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	<title>Der Umblätterer &#187; Filmakademie</title>
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	<description>In der Halbwelt des Feuilletons.</description>
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		<title>Ein Essen mit San Andreas</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 17:56:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dique</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sitzen auf eine Thaisuppe im Cha Cha. Zwei Schlucke vom Bier und ein paar L&#246;ffel Suppe, und auf einmal springt San Andi auf, schreit, dass er weg m&#252;sse. Ich frage mich, was los ist, vielleicht Besuch, der mit Koffern vor der Wohnung steht? Er sprudelt heraus, dass er Kinokarten habe, wohl die Preview f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sitzen auf eine Thaisuppe im Cha Cha. Zwei Schlucke vom Bier und ein paar L&#246;ffel Suppe, und auf einmal springt San Andi auf, schreit, dass er weg m&#252;sse. Ich frage mich, was los ist, vielleicht Besuch, der mit Koffern vor der Wohnung steht? Er sprudelt heraus, dass er Kinokarten habe, wohl die Preview f&#252;r den neuen Scorsese-Film. Er wirft sich die Jacke &#252;ber, sagt nerv&#246;s, dass er das nie schaffen werde, und verschwindet, fairerweise lie&#223; er noch Geld f&#252;r sein Essen zur&#252;ck.</p>
<p>Ich sa&#223; dann allein dort, vor mir mein Bier und meine Suppe, auf der anderen Tischseite das gleiche Bild, nur ohne Esser. Ich habe dann mein Buch ausgepackt, die extremst gute Rudolf-II.-Biografie von Gertrude von Schwarzenfeld (1. Aufl. 1961), und beim Lesen meine Suppe gegessen und langsam mein Bier geleert und sp&#228;ter noch einen Schluck von San Andis Bier getrunken, die Suppe ging zur&#252;ck. Ein Essen mit San Andreas.</p>
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		<title>Coen-Retrospektive: Grafischer Epilog</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 06:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern haben wir hier den t&#228;glichen Film-f&#252;r-Film-Durchmarsch durch den kompletten Coen-Kanon beendet. Heute folgt noch ein kleiner Epilog, ab morgen geht es dann weiter mit anderen Feuilleton-Abenteuern.
(Hi Austin! Hi Dique! Hi Marcuccio! Hi Niwoabyl! AUFWACHEN, die Ferien sind vorbei, hehe.)
Die Coens muss man nicht quantifizieren, es ist sogar irgendwie ein Frevel, aber wer eine sch&#246;ne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern haben wir hier den t&#228;glichen Film-f&#252;r-Film-Durchmarsch durch den <a href="/coen/">kompletten Coen-Kanon</a> beendet. Heute folgt noch ein kleiner Epilog, ab morgen geht es dann weiter mit anderen Feuilleton-Abenteuern.</p>
<p>(Hi Austin! Hi Dique! Hi Marcuccio! Hi Niwoabyl! AUFWACHEN, die Ferien sind vorbei, hehe.)</p>
<p>Die Coens muss man nicht quantifizieren, es ist sogar irgendwie ein Frevel, aber wer eine sch&#246;ne &#220;bersicht &#252;ber alle Filme und ihre Resonanz bei Publikum und Kritik haben m&#246;chte, bitte sehr (auf die Grafik <a href="/wp-content/uploads/2010/02/coen_grafik.jpg"><b>klicken</b></a> zum vergr&#246;&#223;ern, lizenziert unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC by-sa 3.0</a>):<br />
&nbsp;</p>
<div ALIGN="center"><a href="/wp-content/uploads/2010/02/coen_grafik.jpg"><img SRC="/wp-content/uploads/2010/02/coen_grafik_small.jpg" ALT="Alle bisherigen 14 Coen-Filme, grafisch dargestellt" BORDER="1" /></a><br /><small>Die 14 Coen-Filme: Einspielergebnisse (<a href="http://boxofficemojo.com/">Box Office Mojo</a>), <br />Userwertungen (<a href="http://www.imdb.com/">IMDb</a>), Tenor der Kritik (<a href="http://www.rottentomatoes.com/">Rotten Tomatoes</a>)</small></div>
<p>&nbsp;<br />
Die Statistik verdeutlicht noch mal ein paar Dinge, etwa den Kritiker- und Publikumsflop des s&#252;ndteuren Films <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a>. Es gibt da nat&#252;rlich auch ein paar Unzul&#228;nglichkeiten, die nicht ber&#252;ck&shy;sichtigte Inflation etwa, au&#223;erdem ist <a href="/2010/02/16/a-serious-man/">»A Serious Man«</a> noch nicht weltweit angelaufen usw. usw.).</p>
<p>In der ber&#252;chtigten <a href="http://www.imdb.com/chart/top">Top 250 der IMDd</a> befinden sich im Moment &#252;brigens drei Coen-Filme:</p>
<blockquote><p><em><b>111.</b></em> No Country for Old Men<br />
<em><b>118.</b></em> Fargo<br />
<em><b>141.</b></em> The Big Lebowski</p></blockquote>
<p align="center">*</p>
<p><strong>Was kommt als N&#228;chstes von den Coen-Br&#252;dern?</strong></p>
<p>Das n&#228;chste gro&#223;e Projekt befindet sich bereits in Produktion und hei&#223;t <a href="http://www.imdb.com/title/tt1403865/">»True Grit«</a>. Einen Film dieses Titels <a href="http://www.imdb.com/title/tt0065126/">gibt es freilich schon</a>. Viele Filmfans zeigten sich entr&#252;stet: Niemand k&#246;nne John Wayne das Wasser rei&shy;chen, wozu also ein Remake. Die Coens brachten vor, dass der Film so gut nicht sei und die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/True_Grit_(novel)">Romanvorlage von Charles Portis</a> viel beeindruckender.</p>
<p>Ihr Film wird eine neue Adaption des Stoffes werden, der davon handelt, wie ein 14-j&#228;hriges M&#228;dchen den besten US Marshal des Landes (Jeff Bridges) anheuert, um den M&#246;rder ihres Vaters (Josh Brolin) zu fassen. Auf der gefahrvollen Reise gesellt sich ein Texas Ranger (Matt Damon) zu den beiden. Der Kinostart des Western&shy;dramas ist f&#252;r Weihnachten dieses Jahres geplant.</p>
<p>Mit »The Yiddish Policemen&#8217;s Union« soll eine weitere Literaturadaption folgen. Michael Chabon zeigte sich hellauf begeistert, dass die Coens <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/29430.html">sein preisgekr&#246;ntes Buch</a> verfilmen wollen, welches einen bizarren Mordfall in einem hypothetischen j&#252;dischen Reservat in Alaska zum Thema hat. Klingt auf jeden Fall nach eins a Coen-Material.</p>
<p>Im Regal liegt ebenfalls ein Remake <a href="http://www.imdb.com/title/tt0060445/">des britischen Gaunerfilms »Gambit«</a>, seinerzeit besetzt mit Shirley MacLaine und Michael Caine. Ethan schrieb wohl das Skript dazu, das einen Coup in zwei Versionen erz&#228;hlt: einmal, wie er geplant ist, und einmal, wie er tats&#228;chlich ver&shy;l&#228;uft. Die Coens werden nicht Regie f&#252;hren, was vielleicht gar nicht so schlecht ist.</p>
<p>Seit geraumer Zeit schon existiert ein Coen-Skript mit dem Titel »Suburbicon«, f&#252;r das George Clooney nicht m&#252;de wird die Werbe&shy;trommel zu r&#252;hren. Er selbst war eine Zeitlang als Regisseur im Gespr&#228;ch, doch mittlerweile scheinen die Coens wieder am Ruder zu sitzen. Es ist die Rede von einer »really interesting, really funny, very dark comedy«.</p>
<p>Eine Doku &#252;ber die Coens aus dem Jahre 1999 zeigte in einer Ein&shy;stellung ein Regal, in dem etwa 40 Drehb&#252;cher schlummerten. Einige von ihnen haben mittlerweile das Licht der Leinwand erblickt. Andere Titel wie »Coast to Coast«, »Leap in the Dark«, »Meet Bobby Buttman«, »The Concierge« oder »Respect Your Godfather« k&#246;nnten sich in Zukunft noch materialisieren. Au&#223;erdem gibt es ein Ger&#252;cht &#252;ber einen <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»Lebowski«</a>-Spin-Off  um Jesus Quintana, &#252;ber ein »Hail Caesar«, ein weiteres Clooney-Projekt, und &#252;ber eine Art Sequel zu <a href="/2010/02/06/barton-fink/">»Barton Fink«</a> mit dem Titel »Old Fink«, von dem Joel und Ethan selbst sagen, sie w&#252;rden damit warten, bis John Turturro sehr, sehr alt ist.<br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>25 Jahre Coen-Kino (14): A Serious Man (2009)</title>
		<link>http://www.umblaetterer.de/2010/02/16/a-serious-man/</link>
		<comments>http://www.umblaetterer.de/2010/02/16/a-serious-man/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 06:36:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ab dem Moment, als seine Frau ihm er&#246;ffnet, sie w&#252;rde Sy Ableman ihm vorziehen, ger&#228;t Professor Gopniks Leben aus den Fugen. Er ist derart vom Pech verfolgt, dass man glau&#173;ben k&#246;nnte, jemand habe etwas gegen ihn. Ist es Gott? Dies herauszufinden, wendet sich Larry an die W&#252;rdentr&#228;&#173;ger seiner j&#252;dischen Gemeinde &#8230;
