henning Ritter und Wolf Lepenies nie geschriebenen »Aufsatz über die Geschichte der Maulwurfs-Metapher (›der Geist, ein Wühler‹)«, dem »grossen ›Maulwurf‹-Buch, das bald zum ›Maulwurf‹-Projekt wurde«.

Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch!

Warum wird nun der Maulwurfspreis, der eigentliche Gründungsgrund des Umblätterers eingestellt? (Und, by the way, warum ist eigentlich damals die »Fackel« nicht mehr erschienen, hehe?)

1 mal 1, hat Adam Ries gesagt. 2 mal 3 (macht 4), sang Pippi Långstrump. 5 mal 2, ergänzte François Ozon. Und 10 mal 10 sagen jetzt eben wir. 100 Texte aus 10 Jahren in der Halbwelt des Feuilletons.

Zu diesem Reader der goldenen Feuilletonjahre 2005–2014 fehlt aber noch die letzte Zehnertranche. Im Moment wird die Longlist zum Maulwurfspreis zusammengestellt (was für super Texte mal wieder). Und nach Silvester, wenn die letzten Feuilletons des Jahres 2014 erschienen sein werden, tritt die Jury zum letzten Mal via Etherpad und OTR zusammen und dann wird ordnungsgemäß ausdiskutiert, wer die letzten Preisträger werden, und es werden zehn letzte Laudationes geschrieben werden. Die dann am Dienstag, dem 13. Januar, in den frühen Morgenstunden herausposaunt werden. Und damit treten wir dann wieder ein »in einen Kreis, der der billigen und plebejischen Überlegenheit der Ironie überlegen ist«, wie es Ernst Jünger im »Abenteuerlichen Herz« so schön formulierte, und dann heißt es also wieder und immer wieder: Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch, hoch, hoch!

Ach so

Ein paar intime Zuschauerfragen werden wir in dieser Phase auch noch beantworten, der pindarische Sprung wurde ja bereits verarztet, und zur Maulwurfsmythologie steht hier oben was. Und weil jetzt auch Leute immer wieder nach unserem als eminent empfundenen Hallmark »hehe« gefragt haben, die Lösung ist folgende: »hehe«, liebe Freunde, ist das letzte, unhintergehbare Wort, und der absolute Held dieser Bewegung ist unser lieber Freund, »der sympathische Bio-Metzger Wilhelm Hehe«, sozusagen ídolo por apellido.

Vorletzte Grüße aus der Halbwelt,
Paco

–Sprecher–
–Consortium Feuilletonarum Insaniaeque–

 


Pindarischer Sprung

Buenos Aires, 1. Dezember 2014, 01:56 | von Paco

(Da Leute gefragt haben, was wir damit meinen, hier ein Annäherungs­versuch an eine Definition. Dique hat das Konzept im August 2010 auch mal in einem Interview mit NDR Kultur erklärt, aber wer es lieber zum Nachlesen will, hier bitte.)

Pindarischer Sprung. Als pindarischen Sprung oder pindarischen Flug (ital. salto pindarico bzw. volo pindarico; engl. Pindaric jump bzw. Pindaric flight) bezeichnet man einen gedanklichen Sprung, bei dem oft nicht mehr ohne Weiteres deutlich ist, was das inhaltlich verbindende Glied zwischen Ausgangs- und Zielgedanke ist. Die Bezeichnung ist im heutigen Italienisch noch ab und zu anzutreffen, wobei das Adjektiv ›pindarico‹ auch allein für eine allgemein gewagte Metapher stehen kann. Eine Definition für das deutsche Publikum findet sich in der von Ramler übersetzten »Einleitung in die schönen Wissenschaften« von Batteux:

»Ein Pindarischer Sprung wird ein rasender Unsinn, so bald man den Ort aus dem Gesicht verliert, woher man gekommen ist, oder das Ziel, wohin man gehen muß.«

Unbedingt auch die Fußnote dort lesen. Eigentlich ist im Original von »écarts pindariques« die Rede, »pindarischen Abwegen«, von denen wiederum Jean-Baptiste Rousseau et de Brosette schreibt:

