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	<title>Der Umblätterer &#187; TV</title>
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	<description>In der Halbwelt des Feuilletons.</description>
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		<title>Vor 10 Jahren im »ZDF nachtstudio«: »Fernsehen I bis III« (Rainald Goetz &amp; Comp.)</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 17:20:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[F-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele schauen das »ZDF nachtstudio« nur wegen Volker Panzer und seinen grauen Anzügen, grauen Krawatten und dunklen Hemden. Die Show läuft jetzt schon seit 1997, sie ist immer noch und immer wieder spitze, aber der absolute Höhepunkt bleiben die drei Sendungen vom September 2001, die unter dem Titel »Fernsehen I–III« liefen (alle bei YouTube). Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele schauen das »ZDF nachtstudio« nur wegen Volker Panzer und seinen grauen Anzügen, grauen Krawatten und dunklen Hemden. Die Show läuft jetzt schon seit 1997, sie ist immer noch und immer wieder spitze, aber der absolute Höhepunkt bleiben die drei Sendungen vom September 2001, die unter dem Titel »Fernsehen I–III« liefen (<b><a href="http://www.youtube.com/watch?v=XuL0Z7ZGkp4">alle bei YouTube</a></b><!-- Aufrufe der Datei am 11.12.2011: 614 -->).</p>
<p>Das dort ausprobierte Format geht zurück auf das beste Buch der letzten 25 Jahre (mindestens), nämlich »Dekonspiratione« von Rainald Goetz, in dem Folgendes geplant wird: »Eine wöchentliche Talkshow übers Fernsehen. Drei feste Leute, ein Gast, fünf vorher festgelegte Sendungen der vergangenen Woche, die dann nach Art des literarischen Quartetts diskutiert werden.«</p>
<p>Und nach diesen Regeln wird die Show im ZDF dann auch umgesetzt. Die festen Leute sind der Showerfinder Rainald Goetz, sein Wingman Moritz von Uslar und der Moderator Volker Panzer. Ein von Anfang an eingespieltes Dreamteam mit klarer Rollenverteilung, Panzer z. B. spielt den Kulturkonservativen und spielt ihn gut, und auch die drei Gäste, aus Quotengründen alles Frauen, sind genial gecastet: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexa_Hennig_von_Lange">Alexa Hennig von Lange</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klaudia_Wick">Klaudia Brunst</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Sichtermann">Barbara Sichtermann</a>.</p>
<p><b>Die erste Folge …</b></p>
<p>… läuft am 5. September 2001. Im Rückblick ist schon diese Eröff&shy;nungssendung unheimlich, 9/11 dräut ja am Horizont. Dieses Gefühl der Unheimlichkeit ist aber noch nichts gegen die dann am 12. Septem&shy;ber 2001 wirklich und tatsächlich stattfindende zweite Folge. Die wollte ich erst gar nicht wieder sehen, aber ich musste mich ihr natürlich aussetzen, um dann hier davon berichten zu können.</p>
<p>Doch jetzt erst mal Folge 1, die Einar Schleef gewidmet ist. Bei bzw. vor bzw. neben Goetz sind Zeitungen und Bücher ausgebreitet, es ist die schönste Grundierung, die sich überhaupt denken lässt. Besprochen wird u. a. die Sendung »Kulturzeit« auf 3sat, und alle machen sich über die damals gerade neu eingesetzte Moderatorin Tina Mendelsohn her, und Moritz von Uslar sagt den wahrscheinlich besten und nachvollziehbarsten Satz, der in den gesamten Nuller Jahren gefallen ist: »Ich will nicht eine Sendung sehen, wo eine Moderatorin sagt: ›Ich hab in der New York Times gelesen, dass –‹«</p>
<p>Insgesamt wird die »Kulturzeit« aber doch für gut und toll befunden. Und Goetz liefert auch noch gleich den zweitbesten Satz der Sendung nach, anlässlich eines »Kulturzeit«-Interviews: »Das ist wirklich ein Problem, dass alle Schauspielerinnen so dumm sind, das ist unerträglich.« Und es ist auch gar nicht polemisch oder ironisch gemeint, das muss man sich wirklich ansehen, wie das rüberkommt, es ist wie im »Abécédaire« von Deleuze, wenn er etwa sagt, der Hund sei der Abschaum der Tierwelt, es ist einfach eine sehr fein herausgearbeitete These inklusive mitgelieferter Beweiskette.</p>
<p>Über <a href="http://www.zeit.de/2001/35/Futter_fuer_die_Trottel_mit_Abitur">einen Artikel von Matthias Altenburg in der »Zeit«</a> sagt Goetz: »Es ist ein Kracher, der Artikel, aber ich find, dass er sozusagen im Einzelnen nicht stimmt.« So muss über Feuilleton sowieso geredet werden, völlig überzogene Affirmation, die Feier des Glücks, dass da was auf Papier oder sonst wohin gedruckt wurde, und es dann unerwarteterweise doch irgendwie nicht stimmt und dass es trotzdem da steht. Und es ist so herrlich, wie Alexa Hennig von Lange an einer anderen Stelle Goetz widerspricht, es gibt da überhaupt kein böses Blut, es ist einfach der allerschönste Dissens, so wie Dissens sowieso am besten funktioniert, wenn er schön ist und nicht hässlich.</p>
<p>Moritz von Uslar lobt anschließend die sozialen Momente der RTL-Reality-Show »Gestrandet« (»Das ist das Beste von den Sachen, die wir heute besprechen, das Interessanteste und Avancierteste.«). Und Goetz fasst die Erfahrung Fernsehen für uns Heutige noch mal zusammen, wo wir gar nicht mehr wirklich wissen, wie das war damals, als wir noch Fernsehen gekuckt haben: »Fernsehen ist dazu da, um Erinnerung zu vernichten. Man kuckt die Sachen und weiß am nächsten Tag, Moment, was war gestern Abend eigentlich, was war da so angenehm, was ich gesehen habe?«</p>
<p>Das »nachtstudio«-Experiment also funktioniert auch nach 10 Jahren noch, man kann diese erste Sendung immer wieder und wieder sehen, genau wie <a href="/2010/06/03/rainald-goetz-bei-harald-schmidt/">den Auftritt von Rainald Goetz bei Harald Schmidt im April 2010</a>. Aber dann:</p>
<p><b>Die zweite Folge …</b></p>