Coen Country. Ein namenloser Vorort von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/14_a_serious_man.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="A Serious Man (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Ab dem Moment, als seine Frau ihm er&#246;ffnet, sie w&#252;rde Sy Ableman ihm vorziehen, ger&#228;t Professor Gopniks Leben aus den Fugen. Er ist derart vom Pech verfolgt, dass man glau&shy;ben k&#246;nnte, jemand habe etwas gegen ihn. Ist es Gott? Dies herauszufinden, wendet sich Larry an die W&#252;rdentr&#228;&shy;ger seiner j&#252;dischen Gemeinde &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Ein namenloser Vorort von Minneapolis, Minnesota. Wenn es ein Coen Country gibt, dies muss es sein.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> Roger Deakins (Kamera), Carter Burwell (Musik)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Look, look, something is very wrong! I don&#8217;t want Santana Abraxas, I&#8217;ve just been in a terrible auto accident!« (Larry wei&#223; die Offerten des freundlichen Columbia-Kundendienstmitarbeiters nicht recht zu w&#252;rdigen)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Dannys Bar Mitzwa. Die Zeremonie, mit der der Junge die j&#252;dische Religionsm&#252;ndigkeit erwerben soll, wird durch seinen Marihuana-Konsum auf dem Synagogenklo ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Der gro&#223;e Moment seines Tora-Vortrages ist so liebevoll subjektiv inszeniert (H&#246;hepunkt ist das ohrenbet&#228;ubende Ger&#228;usch, das die Jad, der Tora-Zeigestab, auf dem Pergament macht), dass den Coens enge autobiografische Motive untergeschoben wurden. Sie dementierten.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Auf den Plakaten an den U-Bahn-Haltestellen steht: »Von den Machern von <a href="/2010/02/08/fargo/">›Fargo‹</a>, <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">›The Big Lebowski‹</a>, <a href="/2010/02/14/no-country-for-old-men/">›No Country for Old Men‹</a> und <a href="/2010/02/15/burn-after-reading/">›Burn After Reading‹</a>«. Diese Filme sprechen zwar f&#252;r die Klasse der Coens, wecken jedoch die falschen Erwartungen. Tats&#228;ch&shy;lich wurden Zuschauer beobachtet, die frustriert den Saal verlie&#223;en: kein Blut, kein Bowling, kein Ballern, kein Brad Pitt.</p>
<p>»A Serious Man« ist eine ruhige Aff&#228;re. Der Film ist elegant, milde skurril, niemals laut oder extravagant. Die Pointen sind subtil, lauern aber an jeder Ecke der Geschichte. Es geht um Schicksal und seine Unausweichlichkeit. Es geht um Familie und ihren Zerfall. Es geht um Integrit&#228;t, es geht um Wissenschaft und Religion. Es geht um Z&#228;hne und Antennen, es geht um Loyalit&#228;t und Pubert&#228;t. Es geht um Xenophobie und Nudismus in der Nachbarschaft, und um Jefferson Airplane.</p>
<p>Stoff f&#252;r einen dreist&#252;ndigen Ensemble-Film, m&#246;chte man meinen, aber dies ist die Geschichte eines einzelnen Mannes. Lawrence Gopnik ist ein Mann der Vernunft, er lebt ein redliches Leben, ist ein rechtschaffe&shy;ner, ein seri&#246;ser Mann. Er erwartet eine Anstellung auf Lebenszeit als Professor der Physik, seine Familie gedeiht pr&#228;chtig, nach j&#252;discher Tradition, alles ist gut.</p>
<p>Denkt er. Als seine Frau ihn wissen l&#228;sst, es w&#228;re Zeit &#252;ber eine Trennung zu reden, ist das erst der Anfang einer verheerenden Kette von K&#252;mmernissen. An der Uni wird er Opfer einer Rufmordkampagne, seine Kinder praktizieren Ungehorsam, er muss einen renitenten Studenten erdulden, der ihn mal besticht und mal erpresst, sein lebensunf&#228;higer Bruder kommt erst nicht aus dem Badezimmer (»I&#8217;ll be out in a minute!«) und dann mit dem Gesetz in Konflikt, sein Redneck-Nachbar macht ihm einen Teil seines Grundst&#252;cks streitig, er verursacht einen Verkehrsunfall, Anwaltskosten fressen seine Reserven auf, um ihn herum fangen die Leute an zu sterben. Und st&#228;ndig ruft dieser Dick Dutton vom Columbia Record Club an!</p>
<p>Es ist Larry nicht zu verdenken, dass er die Frage stellt, die sich jeder schon einmal gestellt hat, der vom Ungl&#252;ck heimgesucht wurde: Warum passiert gerade mir das alles? Antworten erwartet er bei den Rabbis seiner Gemeinde, denn die lange j&#252;dische Geschichte und Tradition, so r&#228;t ihm eine Freundin, w&#228;ren ein einziger Quell unsch&#228;tzbarer Lebenshilfe.</p>
<p>Der erste Rabbi, dem er gegen&#252;ber sitzt, kramt in seinem Phrasen&shy;baukasten und f&#246;rdert eine Handvoll abgegriffener Glaubensfloskeln zutage: »You have to see these things as expressions of God&#8217;s will.« Und setzt hinzu: »You don&#8217;t have to like it, of course.« Larry m&#246;ge sich doch eine andere Perspektive suchen, denn Gott w&#228;re &#252;berall – selbst in diesem herrlichen Parkplatz da drau&#223;en.</p>
<p>Hilfreicher ist der &#228;ltere Kollege, Rabbi Nachtner, auch nicht. Er erz&#228;hlt eine abstruse Geschichte &#252;ber hebr&#228;ische Gravuren auf der Innenseite der Z&#228;hne eines Goys, eines Nichtjuden. Die Anekdote hat kein Ende, keine Moral und keine Erkl&#228;rung, Nachtner res&#252;miert lediglich, dass manche R&#228;tsel einfach nicht zu l&#246;sen w&#228;ren und im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verl&#246;ren. Best&#252;rzt, dass Nachtners gro&#223;e Lebenserfahrung und Kenntnis der Schrift nichts Erhellenderes zu bieten haben, besteht Larry auf einer Antwort. Der Rabbi wiegelt ab: »Sure! We all want the answer! But Hashem doesn&#8217;t owe us the answer, Larry. Hashem doesn&#8217;t owe us anything. The obligation runs the other way.«</p>
<p>Die Default-Ausflucht aller Religionen, postuliert, um sich unangreifbar zu machen. Dem Menschen st&#252;nde es nicht zu, Gottes Wege zu hinterfragen – ganz im Sinne des Zitats von Mittelalter-Rabbi Rashi, das dem Film vorangestellt ist: »Receive with simplicity everything that happens to you.« Doch Larry ist das zu einfach. Dass er, der er ja &#252;berzeugt ist, das ihm widerfahrende Ungl&#252;ck widerspr&#228;che der Idee eines g&#252;tigen und gerechten Gottes, mit einem lapidaren Hinweis auf dessen Mysterium abgespeist werden soll, l&#228;sst seine rationale Seele rebellieren. Dazu hat er als P&#228;dagoge wohl das Gef&#252;hl, Gott erf&#252;lle seinen Lehrauftrag nicht korrekt: Kein Fachmann w&#252;rde je ohne Begr&#252;ndung schlechte Noten verteilen. Sonst: Erkenntnisgewinn gleich Null, Besserung nicht zu erwarten. Larrys Frustration kondensiert sich in der h&#228;nderingenden Frage: »Why does he make us feel the questions, if he&#8217;s not gonna give us any answers?«</p>
<p>Dinge haben Ursachen, Dinge haben Konsequenzen. Alles liegt klar zutage, wenn man nur im Besitz aller Fakten ist. Dass es so einfach doch nicht ist, auch nicht in Larrys s&#228;kularem Umfeld der Wissenschaft, zeigt ein Schl&#252;sselmoment des Films, der eine fr&#252;here Szene um Schr&#246;dingers Katze noch steigert. Larry behandelt Heisenbergs Unsch&#228;rferelation, schreibt fiebrig Formeln an eine Tafel und erkl&#228;rt: »The Uncertainty Principle. It proves we can&#8217;t ever really know &#8230;« – in diesem Moment schneidet die Kamera in die Totale, gibt den Blick frei auf die gewaltige, restlos mit Formeln bedeckte Tafel – »&#8230; what&#8217;s going on.«</p>
<p>Larrys Beweis ist so elaboriert und spannend wie Nachtners Zahn-Anekdote, l&#228;uft aber auf dieselbe ern&#252;chternde Feststellung hinaus: Wir tappen im Dunkeln. Endg&#252;ltige Gewissheit ist eine Illusion; den Katzenkasten zu &#246;ffnen oder der Welt mit Messger&#228;ten zu Leibe zu r&#252;cken, ist genauso irref&#252;hrend und vergeblich wie der Versuch, Gott in die Karten zu kucken. Wobei der vermutlich gar kein Blatt auf der Hand hat, so wie es aussieht &#8230; Die Coens treiben es nicht weiter mit ihrer Gottesl&#228;sterei, erlauben sich lediglich noch einen Seitenhieb auf die j&#252;dische Egozentrik. »What happened to the goy?«, fragt Larry. Nachtner darauf: »The goy? Who cares?«</p>
<p>Larry schafft es nicht, zum &#228;ltesten und weisesten Rabbi vorzudringen (Grund: »He&#8217;s thinking.«), sein Sohn aber erh&#228;lt als frischgebackener Religionsm&#252;ndiger automatisch das Privileg. Die bedeutungsschwange&shy;ren Worte, die der alte Marshak &#228;chzend von sich gibt, sind schwer zu verstehen, aber sie entpuppen sich als Textzeilen von Jefferson Airplanes »Somebody to Love«. Marshaks Wissen ist also tats&#228;chlich allumfassend. Und das Zitat, das er bringt – »When the truth is found to be lies, and all the hope within you dies.« – spiegelt orakelhaft Larrys zum Scheitern verurteilte Suche nach der Wahrheit (im Original hei&#223;t es ›joy‹ anstelle von ›hope‹; m&#246;glicherweise eine bewusste Manipulation der Coens, um die Verbindung deutlicher zu machen).</p>
<p>Danny bekommt sein konfisziertes Transistorradio zur&#252;ck, und schon ist er mit der wertvollen Weisung »Be a good boy.« ins verantwor&shy;tungsvolle Leben entlassen. Es steht zu vermuten, dass dieses Leben weniger von frommen Dogmen gepr&#228;gt sein wird als noch das seines Vaters, wenn schon der mit dem Glauben hadert und nur noch die Tradition lebt, nicht die &#220;berzeugung. Religion kann die Lebensfragen der Menschen nicht mehr beantworten. Der ›Summer of Love‹, der in San Francisco ausgebrochen ist, hat selbst das Hinterland des Mittleren Westens erreicht, die Kinder entdecken nun erst mal sich selbst, sind mit Haarewaschen, Musik und Drogen besch&#228;ftigt.</p>