»Was die Pindarische Ode betrifft, so wissen Sie wohl, was Herr de La Motte und nach ihm der Abbé Terrasson von Pindar behaupten? Sie nennen diese schöne Unordnung und diese großen Bewegungen, die wir in seinen Oden bewundern, Abwege; sie behaupten, er hätte sich nur auf solche Abwege begeben, um die Trockenheit und Unfruchtbarkeit seiner Stoffe zu verdecken.«

Das klingt erst mal harsch, aber kann ja sein. Pindar halt. Unsere eigene Adaption des Begriffs hab ich mal in einem Aufsatz für die EDIT versucht zu beschreiben. Demnach ist ein pindarischer Sprung

»ein überstürztes Assoziieren, wie es im Gespräch zwischen sinnlos überinformierten Menschen eben vor sich geht. Der salto pindarico eignet sich generell sehr gut zur digitalen Abbildung des analogen Genres ›Kaffeehausgespräch‹, wie wir sie seit 2007 im Umblätterer entwickeln.«

 


Tausendseiter

Göttingen, 21. Oktober 2014, 13:40 | von Paco

Teilnahmebedingungen für Tausendseiter sind: eine Buchausgabe (egal welche Sprache, auch Übersetzungen) mit mindestens 900 Seiten. Mehrtausendseiter gelten hier vereinfacht auch als Tausendseiter. Bevorzugt kanonisierte Werke und keine Fantasy-Bahnhofsbuchladen­romane, auch keine expliziten Romanserien wie Harry Potter (romans-fleuves wie von Rolland und Proust dagegen schon).

Als Vergleich kann herangezogen werden die »List of longest novels« in der englischen Wikipedia, die aber seit ihrem Entstehen mehrfach ihren Charakter geändert und höchst problematisch ist, auch weil keine einheitliche Metrik verwendet wird.

Die Sammlung unten wird momentan laufend ergänzt. Beginnen sollten wir (mit Ausnahmen) in der Neuzeit, das längste Buch der Antike (wohl Titus Livius’ nur fragmentarisch überlieferte römische Geschichte »Ab urbe condita«) oder die Vier klassischen Romane der chinesischen Literatur + Pflaumen­blüte (jeweils mehr als 1000 Seiten) u. ä. spielen erst mal keine Rolle. Die Liste ist jahrzehntweise geordnet. Auf geht’s:

* * *

Prosalancelot (Anfang 13. Jh.) 5526

Thomas Malory: König Artus (1485) 1102

Cervantes: Don Quijote (1605–1615) 1487
Honoré d’Urfé: L’Astrée (1607–1627) 5399 2188

Madeleine de Scudéry: Artamène, ou le Grand Cyrus (10 Bde., 1649–1653) 13095 7485

Baltasar Gracián: El Criticón (1651–1657) 1013
Madeleine de Scudéry: Clélie, histoire romaine (10 Bde., 1654–1660)

Anton Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel: Römische Octavia (1677–1762) >7000

Daniel Casper von Lohenstein: Großmüthiger Feldherr Arminius (1689/90) 3076

Johann Gottfried Schnabel: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer (1731–1743) 2272

Samuel Richardson: Clarissa (1748) 1536
Henry Fielding: Tom Jones (1749) 965

Theodor Gottlieb von Hippel: Lebensläufe nach aufsteigender Linie (1778–1781) 2290

Wilhelm Friedrich von Meyern: Dya-Na-Sore oder die Wanderer (1787–1791) 994

Giacomo Casanova: Geschichte meines Lebens (1794) 6227 3896
August Lafontaine: Quinctius Heymeran von Flaming (1795/96) 1452

Jean Paul: Titan (1800–1803) 903
Jan Graf Potocki: Die Handschrift von Saragossa (1805–1815) 959

Charles Robert Maturin: Melmoth der Wanderer (1820) 1006

Willibald Alexis: Schloß Avalon (1827) 1022
Alessandro Manzoni: Die Brautleute (1827/1840–1842) 914