<p>… vom 12. September <strike>2011</strike> 2001 (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=UoNcIZA5Jlw">hier bei YouTube</a>). Sie ist, wie gesagt, kaum auszuhalten. Weil man weiß, dass z. B. Harald Schmidt am 9/11-Dienstag nicht aus der Sommerpause zurückgekehrt ist, dass er eine Weile nicht auf Sendung gegangen ist, und es retrospektiv eine der wirkmächtigsten Entscheidungen der dt. TV-Geschichte gewesen ist, für die es <a href="http://www.handelsblatt.com/archiv/harald-schmidt-erhaelt-grimme-preis-spezial/2152010.html">einen Grimme-Preis der Abteilung »Spezial« gab</a>.</p>
<p>Aber »Fernsehen II« ging auf Sendung. Zunächst wird Luhmann zitiert, wird 9/11 als ultimative Bestätigung seines Satzes interpretiert: »Was wir von der Welt wissen, wissen wir aus den Massenmedien.« Dem Ad-hoc-Gespräch über 9/11 setzt Goetz zum Glück sofort enge Grenzen, das rettet dann doch die Sendung: »Und ich will nur einfach nur noch eins kurz sagen. Dass wir uns wirklich zurückhalten sollten mit dem Versuch von Einschätzungen, weil uns das absolut überfordert und weil unsere Fähigkeiten der Analyse des Fernsehens, finde ich, das wirklich nicht erreichen, was da –«</p>
<p>Beobachtungen zusammentragen, mehr geht erst mal nicht. Nach 20 Minuten wird das 9/11-Thema abgebrochen und über die vorher ausgemachten Sendungen gesprochen, Goetz referiert die Günther-Jauch-Samstagabendshow »Der große IQ-Test« auf RTL. Und schon damals wird die Jauchlosigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens beklagt (darum sei die IQ-Show nicht auf ARD oder ZDF gelaufen, mangels eines Moderators, der so eine Sendung quasi »mit seinem Gesicht« halten kann).</p>
<p>Die eingeladene Klaudia Brunst stellt dann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herrchen_gesucht">»Herrchen gesucht«</a> vor: »Es ist eine Tiersendung vom Hessischen Rundfunk, die es schon seit 26 Jahren gibt. (&#8230;) Ich sehe diese Sendung sehr gerne.« Goetz und Uslar finden die (mittlerweile abgesetzte) Schau deprimierend und traurig und falsch, es gibt eine entspannte Brandrede gegen die Emotionsarbeit des Fernsehens: »Ich will nicht so bedrängt werden.«</p>
<p>Und eine schöne Beobachtung zu »Beckmann« gibt es noch (besprochen wird die damals aktuelle Sendung mit Ulla Schmidt, Paul Sahner, Wladimir Klitschko). Und zwar beobachtet Goetz sehr fein Beckmanns schon per Körperhaltung angedeutetes »Reinschlupfen« in seine Talkgäste.</p>
<p><b>Die dritte Folge …</b></p>
<p>… kommt am 19. September 2001 (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=FIKxkpvVhBo">hier bei YouTube</a>). Zu Gast ist Barbara Sichtermann, die ich damals nur als Figur aus Stuckrad-Barres »Blackbox« kannte (»Sichtie«).</p>
<p>Es geht u. a. um »Sex and the City«, die erste Staffel von 1998, die am 18. September 2001 auf ProSieben Premiere hatte. Goetz findet die Serie und das mitgelieferte Bilder- und Themenarsenal schon »extrem historisch« (»es ist so fucking alt, es ist so dated«). Panzer fragt: »Würden Sie denn diese Serie auch freiwillig weiterkucken?« Goetz (enthusiasmiert von Sichtermanns Analyse): »Ja, ehrlich gesagt ja, komischerweise.« 2001, das ist auch kurz vor dem Zeitpunkt, als in Deutschland das Serienjunkiewesen beginnt, was mit SATC ja auch etwas zu tun hat. Plötzlich konnte man wildfremde Menschen z. B. fragen, ob sie »Six Feet Under« s04e05 gesehen haben usw., das waren plötzlich Referenzpunkte wie Bibelstellen.</p>
<p>In »Fernsehen III« liefert Goetz sonst noch eine schön anzuhörende Strukturanalyse von »Sabine Christiansen« (Sichtermann: »Ich sehe die Sendung nicht so gerne. Sie ist mir zu behäbig und die Moderatorin zu &#8230;« – Goetz: »&#8230; betrunken vielleicht?«). Es ging in der »Christiansen«-Sendung natürlich um 9/11 und die Folgen, und Goetz lobt in einem Anfall von Systemtheorie den verklausulierten, staatstragenden Gestus der talkenden Politiker, Schilys zum Beispiel:</p>
<blockquote><p><small><i>(zu Sichtermann:)</i> »Ich finde nur, das, was Sie da angreifen an dem gesetzten Talk der Politiker, das hab ich grade in der Sendung jetzt noch mal so richtig verstanden und gut gefunden, weil es sozusagen darum geht, dass die künstliche Intelligenz der Institutionen quasi angezapft wird. Es geht jetzt nicht darum, was Schily als Person denkt, sondern es geht darum, dass diese Probleme eingespeist werden – das findet jetzt eben statt – in Apparate. Kein einzelnes Bewusstsein ist in der Lage sozusagen, die Konsequenzen zu überblicken, das denken zu können, das verstehen zu können, aber Kommunikation als Ganzes, diese Art von künstlicher Intelligenz, die da jetzt zu marschieren anfängt, und das sah man da so extrem. Es gab dann ja auch sofort in der FAZ von Mark Siemons einen Artikel darüber, dass Schily, und Fischer übrigens auch, bei ntv, dass die sozusagen die Diskurse abblocken. (&#8230;)«</small></p></blockquote>
<p>Es geht dann auch noch um die ausgebliebene Harald-Schmidt-Show, es kommt zu folgendem Dialog:</p>
<blockquote><p><small><b>Goetz</b>: Wir haben ja sozusagen gewartet, schon letzten Mittwoch bin ich hier reingekommen und hab gesagt: Was macht Harald Schmidt? Sozusagen ich warte bereits seit einer Woche drauf: Wie tritt er vor die Leute, was passiert?<br />
<b>Uslar</b>: Ich bin gleichzeitig irre gespannt und kann gleichzeitig auch verstehen, dass er im Moment nicht sendet. Die Amerikaner senden auch nicht im Moment, das ist so ein Argument –<br />
<b>Goetz</b>: Die amerikanischen Talkshows laufen nicht, oder wie?<br />
<b>Uslar</b>: Nee, Leno und Letterman senden nicht.<br />
<b>Goetz</b>: Ah, das ist ja interessant.<br />
<b>Uslar</b>: Und das ist sicher ein Argument für die, die –<br />
<b>Goetz</b> <i>(unterbrechend)</i>: Woher weißt du das?<br />
<b>Uslar</b> <i>(mit Understatement gehaucht, absolut sympathisch)</i>: Das hab ich in der Zeitung gelesen.<br />
<b>Goetz</b> <i>(sehr, sehr heiter)</i>.</small></p></blockquote>
