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	<title>Der Umblätterer &#187; taz</title>
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	<description>In der Halbwelt des Feuilletons.</description>
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		<title>Die Ergebnisse der &#8230; Feuilleton-Meisterschaft 2011</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 03:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
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		<description><![CDATA[The Maulwurf has landed! Heute zum *siebten* Mal seit 2005, der Goldene Maulwurf 2011: Nach unseren umstrittenen Juryentscheidungen zu Iris Radisch (2008), Maxim Biller (2009) und Christopher Schmidt (2010) ist der diesjährige Siegertext vom Typ her eher ein Konsenstext. Vielleicht sind wir nach sieben Jahren in der Halbwelt des Feuilletons wirklich etwas milder geworden, hehe. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>The Maulwurf has landed!</i> Heute <b>zum *siebten* Mal seit 2005</b>, der <span STYLE="font-variant:small-caps;">Goldene Maulwurf</span> 2011:</p>
<p ALIGN="center"><img ALT="Der Goldene Maulwurf" SRC="/wp-content/uploads/2012/01/goldener_maulwurf_7ter_jahrgang_square.jpg" BORDER="0" /></p>
<p>Nach unseren <b>umstrittenen Juryentscheidungen</b> zu Iris Radisch (2008), Maxim Biller (2009) und Christopher Schmidt (2010) ist der <b><a href="/best-of-feuilleton-2011/#1">diesjährige Siegertext</a></b> vom Typ her eher ein Konsenstext. Vielleicht sind wir nach sieben Jahren in der Halbwelt des Feuilletons wirklich etwas milder geworden, hehe.</p>
<p>Aber vielleicht hat es damit auch gar nichts zu tun, denn <b>Marcus Jauers</b> Text über die »Lust am Alarm« ist so oder so einfach der beste gewesen. Die fürs Web geänderte Überschrift <b>»Tor in Fukushima!«</b> hat im letzten Jahr nicht ihresgleichen gehabt. Schon dadurch ist der Artikel lange im Gedächtnis geblieben, und beim Wiederlesen nach jetzt neun Monaten wundert und freut man sich erneut über den verblüffenden Textaufbau mit drei voll ausgebildeten Erzählsträngen. Das ist eine <b>Übererfüllung des feuilletonistischen Solls</b>, wie sie 2011 ebenfalls einmalig war.</p>
<p><b><a href="/best-of-feuilleton-2011/">Alles Weitere steht in den 10 Laudationes.</a></b> Hier also endlich die Autoren und Zeitungen der 10 angeblich™ besten Artikel aus den Feuilletons des Jahres 2011:</p>
<blockquote><p>1. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#1">Marcus Jauer (FAZ)</a><br />
2. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#2">Frank Schirrmacher (FAS)</a><br />
3. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#3">Roland Reuß (NZZ)</a><br />
4. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#4">Judith Liere (SZ)</a><br />
5. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#5">Ulrich Stock (Zeit)</a><br />
6. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#6">Tilman Krause (Welt)</a><br />
7. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#7">Samuel Herzog (NZZ)</a><br />
8. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#8">Kathrin Passig (taz)</a><br />
9. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#9">Ina Hartwig (Freitag)</a><br />
10. <a href="/best-of-feuilleton-2011/#10">Jürgen Kaube (FAZ)</a></p></blockquote>
<p>Eine <i>mención honrosa</i> geht noch an Niklas Maak (FAZ/FAS) und Renate Meinhof (SZ) für beider Berichterstattung zu den Beltracchi-Festspielen in Köln, d. h. den Prozess um die zusammengefälschte »Sammlung Jägers«. Von Maak <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/kunstfaelscher-prozess-alles-war-absurd-einfach-11411088.html">stammt</a> auch der schwerwiegendste Satz zum ganzen Kunstmarktskandal: »Tatsächlich muss man zugeben, dass Beltracchi den besten Campendonk malte, den es je gab.«</p>
<p>Ansonsten war die Longlist diesmal, <a href="/2012/01/09/feuilletonismus-2011/">wie gesagt</a>, 51 Artikel lang, auch Dank einiger Lesermails, merci bokú! Hinweise auf Supertexte des laufenden Jahres bitte wie immer an &#60;<i>umblaetterer</i> ›@‹ <i>mail</i> ›.‹ <i>ru</i>&#62;.</p>
<p>Usw.</p>
<p>Bis nächstes Jahr,<br />
<i>Consortium Feuilletonorum Insaniaeque</i><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Interview zu F. C. Delius: »Wer schreibt denn jetzt über Terrorismus?«</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2011/10/27/fc-delius/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 15:50:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Literaturwissenschaftlerin Constanze Reichardt über den Büchnerpreis für Friedrich Christian Delius, die RAF als literarischen Stoff und den Käseigel in der deutschen Literatur Der Umblätterer: Erst mal Glückwunsch! Jahrelang musstest du auf Partys erklären, über welchen Schriftsteller du promovierst. Und jetzt ist es ein Büchnerpreisträger, am Samstag ist die Preisverleihung. Du hast kürzlich deine Dissertation über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><center><b>Die Literaturwissenschaftlerin Constanze Reichardt über den Büchnerpreis für Friedrich Christian Delius, die RAF als literarischen Stoff und den Käseigel in der deutschen Literatur</b></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Erst mal Glückwunsch! Jahrelang musstest du auf Partys erklären, über welchen Schriftsteller du promovierst. Und jetzt ist es ein Büchnerpreisträger, am Samstag ist <a href="http://www.deutscheakademie.de/preise_buechner.html">die Preisverleihung</a>. Du hast kürzlich deine <a href="#cr">Dissertation</a> über F. C. Delius eingereicht.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Constanze Reichardt</b></span>: Das hört sich ja fast so an, als hätte ich den Preis bekommen. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut und fand es toll, dass sich die Jury für Delius entschieden hat.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Hast du das Medienecho bei der Bekanntgabe verfolgt?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Positiv bewertet hat es eigentlich nur die <a href="http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article13379994/Der-neue-Buechner-Preistraeger-ist-ein-66er.html">»Welt«</a>. <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/buechner-preis-fuer-f-c-delius-kein-jubel-keine-buhrufe-1636861.html">FAZ</a> und <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/buechner-preis-fuer-fc-delius-guter-mann-falsche-wahl-1.1099087">»Süddeutsche«</a> waren sehr verhalten, so mit dem Tenor: Falscher Mann, total langweilig, warum denn jetzt der? Der große Rest hat einfach nur die Pressemitteilung abgeschrieben. Mehr war nicht.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Delius kommt in den Literaturgeschichten von Kritikern wie <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/23887.html">Volker Weidermann</a> oder <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/35854.html">Richard Kämmerlings</a> gar nicht vor. Hast du eine Erklärung?