Charles Dickens: Die Pickwickier (1836/37) 848 1039
Honoré de Balzac: Verlorene Illusionen (1837–1843) 958
Karl Immermann: Münchhausen (1838/39) 1089 929

Charles Dickens: Barnaby Rudge (1841) 768 940
Eugène Sue: Die Geheimnisse von Paris (1842/43) 1976
Charles Dickens: Martin Chuzzlewit (1843/44) 864 1000
Charles Dickens: Dombey and Son (1846–1848) 1072
William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit (1847/48) 987
Charles Dickens: David Copperfield (1849/50) 1008
Herman Melville: Mardi und eine Reise dorthin (1849) 1080
Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste (1850/51) 4111

Edward Bulwer-Lytton: Dein Roman (1850–1853) 1539
Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht (1852) 1273
Charles Dickens: Bleak House (1852/53) 1088 1166
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (1854/55) 908
Charles Dickens: Klein Dorrit (1855–1859) 1088 994
Adalbert Stifter: Der Nachsommer (1857) 904
Edward Bulwer-Lytton: Was wird er damit machen? (1858) 1131
Karl Gutzkow: Der Zauberer von Rom (1858–1861) 2920

Friedrich Spielhagen: Problematische Naturen (1861) 983 1078
Victor Hugo: Die Elenden (1862) 1684
Charles Dickens: Unser gemeinsamer Freund (1864/65) 928 978
Leo Tolstoi: Krieg und Frieden (1865–1869) 1291
Ippolito Nievo: Bekenntnisse eines Italieners (1867) 1679
Adalbert Stifter: Witiko (1867) 966
Iwan Gontscharow: Die Schlucht (1869) 1257
Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre (1870) 905

George Eliot: Middlemarch (1871/72) 1145
Fjodor Dostojewski: Böse Geister (1873) 962
Leo Tolstoi: Anna Karenina (1875–1878) 1204
Felix Dahn: Ein Kampf um Rom (1876) 1128
George Eliot: Daniel Deronda (1876) 1062
Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow (1880) 1063 1271

Benito Pérez Galdós: Fortunata und Jacinta (1887) 1282

Romain Rolland: Jean-Christophe (1904–1912) 1979 1489
Stefan Żeromski: In Schutt und Asche (1904) 990
John Galsworthy: Die Forsyte-Saga (1906–1921) 1111

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913–1927) 4229

Eduard Stucken: Die weißen Götter (1918–1922) 1229
Alfred Döblin: Wallenstein (1920) 924 750
Sigrid Undset: Kristin Lavranstochter (1920–1922) 1195 926

Jaroslav Hašek: Der brave Soldat Schwejk (1921–1923) 1007
Albrecht Schaeffer: Helianth (1921, dritte Fassung 1948) 1896
Roger Martin du Gard: Die Thibaults (1922–1940) 992
James Joyce: Ulysses (1922) 1014 987
Thomas Mann: Der Zauberberg (1924) 997 1100
Gertrude Stein: The Making of Americans (1925) 1021
Hans Grimm: Volk ohne Raum (1926) 1352
Michail Scholochow: Der stille Don (1928–1940) 1473
John Cowper Powys: Wolf Solent (1929) 925
Ina Seidel: Das Wunschkind (1930) 1048
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1930–1942) 2154

John Cowper Powys: Glastonbury Romance (1932) 1120 1228
Jules Romains: Les Hommes de bonne volonté (1932–1946) 4914
Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933) 1029
Thomas Mann: Joseph und seine Brüder (1933–1943) 1344
Miklós Bánffy: Siebenbürger Geschichte (1934–1940) 1777
Thomas Wolfe: Of Time and the River (1935) 976
Margaret Mitchell: Vom Winde verweht (1936) 1119
Hans Fallada: Wolf unter Wölfen (1937) 1024 1243

Tibor Déry: Der unvollendete Satz (1947) 1259 950
Alfred Döblin: November 1918 (1948–1950) 1650 2328
Carl Sandburg: Remembrance Rock (1948) 1067
Wolf von Niebelschütz: Der blaue Kammerherr (1949) 778 1147
Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer (1949–1961) 2144

Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege (1951) 908
Gabriele Tergit: Effingers (1951) 904
Madison Cooper: Sironia, Texas (1952) 1731
Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts (1953) 990 736 943
J. R. R. Tolkien: The Lord of the Rings (1954/55) 1236 1360
William Gaddis: Die Fälschung der Welt (1955) 1227
Heimito von Doderer: Die Dämonen (1956) 1344
Ayn Rand: Der Streik (1957) 1258
S. Yizhar: Yemei Tziklag (1958) 1156
Wassili Grossman: Leben und Schicksal (1959) 1084

Miroslav Krleža: Die Fahnen (1962/1976) 2170
Paul Schuster: Fünf Liter Zuika (1962–2007) 928 1250
Erik Neutsch: Spur der Steine (1964) 910
Marguerite Young: Miss MacIntosh, My Darling (1965) 1198
Roman Brandstaetter: Jesus von Nazareth (1967–1973) 1768
Albert Cohen: Belle du Seigneur (1968) 1109 890

Arno Schmidt: Zettel’s Traum (1970) 1330 1513
Uwe Johnson: Jahrestage (1970–1983) 2150
Alexander Solschenizyn: Das Rote Rad (1971–1991) ~6000
Robert A. Heinlein: Die Leben des Lazarus Long (1973) 985
Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel (1973) 1193
D’Arrigo, Stefano: Horcynus Orca (1975) 1257 1470
Carlos Fuentes: Terra nostra (1975) 1139
William Gaddis: JR (1975) 1039
Xavier Herbert: Poor Fellow My Country (1975) 1463
Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands (1975–1981) 1195
M. M. Kaye: Palast der Winde (1978) 943
Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie (1978–1982) 924
Stephen King: The Stand (1978/1990) 1196
Norman Mailer: The Executioner’s Song (1979) 999

Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon (1982) 1117
Jo Jong-rae: Taebaek sanmaek (1983–1989) 3682
Marianne Fritz: Dessen Sprache du nicht verstehst (1985) 3387
Béla Hamvas: Karnevál (1985) 1199 1480
Stephen King: Es (1986) 1214
Péter Nádas: Buch der Erinnerung (1986) 1303
Marge Piercy: Menschen im Krieg (1987) 759 999
Tom Wolfe: Fegefeuer der Eitelkeiten (1987) 926

Harold Brodkey: Die flüchtige Seele (1991) 1342
Friedrich Gorenstein: Der Platz (1991) 1211
Ronald M. Schernikau: Legende (1991/1999) 1300
Hilary Mantel: Brüder (1992) 1101
Alban Nikolai Herbst: Wolpertinger oder Das Blau (1993) 1009
James Clavell: Gai-jin (1993) 1247
Adolf Muschg: Der Rote Ritter (1993) 1089
Vikram Seth: Eine gute Partie (1993) 1421 1997
Peter Handke: Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994) 1066 628
John Irving: Zirkuskind (1994) 970
William H. Gass: Der Tunnel (1995) 1092
Mircea Cărtărescu: Orbitor-Trilogie (1996–2007) 1834
J. J. Voskuil: Das Büro (1996–2000) ~5200
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (1996) 1547
Don DeLillo: Unterwelt (1997) 965
Stephen King: The Dark Tower IV – Wizard and Glass (1997) 956
Thomas Pynchon: Mason & Dixon (1997) 1022 878
Tom Wolfe: A Man in Full (1998) 920 1079
Alban Nikolai Herbst: Anderswelt-Trilogie (1998–2013) 2035
Neal Stephenson: Cryptonomicon (1999) 1180
Péter Esterházy: Harmonia caelestis (2000) 920
Alexander Kluge: Chronik der Gefühle (2000) 2036

