Der letzte Maulwurf seiner Art

Buenos Aires, 15. Dezember 2014, 14:11 | von Paco

»Es war Dezember.«
(Christian Kracht)

Uwaga! Es ist nämlich so: Am 13. Januar 2015 (also traditionell am zweiten Dienstag des Jahres) findet zum zehnten und letzten Mal die von uns betriebene Verleihung des einzigen echten Feuilletonpreises »Der Goldene Maulwurf« statt. Es geht dabei wie immer um die Lobpreisung des einen bzw. der insgesamt zehn besten Feuilletonartikel des dann vergangenen Jahres 2014, so wie davor für die Jahre 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005.

Insgesamt haben wir dann also 10 Mal 10 Artikel aus 10 deutschspra­chigen Feuilletonjahren beisammen, »die Zeugnis geben von einer absoluten Blütezeit«, »dem goldenen Zeitalter des deutschen Feuilletons«, »dem besten Feuilleton der Welt« (jeweils Selbstzitate). Und verliehen wird dann wie stets eine virtuelle Kopie dieses netten Goldwurfs (CC by-sa 4.0):

Goldwurf 2014 (Lizenz CC by-sa 4.0)

Die oft aufgeworfene (aufgeworfene, hehe) Frage, ob es den Goldenen Maulwurf tatsächlich gibt, können wir also mit ja beantworten. Der Goldwurf wurde gehäkelt und mit einer Goldkorona versehen von Waltraud Pauer aus Pößneck, bei der wir uns sehr herzlich dafür bedanken. Und zu tun hatte und hat die ganze Maulwurfsmythologie natürlich mit dem von Henning Ritter und Wolf Lepenies nie geschriebenen »Aufsatz über die Geschichte der Maulwurfs-Metapher (›der Geist, ein Wühler‹)«, dem »grossen ›Maulwurf‹-Buch, das bald zum ›Maulwurf‹-Projekt wurde«.

Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch!

Warum wird nun der Maulwurfspreis, der eigentliche Gründungsgrund des Umblätterers eingestellt? (Und, by the way, warum ist eigentlich damals die »Fackel« nicht mehr erschienen, hehe?)

1 mal 1, hat Adam Ries gesagt. 2 mal 3 (macht 4), sang Pippi Långstrump. 5 mal 2, ergänzte François Ozon. Und 10 mal 10 sagen jetzt eben wir. 100 Texte aus 10 Jahren in der Halbwelt des Feuilletons.

Zu diesem Reader der goldenen Feuilletonjahre 2005–2014 fehlt aber noch die letzte Zehnertranche. Im Moment wird die Longlist zum Maulwurfspreis zusammengestellt (was für super Texte mal wieder). Und nach Silvester, wenn die letzten Feuilletons des Jahres 2014 erschienen sein werden, tritt die Jury zum letzten Mal via Etherpad und OTR zusammen und dann wird ordnungsgemäß ausdiskutiert, wer die letzten Preisträger werden, und es werden zehn letzte Laudationes geschrieben werden. Die dann am Dienstag, dem 13. Januar, in den frühen Morgenstunden herausposaunt werden. Und damit treten wir dann wieder ein »in einen Kreis, der der billigen und plebejischen Überlegenheit der Ironie überlegen ist«, wie es Ernst Jünger im »Abenteuerlichen Herz« so schön formulierte, und dann heißt es also wieder und immer wieder: Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch, hoch, hoch!

Ach so

Ein paar intime Zuschauerfragen werden wir in dieser Phase auch noch beantworten, der pindarische Sprung wurde ja bereits verarztet, und zur Maulwurfsmythologie steht hier oben was. Und weil jetzt auch Leute immer wieder nach unserem als eminent empfundenen Hallmark »hehe« gefragt haben, die Lösung ist folgende: »hehe«, liebe Freunde, ist das letzte, unhintergehbare Wort, und der absolute Held dieser Bewegung ist unser lieber Freund, »der sympathische Bio-Metzger Wilhelm Hehe«, sozusagen ídolo por apellido.

Vorletzte Grüße aus der Halbwelt,
Paco

–Sprecher–
–Consortium Feuilletonarum Insaniaeque–

 

Eine Reaktion zu “Der letzte Maulwurf seiner Art”

  1. Gachmuret

    Ihr Lieben, das sind jetzt aber recht viele letzte Male…

Einen Kommentar schreiben