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Ich glaube, Delius wird oft unterschätzt, gerade von Kritikern. Die Erklärung, die sie geben, lautet, überspitzt formuliert, dass Delius zwar ein guter Sprachhandwerker, aber ein mittelmäßiger Autor sei. Das heißt, man findet ihn nicht originell, nicht innovativ genug.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Und wie sieht das die Literaturwissenschaft? Es gibt ja nicht gerade viele Forscher, die sich mit F. C. Delius beschäftigt haben, oder?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Es gibt viele verstreute Aufsätze, aber nur einen einzigen Aufsatzband. Zur Dokumentarliteratur gibt es einiges. Und zu jeder Erzählung, zu jedem Roman so ein, zwei, drei Aufsätze. Aber das war’s dann auch schon.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Dann bist du jetzt eine der wenigen Sachverstän&shy;digen der Stunde. Was hast du untersucht und herausgefunden?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Ich habe mich mit dem Deutschen Herbst als politischem Mythos beschäftigt und Delius’ Terrorismus-Trilogie unter der Fragestellung untersucht, welche Aspekte politischer Mythen dort behandelt werden. Delius beschreibt in seinen Texten, welch enorme symbolische Bedeutung die Ereignisse im Herbst 1977 für das Selbstverständnis der Westdeutschen hatten.</p>
<p><center><big><b>Keine eindeutigen Antworten in Sachen RAF</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Was bietet Delius’ Trilogie über den Deutschen Herbst, was Sachbücher von Stefan Aust und das Eichinger-Kino nicht bieten?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: So einiges. Als literarischer Autor hat Delius ja viel mehr Möglichkeiten, wie er sich der RAF nähern kann. Vor allem erhebt Delius, anders als Aust, nicht den Anspruch des »So ist es gewesen«, sondern fragt vor allem nach dem »So könnte es gewesen sein«, ohne dabei allerdings eine Legendenbildung zu betreiben. Die eindeutige Interpretation der RAF-Geschichte, die im »Baader-Meinhof-Komplex« dargelegt wird, hinterfragt Delius in seinen Texten. Er legt den Schwerpunkt auf andere Aspekte, auf andere Figuren, und er setzt sich vor allem mit der Frage auseinander, warum immer alle eindeutige Antworten haben wollen, wenn es um die RAF geht.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Du hast den Deutschen Herbst zum Anlass genommen, dich mit der Bedeutung politischer Mythen für die modernen Demokratien zu beschäftigen. Wenn ich dich richtig verstehe, stellt Delius das kollektive Gedächtnis, die öffentliche Sichtweise zum Beispiel auf Mogadischu in Frage. Kannst du das an einem Beispiel erläutern?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Die Befreiung der Geiseln in Mogadischu durch die GSG 9 wurde als Sieg der Demokratie über den Terrorismus gedeutet. Die vorherrschende Meinung war, dass man die Feinde der Demokratie, also die RAF, mit demokratischen Mitteln besiegt hätte. Das war ein Einschnitt. Das Ende der Nachkriegszeit. Die öffentliche Sichtweise auf die Ereignisse in Mogadischu ist die Sichtweise der Regierung und der Medien, nicht aber die Sichtweise der Opfer. Die kommen nur am Rande vor, zum einen, wenn man sie, wie den getöteten Flugzeugkapitän Schumann, als Opfer für die Demokratie deuten, also zum Märtyrer machen kann. Und zum anderen, wenn man ihr Schicksal in den Medien ausschlachten kann.</p>
<p>In Delius’ Roman steht dagegen zum ersten Mal die Perspektive des Opfers im Vordergrund. Die Hauptfigur beschreibt in allen Einzelheiten, was ihr während der fünf Tage, in denen sie den Geiselnehmern ausgeliefert ist, passiert. Für sie haben die Ereignisse natürlich keinerlei symbolische Bedeutung, sondern es geht allein darum, die Entführung zu überleben. Das ist eine Perspektive, die im öffentlichen RAF-Diskurs bis heute immer viel zu kurz gekommen ist. Denn der ist von der Sichtweise der Regierung, aber auch der der Täter geprägt.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Warum ist <a href="http://www.fcdelius.de/buecher/held_sicher.html">»Ein Held der inneren Sicherheit«</a> (1981) ein Roman über das Herstellen von politischen Mythen – »Myth&shy;making«, wie du es mit einem Begriff von Christopher Flood nennst?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: In »Ein Held der inneren Sicherheit« geht es unter anderem darum, wie sich ein Vertreter der nationalsozialistischen Wirtschafts&shy;elite in der Bundesrepublik zurechtfindet, wie er seine Karriere möglichst reibungslos fortsetzen kann. Das tut er, indem er eine strategische Position in einem Wirtschaftsverband einnimmt und dann diesen Verband zu einer Institution macht, die großen Einfluss auf die Deutung der Vergangenheit hat. Zunächst geht es darum, den eigenen Anteil am Funktionieren des NS-Systems zu vertuschen. Sehr bald wird daraus allerdings eine umfassende Umdeutung der Vergangenheit.</p>
<p>Im Roman wird beschrieben, wie die Bundesrepublik nach dem Krieg ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnt. Der Text legt den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der schnelle Wiederaufbau, den die Westdeutschen aus eigener Kraft geschafft haben, gefolgt vom Wirtschaftswunder. Darauf sind die Romanfiguren stolz und ignorieren dabei alles, was davor war. Es gibt in dem Text keine Auseinander&shy;setzung mit der Vergangenheit. Im Roman liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung dieses Prozesses: wie diese Sichtweise zu einer allgemein gültigen gemacht wird, also wie ein politischer Mythos konstruiert wird.</p>
<p><center><big><b>Der Dokumentarist als Schriftsteller</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Irgendwie ist das ein Werk voller zeitgeschichtlicher Stoffe: Vom »Wunder von Bern« (in <a href="http://www.fcdelius.de/buecher/sonntag.html">»Der Sonntag, an dem ich Welt&shy;meister wurde«</a>, 1994) über die Studentenbewegung (<a href="http://www.fcdelius.de/buecher/amerikahaus.html">»Amerikahaus und der Tanz um die Frauen«</a>, 1997) und den Terrorismus (Roman&shy;trilogie <a href="http://www.fcdelius.de/buecher/deutscher_herbst.html">»Deutscher Herbst«</a>, 1981–1992) bis hin zu DDR-Flüchtlingen (<a href="http://www.fcdelius.de/buecher/spaziergang.html">»Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus«</a>, 1995) und Wieder&shy;vereinigung (<a href="http://www.fcdelius.de/buecher/birnen_ribbeck.html">»Die Birnen von Ribbeck«</a>, 1991). Versteht sich Delius als literarische Bundeszentrale für politische Bildung?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Nein, eher im Gegenteil. Delius beleuchtet diese Stoffe immer von ganz anderen Seiten als öffentliche Diskurse dies tun. Seine Texte hinterfragen oder ergänzen diese. Die Figuren zweifeln allgemein anerkannte Sichtweisen oft an, oder ihre Geschichte macht Probleme sichtbar, zeigt Konflikte und Widersprüche auf. Zum Beispiel in der Erzählung »Die Birnen von Ribbeck«: Kurz nach der Wende erschienen, wird darin unter anderem die Einheitseuphorie kritisiert.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Hat das Label, ein politischer Autor zu sein, FCDs germanistischer Anerkennung geschadet?