Martin Kluger: Abwesende Tiere (2002) 1039
Stephen King: The Dark Tower V – Wolves of the Calla (2003) 938
Alexander Kluge: Die Lücke, die der Teufel läßt (2003) 949
Neal Stephenson: Quicksilver (2003) 1145
Roberto Bolaño: 2666 (2004) 1093
Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell (2004) 1020
Stephen King: The Dark Tower VII – The Tower (2004) 1009
Rafik Schami: Die dunkle Seite der Liebe (2004) 1033
Frank Schätzing: Der Schwarm (2004) 997
Neal Stephenson: The Confusion (2004) 1017
Neal Stephenson: The System of the World (2004) 1119
Paul Verhaeghen: Omega minor (2004) 954
Tom Wolfe: Ich bin Charlotte Simmons (2004) 957
Dietmar Dath: Für immer in Honig (2005) 971 1035
John Irving: Bis ich Dich finde (2005) 1139
Péter Nádas: Parallelgeschichten (2005) 1723
Dan Simmons: Olympos (2005) 956
William T. Vollmann: Europe Central (2005) 1025
Matthias Wegehaupt: Die Insel (2005) 1013
Vikram Chandra: Sacred Games (2006) 1359
Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten (2006) 903 1401 1383
Ngũgĩ wa Thiong’o: Herr der Krähen (2006) 944
Thomas Pynchon: Gegen den Tag (2006) 1595
A. F. Th. van der Heijden: Das Scherbengericht (2007) 1166
Dan Simmons: Terror (2007) 989
Elfriede Jelinek: Neid (abgeschlossen 2008) 936
Ma Jian: Peking Koma (2008) 927
Neal Stephenson: Anathem (2008) 1022
Uwe Tellkamp: Der Turm (2008) 972
Stephen King: Die Arena (2009) 1279
Karl Ove Knausgård: Min Kamp (2009–2011) >3600
Haruki Murakami: 1Q84 (2009/10) 1591
Frank Schätzing: Limit (2009) 1320
Dan Simmons: Drood (2009) 975

Jan Brandt: Gegen die Welt (2011) 927
Navid Kermani: Dein Name (2011) 1228
Stephen King: Der Anschlag (2011) 1055
Peter Kurzeck: Vorabend (2011) 1015
Stefan Schütz: Beelzebub (2011) 937
Neal Stephenson: Reamde (2011) 1023
Andrea De Carlo: Villa Metaphora (2012) 1087
Ralph Dohrmann: Kronhardt (2012) 920
Christopher Ecker: Fahlmann (2012) 1025
Sabine Friedrich: Wer wir sind (2012) 2027
Eleanor Catton: The Luminaries (2013) 1038
Miljenko Jergović: Die unerhörte Geschichte meiner Familie (2013) 1139
Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) (2014) 1279
Greg Iles: Natchez Burning (2014) 1007
Frank Schätzing: Breaking News (2014) 964
Donna Tartt: Der Distelfink (2014) 1022
Johan Harstad: Max, Mischa & die Tet-Offensive (2015) 1241
Clemens J. Setz: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (2015) 1018
Neal Stephenson: Amalthea (2015) 1055
Hanya Yanagihara: A Little Life (2015) 960
Edoardo Albinati: Die katholische Schule (2016) 1294
C. E. Morgan: Der Sport der Könige (2016) 950
Alan Moore: Jerusalem (2016) 1280
Carlos Ruiz Zafón: Das Labyrinth der Lichter (2016) 941
Guntram Vesper: Frohburg (2016) 1000
Paul Auster: 4 3 2 1 (2017) 880 1264
Stephen King/Owen King: Sleeping Beauties (2017) 958
Chris Kraus: Das kalte Blut (2017) 1178
Péter Nádas: Aufleuchtende Details (2017) 1277
Gerhard Roth: Landläufiger Tod. Erweiterte Neufassung (1984/2017) 971
Rudolf Borchardt: Weltpuff Berlin (1936–39/2018) 1085
Michael Lentz: Schattenfroh (2018) 1008
Julia Navarro: Tú no matarás (2018) 992
Philipp Weiss: Am Weltenrand sitzen die Menschen & lachen (2018) 1064
Lucy Ellmann: Ducks, Newburyport (2019) 1020