<p>Am Schluss dieses dreifolgigen »nachtstudio«-Experiments wird noch gefragt: »Ist das Fernsehen als Ganzes vielleicht das größte Kunstwerk des 20. Jahrhunderts überhaupt?« Wenn man das damals vor 10 Jahren mit Enzensbergers »Nullmedium«-Idee im Hinterkopf als provokant empfunden haben könnte, ist es heute eine noch berechtigtere Frage, aus historischer, aus kunsthistorischer Sicht, denn das 20. Jahrhundert ist ja genauso vorbei wie das Fernsehen as we knew it.</p>
<p>Ich habe die drei Sendungen noch irgendwo auf VHS, aber im Moment keine Zeit, um sie ins Museum historischer Abspielgeräte zu bringen. Deshalb ein großer Dank an den Uploader <i>alexomat2</i>, und hier noch mal der <b><a href="http://www.youtube.com/watch?v=XuL0Z7ZGkp4">LINK</a></b> zu diesem Goldnugget der TV-Geschichte.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>P wie Playmobil</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Feb 2011 20:44:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Sprechen Sie Feuilleton?]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Spätestens seit Harald Schmidt ist Playmobil feuilletontauglich. Be&#173;sonders das Nachspielen der »Burgunderszene« ist im Gedächtnis geblieben: Ernst Jünger, »der schrullige Poet« (Schmidt), am 27. Mai 1944 auf dem Dach des Pariser Hotels ›Raphael‹, alliierter Luftangriff, Erdbeeren, die im Burgunderglas schwimmen. Am Tagebuchtag gab es aber gar keinen Luftangriff auf Paris usw., das war dann Anlass für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens seit Harald Schmidt ist Playmobil feuilletontauglich. Be&shy;sonders das Nachspielen der »Burgunderszene« ist im Gedächtnis geblieben: Ernst Jünger, »der schrullige Poet« (Schmidt), am 27. Mai 1944 auf dem Dach des Pariser Hotels ›Raphael‹, alliierter Luftangriff, Erdbeeren, die im Burgunderglas schwimmen.</p>
<p>Am Tagebuchtag gab es aber gar keinen Luftangriff auf Paris usw., das war dann Anlass für die Neudeutung der Szene durch den groooßen Ernst-Jünger-Forscher Tobias Wimbauer (siehe <a href="/2010/12/03/verrat-an-ernst-juenger/">unser Interview</a>).</p>
<p>Schmidt hatte die Passage aus den »Strahlungen« schon zu Sat.1-Zeiten mal vorgelesen (kann mich selbst nicht dran erinnern, aber Helmut Krausser erwähnt es in seinem <a href="http://www.belleville-verlag.de/scripts/buch.php?ID=375">Tagebuch</a>eintrag vom 26. Januar 2001). Ein paar Jahre später, nach Schmidts Wechsel zur ARD, gab es die Szene dann aus gegebenem Anlass mit Ernst Jünger als Playmobilfigur (»Playmobil-Werkstatt. Deutsche Literatur I« <a href="http://www.youtube.com/watch?v=sRTW_QwQIss">bei YouTube</a>, ab Minute 3:10).</p>
<p>Darum und generell um das Runterbrechen schwieriger Sachverhalte auf Playmobil-Level geht es in der zuletzt erschienen Folge des Feuilleton-ABCs <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12506332/P-wie-Playmobil.html">drüben in der »Welt«</a>.</p>
<p>Dort erwähne ich ja übrigens auch einen Artikel aus der »Frankfurter Zeitung« vom 7. September 1930. Und wie schön wäre es, wenn die FZ komplett online wäre, alle Jahrgänge ab 1856, dann würde ich sofort drei Jahre Urlaub nehmen, um ein bisschen darin rumzuklicken.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>»24h Berlin« – Logdatei</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 11:15:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[»24h Berlin«, gedreht am 5. September 2008, zwischen 6 Uhr früh und 6 Uhr früh (Umbl berichtete). Gesendet genau ein Jahr danach (ARTE, rbb). Das nicht hineingeschnittene Material der 80 Kamera&#173;teams, über 700 Stunden, geht an die Deutsche Kinemathek. Insge&#173;samt ein leicht größenwahnsinniges, am Ende trotzdem irgendwie gelungenes Projekt, das in 80 Jahren sicher KultTM sein wird, so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.24hberlin.tv/">»24h Berlin«</a>, gedreht am 5. September 2008, zwischen 6 Uhr früh und 6 Uhr früh (<a href="/2008/09/07/sz-fran-igar-och-fas-fran-idag/"><span STYLE="font-variant:small-caps;">Umbl</span> berichtete</a>). Gesendet genau ein Jahr danach (ARTE, rbb). Das nicht hineingeschnittene Material der 80 Kamera&shy;teams, über 700 Stunden, geht an die Deutsche Kinemathek. Insge&shy;samt ein leicht größenwahnsinniges, am Ende trotzdem irgendwie gelungenes Projekt, das in 80 Jahren sicher Kult<sup>TM</sup> sein wird, so wie heute der Amateurfilm »Menschen am Sonntag«.</p>
<p>Ein allerdings schlimmes Makel dieser 24 Filmstunden sind die seifigen Off-Texte, die manchmal schwer auszuhalten sind. Wer spricht da, wer klotzt da seine ewigen Weisheiten raus? Die Texte sind ein sehr oft missglückter Mix aus Lexikonbrei, ambitionierter Lakonie, T-Shirt-Parole, steriler Pointe und einer Prise »leider kein Einzelfall«. Beispiele folgen in den hier geloggten Passagen:</p>
<blockquote><p>Guttenberg nach dem Interview über die McCain-Nominierung: »Hat der Starbucks schon offen, ey!« (6:12)</p>
<p>Thomas de Maizière (am Telefon): »Und Afghanistan-Konzept is okay?« (7:39)</p>
<p>Information zur halben Stunde: Jeden Tag sterben in Berlin 84 Menschen (9:30).</p>
<p>Daniel Barenboim mit einer Havanna im Auto auf dem Weg zur Staatsoper, zitiert Churchill über den Sport (10:02).</p>
<p>Ständig taucht Oliver Gehrs in den Zwischentiteln auf, ein Porträt mit Motorradhelm, er wird aber leider nicht als Protagonist gefeaturt.</p>
<p>Werner Sonne bereitet im ARD-Hauptstadtstudio einen Nachruf auf Helmut Schmidt vor, 10:43.</p>
<p>Diese ewige Infodrescherei: In Berlin leben 3,4 Mio. Menschen bei 6 Mio. Ratten (11:00).</p>
<p>Der France-2-Korrespondent versucht Erich/Eric/Erisch (Honecker) richtig auszusprechen (11:14), er will sich dessen Atombunker ansehen, der demnächst versiegelt wird.</p>
<p>Die Kammerjäger stoßen bei der Suche nach einem Geruchsherd auf einen Erhängten im Heizungsraum, kurzer Schreck um 12:06.</p>
<p>Off-Text zum Weghören: »Über Berlin kamen der Döner Kebab und die Currywurst nach Deutschland. Wie jedes Nahrungsmittel werden sie zu Brei zerkaut und wandern durch die Speiseröhre hinab in den Magen.« (12:37)</p>