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Das Label wurde ihm ja von der Literaturkritik angeheftet und zeichnet ein sehr einseitiges Bild von Delius’ Werk, das die Literaturwissenschaft nicht teilt. Wenn auch die Sekundärliteratur zu Delius nicht sehr umfangreich ist, so ist sie doch auf jeden Fall differenziert und hält sich nicht mit Labeln auf. Außerdem verstehe ich nicht ganz, was an der Bezeichnung politischer Autor schädigend sein soll.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Na ja, Norbert Niemann und Eberhard Rathgeb schreiben in ihrer <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/15539.html">»Inventur«</a> (2003), dass Delius den »Tod der Literatur« wörtlich genommen habe. Sie lenken den Blick auf seine genuine Form der »Dokumentarsatire, die Fiktion und Fakten vermischt«. Tatsächlich hat er ja CDU-Parteitagsprotokolle oder Siemens-Festschriften parodiert – was ihm auch Prozesse um die Kunstfreiheit eingebracht hat. Wie schätzt du diesen Teil von Delius’ Werk heute ein?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Die Texte waren damals eine innovative Weiterentwicklung der Dokumentarliteratur, und einige der Methoden, die Delius da entwickelt hat, hat er später auch in seinen Romanen verwendet. Aber ich denke auch, dass heute niemand mehr solche Texte schreiben würde. Übrigens, das mit dem Tod der Literatur, da würde ich das Gegenteil behaupten. Die Auseinandersetzung mit dokumentarischem Material hat Delius ja erst zur Literatur hingeführt. Sein erster Roman »Ein Held der inneren Sicherheit« war eine Abgrenzung von der vorgeformten Sprache der Dokumente und eine bewusste Hinwendung zur eigenen, literarischen Sprache.</p>
<p><center><big><b>Das Handbuch zur FAZ-Sprache</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Sprachbetrachtungen scheinen ihm überhaupt sehr wichtig zu sein. Er hat ja mal eine Schrift herausgebracht, die sich mit der Sprache der FAZ beschäftigt: »Konservativ in 30 Tagen. Ein Hand- und Wörterbuch Frankfurter Allgemeinplätze« (1988). Ich fand das neulich ganz witzig, als mit <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-11106162.html">Frank Schirrmacher</a> und <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/debatte-adieu-kameraden-ich-bin-gutmensch-11481906.html">Lorenz Jäger</a> gleich zwei namhafte Stimmen der FAZ erklärt haben, nicht mehr konservativ zu sein. Klang wie Delius im Rückwärtsgang, und war noch nicht mal ironisch gemeint.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Ja. Gerade aus dieser Schrift kann man sehr gut ableiten, wie Delius arbeitet. Das Sprachkritische ist bei ihm extrem wichtig, von Anfang an kann man in seinem Werk beobachten, wie er sich mit ideologischer Sprache auseinandersetzt. Politische Sprachen, Wirtschaftssprachen, Fachsprachen, die er kritisiert und wo er fragt: Was sind eigentlich die Verkürzungen, die solche Sprachen mit sich bringen? »Konservativ in 30 Tagen« ist so ein Ding. Und auch in seiner Terrorismus-Trilogie geht’s ganz oft um Sprachkritik. Wobei Delius die Sprache – auch in seinen Dokumentarsatiren – so verwendet und montiert, dass sie sich selbst entlarvt.</p>
<p><center><big><b>Alles wartete auf den Wenderoman &#8230;</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Was denkst du über »Amerikahaus und der Tanz um die Frauen«? Es gilt vielen ja als <i>das</i> Buch über West-Berlin. Die FAS hatte es vor Jahren auf einer Liste mit den zehn prototypischen Berlin-Romanen der Gegenwart, Michael Angele, heute Kulturchef beim »Freitag«, nannte das Buch auf den »Berliner Seiten« der FAZ eine »herrliche Hommage« an das Studentenmilieu, das 1966 erstmals gegen den Vietnamkrieg politisiert.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Ich fand es eigentlich auch ziemlich cool. Und es beschreibt bestimmt sehr gut die Stimmung in West-Berlin Mitte der 60er-Jahre. Vor allem hat es auch biografische Züge. Ein gelungenes Buch, das die Zeit vor 1968 einfängt. Interessant eben, dass und wie Delius bei den Anfängen ansetzt.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Der damalige FAZ-Literaturchef Thomas Steinfeld fand »Amerikahaus« 1997 gar nicht authentisch. Er warf Delius sogar »Verrat an seiner Generation« vor, weil er erst aus der Rückschau, mit 30 Jahren Abstand, über diese Zeit schreibt.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Total daneben. Dann soll er sich mal Sachen von <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/6103.html">Gerd Koenen</a> ankucken. Oder von <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/28912.html">Götz Aly</a>. Das sind zwar alles keine literarischen Verarbeitungen. Aber das wäre der eigentliche Verrat an 1968. Das ist wieder so ein typischer Vorwurf der Kritik, die offenbar nicht damit umgehen kann, dass der Delius sich nicht nur dann mit zeitgeschichtlichen Themen beschäftigt, wenn ein entsprechendes Jubiläum ansteht. Sondern er macht das zu eigenwilligen Zeitpunkten, und das stört die Literaturkritik immer ungemein. Der dritte Terrorismusroman kam 1992 raus – und natürlich sagten sofort alle wieder: Wer schreibt denn <i>jetzt</i> einen Roman über den Terrorismus? Wir haben doch die Wende &#8230;</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Alles wartete auf den Wenderoman &#8230;</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: So wollte bei Erscheinen von <a href="http://www.fcdelius.de/buecher/himmelfahrt.html">»Himmelfahrt eines Staatsfeindes«</a> kurz nach der Wiedervereinigung kaum einer mehr was von Terrorismus hören. In den letzten Jahren sind viele lesenswerte Untersuchungen zur RAF erschienen, wenn man die liest, wird deutlich: Delius hat da viel vorweggenommen.</p>
<p>Er beschäftigt sich in seinen Texten fast immer mit wichtigen historischen Ereignissen der Bundesrepublik, tut dies aber oft zum scheinbar falschen Zeitpunkt. Die Sichtweisen, die in den Texten geboten werden, der andere Blick auf die Ereignisse, die neuen Erkenntnisse, die sie liefern, gehen oft unter.</p>
<p><center><big><b>Beinahe Popliteratur</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Noch mal zu »Amerikahaus«. Könnte man diese wunderbare Coming-of-Age-Erzählung im Studentenmilieu nicht auch zur Popliteratur zählen? Sie steckt doch voller Song- und Filmtitel, zitiert Werbeslogans und Zeitungsschlagzeilen, speichert also viel Alltags- und Zeitgeschichte und leistet so lustvolle Arbeit am Archiv, wie es <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/10511.html">Moritz Baßler</a> als konstitutiv für den deutschen Poproman definiert hat. Insofern verwunderlich, dass dieses 1997 erschienene Buch nie als Popliteratur thematisiert worden ist.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Interessanter Gedanke. Zitate waren schon immer ein wichtiger Bestandteil von Delius’ Werk, allerdings setzt er sie ganz anders ein, als die sogenannten Popliteraten der 90er-Jahre das tun. In der Popliteratur geht es, wenn ich mich richtig erinnere, vor allem um das Sammeln und Auflisten von Bestandteilen der Gegenwartskultur. Das Einstreuen von Song- oder Filmtiteln oder auch von Markennamen dient ja der Verortung der Autorinnen und Autoren, aber auch der Leserinnen und Leser in dieser Gegenwartskultur. Die Auflistung von Bandnamen, zum Beispiel in »Soloalbum« von Stuckrad-Barre, dient ja dazu, bei den Leserinnnen und Lesern ein bestimmtes Lebensgefühl aufzurufen. Wenn die diese Anspielungen nicht verstehen, funktioniert das nicht.</p>