<p>Seltsam deplatziert wirken diese Moden in der aseptischen Bungalow&shy;siedlung mit ihren langweilig sauberen Rasenparzellen (»Property line&#8217;s the poplar.«), die offenkundig jenem j&#252;disch gepr&#228;gten Vorort von Minneapolis nachempfunden ist, in dem Joel und Ethan aufge&shy;wachsen und zur Schule gegangen sind. Tats&#228;chlich hei&#223;en einige von Dannys Schulfreunden wie ihre damaligen Kameraden. Und Anwalt Ronald Meshbesher, dessen Namen sich die Coens nicht besser h&#228;tten ausdenken k&#246;nnen, praktiziert tats&#228;chlich in Minneapolis.</p>
<p>Derlei Reminiszenzen best&#228;tigen, was die Ausstrahlung des Films nahelegt: »A Serious Man« ist der bislang pers&#246;nlichste Film der Coens, und es ist bei aller Ironie auch der warmherzigste. Der Film hat Larry Gopnik gern, selbst wenn er ihm &#252;bel mitspielt. Und seine Welt hat Ecken und Winkel, in denen Joel und Ethan ihre Launen ausleben k&#246;nnen: Da fahren Kameras durch H&#246;rkan&#228;le, setzen unangek&#252;ndigte Traumsequenzen neckische Akzente, da werden Personen in ein eher unvorteilhaftes Licht gesetzt (Onkel Arthur beim Baden, bu&#228;h) und nicht eben behagliche Details in den Vordergrund ger&#252;ckt (sein Schleimabsaugger&#228;t).</p>
<p>Etliche Bonbons finden sich auf der Tonspur: vom Rascheln des Perlenvorhangs von Mrs. Samsky bis zu dem Tinggg-Ger&#228;usch, das der Kiddush-Becher macht, den Danny Rabbi Nachtner eher entrei&#223;t als dass er ihn ihm gibt. Ferner erforschen die Coens abermals den Klang von Namen (Dick Dutton, Solomon Schlutz), experimentieren mit idiomatischer Phonetik (»Mere surmise, Sir.«) und merkw&#252;rdigen Stimmen (der &#252;berraschende Bass von Marshaks Sekret&#228;rin, Sy Ablemans einlullende Schmalzstimme).</p>
<p>Joel und Ethan geben sich auch kryptisch: Dem Film als Prolog vorangestellt ist eine unheimliche Episode aus einem osteurop&#228;ischen Schtetl des 19. Jahrhunderts, aus einer Zeit also, in dem der Glaube bzw. der Aberglaube noch uneingeschr&#228;nkten Einfluss auf das Leben der Menschen hatte. Die kleine Geschichte ist nicht traditionell, ist von den Coens ausgedacht und setzt den Ton, aber ihre Beziehung zum Rest des Films bleibt unklar. &#196;hnlich mysteri&#246;s ist Onkel Arthurs Lebenswerk, der Mentaculus, ein wahnwitziges B&#252;chlein voller numerischer Kritzeleien, die vielleicht gleicherma&#223;en an die j&#252;dische Kabbala und Larrys konfuse Tafelbilder erinnern sollen.</p>
<p>Fragezeichen umw&#246;lken auch den omin&#246;sen Schluss des Films. Larry l&#228;sst sich dazu hinrei&#223;en, im Falle des renitenten Studenten seine Prinzipien ein wenig zu lockern, die monet&#228;re Notlage zwingt ihn dazu. Seine akademische Integrit&#228;t angekratzt, erh&#228;lt er prompt eine zutiefst beunruhigende Nachricht von seinem Arzt, w&#228;hrend drau&#223;en ein herannahender Tornado den Himmel verdunkelt. Sollte alles ein tragisches Ende finden, bevor die dr&#228;ngende Frage gekl&#228;rt ist, warum guten Menschen B&#246;ses zust&#246;&#223;t? Der Film zumindest findet sein Ende. Schwarzblende, und aus.</p>
<p>Was machen wir daraus? Erh&#228;lt Larry die g&#246;ttliche Quittung f&#252;r sein Zweifeln, und mit ihm die gesamte Gemeinde? Oder gibt es halt manchmal Tornados in der Gegend? Als Fingerzeig mag gelten, dass im April 1967 tats&#228;chlich eine Serie von Wirbelsturmen das s&#252;dliche Minnesota heimsuchte; deute man das, wie man will &#8230; Bibelfeste Kritiker jedenfalls vers&#228;umten nicht zu erw&#228;hnen, dass Larrys ungl&#252;ckliche Geschichte ganz offensichtlich dem Buch Hiob nachempfunden sei (vernachl&#228;ssigend, dass Larry weder zu Gott h&#228;lt noch schlussendlich reich belohnt wird). Andere bem&#252;hen wieder die alte Leier vom j&#252;dischen Selbsthass und beklagen, der Film w&#228;re von nichts als j&#252;dischen Karikaturen bev&#246;lkert.</p>
<p>Dabei ist das Casting nur der charaktervollsten Physiognomien, nur der ausdrucksst&#228;rksten Gestalten die halbe Miete jedes Coen-Films – in diesem Fall in wohltuender Abwesenheit von Stars und Sternchen, stattdessen unter Mithilfe vieler ortsans&#228;ssiger Laien. Warum genau Arlen Finkle zum mausgesichtigen Pharis&#228;er ger&#228;t, der Schuldirektor zum ohrbehaarten Runzelgreis und seine Sekret&#228;rin zur m&#228;chtigen Matrone im Bl&#252;mchenkleid – die Wege der Coens sind unergr&#252;ndlich.</p>
<p>Larry Gopnik nun (anr&#252;hrend und komisch zugleich: Michael Stuhlbarg) ist einer der wenigen Charaktere im Coenversum, die ihr Dasein in einem gr&#246;&#223;eren Zusammenhang zu fassen versuchen. &#220;blicherweise reflektierten Coen-Figuren die Absurdit&#228;t ihrer Situation nicht (oft, weil ihre eigene Idiotie ihnen dabei im Wege stand). Ed Crane machte sich in <a href="/2010/02/11/the-man-who-wasnt-there/">»The Man Who Wasn&#8217;t There«</a> schon zaghaft Gedanken &#252;ber sein Leben, Sheriff Bells Weltschmerz in <a href="/2010/02/14/no-country-for-old-men/">»No Country for Old Men«</a> ist bereits das zentrale Thema des Films.</p>
<p>Larry katapultiert die Sinnfrage weit &#252;ber die Grenzen des Films hinaus, macht die Implikationen der Geschichte relevant f&#252;r alle, die vielleicht in &#228;hnlicher Weise mit dem Schicksal hadern. Ironisch und leichtf&#252;&#223;ig genug, um nicht zu vielen Zeitgenossen auf den Schlips zu treten, laviert sich der Film durch Themen, die im Coen-Kino durchaus kein Standard sind. Nie stand es in dem Ruf, selbstreflexiv und fast gr&#252;blerisch dem Sinn des Lebens auf der Spur zu sein, sich keck mit Weltanschauungen anzulegen oder &#252;berhaupt nur gegen den kulturellen Strich zu b&#252;rsten. Wom&#246;glich sind Joel und Ethan mit »A Serious Man« tats&#228;chlich erwachsen geworden? Masel tov!</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Die Liste von Sch&#252;lern, die Larry beim Wickel hat, verzeichnet als letzten Namen eine Mary Zophres. Die Frau ist die Kost&#252;mdesignerin des Films und, offenbar eine verl&#228;ssliche Kraft, auch der vorangegangenen acht Coen-Filme (f&#252;r den n&#228;chsten ist sie auch schon gebucht). Mary Zophres also verpasste Judith Gopnik die h&#228;sslichen Wollblusen, Sy Ableman die schreienden S&#252;dseehemden und Larry seine zu kurzen Hosen. Psychische Sch&#228;den trugen die Darsteller offenbar nicht davon, wie der Abspann verr&#228;t: »No Jews were harmed in the making of this motion picture.«<br />
&nbsp;</p>
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (13): Burn After Reading (2008)</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 06:53:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Osbourne Cox verliert seinen Job bei die CIA. Seine Frau Katie, die ihn mit Harry Pfarrer betr&#252;gt, spioniert seinen Rechner aus. Die CD mit den Daten ger&#228;t in die H&#228;nde von Linda Litzke, die sich damit Geld f&#252;r eine Operation erpres&#173;sen will und dazu die Hilfe ihrer Kollegen Ted und Chad einfordert. Als Harry auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/13_burn_after_reading.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="Burn After Reading (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Osbourne Cox verliert seinen Job bei die CIA. Seine Frau Katie, die ihn mit Harry Pfarrer betr&#252;gt, spioniert seinen Rechner aus. Die CD mit den Daten ger&#228;t in die H&#228;nde von Linda Litzke, die sich damit Geld f&#252;r eine Operation erpres&shy;sen will und dazu die Hilfe ihrer Kollegen Ted und Chad einfordert. Als Harry auf Chad trifft und Cox auf Ted, geraten die Dinge rasch au&#223;er Kontrolle &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Washington D.C. Keine urtypische Coen-Location, aber als Sitz der CIA eine sinnf&#228;llige Wahl. Der Horizont der Charaktere scheint von der Weltoffenheit der Hauptstadt allerdings unbeeindruckt.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> George Clooney (Harry), Richard Jenkins (Ted), Frances McDormand (Linda), J.K. Simmons (CIA Superior), Carter Burwell (Musik)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Osbourne Cox? I thought you might be worried &#8230; about the security &#8230; of your shit.« (beim Aus&#252;ben des korrekten Jargons offenbart Chad Feldheimer noch gewisse Unzul&#228;nglichkeiten)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Der Kalte Krieg, wieder aufgew&#228;rmt. Die alten Feindbilder stecken noch im Volk, mit der Loyalit&#228;t ist es aber nicht weit her. Was zu tun ist, haben Linda und Chad den alten Agentenfilmen abgekuckt; die Disk mit den mutma&#223;lich hochbrisanten Daten wird dem russischen Botschafter zugeschanzt (dessen Frage »Mac or PC?« ein typisches i-T&#252;pfelchen aus dem Hause Coen). Die weniger einf&#228;ltigen Beteiligten – Cox und der CIA – reagieren gleicherma&#223;en perplex: »The Russians &#8230;?!?«</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Man kann »Burn After Reading« f&#252;r eine eher harmlose, starbesetzte Kom&#246;die halten, die einen &#246;den Sonntagnachmittag zu retten imstande w&#228;re. Aber wenn der Film einen nach 96 Minuten relativ abrupt entl&#228;sst, bleibt man m&#246;glicherweise etwas irritiert zur&#252;ck. Gelohnt hat es sich schon irgendwie, aber anders als erwartet.</p>