 


Die 20 beliebtesten Kater- und Katzennamen

Berlin, 1. Oktober 2014, 23:23 | von Jonesy

1. Jimmy Kater
2. Gustav Flohbär
3. Franz Katzka
4. Wolfdietrich Schnurrer
5. Käterchen Frost
6. Maunz Tse-tung
7. Robert Schmusil
8. Cat Steven
9. Kitty Scherbatsky
10. Marion von Katzenhaaren
11. Miau Farrow
12. Kraul McCartney
13. Diana Kralle
14. Jago
15. Günter Katzengras
16. Kurt von Schleicher
17. Denis Schleck
18. Franz Xaver Kratz
19. Pfoto Strauß
20. Muschi Glas


Vierfachrufe der Kulturgeschichte

Leipzig, 4. September 2014, 10:14 | von Paco

ICH. ICH. ICH. ICH.   (Witold Gombrowicz)
Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!   (Herbert Zimmermann)
So! So! So! So!   (Kleist)
Hossa! Hossa! Hossa! Hossa!   (Rex Gildo)
L’Azur ! L’Azur ! L’Azur ! L’Azur !   (Mallarmé)

Нет!.. Нет!.. Нет!.. Нет!..   (Tschaikowski, Eugen Onegin)
Well, well, well, well   (A Clockwork Orange)
É devagar, é devagar, é devagar, é devagar   (Martinho da Vila)
wo, wo? wo, wo?   (Omar Khayyam)
du! Du, du, du!   (Martin Buber)

Der Schwan! Der Schwan! Der Schwan! Der Schwan!   (Lohengrin)
Dr. Lecter? … Dr. Lecter? … Dr. Lecter? … Dr. Lecter? …   (Jodie Foster)
Lachend, lachend, lachend, lachend   (kommt der Sommer)
stille! stille! stille! stille!   (Schikaneder/Mozart)
Mai, mai, mai, mai   (Fritz da Cat)

Who, who, who who?   (The Who)
Wafna! Wafna! Wafna! Wafna!   (Carmina Burana)
Ça va? Ça va. Ça va? Ça va.   (The Flight of the Conchords)
Sophie! Sophie! Sophie! Sophie!   (Frances am Ende von »Frances Ha«)
That’s all, that’s all, that’s all, that’s all   (T. S. Eliot)

 
(Vgl. auch die Doppel- und Dreifachrufe.)

 


Die 20 beliebtesten Punknamen (*)

Leipzig, 8. August 2014, 09:01 | von Paco

 

1. Kotze
2. Zwiebel
3. Hexe
4. Socke
5. Keks

6. Lappen
7. Fussel
8. der Doc
9. Lumpi
10. Krätze

11. Mikro
12. Pogo
13. Ratte
14. Stinker
15. Klecks

16. Wurzi
17. Kuba
18. Tomekk
19. Pulle
20. Rülps

(*) nach einer Idee von Wurzi,
vgl. auch www.punkname.de

 


Datenbanksysteme

Hamburg, 17. Juli 2014, 12:30 | von Dique

Paco und ich haben ja in Leipzig Informatik studiert, und so sah das aus:

mdr-Screenshot

Wie man an Pacos Norwegerpulli erkennt (hehe), war das offenbar ein Wintersemester, ich tippe auf 1999/2000, und soweit ich mich erinnere, sind wir auf dem mdr-Screenshot in einer Datenbank­vorlesung bei Prof. Rahm zu sehen.

Prof. Rahm zitierte in seinen Datenbankbüchern auch gern mal Kant und hatte einen Assistenten namens Dr. Sosna, dem wir ausnahmslos alle huldigten, etwa indem wir bei den praktischen Übungen im Sunpool immer Passwörter wie dieter1, dieter2 usw. benutzten.

Soweit mal ein Gruß aus dem Archiv. Auf die Idee, ein paar alte Festplatten zu durchforschen, kam ich natürlich, als Paco neulich von Rainald Goetz und der Sonderermittlersau schrieb. Bitte untersucht auch ihr eure alten »Kisten« (Miroslav Klose) und berichtet, was ihr vorfindet.