<p>In »Amerikahaus« ist genau das Gegenteil der Fall. Die Hauptfigur, der Student Martin, gibt immer wieder zu, dass er nicht mitreden kann, wenn sich seine Freunde über aktuelle Filme unterhalten. Hier geht es nicht um die »lustvolle Arbeit am Archiv«, sondern eher um eine Kritik an dessen Subjektivität. Und während die Popliteratur vom selbstverständlichen Leben in einer Konsumwelt erzählt, beschreibt »Amerikahaus« diese Konsumwelt als irritierend und störend, als Ablenkung vom »Nachkrieg« (S. 55), in dem sich die Hauptfigur nach eigener Aussage 1966 noch immer befindet, während die meisten Berliner mit Winterschlussverkauf oder der Grünen Woche beschäftigt sind.</p>
<p><center><big><b>Der Käseigel in der deutschen Literatur</b></big></center></p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Apropos Grüne Woche. Du betreibst neben deinen Delius-Studien auch einen <a href="http://seitanismymotor.com/">Veganer-Blog</a>. Spielt Essen im Werk von FCD irgendeine besondere Rolle?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: Da habe ich noch nie drüber nachgedacht.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Mir ist kurioserweise ein Detail aus »Amerikahaus« in Erinnerung: Der <a href="http://christophkoch.files.wordpress.com/2009/03/kaseigel.jpg">Käseigel</a>! So wie Stuckrad-Barre die <a href="/2010/03/07/faserland-allergie/">Crunchips</a> der 1990er ins literarische Gedächtnis eingespeist hat, so hat FCD den Käseigel unserer Omis und Tanten archiviert: dieses wunderbare kulinarische Dingsymbol der 1960er. Einerseits noch ganz Zeichen für den Überfluss der Fresswelle: Man isst jetzt Käse ohne Brot! Andererseits aber auch schon ein Vorbote der Verfeinerung (S. 103): »die neue Art Käse zu essen – Käse aus Holland: Das muß man gesehen haben, feine Holzstäbchen in Käsewürfel gespießt, die man einfach zum Munde führt, ohne Brot!« Yesss! Und dann gibt es doch auch diese Delius-Denkschrift »Einige Argumente zur Verteidigung der Gemüseesser« (1984). War er ein früher Vegetarismus-Apologet?</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Reichardt</b></span>: In den beiden von dir genannten Beispielen stehen Lebensmittel, steht Essen vor allem für die Konsum- und Überflussgesellschaft. In »Amerikahaus« wird das Treiben auf der Grünen Woche beschrieben, auf der nach Jahren der Entbehrung, des Hungers, nun endlich wieder geschlemmt werden darf. Und in »Verteidigung der Gemüseesser« geht es ja um den Zusammenhang von Hunger und Wohlstand, um die Industrieländer, die auf Kosten der sogenannten Dritten Welt leben. Dieser kritische Blick auf Lebensmittel wird auf jeden Fall von vielen Veganerinnen und Veganern geteilt.</p>
<p><span STYLE="font-variant:small-caps;"><b>Der Umblätterer</b></span>: Ein Satz wie für die taz. Vielen Dank für das Gespräch. Und alles Gute für die Verteidigung deiner Delius-Diss.!<br />
&nbsp;</p>
<p><a name="cr"></a>
<div style="background-color:#FFFACD;border:1px solid; padding:8px;"><small><b>Constanze Reichardt</b> hat in Leipzig, Oslo und Göttingen Germanistik, Anglistik und Politikwissenschaft studiert. An der FU Berlin hat sie vor wenigen Wochen ihre Doktorarbeit zur Begutachtung eingereicht. Sie untersucht darin, welche Rolle politische Mythen in den Romanen »Ein Held der inneren Sicherheit«, »Mogadischu Fensterplatz« und »Himmelfahrt eines Staatsfeindes« spielen. Betreut wurde die Arbeit von <a href="http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we04/Mitarbeiter/vdluehe/index.html">Prof. Irmela von der Lühe</a>.</small></div>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Der Seinsüberwurf und die drei Verdoppelungen (Lottchen, Marx und Malick)</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2011/06/21/lottchen-marx-und-malick/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 00:30:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Srifo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Schatten des doppelten Lottchens hat Ekkehard Knörer ja im »Freitag« den »doppelten Marx« heraustreten lassen, was als Sequel gut passt, denn 1942 hieß Kästners Drehbuch noch »Das große Geheimnis«. Beide Märxe waren vor kurzem nämlich gleichzeitig im bekannten Ferienheim Berlin zu Besuch. Sie konnten sich erst gar nicht ausstehen und fanden aber dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Schatten des doppelten Lottchens hat Ekkehard Knörer ja <a href="http://www.freitag.de/kultur/1123-der-doppelte-marx">im »Freitag«</a> den »doppelten Marx« heraustreten lassen, was als Sequel gut passt, denn 1942 hieß Kästners Drehbuch noch »Das große Geheimnis«. Beide Märxe waren vor kurzem nämlich gleichzeitig <strong>im bekannten Ferienheim Berlin</strong> zu Besuch. Sie konnten sich erst gar nicht ausstehen und fanden aber dann bei Schokoladenmilch auf irgendeine Weise heraus, dass sie durch die Scheidung ihrer Eltern getrennt wurden.</p>
<p>Was nun das große Geheimnis der Stunde angeht, friemelt Knörer auseinander, muss es so sein, dass obwohl die zwei Märxe »zuneh&shy;mend blaß um die Nase« werden, sie trotzdem »egal ob auf Kopf oder Füßen« hinterlistig und qua Bekanntschaft ihrer Erzeuger (der eine aus Saarlouis, der andere aus Ljubljana) als »Virtuosen der Vernetzung« agieren.</p>
<p>Das sieht auch Uwe Justus Wenzel <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/es_koemmt_drauf_an_1.10716358.html">in der NZZ</a> so. Laut seiner Beobach&shy;tung der <strong>marxistischen Szenik</strong> gibt es einzig bei der »Tischgenossen&shy;schaft« der Märxe, dieses täuschend einhelligen Zusammenhalts der »Keimzelle eines neuen ›Wir‹«, »allenthalben« eine neue Erkenntnis, nämlich die der Vervielfältigung. Dass es damit dann den »authentischen Marx« gar »nicht zu entdecken gibt«, hat ob der Verdopplungswirren auch Tania Martini <a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/ein-elend-der-philosophie/">in der taz</a> feststellen müssen. Was bleibt, ist gegenseitige Verwechselbarkeit im Ferienlager, <strong>bei Schokomilch und Heidesand</strong>.</p>
<p>Selbst der alte Marx-Monadist Immanuel Wallerstein, dessen soziologisches »World-System« 1974 wider allen Anschein von nur <i>einer</i> Welt voll dependency sprechen wollte, hat letztens indirekt <a href="http://www.eurozine.com/articles/2011-04-29-wallerstein-en.html">eingeräumt</a>, dass es nach dem »next-to-last speculative bubble burst« 2008 nun vorbei ist mit dem erstrebten Glanz seiner alten Einheits-Idee. Ein Vervielfachen, »an ever-escalating stretching of the interpretation of Marxism« ist wohl die Lösung bzw. ist »actually a world depression«.</p>