<p>»Im wuuunderschööönen Monat Maiii, &#8230;« – Barenboim am Piano, Villazón singt, 13:35.</p>
<p>Off-Text: »Im Zug finden über 300 Menschen Platz. Jeder von ihnen ist zusammengesetzt aus 65 Prozent Sauerstoff, 18 Prozent Kohlenstoff, 10 Prozent Wasserstoff, 3 Prozent Stickstoff, 1,5 Prozent Kalzium und einem Prozent Phosphor. Über den Sitz der Seele und ihre Zusammensetzung ist nichts bekannt.« (14:23) Äh, aha?</p>
<p>Leslie Bomba im Callcenter, zum x-ten Mal: »Ham&#8217; Sie schon mal über ’ne Zahnzusatzversicherung nachgedacht?« (15:36)</p>
<p>Beim Schamanen (16:33): »Element Erde im Norden, ich bitte dich um Unterstützung bei dieser Reinigung.« &#8211; »Die Ausbildung zum Schamanen kostete ihn 250 Euro im Monat.« (16:44)</p>
<p>Galerie Eigen+Art, 16:56, neue Werke von Uwe Kowski werden ausgestellt.</p>
<p>18:22 beim Holocaust-Denkmal, 18:24 Speed Dating in Charlottenburg, 18:30 landet in Tegel »das erste Flugzeug direkt aus Peking«, 18:59 Abendgebet des heroinsüchtigen Mario Krüger.</p>
<p>Raunender Off-Text, anlässlich der Ruinen des Palastes der Republik: »Geschichte steht nicht still. Sie ist ein blutiges Spiel. Wem sie einst wohlgesonnen war, den lässt sie heute fallen.« (20:08) Tendenziell ein T-Shirt-Text ambitionierter Abiturienten.</p>
<p>Weitere Off-Text-Banalität: »Die Presse berichtet über den amerikanischen Wahlkampf. John McCain oder Barack Obama. Beide hoffen auf den Sieg, aber nur einer wird gewinnen.«</p>
<p>Sehr geil, wie die Callcenterin Leslia Bomba erzählt, dass sie mal 5 Stunden mit ihrem Freund (genau:) telefoniert hat, bis er dann endlich ihr Freund wurde (21:24).</p>
<p>Regionalzeitungsprosa aus dem Off: »21:36 Uhr, in 24 Minuten wird das Pergamonmuseum geschlossen, dann geht das Licht aus über den Schätzen des Altertums.«</p>
<p>Die Galerie Eigen+Art schließt (21:45), alle gehen essen.</p>
<p>Um 21:59 kommt endlich heraus, warum der Tegel-Protagonist lebenslänglich einsitzt: Er hat eine Bekannte erwürgt (die Herauszögerung dieser Info über mehrere Stunden ist eines der wenigen dramaturgischen Elemente).</p>
<p>Die Sufis im Wedding schaukeln sich in Trance, 22:58. Gloria Viagra ist fast fertig verwandelt für seinen Auftritt, 22:59. »Jeder siebte Berliner ist dem gleichen Geschlecht zugeneigt.« (23:35) Der Taxifahrer nimmt einen Bundeswehrkoch mit, 00:10. Aus dem Off wird Goethes »Ein Gleiches« zitiert, um 00:23, warum auch immer, irgendwelches Vanitas-Zeugs halt, darauf ist ja das ganze Projekt getrimmt.</p>
<p>Paul van Dyk spricht über Sushi, 00:42. PvD viel angenehmer, sympathischer, klüger als Ricardo Villalobos.</p>
<p>Um 01:00 ein Spezial von Rosa von Praunheim, bis 01:06. Prank Call bei der Telefonseelsorgerin, 02:11. Ali Haydar und seine Kumpels streichen schon die Segel, um 3 ist er zu Hause. Ziemliche Material-Durststrecke, minutenlange Schreie aus einem Geburtszimmer, langatmige Straßenszenen.</p>
<p>Um 05:42 wird es schon wieder hell. Eigen+Art-Lybke nimmt um 05:49 den Zug zurück nach Leipzig.</p>
<p>In der letzten Stunde werden sonst vor allem die ausführlichen Credits gebracht, dürfte einer der längsten Abspänne der Filmgeschichte sein, also wenigstens noch ein Superlativ.</p></blockquote>
<p>(Alle hier weggelassenen Sachen stehen <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/24h-Berlin-RBB-Echtzeit-Doku-Arte-Berlin;art15532,2889196">in der Kritik von Christiane Peitz</a>, Tagesspiegel vom 2. 9. 2009.)</p>
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		<title>»The Antiques Rogue Show«</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jan 2009 11:12:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dique</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunstkunst]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei uns heißt es »Kunst und Krempel«, und das Equivalent bei der BBC nennt sich »Antiques Roadshow«. An diesen Titel wiederum lehnt sich dann die am 4.&#160;Januar ausgestrahlte »Antiques Rogue Show« an, eine dieser sehr gut gemachten BBC-Docufictions, welche sich oft weltweit verkaufen like hot buns. Es geht um Shaun Greenhalgh, einen britischen Künstler, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei uns heißt es »Kunst und Krempel«, und das Equivalent bei der BBC nennt sich »Antiques Roadshow«. An diesen Titel wiederum lehnt sich dann die am 4.&nbsp;Januar ausgestrahlte <a href="http://www.bbc.co.uk/programmes/b00gn6y7"><b>»Antiques Rogue Show«</b></a> an, eine dieser sehr gut gemachten BBC-Docufictions, welche sich oft weltweit verkaufen <em>like hot buns</em>.</p>
<p>Es geht um <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shaun_Greenhalgh">Shaun Greenhalgh</a>, einen britischen Künstler, der sich aber vor allem als Fälscher einen Namen machte. Passt also sehr gut zum <a href="/best-of-feuilleton-2008/#2">zweitbesten Feuilleton-Artikel 2008</a>, die »Spiegel«-Story von Jörg Diehl und Ralf Hoppe, die sich auch um die Frage drehte, was denn ein fanatischer Künstler macht, wenn er seine Werke nicht verkaufen kann.</p>
<p>Hans-Jürgen Kuhl jedenfalls ging den direkten Weg und fälschte Geld. Greenhalgh dagegen fälschte Kunst und machte diese dann erst zu Geld. Während Kuhl irgendwann mal ein Teil des etablierten Kunstbetriebs war, Warhol persönlich traf usw., fristete Greenhalgh ein eher bizarres Dasein, welches er auch nicht änderte, nachdem er einige Stücke aus seiner Fälscherwerkstatt zu Geld gemacht hatte.</p>
<p>Sein Leben lang wohnte er mit Eltern und Tante in einer Sozialwohnung in Bolton bei Manchester und kam selten da heraus. Aber in seiner Gartenlaube fälschte er Kunstwerke aller Art. Sein größter Hit war die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Amarna_Princess"><b>Amarna Princess</b></a>, eine angeblich über 3.000 Jahre alte ägyptische Figur aus der Amarna-Periode.</p>