<p>Der Film benimmt sich nicht wie eine Kom&#246;die, verbreitet keine richtige gute Laune, sein Kapital sind keine Lacher. Er erz&#228;hlt einfach nur diese abgefahrene Geschichte und nimmt dabei auf nichts R&#252;cksicht, was der Zuschauer vorhergesehen haben k&#246;nnte. Immer wenn er glaubt, ein vertrautes Muster zu erkennen, machen einem die Coens einen Strich durch die Rechnung.</p>
<p>Beispiel. In Kom&#246;dien gibt es oft &#220;berraschungen, die keine sind: Der Mann, der sich im Wandschrank versteckt, wird entdeckt werden, das ist klar. Was wir erleben, ist eine &#220;berraschung aus zweiter Hand, und die ist viel lustiger: Als Eingeweihte empfinden wir die Suspense vor der Entdeckung, k&#246;nnen uns mit Wonne in beide Parteien hineinver&shy;setzen. Was f&#252;r die Charaktere &#252;berraschend ist, ist f&#252;r uns komisch: Komisch ist die Situation, komisch sind die jeweiligen Reaktionen der Figuren. Und spannend ist die Frage, wann und auf welche Weise die Entdeckung stattfinden wird. Das Lachen kommt dann automatisch.</p>
<p>Die Coens inszenieren in »Burn After Reading« konsequent um derlei Standards drumrum; sie haben keinerlei Skrupel, das befreiende Lachen des Publikums mit dem brutalst m&#246;glichen Schockeffekt abzuw&#252;rgen. Um Fassung ringend, versucht der Zuschauer zu rekonstruieren, was er da eben gesehen hat: Die Folgen sind gar nicht abzusehen. Dieses perfide Man&#246;ver saugt auf einen Schlag alle Komik aus der Szene und etabliert f&#252;r den Zuschauer unversehens das, womit der, in seinem Tran, angesichts des gewohnten Szenenaufbaus partout nicht gerechnet hatte: eine &#220;berraschung!</p>
<p>Und so schl&#228;gt die Geschichte manch originelle Haken, treibt wunderbar verschrobene Bl&#252;ten. Wie schon <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">Jeff Lebowski</a> der denkbar unpassendste Mann war, einen Chandler-Fall zu l&#246;sen, sind die Figuren dieses Films nicht eben pr&#228;destiniert f&#252;r den Agentenalltag. Es sind allesamt Idioten, mit Verlaub, wenn auch mitunter nette. Jede Person h&#228;ngt dabei fest in einem unerf&#252;llten Leben: der Geheimdienstmitarbeiter, der gerade geschasst worden ist, die Fitnessstudio-Managerin, die sich ihre Sch&#246;nheits-OP nicht leisten kann, ihr Chef, der seine Liebe zu ihr nicht eingestehen kann, der Ehemann, der von der erfolgreichen Frau vernachl&#228;ssigt wird, der infantile Fitnesstrainer, der nicht einmal realisiert, dass sein Leben unerf&#252;llt ist.</p>
<p>Was passiert, wenn sich die kleinkarierten Motive dieser Jederm&#228;nner und -frauen im Umfeld von Geheimdienst, K&#246;rperkultur und Internet-Dating &#252;berlagern? Nichts Sinnvolles, und wie abstrus die Ereignisse von au&#223;en wirken m&#252;ssen, erfahren wir Eingeweihten, indem wir zwei Briefings des CIA-Chefs beiwohnen d&#252;rfen.</p>
<p>Das sind interessanterweise die lustigsten Szenen des Films; in ihnen kondensiert sich der Clou des Films. Aus dem Nichts heraus entsteht unter schlichten Gem&#252;tern, die zu viele Agentenfilme gesehen und zu ernst genommen haben, ein Plot um so brisantes wie de facto nicht existentes Material. Und die echten Agenten haben nicht den Schimmer einer Ahnung, was da vor ihren Augen abl&#228;uft. Fazit: F&#252;r eine Geschichte um Erpressung, Konspirationen, Intrigen und Spionage braucht es keine Agenten. Es braucht nur einen MacGuffin, alles weitere kommt von selbst.</p>
<p>Im letzten Briefing rafft der Film Ungezeigtes: Zwei der Hauptpersonen segnen das Zeitliche, Linda Litzke bekommt ihren sehnlichsten Wunsch erf&#252;llt, und bevor man noch fragen kann, was aus Clooneys Charakter geworden ist, geht die Kamera auf gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Distanz, macht uns klar, wie unwichtig diese kleine Geschichte war. Keine Konsequenzen.</p>
<p>Und das ist auch der Anspruch des Films. »Burn After Reading« ist ein kleiner und feiner Film, ein in sich geschlossenes Vergn&#252;gen, das sich durch eine Handvoll sonderbar irritierender Momente im Ged&#228;chtnis verhakt, aber sonst nicht lange nachwirkt. Eine Finger&#252;bung f&#252;r die Gebr&#252;der Coen, aber eine liebevolle. Das Drehbuch fiel w&#228;hrend der Scripting-Sessions f&#252;r <a href="/2010/02/14/no-country-for-old-men/">»No Country &#8230;«</a> mit ab, und die Wunschkandi&shy;daten, denen Joel und Ethan die Hauptrollen auf den Leib schneider&shy;ten, nahmen mit Kusshand an. Oft alte Bekannte: George Clooney nach <a href="/2010/02/10/o-brother-where-art-thou/">»O Brother &#8230;«</a> und <a href="/2010/02/12/intolerable-cruelty/">»Intolerable Cruelty«</a> bereits zum dritten Mal (als Abschluss dessen, was die Coens scherzhaft als ›trilogy of idiots‹ bezeichneten), Richard Jenkins ebenfalls zum dritten Mal, und Frances McDormand gar zum siebenten Mal (nicht hinderlich sicher die Tatsache, dass sie mit Joel Coen verheiratet ist).</p>
<p>Brad Pitt ist der Neue. Und hat offensichtlich einen Heidenspa&#223;, einen liebenswerten Kleingeist darzustellen, dessen extrem kurze Aufmerk&shy;samkeitsspanne seinen Ambitionen als Erpresser nicht eben zutr&#228;glich ist. Immer einen isotonischen Durstl&#246;scher im Anschlag, scheitert er zwar an jeder Herausforderung, gewinnt durch seine Arglosigkeit allerdings m&#252;helos das Herz des Zuschauers.</p>
<p>Wie gemein von den Coens, gerade ihm ein tragisches und gewaltsa&shy;mes Ende zu bereiten. Missbrauchen die Regisseure etwa die Bereit&shy;willigkeit des Publikums, sich ihnen f&#252;r 90 Minuten auszuliefern? Sind sie zynisch und herzlos? Als Gegenfrage sei erlaubt, seit wann die Unberechenbarkeit einer Geschichte kein zu begr&#252;&#223;ender Vorteil mehr w&#228;re. Die Spielz&#252;ge der Coens h&#228;ngen nicht im Korsett einer von Konventionen und moralischen Grunds&#228;tzen bestimmten Erz&#228;hltradi&shy;tion; die Geschicke ihrer Figuren scheinen eher von blindem Schicksal bestimmt, sie selbst setzen nur die Pr&#228;missen. So gewinnt selbst eine letztlich unerhebliche Geschichte wie »Burn After Reading« eine lebensechte, nat&#252;rliche Qualit&#228;t. Sie erscheint wie frische Kost im eint&#246;nigen Multiplex-Einerlei, sie ist ein s&#252;&#223;saurer Kornapfel zwischen Popcorn und Taco-Chips mit K&#228;se.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Nach beeindruckenden neun Filmen in Folge stand bei einem Coen-Film einmal nicht Roger Deakins hinter der Kamera. Gerade, als alle Darsteller Zeit hatten, war er nicht verf&#252;gbar, weil er sich f&#252;r »Revolutionary Road« verpflichtet hatte. F&#252;r den Schnitt aber zeichnet wieder einmal Roderick Jaynes verantwortlich, ein treuer Weggef&#228;hrte der Coens, so verl&#228;sslich und kompetent – wie nicht existent. Hinter dem Pseudonym verbergen sich Joel und Ethan selbst, und trotz Jaynes&#8217; Nichtexistenz wurde er zweimal f&#252;r den Oscar nominiert. Nur bei dreien ihrer Filme (<a href="/2010/02/04/raising-arizona/">»Raising Arizona«</a>, <a href="/2010/02/05/millers-crossing/">»Miller&#8217;s Crossing«</a>, <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a>) nahmen die Coens die Mithilfe anderer Cutter in Anspruch.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (12): No Country for Old Men (2007)</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 07:12:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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Llewelyn Moss, tapferer Texaner, stolpert in der W&#252;ste &#252;ber einen schiefgegangenen Drogendeal und rei&#223;t sich einen Koffer Geld unter den Nagel, worauf sich ein psychopathi&#173;scher Killer namens Anton Chigurh an seine Fersen heftet. Provinzsheriff Ed Tom Bell versucht sich einen Reim auf das Ganze zu machen, w&#228;hrend Carson Wells, der Chigurh kennt, versucht, das Schlimmste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/12_no_country_for_old_men.