<p>Auch das letzte Ressort der Seinsgelassenheit, ein neuer Film von Terrence Malick, kann da nicht mehr zeigen, wie alles Sein zusammen&shy;hängt – Brad Pitt als Naturstrenge? Die Mutter Jessica Chastain als Urknallgnade? Abermals die falschen Eltern. Das klingt sogar nach einem ›ever-escalating stretching‹ von Malick. »Days of Heaven« (1978) hat jedenfalls mehr Sakralität draufgehabt. Hier könnte man jetzt wieder auf Heidegger referieren. Aber das tun ja <a href="http://www.cicero.de/97.php?item=6285">die anderen</a> schon. Bloß die »Zeit«-Diagnostik <a href="http://www.zeit.de/2011/25/Film-Tree-of-Life/komplettansicht">macht es kurz</a> und sagt es der Tischgenossenschaft ins Gesicht: »Malicks Naturgott ist schizophren«.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>Denis Schleck</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 15:47:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[FAS]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorsommer statt Nachsommer (Stifter), und endlich wieder Feuilleton im Freien! Außerdem, zumindest in Süddeutschland, sogar schon Erntezeit fürs Bärlauch-Pesto. Oder lieber erst mal ein Waldmeister-Eis? »Zum Glück besitze ich eine Eismaschine«, sagt Denis Scheck, gestern in der taz. Und löst auch gleich ein, was er letzten Herbst in der FAS eingefordert hat: »Wir brauchen mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorsommer statt Nachsommer (Stifter), und <b>endlich wieder Feuilleton im Freien!</b> Außerdem, zumindest in Süddeutschland, sogar schon Erntezeit fürs Bärlauch-Pesto. Oder lieber erst mal ein Waldmeister-Eis?</p>
<p>»Zum Glück besitze ich eine Eismaschine«, sagt Denis Scheck, <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&#038;dig=2011/04/09/a0022&#038;cHash=4dc5b37023">gestern in der taz</a>. Und löst auch gleich ein, was er letzten Herbst in der FAS eingefordert hat:</p>
<blockquote><p><small>»Wir brauchen mehr Kritik, nicht nur in der Literatur, sondern überall. Ich wünsche mir Anzugkritik, Wurstkritik, Autokritik […].« (FAS vom 26. September 2010, S. 57)</small></p></blockquote>
<p><b>Jetzt also: Die Eissortenkritik</b></p>
<p>»Waldmeister war als Kind meine Lieblingseissorte«, erzählt uns der Ed von Schleck des Feuilletons und verweist aufs Waldmeister-Standing im Eissortenkanon alt:</p>
<blockquote><p><small>»Ich würde sogar sagen, in den sechziger, siebziger Jahren nahm es nach Vanille, Schokolade und Erdbeere den vierten Platz ein. Als Waldmeister-Fan war man damals weniger einsam denn als FDP-Wähler.«</small></p></blockquote>
<p>Die Frischdroge Waldmeister im Eis: Sozusagen der deutsche Gastarbeiterbeitrag zur italienischen Erfindung – oder mit Waldmeister-Fürsprech Scheck: »die einzige traditionelle Sorte, die hierzulande erfunden wurde«. Mittlerweile ist sie ja fast ausgestorben:</p>
<blockquote><p><small>»Irgendwann kam raus, dass im Waldmeistereis <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cumarin">Cumarin</a> enthalten ist. (…) Schlimm, schlimm. Ich glaube, man hätte hundert Kugeln essen müssen, um davon leberkrank zu werden.«</small></p></blockquote>
<p>Nichtsdestotrotz: »Anfang der Achtziger wurde Waldmeister als Zusatz im gewerblichen Lebensmittelhandel verboten.« Und damit wären wir wieder bei Schecks Eismaschine:</p>
<blockquote><p><small>»Statt Vanille nehme ich einfach Waldmeister und jage das durch mein Gerät. Das Kraut selbst ist ja nicht verboten. Ganz quirlig sieht das aus, wie kleiner Farn und wächst unter Buchen und Eichen.«</small></p></blockquote>
<p><b>Waldmeister. Waldmeister. Das macht einen ganz kirre im Kopf, das Wort.</b> Klingt so wunderbar wie Waldteufel und Waldmüller. Klingt außerdem nach selbst gewittert, eigenhändig gepflückt. Scheck (er muss ja Bücher lesen) hat für sowas natürlich einen »Kräuterhändler«, aber immerhin ein eigenes Maibowlenrezept:</p>
<blockquote><p><small>»Schmeckt auch wunderbar, wenn Sie daraus Halbgefrorenes fabrizieren.«</small></p></blockquote>
<p>Und das ist das wirklich Sympathische: Dass Scheck an dieser Stelle <i>nicht</i> »Semifreddo« sagt. Zeitschriften wie »Landlust« sollen ja schließlich auch noch ein paar Distinktionsvokabeln zur Hand haben, wenn es demnächst heißt: Waldmeister ist der neue Bärlauch.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>Schneewuttke und die sieben Kleckslein</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2011/04/04/schneewuttke-und-die-sieben-kleckslein/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 10:53:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Josik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Die Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch heute ist auf der Rio-Reiser-Homepage jener »taz«-Artikel vom 10. November 2006 nachzulesen, der rekapituliert, wie Fans im Internet wütend auf die Handelskette Media-Markt waren, weil die ein Rio-Reiser-Cover verhökerte. Das, so meinten damals die Fans, passe zusammen »wie Gummibärchen und Blutwurst«, ein Vergleich, in dem Rio Reiser wohl die Gummibärchen sein soll und der Media-Markt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch heute ist auf der Rio-Reiser-Homepage <a href="http://www.rioreiser.de/rioreiser/pressespiegel/032e6f99230ec5101.html">jener »taz«-Artikel vom 10. November 2006 nachzulesen</a>, der rekapituliert, wie Fans im Internet wütend auf die Handelskette Media-Markt waren, weil die ein Rio-Reiser-Cover verhökerte. Das, so meinten damals die Fans, passe zusammen »wie Gummibärchen und Blutwurst«, ein Vergleich, in dem Rio Reiser wohl die Gummibärchen sein soll und der Media-Markt die Blutwurst. Als Rio Reiser nun neulich auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg umgebettet wurde, gelangte er in die Nachbarschaft der Gebrüder Grimm, den Aufschreibern des berühmten Wurstmärchens.</p>
<p>Martin Wuttke nutzte dann kürzlich <a href="http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/641391/Strache_Faymann-die-Blutwurst-Proell-die-Leberwurst">in der Wiener »Presse«</a> die Gelegenheit, das Wurstmärchen, das er schon 1995 an der Seite von Bernhard Minetti spielte – damals allerdings war <a href="http://www.zeit.de/1995/24/Wuttke">Robin Detje zufolge</a> die Blutwurst das Berliner Ensemble und die Leberwurst die Zuschauer –, dem Haiderklon H. Che Strache vorzulesen.</p>
<p>Es handelt sich also um jenes berühmte Märchen, in dem eine Blut&shy;wurst und eine Leberwurst in Freundschaft lebten, die Blutwurst die Leberwurst zu Gast bittet, die Leberwurst ganz vergnügt zur Blutwurst in die Stube geht, dort aber auf der Stiege viele wunderliche Dinge sieht, woraufhin sie, die Leberwurst, erschrickt, von der Blutwurst aber freundlich empfangen wird, schließlich fragt die Leberwurst die Blut&shy;wurst, was denn da im Stiegenhaus los sei, freilich stellt sich die Blutwurst der Leberwurst gegenüber taub und marschiert in die Küche, während sie, die Leberwurst, in der Stube auf und ab geht, dann kommt jemand, von dem die Gebrüder Grimm schreiben, sie wüssten nicht, wer es gewesen ist, zur Tür herein und warnt die Leberwurst, sie solle sich schleichen, also schleicht sich die Leberwurst zur Tür hinaus auf die Straße und sieht von dort aus die Blutwurst. Soweit das Märchen.</p>