<p>Shaun studierte die wenigen vorhandenen Kunstwerke dieser Zeit sehr genau. Er besorgte sich dann Alabaster aus Ägypten, den er überwiegend mit Baumarktwerkzeugen bearbeitete. Den Alterungseffekt erreichte er mit einem Sud aus Tee und Chicken-Shit. Auch unser großer deutscher Fälscher, Konrad Kujau, tauchte die Seiten zumindest in Tee, um seine Hitlertagebücher alt aussehen zu lassen.</p>
<p>Alt sahen dann jedenfalls die Experten aus, die mit ihrer Begeisterung das lokale Museum anstachelten, <strong>die Alabaster-Prinzessin für 440.000 Pfund zu kaufen</strong>. Um abzusichern, dass dieses bedeutende Kunstwerk nicht das Land verlässt und natürlich auch, um einen Knüller im eher provinziellen Museumsprogramm zu haben.</p>
<p>Neben der Kunstfertigkeit des fälschenden Künstlers war besonders der Verkaufs-Style bemerkenswert. Hier trat der betagte Vater Greenhalgh in Aktion. Er besorgte einen alten Auktionskatalog aus dem späten 19.&nbsp;Jahrhundert, in dem zwei ägyptische Statuen angeboten wurden, welche aus dem Nachlass eines Earls stammten. Er behauptete dann einfach, dass sein Großvater eine davon gekauft hat und sich diese seitdem im Familienbesitz befindet.</p>
<p>Hier funktionieren die gespielten Szenen der Doku besonders gut. Eine Kunstexpertin besucht Mutter und Vater Greenhalgh zu Hause, und während die alte Greenhalgh so tut, als würde sie auf dem Dachboden nach diesem alten Auktionskatalog kramen, nervt ihr Mann die Expertin mit langweiligen Geschichten aus seinem Leben, aus seiner Jugend, vom Krieg, und die Arme macht mit all ihrer britischen Höflichkeit eine gute Miene. Die reine Zermürbungstaktik, denn der Katalog liegt natürlich im Nebenzimmer bereit und muss nicht erst noch auf dem Dachboden zufällig gefunden werden.</p>
<p>Der Trick geht jedenfalls auf. Der Katalog und ein bisschen gefälschte Familienkorrespondenz helfen bei der Bescheinigung der Echtheit. <strong>Insgesamt 17 Jahre verhökern die Greenhalghs fröhlich und erfolgreich die vom Sohn gefälschte Kunst.</strong> Immer wieder geht der unscheinbare Alte zu Auktionshäusern und Händlern und bietet seine Familienstücke an und fragt ganz unschuldig, »whether they are worth a couple of quid?«</p>
<p>Kurioserweise bleiben sie bei allem Erfolg auf dem Teppich, wohnen weiter gedrängt in ihrer Sozialwohnung, haben aber eine halbe Million Pfund auf dem Konto. Erst als sie dem britischen Museum drei assyrische Reliefs anbieten, auf denen sich einige Schreibfehler in die Keilschrift geschlichen haben, fliegt der Schwindel auf. Shaun sitzt jetzt für vier Jahre und acht Monate im Gefängnis, aber <strong>»it could have been much worse«</strong>, wie die Doku gleich am Anfang feststellt, und zwar unter Verweis auf das Schicksal von <strong>van Gogh</strong>.</p>
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		<title>Mit BBC Two durch Russland: Jonathan Dimbleby? A Great Man!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jul 2008 05:49:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
				<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[»Lost« findet bis Januar 2009 erst mal nicht mehr statt, und auch sonst ist gerade Sommerpause im Serienland. Also kuckten wir letzthin die fünfteilige Russland-Doku von Jonathan Dimbleby, die zwischen dem 11. Mai und dem 8. Juni, sonntags, auf der BBC Two lief (»Russia – A Journey with Jonathan Dimbleby«). Parallel dazu ist ein Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/07/jd_in_snowscape.jpg"><img src="/wp-content/uploads/2008/07/jd_in_snowscape_preview.jpg" ALIGN="left" BORDER="1" HSPACE="5" ALT="Jonathan Dimbleby" /></a><a href="/category/lost/">»Lost«</a> findet bis Januar 2009 erst mal nicht mehr statt, und auch sonst ist gerade Sommerpause im Serienland. Also kuckten wir letzthin die fünfteilige Russland-Doku von Jonathan Dimbleby, die zwischen dem 11. Mai und dem 8. Juni, sonntags, auf der BBC Two lief (<strong>»Russia – A Journey with Jonathan Dimbleby«</strong>). Parallel dazu ist ein Buch erschienen, die DVDs sind auch schon da (cf. die <a href="http://www.dimblebys-russia.co.uk/">Website</a> des Projekts).</p>
<p>Ein ungenannter Nachbar von Dique hatte schönerweise die 5 Teile aufgenommen, während wir unseren Giro d&#8217;Italia absolvierten, so konnten wir nach unserer Rückkunft <strong>wie jeder gute Serienjunkie</strong> alle Folgen hintereinander wegkucken. Bei der TV-/VCR-Klapperkiste des Nachbarn war manchmal wahlweise der komplette Empfang oder der Ton ausgefallen, oder vielleicht war das auch Teil des BBC-Plans, ein wenig zusätzliche russische Authentizität zu erzeugen, hehe.</p>
<p>Ok, es geht natürlich um – Russland, aber vor allem geht es um Dimbleby, und das ist ganz genau gut so. Er ist irgendwie eine <strong>Mischung aus Gerd Ruge</strong> (Russlandreisender) <strong>und Günter Jauch</strong> (gilt irgendwie als Intellektueller). Seine insistierende, manchmal bedenkenträgerische, manchmal ironische Art macht jedenfalls süchtig. Teilweise wusste ich gar nicht mehr, worum es gleich noch mal ging.</p>
<p>Die Reise von Murmansk nach Wladiwostok fand 2006 statt, <strong>»at a particularly critical stage in Russia&#8217;s history«</strong>, und die mehr als einjährige Verzögerung der Ausstrahlung hat diese Einschätzung im weitesten Sinne plausibler gemacht, wenn man der westlichen Lesart folgt, was man ja nicht unbedingt muss.</p>
<p>Dimbleby jedenfalls führt in seinen Dialogen gern die Demokratie&shy;defizite der Russen vor, sein Fazit am Ende der letzten Folge: »The appetite for democracy in Russia is diminishing, and that, for me, is a dispiriting prospect.« Diesen politischen Kommentarton bringt er aber immer erst im Nachhinein, gegenüber seinen Gesprächs&shy;partnern verhält er sich stets non-judgmental (außer wenn <strong>die Stalin-Liebe einer dicken Russin</strong> mal etwas zu heftig durchkommt).</p>