Danke und viele Grüße,
Dique
 


Wurstologia

Hamburg, 20. Mai 2014, 16:10 | von Maltus

 
Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten Tagen ist in der Presse über die Gewinnerin des diesjährigen Eurovision Song Contests berichtet worden. Das Thema ist auch für unser Forschungsgebiet einschlägig. Der Name der Dame lautet ›Conchita Wurst‹. Bei ›Conchita‹ handelt es sich um die Koseform des spanischen Vornamens Concepción, der auf die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria Bezug nimmt, und nicht – wie auch in der sogenannten Qualitäts­presse vielfach behauptet – um ein Diminutiv des spanischen Wortes ›concha‹ (Muschel). In seiner Verklei­nerungsform ist ›conchita‹ vor allem in südamerikanischen Gefilden als Kraftwort für die weibliche Vagina in mancher Munde, und Wurst und Vagina haben mit unbefleckter Empfängnis schlechthin gar nichts zu schaffen.

Im übrigen ist es lächerlich, sich über von Nahrungsmitteln abgeleitete Namen lustig zu machen. Ich erinnere mich, im Jahr 1988 auf einer Busreise nach Barcelona einen Schweizer mit dem Namen Franz Käse getroffen zu haben. Es hat seinem Erfolg bei den Frauen nicht geschadet! Auch in der Fachliteratur begegneten mir immer wieder Träger nahrhafter Namen, deren wissenschaftliche Leistungen über allen Zweifel erhaben sind. Als Beispiel seien hier nur die Historikerin Brygida Kürbis (1921–2001) und der Philologe Hartmut Erbse (1915–2004) erwähnt, die auch gemeinsam publizierten.

Mit freundlichen Grüssen

 


Rücktritt des Papstes und kein Ende

Göttingen, 16. März 2014, 11:34 | von Paco

Benedikts originär lateinische Rücktrittserklärung war ja von Wilfried »Valahfridus« Stroh nachträglich kontrolliert und korrigiert worden. Der gesamte Prüfungsvorgang wurde dann von der »Münchner Abend­zeitung« off- und online veröffentlicht und von uns zu einem der zehn besten Feuilletontexte des vergangenen Jahres gekürt.

Die Erklärung des nunmehr ruheständigen Papstes stammt vom 11. Februar 2013, der Text in der »Abendzeitung« wurde am 23. Februar 2013 veröffentlicht. Doch wie ging es weiter?

Wo es weiterging, ist erst mal klar, nämlich im FC, im Forum Classicum, Erscheinungsweise: vierteljährlich. In der Ausgabe 1/2013 (PDF) wurde neben einem einleitenden Text von Andreas Fritsch zunächst Strohs Lektorat in der vollständigen Fassung wiederabgedruckt, dort S. 45–50.

Felix M. Prokoph hat dazu eine noch viel längere Replik verfasst, zu der herrliche Fußnoten gehören und in der er vermeintliche Ungenauig­keiten und Unlauterkeiten Strohs anmerkt. Nachzulesen in FC 2/2013 (PDF), S. 139–151.

In derselben Ausgabe gab es auf S. 177 auch noch zwei wunder­schöne Leserbriefe zu Strohs Aktion (»Wichtigtuerei«! »Taktlosig­keit«!).

Die Ausgabe 3/2013 wurde als Diskurspause genutzt.

In Ausgabe 4/2013 (PDF) gab es dann eine Apologie von Stroh gegen Prokoph, S. 318f. Dort steht auch noch mal, dass die Nebenüberschrift »Papst fehlbar!« natürlich nicht von Stroh, sondern aus den Reihen der AZ-Redaktion stammte.

Fortsetzung folgt hoffentlich, FC 1/2014 steht noch aus.
 

Update 08.04.2014:
Endlich ist FC 1/2014 erschienen, darin leider kein Follow-up, dafür aber eine schöne Abhandlung über »Latein und Türkisch«.