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="No Country for Old Men (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Llewelyn Moss, tapferer Texaner, stolpert in der W&#252;ste &#252;ber einen schiefgegangenen Drogendeal und rei&#223;t sich einen Koffer Geld unter den Nagel, worauf sich ein psychopathi&shy;scher Killer namens Anton Chigurh an seine Fersen heftet. Provinzsheriff Ed Tom Bell versucht sich einen Reim auf das Ganze zu machen, w&#228;hrend Carson Wells, der Chigurh kennt, versucht, das Schlimmste zu verhindern &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> West Texas, 1980. Zur&#252;ck im hitzeflimmernden <a href="/2010/02/03/blood-simple/">»Blood Simple.«</a>-Territorium, aber viel abgelegener, im Grenzland zu Mexiko.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Do you have any idea how crazy you are?« (Carson Wells&#8217; Beitrag zur Rubrik ›Ber&#252;hmte Letzte Worte‹)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Anton Chigurh verwickelt einen unbescholtenen Tankstelleninhaber in ein Gespr&#228;ch. Sowie Chigurh eine freundliche Phrase an sich abperlen l&#228;sst, verliert der Wortwechsel den Boden sozialer Konvention. Eine Irritation macht sich breit, die in Verwirrung und Angst umschwenkt, als Chigurh ihn zu einem M&#252;nzspiel n&#246;tigt. Der gute Mann hat der Autorit&#228;t Chigurhs rein gar nichts entgegenzu&shy;setzen, und es ist sein Gl&#252;ck, dass er nicht wei&#223;, dass er gerade um sein Leben spielt.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Zu sagen, mit »No Country for Old Men« h&#228;tten die Coens zu alter St&#228;rke zur&#252;ckgefunden, w&#228;re nicht besonders pr&#228;zise. Zwar zeigten sie sich tats&#228;chlich wieder stark, ja unglaublich stark, aber es waren neue St&#228;rken. Denn mit dieser Produktion betraten die Gebr&#252;der Coen in vielerlei Hinsicht Neuland.</p>
<p>»No Country &#8230;« ist die erste echte Literaturadaption der Coens (mit »True Grit« steht bald eine zweite ins Haus). Das Skript h&#228;lt sich sehr eng an Cormac McCarthys hartgesottenen Roman und wurde, abweichend von der gewohnten Arbeitsweise der Coens, nicht im Hinblick auf bestimmte Darsteller verfasst. Der Film ist bei weitem der brutalste und gewaltt&#228;tigste ihres Œuvres, es ist ihr wortkargster und auch, trotz einiger Spitzen schwarzen Humors, ihr d&#252;sterster. Es ist viel Bewegung und Dramatik in dem Film, nie waren die Coens n&#228;her an einem Actionthriller. Und nie war ihr Einsatz von Musik sparsamer; stattdessen herrscht eine Atmosph&#228;re atemloser, dr&#252;ckender Spannung.</p>
<p>Auf der Besetzungsliste finden sich untypischerweise keine alten Weggef&#228;hrten der Coens (mit Ausnahme von Stephen Root, der in <a href="/2010/02/13/the-ladykillers/">»The Ladykillers«</a> eine Chefpers&#246;nlichkeit spielte, wie hier auch). Unbedingte Authentizit&#228;t war das Gebot der Stunde, und so griffen andere Priorit&#228;ten. Die Region, West Texas, ist Teil der Charaktere; gerade f&#252;r die Figur des Sheriffs kam nur eine Handvoll Darsteller in Frage, die diese Verbundenheit glaubhaft darzustellen in der Lage sein w&#252;rden; ein Talent f&#252;r den Dialekt allein reichte da nicht.</p>
<p>Tommy Lee Jones wurde praktisch am Handlungsort geboren; sein Sheriff Ed Tom Bell ist eins mit dem Land, steht im Zentrum des Films. Er ist der Gute; seine kompetente, unersch&#252;tterliche, trockene Art erdet den Film, und in seiner Figur kristallisiert sich der melancholische Grundsentiment der Geschichte. Bells Eingangsmonolog und seine Gespr&#228;che mit Kollegen beklagen den Exodus alter Werte: Die Moderne fresse Texas auf, selbst das Verbrechen sei nicht mehr greifbar, es sei irrational geworden. Oder war es das schon immer?</p>
<p>Einmal erz&#228;hlt Sheriff Bell seinem jungen Kompagnon von dem Paar, das in Kalifornien Zimmer an &#228;ltere Menschen vermietet hatte, nur um sie umzubringen, im Hof zu verscharren und ihre Rentenschecks zu kassieren. Sie hatten ihre Opfer zun&#228;chst gefoltert. Warum, wisse er nicht: »Maybe the television set was broke.«</p>
<p>Es ist jene unfassliche, d&#228;monische Qualit&#228;t des Verbrechens, die Sheriff Bell mehr und mehr resignieren l&#228;sst, und es ist auch pr&#228;zise jene Qualit&#228;t, die im Film Anton Chigurh verk&#246;rpert, dessen absonderlicher Name ihn bereits als Fremdk&#246;rper kennzeichnet. Javier Bardem ist kein Texaner; sein Chigurh spricht ohne Akzent und Emotion, seine Kleidung ist auff&#228;llig unauff&#228;llig, sein Auftreten ausdruckslos, sein Schritt ohne Schwung. Seine seltsame Frisur indes entwickelt fast eine eigene, furchteinfl&#246;&#223;ende Pers&#246;nlichkeit.</p>
<p>Chigurh ist eine Maschine. Seine z&#228;he Determiniertheit, seine Wertelosigkeit unterscheidet ihn nicht von Spielbergs Wei&#223;em Hai, selbst seine Augen starren genauso leblos. Wenn er mit einem spricht, zeigt er keinen Sinn f&#252;r Humor, Ironie oder Smalltalk, sein L&#228;cheln strahlt keine Freundlichkeit aus, sondern Terror. Chigurhs Agenda ist dabei nicht unbedingt die des Sadisten; er findet keine Freude am Leid anderer. Das Verst&#246;rende an seinem Handeln ist, dass es bei allem Wahnsinn erschreckend rational organisiert ist.</p>
<p>Rhetorik l&#228;sst den Mann unbeeindruckt, es gibt keine Diskussion. Er steht unbeirrbar zu seinen Prinzipien, keine irdischen Werte w&#252;rden ihn je umstimmen (»I won&#8217;t tell you you can save yourself, because you can&#8217;t.«). B&#246;se ist das lediglich aus der Perspektive eines Moralisten, n&#252;chtern betrachtet ist es nur konsequent, er handelt ohne Ansehen der Person. Kommt diese mit dem Leben davon, ist das nicht Gnade, sondern Zufall. Anton Chigurh ist das Schicksal pers&#246;nlich.</p>
<p>Er ist das &#220;bel, dem wir nicht entrinnen k&#246;nnen. Er verk&#246;rpert die nackte Barbarei, die bleibt, sobald alle Moral wegbricht, er stellt die Regression des Menschen in ein Stadium ohne Empathieverm&#246;gen dar, und mithin das Extrem der Entwicklung, der Bells Generation ohnm&#228;chtig gegen&#252;bersteht. Ihr Lamento reflektiert die Hilflosigkeit des Menschen gegen&#252;ber seiner eigenen dunklen Seite.</p>
<p>Zwischen den Polen, die Bell und Chigurh darstellen, schwankt Llewelyn Moss (Josh Brolin), ein abgebr&#252;hter Vietnam-Veteran, der sich und seiner Frau ein besseres Leben w&#252;nscht. Wieso also nicht etwas Drogengeld beiseite schaffen? Moss bewegt sich gerissen wie ein Coyote, verschmilzt mit seiner Umgebung, sichert sich die Beute. Welch Ironie, dass es gerade ein Impuls der Empathie und des Mitleids ist, der ihn in Teufels K&#252;che bringt.</p>
<p>Nichts ist frappierender an der Dramaturgie des Films als die Tatsache, dass die Konfrontation der drei Hauptfiguren, auf die der Plot zuzusteuern scheint, niemals stattfindet. Chigurh sp&#252;rt Moss zwar auf, doch dessen Instinkte retten ihn jedes Mal um Haaresbreite. Als sich die beiden einander f&#252;r Sekunden auf Sichtweite n&#228;hern, verletzten sie sich in einem haarstr&#228;ubenden Schusswechsel so stark, dass sie f&#252;r einige Zeit damit besch&#228;ftigt sind, ihre Wunden zu pflegen und schlicht und einfach zu &#252;berleben.</p>
<p>W&#228;hrenddessen versucht Sheriff Bell, die Spur von Moss aufzunehmen, um ihn vor seinen Verfolgern (auch eine Bande von Mexikanern ist hinter Moss her) in Sicherheit zu bringen. Als er ihn endlich findet, sind es gerade ein oder zwei Minuten, die er – und wir – zu sp&#228;t kommen. Llewelyn Moss ist tot.</p>
<p>Die Coens beweisen Hitchcock&#8217;sche Chuzpe, die Identifikationsfigur des Publikums lange vor Ende des Films dahinzuraffen, doch nicht etwa in der dramatischsten Szene des Films, sondern in &#252;berhaupt keiner Szene. Ihr Skript kennt keine Konvention. Unerbittlich schreitet es voran, erkl&#228;rt nicht viel auf seinem Weg, springt unvermittelt von Ort zu Ort, wechselt in die Subjektive oder montiert parallel, wenn es ihm passt.</p>
<p>&#220;ber weite Strecken f&#228;llt kein einziges Wort, die Kamera beobachtet die Charaktere, wie sie Ger&#228;tschaften basteln, sich Medikamente oder Kleidung beschaffen, die Beute verstecken, auf etwas warten, sich verarzten, Spuren deuten und verfolgen. Allein dieses rein filmische Erz&#228;hlen entwickelt eine immense Sogwirkung; wenn die &#220;berlappung der Handlungsstr&#228;nge dann dem Publikum Informationsvorteile verschafft, kennt die Spannung keine Grenzen.</p>
<p>Aber es ist keine Spannung von der Sorte, die Spa&#223; machen soll. Sie ist unbarmherzig, sie ist rau, und sie ist Teil der Geschichte. Der Film macht den Plot nicht dramatischer als er ist, sein Puls bleibt konstant, keine Musik peitscht die Handlung auf H&#246;hepunkte hin, keine Schnitt&shy;folgen beschleunigen die Wahrnehmung. Es sind allein Bilder, die den Zuschauer seine Armlehnen zerdr&#252;cken lassen. Das ist nacktes, hartes Kino.</p>