<p>Dimbelby hat die 10.000-Meilen-Reise übrigens angetreten, ohne ein Wort Russisch zu können – ein <a href="http://www.satt.org/literatur/03_10_berlin-moskau.html">Hauch von Wolfgang Büscher</a> weht durchs weite russische Land, hehe. Nach dem erfolgreichen Kauf eines Tickets auf dem Kursker Bahnhof in Moskau scherzt er: »I&#8217;m getting better. <strong>At least I can do ›spasibo‹.</strong>«</p>
<p>Umso erstaunlicher ist es, dass er mit seinen Annäherungs&shy;versuchen ans russische Volk wirklich immer für <strong>authentisch wirkende Szenen</strong> sorgt. Die Einheimischen setzen sich durchweg zutraulich zu ihm in Beziehung. Wenn jemand kein Englisch kann oder nicht gut genug, fungiert eine russische Muttersprachlerin aus seinem Doku-Team als Übersetzerin. Sie hält sich aber dezent im Hintergrund, im Fokus ist immer nur Dimbleby.</p>
<p>Er stellt sich zum Beispiel in eine Undergroundparty in Jekaterinburg und schaut sich später in derselben Stadt eine <strong>Schnapsbrenner-Razzia</strong> an. Oder er küsst eine zahnlose, aufgedrehte Bäuerin und lässt sich dafür von der umstehenden Bäuerinnen-Peergroup feiern. Oder er besucht in Tschita eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der Dekabristen.</p>
<p>Oder er lässt sich von einem Sumo-Masseur kneten, in einem Sauna-Ambiente, das an die Nacktkampfszene in <a href="/2007/12/22/eastern-promises/">»Eastern Promises«</a> erinnert. Während er durchgewalkt wird, sagt er in abgehackten Sätzen, dass er sich dabei wie das russische Volk fühlt:</p>
<blockquote><p>»It&#8217;s a bit fanciful but there is a kind of metaphor here. If you think, all down the centuries the Russians have been oppressed in one way or another, by czars, autocrats, bloody tyrants, dictators, the Soviet system, and now, well, whatever it is now. <strong>I kind of feel I&#8217;m the Russian people here.</strong> Frivolous thought but it&#8217;s the kind of thing that comes to your mind when you&#8217;re going through this.«</p></blockquote>
<p>Weitere anekdotenfähige Szenen: Im 30-Stunden-Zug nach Nischnewartowsk kommentiert er einen halb vergammelten Riesensamowar, der auf dem Gang steht: »<strong>The samovar. Russian icon.</strong> I never quite understand why it&#8217;s so special because it does, infact, a very simple thing which is give you water.« (Hehe.)</p>
<p>Im Zug ab Moskau teilt er sich mit einem ukrainischen Arbeitsmigranten ein Bier. Er wedelt mit der Penguin-Ausgabe seines Lieblingsromans und erklärt seinem kurzfristigen Saufbruder: »It&#8217;s a very famous Russian book, called ›Anna Karenina‹, by Tolstoy. <strong>You know Tolstoy?</strong> Great man, yeah, he&#8217;s a great man!«</p>
<p>Dieser Klappentextduktus wirkt seltsamerweise ähnlich sympathisch wie das genaue Gegenteil, wenn etwa Hamsun seinen Johan Nilsen Nagel über Tolstoi herziehen lässt (Dique hat das neulich <a href="/2008/04/11/knut-hamsun-mysterien-revisited/">erwähnt</a>).</p>
<p>Natürlich besucht er auch Tolstois Landgut, Jasnaja Poljana, hervorzuheben sind außerdem seine Auseinandersetzung mit dem Veteranentum im Umfeld der 9.-Mai-Parade in Moskau oder der Besuch des Jüdischen Autonomen Gebietes im Südosten des Landes.</p>
<p>Übrigens haben ihn die Gremlins überall hin verfolgt. <strong>Die Gremlins?</strong> Ach so, der Kreml heißt auf englisch ›Kremlin‹, und da kann man sich schon mal verhören, besonders wenn der nachbarliche VCR gerade mal wieder den Ton verrauscht hat, hehe.</p>
<p>Also also, die BBC hat da eine ganz feine Doku gemacht, die man weiterempfehlen kann wie warme Semmeln.</p>
<p><small><em>Foto: »JD in Snowscape«<br />
(© Random House; mit Dank an Claire Scott!)</em></small></p>
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		<title>Robert Hughes: Caravaggio (1975)</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jun 2008 06:29:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunstkunst]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Giorgio Vasari hat leider nicht lange genug gelebt, um auch die Vita des Caravaggio zu beschreiben. Also hat das der herrliche Robert Hughes mehr als 350 Jahre nach C.s Tod übernommen, natürlich nicht als Erster oder Einziger, aber als einer der kurzweiligsten Biographers. In Vorbereitung auf den Italien-Betriebsausflug der Umblätterer-Squadra hatte ich mir noch mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Giorgio Vasari hat leider nicht lange genug gelebt, um auch die Vita des Caravaggio zu beschreiben. Also hat das der herrliche <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Hughes_(critic)">Robert Hughes</a> mehr als 350 Jahre nach C.s Tod übernommen, natürlich nicht als Erster oder Einziger, aber als einer der kurzweiligsten Biographers.</p>
<p>In Vorbereitung auf den Italien-Betriebsausflug der <span STYLE="font-variant: small-caps">Umblätterer</span>-Squadra hatte ich mir noch mal <strong>Hughes&#8217; TV-Doku »Caravaggio«</strong> angesehen, die 75 Minuten lang ist und auch irgendwo in 7 Teilen auf YouTube rumfliegt.</p>
<p>In der Doku sehen wir Hughes in Jeans auftreten, in einem weiß-rosa Streifenhemd, manchmal mit einer Jeansjacke drüber, und einem fetten Staubwedel als Frisur (es waren die 70er). Damit mag der Porträtist heute wie ein Hallodri wirken – kunsthistorisch gesehen macht Hughes auf alte Schule: Der Australien-born Kunstkritiker und langjährige »Time«-Autor hatte in einem Interview vom Mai 1997 mal jeglichen Kommentar zu interaktiver Videokunst und dergleichen abgelehnt, mit den Worten: <strong>»I just don&#8217;t know. I&#8217;m a print asshole. I&#8217;m a paint boy.«</strong> (<a href="http://www.salon.com/may97/interview970523.html">salon.com</a>)</p>