<p>Martin Wuttke fragt dann Strache: »Tolles Märchen, oder? Lässt sich so etwas politisch beurteilen?« Strache antwortet, dass hier der Bundeskanzler Faymann die Blutwurst sei und der Vizekanzler Pröll die Leberwurst.</p>
<p>Es ist überhaupt auffällig, wie sehr schon im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts die Beschäftigung mit Würsten im Schwange war. Justinus Kerner etwa veröffentlichte 1820 die Schrift »Neue Beobachtungen über die in Württemberg so häufig vorfallenden tödtlichen Vergiftungen durch den Genuß geräucherter Wurst« und 1822 das noch bahnbrechendere Werk »Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkung auf den thierischen Organismus, ein Beitrag des in verdorbenen Würsten giftig wirkenden Stoffes«.</p>
<p>Seine »halbe Erblindung«, wie er sie selbst nannte, hat Justinus Kerner sich nach Gunter Grimm, dem Herausgeber der »Ausgewählten Werke« Kerners, wohl durch seine medizinischen Versuche über Wurstvergiftungen zugezogen. Justinus Kerner aber hat das Beste aus seinem Augenleiden gemacht und uns die genialen <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Kerner,+Justinus/Gedichte/Klecksographien">»Klecksographien«</a> hinterlassen, bedichtete Tintenkleckse:</p>
<blockquote><p><small>Als ich mit Druckerschwärze heut klecksographiert&#8217;,<br />
Wozu mich nur der Teufel hat verführt,<br />
Kam dieses Skandalum heraufspaziert.</small></p></blockquote>
<p>Usw.</p>
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		<title>Listen-Archäologie (Teil 7): Der Medienkonsum des Norbert Bisky</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 17:04:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[El País]]></category>
		<category><![CDATA[Listen-Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Monopol]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>
		<category><![CDATA[stern]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Im DRadio-Programmheft für Februar 2011 gibt es auf der vorletzten Seite (S. 91) ein Kurzinterview mit Norbert Bisky. Letzte Frage: »Welche Medien nutzen Sie sonst noch?« – Antwort: »NPR Berlin, Artforum, Flash Art, Texte zur Kunst, nytimes.com, bild.de, spiegel online, Monopol, Die Zeit, art, stern, Kunstforum International, QVC, El País, L&#8217;Officiel Hommes, taz und FAZ und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im DRadio-Programmheft für Februar 2011 gibt es auf der vorletzten Seite (S. 91) ein Kurzinterview mit Norbert Bisky. Letzte Frage: »Welche Medien nutzen Sie sonst noch?« – Antwort:</p>
<p><center>»NPR Berlin,<br />
Artforum,<br />
Flash Art,<br />
Texte zur Kunst,<br />
nytimes.com,<br />
bild.de,<br />
spiegel online,<br />
Monopol,<br />
Die Zeit,<br />
art,<br />
stern,<br />
Kunstforum International,<br />
QVC,<br />
El País,<br />
L&#8217;Officiel Hommes,<br />
taz und FAZ<br />
und im Moment gerade ganz viel Herta Müller und Pasolini.«</center></p>
<p><center><small>(in dieser Reihenfolge, Zeilenumbrüche stammen von mir)<br />
&nbsp;</small></center></p>
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		</item>
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		<title>»Heute schon das Feuilleton gescannt?« Mit Andreas Bernard durch die »jetzt«-Jahre</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2010/11/12/mit-andreas-bernard-durch-die-jetzt-jahre/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 09:46:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[F-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[S-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer für die »Tempojahre« (Maxim Biller) zu jung und für »Neon« viel&#173;leicht schon bald zu alt war, der hatte in jedem Fall »jetzt« (1993–2002) – die Santo-Subito-Jugendbeilage der SZ. »jetzt:« war jung, frisch, faszinierend &#8211; der sprichwörtliche Doppelpunkt für jeden, der in der zweiten Hälfte der 1990er feuilletonistisch lesen lernen wollte, sich dabei aber möglichst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer für die »Tempojahre« (Maxim Biller) zu jung und für »Neon« viel&shy;leicht schon bald zu alt war, der hatte in jedem Fall <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jetzt">»jetzt« (1993–2002)</a> – die Santo-Subito-Jugendbeilage der SZ. »jetzt:« war jung, frisch, faszinierend &#8211; der sprichwörtliche Doppelpunkt für jeden, der in der zweiten Hälfte der 1990er feuilletonistisch lesen lernen wollte, sich dabei aber möglichst nicht so totalitär belehrt fühlen mochte. »jetzt« gehörte in die Zeit wie »Faserland«, MTV oder die AOL-Werbung mit Boris Becker (»Bin ich jetzt schon drin?«).</p>
<p>Das Lebensgefühl der »jetzt«-Jahre gibt es jetzt zum Nachlesen, <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/33800.html">in einem schönen Roman von Andreas Bernard</a>, in dem das »jetzt«-Magazin <b>»Vorn«</b> und der Protagonist Tobias Lehnert heißt.</p>
<p>Das Buch wurde von den Feuilletons dieses Frühjahrs erstaunlich lieblos durchgewinkt, <a href="http://www.buecher.de/shop/buecher/vorn/bernard-andreas/products_products/content/prod_id/27883343/#faz">Sandra Kerschbaumer in der FAZ fand es sogar</a> »ermüdend, wie Müttern auf dem Sandkistenrand oder Kleingärtnern beim Fegen ihrer Wege zuzuhören«.</p>
<p><b>Das »jetzt«-Feeling</b></p>
<p>Vielleicht ist meine »jetzt«-Erinnerung auch deswegen so mythisch überladen, weil ich der notorisch verhinderte »jetzt«-Leser war: »jetzt« war für mich zuallererst das, was ich als studentischer FAZ-Abonnent montags gern auch noch mit dabei gehabt hätte. Das zusätzlich Fiese war, dass »jetzt« selbst im Urlaub nicht funktionierte. Da kaufte man sich in Italien schon mal eine SZ vom Vortag und freute sich mit der Cover-Ankündigung auf ein knutschendes Pärchen im Meer bzw. ein »jetzt«-Magazin zum Thema: »Und wie war dein Sommer?«, und dann stand da prompt und kleingedruckt:</p>
<p><center><small>»Liegt nicht der Auslandsauflage bei«</small></center></p>
<p>Wie ich diesen Satz hasste. In der alten »Zweigstelle 1« der Uni-Bibliothek Leipzig war der Begriff Beilage indes richtig räumlich gemeint. »jetzt« lag dort tatsächlich immer im Separee, hinter dem eigentlichen Zeitungslesesaal. In einem gammeligen Schuhkarton, der irgendwann meine Schatzkiste wurde. Ganze »jetzt«-Jahrgänge hab ich in dem miefigen Kabuff rückwirkend gehoben, umgeblättert, verschlungen. Mehr zum Feeling muss ich nicht sagen, Bernard selbst hat »jetzt« <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=fl&#038;dig=2010/03/27/a0062">im taz-Gespräch</a> gegenüber dem Vorgänger »Tempo« und dem Service-Nachfolger »Neon« klug abgegrenzt.</p>
<p><b>Vom Leser zum Schreiber</b></p>