<p>Diese ›no-nonsense‹-Herangehensweise verbindet den Film mit dem Coen-Erstling <a href="/2010/02/03/blood-simple/">»Blood Simple.«</a>, ganz abgesehen vom &#228;hnlichen Schauplatz und dem launigen Eingangsmonolog. Und auch andere Dinge verraten letzten Endes die Coen&#8217;sche Urheberschaft. Die punktgenau ausgesuchten Nebencharaktere – die Motelbetreiber, die Farmer, die Hotelangestellten, die Grenzbeamten, die Tankstellen&shy;inhaber – verleihen den brillant aus der Vorlage kondensierten Wortwechseln eine skurrile, eindeutig texanisch-provinzielle Note, die nur einen Deut an der Karikatur vorbeischrammt.</p>
<p>Und dann sind da die vielen Details, die nur den Coens auffallen: die schwarzen Schlieren auf dem Linoleum, die die Abs&#228;tze des sich im Todeskampf windenden Deputys hinterlassen, die ›lebendige‹ Snackverpackung auf dem Tankstellentresen, die Reflexion von Chigurhs Silhouette in Moss&#8217; Fernsehger&#228;t, der Abdruck des Schloss&shy;zylinders an der Holzt&#228;felung. Oder Chigurhs Besorgnis um die Unversehrtheit seiner Alligatorstiefel; mit ihrer Hilfe verk&#252;rzen Joel und Ethan elegant die Szene um Carla Jeans Schicksal. Der Killer tritt aus dem Haus, pr&#252;ft seine Sohlen auf Blutspuren, und verschwindet. Das hat Stil und Gr&#246;&#223;e: Die Coens prahlen nicht verschwenderisch mit expliziten Gr&#228;ueln; der Schock einer Handvoll Einstellungen erh&#228;lt das Entsetzen aufrecht.</p>
<p>Chigurh wird den Film praktisch ungeschoren verlassen, seine Gegner entweder tot – oder pensioniert, wie Sheriff Bell. Dem geh&#246;ren auch die letzten Worte; er erz&#228;hlt seiner Frau von einem Traum, den er hatte; und selbst der verg&#246;nnt ihm keine Erleuchtung, keinen Trost, keine Rettung. Denn er wacht vorher auf, frustriert und hilflos wie zuvor: Er ist zu alt f&#252;r dieses Land. Abspann.</p>
<p>Einige Zuschauer waren gleicherma&#223;en frustriert. Der Film hatte die losen Enden nicht verkn&#252;pft, hatte die Thriller-Konventionen unter&shy;laufen, hatte die falschen Leute sterben lassen, hatte an der falschen Stelle geendet. Was ist das f&#252;r eine krude Moral? Und was war nun eigentlich mit dem Geld passiert?</p>
<p>Aber den Konventionen Gen&#252;ge tun hie&#223;e, den Sinn der Geschichte zunichte zu machen. Es ist dies das erste Mal, dass sich die Coen-Br&#252;der in den Dienst von so etwas wie einer Botschaft oder einer tieferen Einsicht stellen. Der Film, so packend, so authentisch und minuti&#246;s inszeniert er auch ist, dreht sich nicht nur um sich selbst. Er mag als ausgekochter, hakenschlagender Thriller funktionieren, doch weist er zwischen den Zeilen &#252;ber sich hinaus, sinniert &#252;ber das Entmenschlichte im Menschen.</p>
<p>Das ist in erster Linie seiner Vorlage geschuldet, doch ist die oft beschworene Kongenialit&#228;t nicht trivial. Nur zu leicht ist der feine Grat zwischen resignierendem Weltschmerz und zynischem Fatalismus &#252;berschritten. Joel und Ethan treffen genau den Ton, scheinen McCarthys grimmig-realistischer Weltsicht tief verbunden. Die menschliche Natur ziert eine dunkle Facette, und man kann sie nur akzeptieren; verstehen oder gar tilgen l&#228;sst sie sich nicht. Happy End? Nicht im Leben &#8230; und im Kino auch nicht.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Joel und Ethan Coen ziehen aus dem Stand mit Orson Welles und Warren Beatty gleich, was die Anzahl der Oscar-Nominierungen f&#252;r ein und denselben Film angeht. Von den vier Nominierungen – Bester Film, Bester Regisseur, Beste Adaption und Bester Schnitt – gewinnen sie drei, w&#228;hrend Welles (f&#252;r »Citizen Kane«) und Beatty (f&#252;r »Reds«) seinerzeit jeweils nur einen abgesahnt hatten.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (11): The Ladykillers (2004)</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 07:16:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Professor Goldthwaite Higginson Dorr mietet sich bei Witwe Munson ein, um von ihrem Keller aus mithilfe einer Bande kleinkrimineller Handlanger ein Casino anzuzapfen. Die Dame riecht den Braten und muss aus dem Weg geschafft werden. Leichter gesagt als getan &#8230;
Coen Country. Saucier, Mississippi. Gefilmt wurde jedoch in Natchez, weil da g&#252;nstigerweise der Mississippi durchflie&#223;t. Eine R&#252;ckkehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/11_the_ladykillers.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="The Ladykillers (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Professor Goldthwaite Higginson Dorr mietet sich bei Witwe Munson ein, um von ihrem Keller aus mithilfe einer Bande kleinkrimineller Handlanger ein Casino anzuzapfen. Die Dame riecht den Braten und muss aus dem Weg geschafft werden. Leichter gesagt als getan &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Saucier, Mississippi. Gefilmt wurde jedoch in Natchez, weil da g&#252;nstigerweise der Mississippi durchflie&#223;t. Eine R&#252;ckkehr ins <a href="/2010/02/10/o-brother-where-art-thou/">»O Brother«</a>-Land.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> J.K. Simmons (Garth Pancake), Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera) </p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Madam, we must have waffles! We must all have waffles forthwith!« (Professor Dorr bestellt Waffeln f&#252;r sich und seine Freunde)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Die M&#252;llbarkassen, die in einem fort eine riesige Halde mitten im Mississippi ansteuern und sich tr&#228;ge durch den Nebel schieben, sind ein netter Touch und nebenbei eine willkommene M&#246;glichkeit, l&#228;stige Leichen loszuwerden.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Wenn man von allen Coen-Filmen nur einen auslassen wollen w&#252;rde: Es m&#252;sste dieser sein.</p>
<p>Die Frage lautet: Warum? Warum ein Remake, und warum die Coens? Das Original, eine quirlige, launige, dunkelhumorige Groteske von 1955 mit dem unsterblichen Sir Alec Guiness und dem noch unsterblicheren Peter Sellers gilt als Klassiker und hat nie nach einem Remake verlangt. Feinste englische Exzentrik hatte in der milde satirischen Krimifarce ihre Erf&#252;llung gefunden, fertig.</p>
<p>Nat&#252;rlich hatten Millionen Amerikaner keine Ahnung davon, und Barry Sonnenfeld, einst Kameramann bei den ersten drei Coen-Filmen und mittlerweile eine sichere Bank als Regisseur von Big-Budget-Kom&#246;dien (»Addams Family«, »Men in Black«), plante eine Neuverfilmung. Die Coens erkl&#228;rten sich bereit, das Skript daf&#252;r zu liefern, und als Sonnenfeld sich dann doch von dem Projekt zur&#252;ckzog, sprangen die Coens kurzerhand auf den Regiestuhl. Bad move.</p>
<p>M&#246;glicherweise hatte die Coens es gereizt, ins S&#252;dstaaten-Ambiente zur&#252;ckzukehren, diesmal nicht den Bluegrass, sondern die Gospelmusik zu zelebrieren und ein Ensemble schr&#228;ger Figuren in Szene zu setzen. Die Schauwerte stimmen auch, und Tom Hanks, gegen seinen Typ besetzt, sammelt eine Handvoll Charme-Punkte. Aber unter der Fassade ist der Film geistesabwesend, gef&#252;hllos und gemein.</p>
<p>Das Fingerspitzengef&#252;hl der Coens: nahezu wie weggeblasen. Abgesehen davon, dass es keinen erkennbaren Anlass gibt, diese Geschichte ins Mississippi-Delta zu transportieren, entwerfen sie Figuren ohne Esprit, casten wild durch den Kr&#228;utergarten. Schlimmer noch: Ihre ethnischen Charaktere – sonst eine Spezialit&#228;t in jedem Coen-Film – wirken hier wie respektlose Abziehbilder. Sogar Mrs. Munson, die eine liebenswerte, t&#252;delige, gem&#252;tliche Mama h&#228;tte werden k&#246;nnen, erscheint als einf&#228;ltige Matrone.</p>
<p>Der Film schwankt nicht nur im Ton, er vergreift sich auch darin. Das unausgesetzte Fluchen des von Marlon Wayans gespielten (?) ›Hippety Hopp‹-T&#246;lpels vertr&#228;gt sich weder mit Professor Gorrs distinguiertem Duktus (»I scarcely contain my glee.«) noch mit Mrs. Munsons Bibelgebrabbel. Der Kontrast ist als komisch gedacht, wirkt aber angestrengt. Jedes ›fuck‹, und es hagelt 89 St&#252;ck davon, tr&#228;gt eine vulg&#228;re Unwucht in den Film, die ihn zumindest f&#252;r Familien g&#228;nzlich unkuckbar macht.</p>
<p>Gut, Familientauglichkeit soll kein Kriterium f&#252;r die Qualit&#228;t eines Films sein, schon gar nicht eines Films der Coens, zumal sich hier gegen Ende die Leichen h&#228;ufen. Aber wenn das Skript bereits zu Beginn ein H&#252;ndchen in einer WWI-Gasmaske j&#228;mmerlich ersticken l&#228;sst, just for the fun of it, muss man sich schon fragen, wo die Coens ihren Geschmack gelassen haben.</p>
<p>Zu allem &#220;berfluss wird der Figur, die der sonst wunderbare J.K. Simmons spielen muss, ein lautstarkes Verdauungsproblem angedichtet; sp&#228;testens hier merkt man, wie h&#228;nderingend der Film nach Pointen grabscht, und sich traurigerweise mit einigen billigen zufrieden gibt. Garth Pancake hei&#223;t der Mann &#252;berdies, ein nicht besonders gut ausgedachter Name, m&#246;chte man meinen. Dann erf&#228;hrt man, dass der tumbe Kraftmensch in der Truppe – eine Figur, mit der der Film so gut wie nichts anzufangen wei&#223; – den Namen Lump Hudson tr&#228;gt. Lump? Das ist nicht mal ein Name.</p>