<p>In seiner Annäherung an Michelangelo Merisi weist er zunächst jegliche biografische Sicherheiten von sich: <strong>»We don&#8217;t know how or why Caravaggio became a painter.«</strong> Mehrfach lobt er dann überschwänglich die realistische Malweise und den plastischen Eindruck, den bestimmte Gemäldeausschnitte beim Betrachter hinterlassen – diese Effekte sind auch ungeschulten Museumsbesuchern sofort vermittelbar und dürften noch immer erheblich zur Vermittelbarkeit und Popularität des Malers beitragen.</p>
<p>Ich selber habe vor einigen Jahren <strong>das Gerücht</strong> gehört, dass sich vor dem <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Supper_at_Emmaus_(London)_(Caravaggio)">»Supper at Emmaus«</a> in der Londoner National Gallery mal jemand am visuell herausgestreckten Ellenbogen des links vom Betrachter sitzenden Tischgenossen gestoßen haben soll. Hughes zeigt uns nun dieselbe Stelle und weist auf die Löchrigkeit der aus dem Bild ragenden Kleidung hin.</p>
<p>Dann wird Caravaggio von Hughes vor allem noch als <strong>»connaisseur of violence«</strong> verstanden. Dafür wird uns das <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sacrifice_of_Isaac_(Caravaggio)">»Sacrifice of Isaac«</a> präsentiert. In der Uffizien-Variante des Themas drückt Abraham seinen Sohn derb gegen den Boden: »Only a connaisseur of violence would show you that thick implacable thumb forcing Isaac&#8217;s head down on the altar, and that squalling mouth.«</p>
<p>Als weiteres Beispiel führt Hughes <strong>das Blutrunst-Bild schlechthin</strong> an, die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Judith_Beheading_Holofernes_(Caravaggio)">Judith</a>, wie sie Holofernes den Kopf bereits zur Hälfte abgeschnitten hat (im Palazzo Barberini, neulich schon von Dique <a href="/2008/06/17/mit-der-fas-und-cy-twombly-nach-ciampino/">erwähnt</a>). Sowas widersprach natürlich dem Decorum-Gedanken der Kirchenleute, das ist was ganz anderes als Gerhard Richters bunte Glasfenster für den Kölner Dom, hehe.</p>
<p>Und dann ist die Hughes-Doku auch noch ein Stelldichein dieser britischen Überbetonung und beschert uns folgende Klangerlebnisse, ganz im Sinne des neulich beobachteten <a href="/2008/06/13/graw-tsee-yeah/">graw-tsee-yeah</a> und des Titelhelden der Doku selber, »Kerewartscho«:</p>
<ul>
<li>Majkilendschelo.</li>
<li>Tischen.</li>
<li>Louränsoh Lattoh.</li>
<li>Dschordschionäj.</li>
</ul>
<p>Usw.</p>
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		<title>Fußball-Feuilleton (Teil 3): Die Nazis der Schweiz</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 08:57:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spocht]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Die taz hat vor allem bundesdeutsche Leser, und also musste Tobi Müller die Sache in der Eurokolumne (I) schon mal kurz erwähnen: Die Sache ist nämlich die, dass Helvetien bei internationalen Turnieren, sowohl neulich beim Eishockey wie auch jetzt zur Fußball-EM, ganz offiziell von Nazi-Spielern vertreten wird. In der eidgenössisch-landschaftlichen Koseform wird »Nationalmannschaft« nämlich »Nati« [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die taz hat vor allem bundesdeutsche Leser, und also musste Tobi Müller die Sache in der Eurokolumne (<a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/zu-gast-bei-angst/?src=SE&#038;cHash=1793ac1ca2">I</a>) schon mal kurz erwähnen: Die Sache ist nämlich die, dass Helvetien bei internationalen Turnieren, sowohl neulich beim Eishockey wie auch jetzt zur Fußball-EM, ganz offiziell von <b>Nazi-Spielern</b> vertreten wird.</p>
<p>In der eidgenössisch-landschaftlichen Koseform wird »Nationalmannschaft« nämlich »Nati« geschrieben und »Nazi« gesprochen (jedoch mit kurzem –a–, also »Nazzi«). Und so gibt es, zumindest mündlich, einen Nazi-Sturm, Nazi-Verteidiger, einen Nazi-Trainer (<a href="/2008/05/26/fussball-feuilleton-teil-2-der-baselbieter/">der ja bald Ottmar Hitzfeld heißt</a>) usw. Schriftlich macht das –t– anstelle des –z– im schriftlichen Nachrichtenverkehr also Sinn, sonst blieben Schlagzeilen wie diese ja wirklich grenzwertig:</p>
<p><center><a href="http://www.eishockey.ch/news/detail.asp?ID=209655">»Eishockey-Nati schlägt Weissrussland«</a></center></p>
<p>Und dann fällt mir in diesem Zusammenhang auch immer dieses Stück Schweizer Fernsehgeschichte ein (ich transkribiere aus <a href="http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/sfdrs/81642/index.html">»Stuckrad bei den Schweizern«, Folge 7</a>):</p>
<blockquote><p>BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE im Zug <i>(blättert Zeitungen, schnellt von seinem Sitz hoch und fragt)</i>: Gibt&#8217;s hier eigentlich ne Fußball-Nationalmannschaft?</p>
<p><i>Schweizer antworten spontan längst nicht auf alles, schon gar nicht auf pöbelnde Deutsche im Zug.</i></p>
<p>STUCKRAD-BARRE <i>(zu einer Mitreisenden am gegenüberliegenden Fenster)</i>: Sagt man hier Nati zur Nationalmannschaft?</p>
<p>DIE MITREISENDE: Nazi.</p>
<p>STUCKRAD-BARRE: Nazi? Also, das ginge bei uns nich&#8217;. Das ginge nicht bei uns in Deutschland. Da könnte man nicht sagen: Die Nazis haben heut gewonnen &#8230; Sagt man wirklich Nazi hier. Die Nazi?</p>
<p>DIE MITREISENDE: Jaja, das ist einfach Dialekt.</p>
<p>STUCKRAD-BARRE: Bei uns sagt man: Nazis raus. Is ja lustig.</p>
<p><i>Er blättert weiter Zeitungen, bleibt auf einer Seite hängen und liest laut vor:</i></p>
<p>STUCKRAD-BARRE: Polizei hebt Bande junger Neonazis aus. Hier, sind ja auch Nazis. Neonazis. <i>(Er zeigt auf einschlägige Szene-Outfits.)</i> Die U21 mit ihren Trikots.</p></blockquote>
<p>Usw. usf.</p>
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		<title>»Autogeographie«</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2007/11/12/autogeographie/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2007 15:05:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[FAS]]></category>