<p>»Vorn« feiert aber nicht nur das »jetzt«-Lese- und Lebensgefühl. Es ist vor allem auch ein wunderbarer Journalisten-Bildungsroman. Erzählt wird, wie aus einem Magazin-Fan ein Magazin-Schreiber wird. Was passiert, wenn einer den Sprung von der Rezeption zur Produktion von Lebensgefühl wagt. Wie sich der erste eigene gedruckte Text in der Zeitung anfühlt. Und wie man tickt, wenn man leibhaftige Redakteure im Büro besucht:</p>
<blockquote><p>»Er versuchte (&#8230;) diejenigen zu identifizieren, deren Geschichten ihn am meisten begeisterten, sich zu überlegen, welches Gesicht zu welchem Namen passen könnte.« (S. 16)</p></blockquote>
<p>Auch ein Typ wie Tom Kummer geistert mal kurz als Phantom durch Bernards Buch, auf S. 17: Er »sah sehr lässig aus; er hatte schwarze lockige Haare und wirkte fast ein bisschen südländisch«. Tobias trifft ihn auf der Einweihungsfeier der neuen Redaktionsräume. Später heißt es:</p>
<blockquote><p>»Den dunklen, lockigen Typen von damals sah er in all den Jahren kein einziges Mal mehr, und als er Robert später einmal darauf ansprach, welcher Autor oder Fotograf das gewesen sein könnte, wusste der nicht einmal, von wem Tobias sprach.« (S. 17/18)</p></blockquote>
<p><b>Redaktionssport Scannen</b></p>
<p>Der eigentliche Plot ist das private Leben von Tobias Lehnert, namentlich seine alte Beziehung, die sich zunehmend konträr zu seinem Redakteursleben voller Listen-Journalismus, Tischritualen im »Schumann&#8217;s« und den Girlie-Kategorien verhält (»Julias sind immer gut!«).</p>
<p>Lustig auch das metasprachliche Rudelfantasieren, dahinter steckt die Idee, sich anhand weniger Indizien Geschichten und Identitäten zu Personen, zum Beispiel auf Partys, auszudenken:</p>
<blockquote><p>»Im <i>Vorn</i> sprachen sie davon, jemanden zu ›scannen‹, wobei sich diese Methode nicht nur auf das sekundenschnelle Durchleuchten und Bewerten von Menschen bezog, sondern etwa auch auf Texte in Zeitungen und Magazinen. <b>›Hast du heute schon das Feuilleton gescannt?‹</b>« (S. 190/191)</p></blockquote>
<p>Irgendwann passt die alte Freundin nicht mehr in den coolen <i>Vorn</i>-Kosmos, in der Geschmacksfragen so falsch sein können wie Milchkaffeeschalen, die Tobias zu Hause stehen hat. Schon bald beginnt Tobis Affäre mit einer jener Praktikantinnen, die noch eine »Handschrift mit Babyspeck« haben. Und die Krisis des Helden nimmt ihren Verlauf.</p>
<p><b>Das Geheimnis der Grafikerinnen</b></p>
<p>Bourdieu hat feine Unterschiede für das literarische Feld beschrieben, Bernard malt das Ganze für den jungen Beilagenjournalismus der 1990er aus und schildert eine Welt, in der es den »Speedtalk« und das Scannen der Textredakteure einerseits gibt, andererseits aber auch das Geheimnis der Grafikerinnen:</p>
<blockquote><p>»Tobias bemerkte wieder einmal, dass es kaum eine andere Art von Mädchen gab, mit denen er sich im Reden so schwer tat wie mit Grafikerinnen. Sie waren immer sehr freundlich und sahen gut aus, doch Tobias hatte das Gefühl, dass ihre Zurückgenommenheit eine längere Unterhaltung fast unmöglich machte. (&#8230;) Alle <i>Vorn</i>-Grafikerinnen, die Tobias je kennengelernt hatte, ähnelten sich in einer merkwürdigen Trägheit, einer besonders sparsamen Dosierung der Gesten und Worte. Vielleicht waren professionelle Näherinnen vor 150 Jahren ähnlich gestimmt.« (S. 233/234)</p></blockquote>
<p>Der langsame Niedergang beginnt mit Praktikantengenerationen, die »Praktikas« statt »Praktika« absolvieren (S. 101) und dem Merchandising, also der »schwarzen Umhängetasche mit gelbem <i>Vorn</i>-Schriftzug, die man seit kurzem über die Magazinadresse bestellen konnte.« (S. 229)</p>
<p>Mein letztes »jetzt«-Magazin, das allerletzte überhaupt, lag wieder mal keiner Auslandsauflage bei. Austin höchstpersönlich brachte es mir aus Deutschland vorbei, während es in München Sitzstreiks der Leser gab.<br />
&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Listen-Archäologie (Teil 6): Die Hitler-Titel des »Spiegel«</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2010/11/07/hitler-titel-des-spiegel/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 15:01:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Listen-Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[stern]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Im letzten Raum der aktuellen Sonderausstellung des DHM haben sie eine ganze Wand mit »Spiegel«-Titeln tapeziert, sämtlichen bis 2009 publizierten 45 Heften mit Hitler auf dem Cover: »Von dem ersten aus dem Jahr 1964 (›Anatomie eines Diktators‹) bis zu einem der aktuellsten von 2009 (›Die Komplizen‹) ist auch an ihnen der Wandel im Geschichtsbild zu erkennen.« [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im letzten Raum der <a href="http://www.dhm.de/ausstellungen/hitler-und-die-deutschen/index.html">aktuellen Sonderausstellung</a> des DHM haben sie eine ganze Wand mit »Spiegel«-Titeln tapeziert, sämtlichen bis 2009 publizierten 45 Heften mit Hitler auf dem Cover:</p>
<p>»Von dem ersten aus dem Jahr 1964 (›Anatomie eines Diktators‹) bis zu einem der aktuellsten von 2009 (›Die Komplizen‹) ist auch an ihnen der Wandel im Geschichtsbild zu erkennen.« (<a href="http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/16101/fuehrer_im_kleinformat.html">Spiegel 41/2010, S. 38</a>)</p>
<p>Zum Teil entlarven sich die Titel auch selbst, wenn man sich mal an&shy;schaut, wofür der berühmte <a href="http://andrewhammel.typepad.com/german_joys/2005/08/the_teppichfres.html">»Teppichfresser«</a> alles herhalten musste: Gefahren des Klonens? Hitler! (Nr. 10/1997)</p>
<p>Zwei Führer-Cover hintereinander gab&#8217;s trotz aller Dichte nur einmal, im Umfeld der Hitler-Tagebücher des »stern«: Nr. 18 (»Fund oder Fälschung?«) und 19/1983 (»Fälschung«).</p>
<p><center><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1964-5.html">Nr. 5/1964</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1966-3.html">Nr. 3/1966</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1966-32.html">Nr. 32/1966</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1967-31.html">Nr. 31/1967</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1969-1.html">Nr. 1/1969</a></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1973-14.html">Nr. 14/1973</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1977-34.html">Nr. 34/1977</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1979-44.html">Nr. 44/1979</a></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1981-24.html">Nr. 24/1981</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1982-52.html">Nr. 52/1982</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1983-18.html">Nr. 18/1983</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1983-19.html">Nr. 19/1983</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1986-32.html">Nr. 32/1986</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1987-35.html">Nr. 35/1987</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1988-46.html">Nr. 46/1988</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1989-15.html">Nr. 15/1989</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1989-32.html">Nr. 