<p>Nun ja. Fotografiert ist der Film jedenfalls makellos, die Musik kann man sich antun, manche Gags funktionieren sogar (Pancake demonstriert die Hammer-Resistenz seines Sprengstoffs), und mit Professor Gorr haben wir tats&#228;chlich eine Art Coen-Archetyp im Arsenal, einen blumigen Vielredner, der nicht wirklich etwas sagt und doch einiges auf dem Kerbholz hat. Allein, niemand im Film ist ihm ebenb&#252;rtig, was ein echter Jammer ist. Das Ensemble klickt nicht ineinander, und damit f&#228;llt der gesamte Film in sich zusammen. Er h&#228;tte vielleicht den Farelli Brothers zur Ehre gereicht, nicht aber den Coen Brothers.</p>
<p>Besiegelt schien ihr Schicksal. Eine der am konsistentesten Qualit&#228;t liefernden Karrieren Hollywoods hatte sich verzettelt, verhoben, verrannt. Es musste schon ein sehr, sehr, sehr guter Film folgen, um diese Scharte auszuwetzen.</p>
<p>Was prompt geschah.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Dies ist der erste Film im Coen-Œuvre, der in den Credits beide Namen, Joel und Ethan Coen, sowohl als Regisseure als auch als Produzenten verzeichnet. Diese Aufgaben teilen sich die Br&#252;der seit jeher, aus gewerkschaftlichen und rechtlichen Gr&#252;nden wurde aber immer Joel als Regisseur und Ethan als Produzent aufgef&#252;hrt. Seit 2004 gelten die Coens offiziell als ›Established Duo‹, womit die Trennung in den Credits nicht mehr vonn&#246;ten ist.<br />
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (10): Intolerable Cruelty (2003)</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 06:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Miles Massey, ein so wohlhabender wie erfolgreicher Scheidungsanwalt, sucht eine neue Herausforderung und findet sie in Form von Marilyn Rexroth, der faszinierenden Frau eines Klienten. Er besiegt sie vor Gericht, doch man trifft sich immer zweimal im Leben. Oder dreimal, oder viermal &#8230;
Coen Country. L.A., die Sph&#228;re der Reichen und Sch&#246;nen. Schon einmal besucht in »The [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/10_intolerable_cruelty.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="Intolerable Cruelty (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Miles Massey, ein so wohlhabender wie erfolgreicher Scheidungsanwalt, sucht eine neue Herausforderung und findet sie in Form von Marilyn Rexroth, der faszinierenden Frau eines Klienten. Er besiegt sie vor Gericht, doch man trifft sich immer zweimal im Leben. Oder dreimal, oder viermal &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> L.A., die Sph&#228;re der Reichen und Sch&#246;nen. Schon einmal besucht in <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»The Big Lebowski«</a>, doch diesmal ohne den Gegenpart des einfachen Volkes.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> George Clooney (Miles Massey), Billy Bob Thornton (Howard D. Doyle), Richard Jenkins (Freddy Bender), Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera) n Tolliver), Michael Badalucco (Frank), Billy Bob Thornton (Ed Crane), Richard Jenkins (Walter Abundas), Tony Shalhoub (Freddy Riedenschneider), Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »I guess something inside of me died when I realized that you&#8217;d hired a goon to kill me.« (Miles Massey gibt den Nachtragenden)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Vor Gericht. In den Zeugenstand wird gerufen: Heinz, the Baron Krauss von Nespy. Alles geht gut, bis der Mann zu reden anf&#228;ngt. Die Szene geh&#246;rt zum laughing-out-loud-lustigsten, das die Coens je auf Film gebannt haben.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Was war da los im Coen Camp? Die Brothers schickten sich an, zum ersten Mal eine Geschichte zu verfilmen, die nicht auf ihrem Mist gewachsen war. Auch das Drehbuch schrieben sie nicht allein, offenbar eine romantische Kom&#246;die wie Hollywood sie am Flie&#223;band produziert. »Intolerable Cruelty« machte den Anschein eines richtigen Rendezvous mit dem Mainstream. Ist der Film dennoch ein echter Coen geworden? Und wenn nicht, ist es wenigstens ein guter Film?</p>
<p>Die Gelehrten streiten sich. Kritikerpapst Ebert <a href="http://rogerebert.suntimes.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/20031010/REVIEWS/310100303/1023">sieht</a> den angeblichen Anspruch des Films, eine gute alte Screwball Comedy zu sein, nicht eingel&#246;st und bejammert ein Zuviel an Ironie, ein Zuwenig an Gef&#252;hl. Damon Wise (Empire) wiederum <a href="http://www.empireonline.com/reviews/ReviewComplete.asp?FID=9453">geht das Herz auf</a> angesichts dieses (seiner Ansicht nach) z&#252;nftigen Coen-Cocktails und gibt die H&#246;chstwertung.</p>
<p>Abgesehen davon, dass es keine Wahrheit gibt: Sie liegt in der Mitte. Der Film ist weder eine astreine Screwball Comedy noch ein waschechter Coen, sondern eine kuriose Mischung, die zun&#228;chst beide Erwartungen entt&#228;uschen muss. So schnitt der Film bei Kritikern, vor allem aber bei Fans nicht sonderlich gut ab; viele nahmen den Coens die offensichtliche Anbiederung an den sogenannten Massengeschmack richtiggehend &#252;bel.</p>
<p>Weniger kategorische Zeitgenossen, so liest man in den Foren, haben inzwischen allerdings eingestanden, dass der Film so schlecht gar nicht w&#228;re, und vor allem, dass es einer jener Filme zu sein scheint, die mit jedem wiederholten Ansehen gewinnen. Die knackigen Dialoge sind von zeitlosem Esprit, das Schauspiel schlicht makellos, und dazwischen sch&#228;len sich doch etliche subversive Elemente heraus, die »Intolerable Cruelty« angenehm vom seichten Rom-Com-Einerlei abheben.</p>
<p>Wie der Film die Unbilden des kalifornischen Scheidungsrechts anpackt, mit mythischen, unknackbaren Ehevertr&#228;gen spielt und Heiratsschwindel zur Kunstform erhebt, das demonstriert durchaus satirische Treffsicherheit. Bisweilen l&#228;sst sich auch die d&#252;stere, herrlich &#252;berspitzte &#196;sthetik blicken, die seinerzeit <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a> veredelt hatte: Die Darstellung des auf dem letzten Loch pfeifenden Kanzleichefs ist eine einzige, respektlose Karikatur.</p>
<p>Freilich windet sich manch gestandener Coen-Enthusiast, wenn Massey dann mit einem flammenden Pl&#228;doyer f&#252;r die Liebe eine allzu schablonige Charakterwandlung durchmacht, freut sich aber gleich in der Szene darauf, dass der Star-Advokat unversehens wieder der Gelackmeierte ist und der Schlagabtausch der Geschlechter in die n&#228;chste Runde hastet.</p>
<p>Mit dem Auftritt eines tumben, derangierten Killers werden die &#252;blichen Muster der ›Romantic Comedy‹ endg&#252;ltig unterlaufen, und jener Mann findet auf so schockierend lustige Weise sein Ende, dass die Coen&#8217;sche Vaterschaft dieser Figur kaum mehr geleugnet werden kann.</p>
<p>Gro&#223;es Kapital schl&#228;gt der Film aus George Clooneys k&#246;stlicher Vorstellung. Eine Miene wie seine, die auch ohne Mimik stark an Ausdruck ist, erreicht durch das kleinste Zwinkern, R&#252;mpfen oder Zucken eine gro&#223;e Wirkung, und Clooney bedient seine Gesichtsmuskulatur mit punktgenauem kom&#246;diantischen Gesp&#252;r.</p>
<p>&#196;hnlich wie sein Charakter in <a href="/2010/02/10/o-brother-where-art-thou/">»O Brother, Where Art Thou?«</a> obsessiv um seine Haarpracht besorgt war, achtet Miles Massey auf seine makellose Zahnlandschaft. Schnell noch die Bei&#223;erchen im Silberl&#246;ffel kontrollieren, bevor das Date aufkreuzt! Allein dieser kleine Tick haucht dem eigentlich abgebr&#252;hten Anwalt m&#252;helos Leben ein, und es ist dies ein typischer Coen-Kniff (Clooneys Rolle in <a href="/2010/02/15/burn-after-reading/">»Burn After Reading«</a> wird sich sehr f&#252;r K&#246;rperert&#252;chtigung und Fu&#223;bodenbel&#228;ge interessieren).</p>
<p>Clooneys charmante Pr&#228;senz wird gerne mit der eines Cary Grant oder eines Clark Gable verglichen, und das ist nicht weit hergeholt. Auch die Chemie mit der bezaubernden Catherine Zeta-Jones l&#228;sst das Prickeln der Klassiker mit Hepburn &#038; Co. wieder aufleben. Wie sagt man? Es knistert. Beim Knistern aber lassen es die Coens bewenden, der Film wagt sich nicht in die Gefilde herzerf&#252;llten Liebestaumels.</p>
<p>Das rief jene Kritiker auf den Plan, die den Coens seit <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a> vorhalten, eine gem&#252;tsarme (manche sagen: zynische) Distanz zu ihren Charakteren zu kultivieren, die es dem Publikum erschweren w&#252;rde, sich f&#252;r diese zu erw&#228;rmen. Tats&#228;chlich bleiben die romantischen Wellenl&#228;ngen in »Intolerable Cruelty« zugunsten ausgedehnten Umeinanderherumt&#228;nzelns relativ kurz. Die W&#228;rme, die Screwball-Klassiker von Lubitsch, Hawks oder Wilder trotz aller Hektik erf&#252;llt, weicht bei den Coens oft genug einer ironischen Grundstimmung.</p>