		<category><![CDATA[FR]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[P.&#160;S. Ich bin Landkarten-Hardliner. Erdkunde zählte schon zu meinen Lieblingsfächern, als sie noch Heimat- und Sachkunde und nicht Google Earth hieß. Ich bin auch der Meinung, dass alle Nerv-Navis dieser Welt das bisschen Restgeografie, das wir in unseren Köpfen noch haben, zerstören. Und natürlich, niemand will zurück zum Schmalkunde-Lehrer der Marke »Geo &#038; Sport«. Aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>P.&nbsp;S. Ich bin Landkarten-Hardliner.</strong> Erdkunde zählte schon zu meinen Lieblingsfächern, als sie noch Heimat- und Sachkunde und nicht Google Earth hieß. Ich bin auch der Meinung, dass alle Nerv-Navis dieser Welt das bisschen <a href="http://blog.navi-wocker.de/?p=302">Restgeografie</a>, das wir in unseren Köpfen noch haben, zerstören.</p>
<p>Und natürlich, niemand will zurück zum Schmalkunde-Lehrer der Marke »Geo &#038; Sport«. Aber wirklich verwunderlich, nein beängstigend war schon, dass <a href="/2007/11/11/missing-montenegro-der-karten-gau-der-tagesschau/">Missing Montenegro</a> niemandem auffiel, noch nicht mal den Kollegen vom <a href="http://blog.tagesschau.de/?m=200710">Tagesschau-Blog</a>.</p>
<p>Dabei waren doch gerade erst positive Anzeichen einer <strong>Re-Geografisierung unseres Kulturkreises</strong> zu spüren:</p>
<p>»Die Zeit« erfand mit ihrer <a href="http://www.zeit.de/themen/tags/index?q=deutschlandkarte">Deutschlandkarte</a> eines der innovativsten Formate des Jahres, die FR postete zur Einführung ihres neuen Formats <a href="http://www.fr-online.de/verlagsservice/die_neue_fr/?em_cnt=1128892&amp;em_src=266109&amp;em_ivw=fr_dieneuefr">eine Weltkarte des Tabloids</a>, und der frauenlose deutsche Osten hätte wohl längst nicht so schöne <a href="/2007/09/06/damit-sie-was-zum-lesen-haben/">Pointen</a> abbekommen, wäre die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/590027.html?nv=ct_rl&amp;backref=%2Fpolitik%2Fdeutschland%2F%3AStudie-Dem-Osten-Frauen%2F590024.html&amp;cp=9">Lila-Landkreis-Optik</a> nicht überall präsent gewesen. </p>
<p>Schönes Erdkunde-Feuilleton war auch, als Claudius Seidl, bester Feuilleton- und Reise-Ressortleiter seiner Zunft, diese ganzen <strong>Burma-Birma-Myanmar-Toponyme</strong> der Nachrichtensprache aufspießte (FAS vom 30.&nbsp;9., S. V 1). Und last but not least gab es da noch diese <strong>Thomas-Cook-FAS</strong> vom 23.&nbsp;9., in der <a href="http://planckton.de/siehoff-jonas/">Jonas Siehoff</a> (S. 71-73) eine Lanze für die Geografie als solche brach.</p>
<p>Nur die Karten-Redaktion der Tagesschau übte sich in ihrer <strong>»Autogeographie«</strong>. War das nicht eigentlich das Genre, das gerade in der F-Zeitung <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~EBA1742744F084D03BC7ED76A4B7CC2A5~ATpl~Ecommon~Scontent.html">vorabgedruckt</a> wird?</p>
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		<title>Missing Montenegro: Der Karten-GAU der Tagesschau</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Nov 2007 19:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[»Geografische Verwirrung« mailte mir der Perlentaucher im Subject seines Feuilleton-Newsletters vom Freitag – und ich musste sofort an den 14. Oktober denken. An diesem Tag war ich nämlich zum Tagesschau-Gucken bei meiner Tante im Taunus. Es kommt nicht oft vor, dass ich bei meiner Taunus-Tante zum Tagesschau-Gucken bin, aber wenn, dann immer gern. Dazu muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»Geografische Verwirrung«</strong> mailte mir der Perlentaucher im Subject seines Feuilleton-Newsletters vom <a href="http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2007-11-09.html">Freitag</a> – und ich musste <em>sofort</em> an den 14. Oktober denken. An diesem Tag war ich nämlich zum Tagesschau-Gucken bei meiner Tante im Taunus. Es kommt nicht oft vor, dass ich bei meiner Taunus-Tante zum Tagesschau-Gucken bin, aber wenn, dann immer gern.</p>
<p>Dazu muss man vielleicht wissen: Ich bin ein gebranntes Kind der <a href="http://www.uni-leipzig.de/~sprech/">Leipziger Sprecherziehung</a>, und meine Tante ist Wortradio-Hörerin alter Schule. Aus dem Off ihres Landscape-Fernsehsessels lässt sie sich immer verlässlich, köstlich, despektierlich über die mangelhaften Sprechqualitäten im heutigen »Bildfunk« aus, namentlich die Tagesschau-Sprecher der jungen Generation. Tantchens Gnade findet einzig und allein Marc Bator.</p>
<p>Am 14. Oktober sprach aber nicht Marc Bator die 20-Uhr. Es war Jan Hofer, und er tat es als Chefsprecher soweit fehlerfrei. Doch dann passierte es: On air war gerade die Meldung, dass die serbische Regierung sich weiter gegen die EU-Pläne eines unabhängigen Kosovo sperre, da kam es zum kartografischen Super-GAU:</p>
<p><a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video219852_bcId-ts634_ply-internal_res-ms256_vChoice-video219812.html">Die Serbien-Karte neben Jan Hofer</a> zeigte zwar, korrekt, kein unabhängiges Kosovo, aber sie zeigte – Lapsus Maximus – eben auch kein unabhängiges Montenegro, sondern ein Großserbien, das sich bis ans adriatische Meer erstreckt.</p>
<p>Wahh! Aus lauter Scham für diesen Erdkäs rutschten meine Tante und ich fast aus den Sesseln, aber die Legende wies es wirklich aus: »Serbien« und nicht etwa wenigstens noch »Serbien &amp; Montenegro« oder »Ex-Jugoslawien« oder so. Oder war das am Ende gar ein historischer Moment: Die öffentlich-rechtliche Annexion Montenegros zur Primetime, und live im ersten deutschen Fernsehen, haha.</p>
<p>Wie viele Redakteure arbeiten bei ARD-aktuell? <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/ARD-aktuell">90</a>? Hallo Deutschland, so können, dürfen deine <a href="http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1/Doc~E2D0376377325489C80E63A44396B3920~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">»GEZ</a>-<a href="http://netzpolitik.org/2007/gez-gegen-gez-gebuehren/">Gebührengelder«</a> nicht vor die Hunde gehen.</p>
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