32/1989</a></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1991-24.html">Nr. 24/1991</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1992-29.html">Nr. 29/1992</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1994-2.html">Nr. 2/1994</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1995-14.html">Nr. 14/1995</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1995-19.html">Nr. 19/1995</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1996-6.html">Nr. 6/1996</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1996-8.html">Nr. 8/1996</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1996-21.html">Nr. 21/1996</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1996-33.html">Nr. 33/1996</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1997-10.html">Nr. 10/1997</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1997-25.html">Nr. 25/1997</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1997-30.html">Nr. 30/1997</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1998-7.html">Nr. 7/1998</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1998-22.html">Nr. 22/1998</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1998-45.html">Nr. 45/1998</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1999-43.html">Nr. 43/1999</a></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2000-25.html">Nr. 25/2000</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2001-4.html">Nr. 4/2001</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2001-19.html">Nr. 19/2001</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2002-23.html">Nr. 23/2002</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2002-51.html">Nr. 51/2002</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2004-8.html">Nr. 8/2004</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2004-29.html">Nr. 29/2004</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2004-35.html">Nr. 35/2004</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2005-18.html">Nr. 18/2005</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2008-3.html">Nr. 3/2008</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2008-45.html">Nr. 45/2008</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2009-21.html">Nr. 21/2009</a></p>
<p><small>(und Hitler-Titel Nr. 46, in der Ausstellung noch nicht mit dabei:)</small></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2010-33.html">Nr. 33/2010</a></center></p>
<p>Direkt über diese Titelbilder-Anordnung im DHM hätte man, wenn sie denn noch online wäre, die »Blattschuss«-Folge an die Wand beamen können, in der Oliver Gehrs die »Spiegel«-Verkaufskurve aufmalt und deren Peaks mit den Hitler-Titelbildern korreliert. (Diese Frage hatte ja damals auch das Hitler-Blog der taz <a href="http://blogs.taz.de/hitlerblog/2007/06/12/der-hitlerspiegel/">umgetrieben</a>.)</p>
<p>Außerdem aufschlussreich gewesen wäre eine Übersicht über alle einschlägigen Guido-Knopp-Sendetitel. Hitlers Hunde, Hitlers Blumen, Hitlers Witze usw. Auch da hatte man ja irgendwann den Überblick verloren.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>Feuilleton und Pornografie (Reloaded)</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2010/03/15/feuilleton-und-pornografie-reloaded/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 12:23:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paco</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Pornografie]]></category>
		<category><![CDATA[S-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist jetzt schon eine Weile her (Juni/Juli 2008). Seitdem ist aber nichts sehr Erwähnenswertes hinzugekommen. Deshalb hier noch mal die damals vorgestellten sechs generischen Texte zum Thema: Teil 1: Alexander Osang über Pornywood Teil 2: Stephan Maus über die Venus-Messe 2003 Teil 3: Tobias Rapp über Pornpop Teil 4: Ariadne von Schirach über die Generation [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist jetzt schon eine Weile her (Juni/Juli 2008). Seitdem ist aber nichts sehr Erwähnenswertes hinzugekommen. Deshalb hier noch mal die damals vorgestellten sechs generischen Texte zum Thema:</p>
<blockquote><p>Teil 1: <a href="/2008/06/28/feuilleton-und-pornografie-teil-1-alexander-osang-ueber-pornywood/">Alexander Osang über Pornywood</a><br />
Teil 2: <a href="/2008/07/01/feuilleton-und-pornografie-teil-2-stephan-maus-ueber-die-venus-messe-2003/">Stephan Maus über die Venus-Messe 2003</a><br />
Teil 3: <a href="/2008/07/08/feuilleton-und-pornografie-teil-3-tobias-rapp-ueber-pornpop/">Tobias Rapp über Pornpop</a><br />
Teil 4: <a href="/2008/07/12/feuilleton-und-pornografie-teil-4-ariadne-von-schirach-ueber-die-generation-porno/">Ariadne von Schirach über die Generation Porno</a><br />
Teil 5: <a href="/2008/07/16/feuilleton-und-pornografie-teil-5-aaralyn-barra-ueber-den-da-vinci-code/">Aaralyn Barra über den »Da Vinci Code«</a><br />
Teil 6: <a href="/2008/07/24/feuilleton-und-pornografie-teil-6-jens-friebe-ueber-porn-surfing/">Jens Friebe über Porn-Surfing</a></p></blockquote>
<p>Ach ja, ich wollte dauernd noch etwas über den herrlichen Essay <a href="http://www.netzliteratur.net/cramer/pornography/london-2005/pornographic-coding.html"><b>»Pornographic Coding«</b></a> (2005) von Florian Cramer und Stewart Home schreiben. Das würde dann Teil 7 dieser Reihe werden. Die Notizen dazu hängen leider seit Jahren in meinem Draft-Verzeichnis fest und wandern immer weiter nach unten im Dringlichkeitsstapel. Mal sehen.</p>
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		<title>Oskar Lafontaine als Umblätterer</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 07:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcuccio</dc:creator>
				<category><![CDATA[L'homme politique]]></category>
		<category><![CDATA[S-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Praktische am Wahlkampf ist ja, dass jetzt wieder diese ganzen Interviews aus den Abgeordnetenbüros kommen, mit Fotos direkt vom Politikerschreibtisch. Uns von der Partei der Zeitungswähler interes&#173;siert da natürlich vor allem, welches Presse-Portfolio so ausliegt. Lafontaine hat griffbereit: Obenauf die Junge Welt dann die taz, erst dann Neues Deutschland, und zuunterst die Süddeutsche. Ob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Praktische am Wahlkampf ist ja, dass jetzt wieder diese ganzen Interviews aus den Abgeordnetenbüros kommen, mit Fotos direkt vom Politikerschreibtisch. Uns von der Partei der Zeitungswähler interes&shy;siert da natürlich vor allem, welches Presse-Portfolio so ausliegt. Lafontaine hat griffbereit:</p>
<p align="center">Obenauf die Junge Welt<br />
dann die taz,<br />
erst dann Neues Deutschland,<br />
und zuunterst die Süddeutsche.</p>
<p>Ob sich das Quartett nach Zeitungsformat, Weltanschauung oder Leseritual stapelt, haben die Regionalzeitungskorrespondenten leider nicht gefragt. Vorn auf dem Tisch übrigens ein Buch namens »Die Linke Versuchung«, rechts hinter Lafontaine, auf dem Regal, winkt Papst Benedikt von einem Foto.</p>
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