<p>Das mag der intellektuellen, penibel planhaften Herangehensweise der Coens geschuldet sein und eine serienm&#228;&#223;ige Unzul&#228;nglichkeit darstellen, die sie sich teilweise tats&#228;chlich vorwerfen lassen m&#252;ssen. Allerdings steht die Coen&#8217;sche K&#252;hle einem Film wie <a href="/2010/02/11/the-man-who-wasnt-there/">»The Man Who Wasn&#8217;t There«</a> zum Beispiel gerade gut zu Gesicht, und auch im Fall von »Intolerable Cruelty« ist sie kein so gro&#223;er Makel. Im Gegenteil, sie rettet den Film vor der Schublade der Rom-Com-Strohfeuer. Er ist so smart wie seine Charaktere, und er kommt sehr gut ohne klebrigen Herzschmerz aus.</p>
<p>Das lie&#223; »Intolerable Cruelty« den Test der Zeit bestehen. Er gilt heute als inspirierter, blitzgescheiter Wildfang von Film, der nur deswegen dem Mainstream nahesteht, um damit Schabernack treiben zu k&#246;nnen.</p>
<p>Versetzt man sich aber f&#252;r einen Moment noch einmal in die heulende Fan-Meute von damals, f&#252;r die allein das Happy End des Films, das sogar so etwas wie eine lebensbejahende Moral ausstrahlt (einem Konzept, das dem Coenversum bislang g&#228;nzlich fremd war), ein Zeichen f&#252;r den Ausverkauf der Coen-Brothers war, ist ihre Entt&#228;uschung durchaus nachzuvollziehen. Schlimmer konnte es gar nicht kommen.</p>
<p>Well, well. Wie man sich doch manchmal irren kann.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Der Schauspieler, der den Schauspieler spielt, der neben Billy Bob Thornton in der Arztserie auftaucht, kommt einem nicht von ungef&#228;hr bekannt vor. Das ist Bruce Campbell, seit Raimis »Evil Dead«-Trilogie ewiger B-Movie-Star und Mittelpunkt kultiger Verehrung (seiner markanten Kinnpartie wegen bisweilen ehrf&#252;rchtig ›His Chin-Ness‹ genannt). Sein Auftritt ist kein Einzelfall; man erlebt ihn auch als Reporter in <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a>, als Seifenopern-Darsteller in <a href="/2010/02/08/fargo/">»Fargo«</a> und als Tierschutzbeauftragten in <a href="/2010/02/13/the-ladykillers/">»The Ladykillers«</a>.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (9): The Man Who Wasn&#8217;t There (2001)</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 07:02:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ed Crane, seines Zeichens Friseur, erpresst den Liebhaber seiner Frau, um mit dem Geld ins Dry-Cleaning-Gesch&#228;ft einzusteigen. Der Plan scheint aufzugehen – doch dann wieder nicht. Jemand kommt zu Tode, dann noch einer. Eds Frau wird verhaftet. Ein Staranwalt wird verpflichtet, ein Privatdetektiv schn&#252;ffelt herum, es gibt eine Verhandlung. Ed scheint davonzukommen – doch dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/09_the_man_who_wasnt_there.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="The Man Who Wasn't There (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Ed Crane, seines Zeichens Friseur, erpresst den Liebhaber seiner Frau, um mit dem Geld ins Dry-Cleaning-Gesch&#228;ft einzusteigen. Der Plan scheint aufzugehen – doch dann wieder nicht. Jemand kommt zu Tode, dann noch einer. Eds Frau wird verhaftet. Ein Staranwalt wird verpflichtet, ein Privatdetektiv schn&#252;ffelt herum, es gibt eine Verhandlung. Ed scheint davonzukommen – doch dann wieder nicht &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Santa Rosa, eine kalifornische Kleinstadt Ende der 40er Jahre. Die Coens erweisen sich abermals als penible Replikateure anheimelnden Kleinstadt-Kolorits.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> Frances McDormand (Doris), John Polito (Creighton Tolliver), Michael Badalucco (Frank), Billy Bob Thornton (Ed Crane), Richard Jenkins (Walter Abundas), Tony Shalhoub (Freddy Riedenschneider), Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Me, I don&#8217;t talk much. I just cut the hair.« (Ed Crane charakterisiert sich selbst)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Das fliegende Auto. Selten nutzen die Coens die Zeitlupe, aber hier verleiht sie einem Verkehrsunfall eine surreale Note; eine der wenigen Einstellungen, die aus der visuellen Abgekl&#228;rtheit des Films ausbrechen.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Nach <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»Lebowski«</a> und <a href="/2010/02/10/o-brother-where-art-thou/">»O Brother«</a>, zwei turbulenten, gut gelaunten Stoffen, schalten die Coen Brothers zwei bis drei G&#228;nge zur&#252;ck. Ihr neuer Film erz&#228;hlt wieder nur – stilvoll und bed&#228;chtig – eine Geschichte. Keine Spielereien (na ja, wenige), keine Songsequenzen, keine witzigen Dialoge. Sogar die Farbe ist raus.</p>
<p>In schwarz-wei&#223; sieht Zigarettenqualm nun mal besser aus. Und geraucht wird viel; Rauchen scheint die Lieblingsbesch&#228;ftigung von Ed Crane zu sein, unserem Helden, einem lakonischen, harmlosen Jedermann, der ein Leben von der Stange lebt und in dessen unbewegliches Gesicht der Zuschauer so viel oder so wenig Emotionen hineindeuten mag wie er m&#246;chte. Selbst sein lapidarer Off-Kommentar verzieht keine Miene.</p>
<p>Billy Bob Thornton ist die perfekte Wahl f&#252;r diesen Part; sein unaufdringliches Charisma mach Ed Crane nicht zum Sympathietr&#228;ger per se, doch wohl zum magischen Fixpunkt unserer Aufmerksamkeit. Er selbst scheint an der Geschichte, die er erz&#228;hlt, seltsam unbeteiligt. Er urteilt nicht, er &#228;rgert sich nicht, er reagiert nicht. Nicht viel, zumindest. Die Dinge passieren einfach.</p>
<p>Und kommen anders, als er denkt. Ein ums andere Mal erf&#228;hrt die Geschichte unerwartete Wendungen, aber so signifikant sie auch sein m&#246;gen f&#252;r Ed Cranes merkw&#252;rdiges Schicksal, der Film macht an der Oberfl&#228;che nicht viel Aufhebens darum. &#220;berraschungen werden nicht als solche inszeniert, keine Choreografie sch&#228;lt den Humor aus einer Szene, keine B&#246;gen halten die Spannung. In knapp zwei Stunden &#252;berschreitet der Film nur punktweise seinen Ruhepuls.</p>
<p>Er erz&#228;hlt &#252;ber Bilder und Worte, &#252;ber Worte und Bilder, und man h&#228;ngt an seinen Lippen. Der stetige, unaufgeregte Fluss der Erz&#228;hlung entwickelt eine einlullende Qualit&#228;t. Beethovens Klaviersonaten umspielen makellose, plastische, atemberaubend sch&#246;ne Aufnahmen, bis ins Detail liebevoll-nostalgisch ausstaffiert und von einer dezenten Melancholie erf&#252;llt, der man sich nicht entziehen kann.</p>
<p>Deakins&#8217; Kamera beobachtet Thorntons unergr&#252;ndliche Miene ein paar Sekunden l&#228;nger als n&#246;tig, nimmt sich Zeit, fallende Haarb&#252;schel aufzufangen oder sich tr&#228;ge kringelnden Zigarettenqualm. So ger&#228;t der Film vielleicht eine halbe Stunde l&#228;nger als ein durchschnittlicher Film ben&#246;tigen w&#252;rde, eine Geschichte wie diese zu erz&#228;hlen. Das Wie erscheint tats&#228;chlich wichtiger als das Was, und das Wie l&#228;sst sich Zeit. Es ist diese halbe Stunde, die rastlosere Zeitgenossen verzweifeln l&#228;sst, aber es ist auch diese halbe Stunde, die den Film &#252;ber den Durchschnitt hebt.</p>
<p>Es ist die Zeit, die man l&#228;nger vor einem Gem&#228;lde verbringt als vor allen anderen. W&#228;ren die Coens Maler, dies w&#228;re eines ihrer sch&#246;nsten Bilder. Der Inhalt geht in seiner Form nicht nur vollends auf, die Form verleiht ihm erst Bedeutung. Eine Geschichte, die uns eigentlich nichts angeht, wird durch die Art ihrer Pr&#228;sentation pl&#246;tzlich interessant, nimmt uns mit bis zu ihrem Ende, welches uns in seiner bitters&#252;&#223;en Tragik dann doch mehr ber&#252;hrt als vermutet. Auf Ed Cranes letztem Gang streift sein Blick die Anwesenden; die Kamera f&#228;hrt pr&#252;fend &#252;ber ihre Haarans&#228;tze. Der Blick eines Friseurs.</p>
<p>Die Kunst der Coens ist es, bei allem Stilbewusstsein nicht manieristisch oder pr&#228;tenti&#246;s zu wirken. »The Man Who Wasn&#8217;t There« ist konsequent das Werk zweier Stilisten, seine Anmutung erweckt genau die Ehrfurcht, die man vor den Schwarz-Wei&#223;-Klassikern der 40er Jahre hat. Aber wir stehen nicht im Gebrauchtwarenladen; das Sortiment ist frisch, es ist Kino aus erster Hand. Die Coen Brothers machen nicht nur gutes Kino nach, sie machen gutes Kino. Und ihre Arbeit scheint angenehm unber&#252;hrt von kommerziellen Erw&#228;gungen oder sonst welchen Zugest&#228;ndnissen.</p>
<p>Die einzigen Konventionen, die sie nicht absch&#252;tteln k&#246;nnen, sind die eigenen. Selbst in diesem zur&#252;ckgenommenen Umfeld bekommt jeder Charakter ein paar schr&#228;ge Attribute aufs Auge gedr&#252;ckt, sei es ein seltsames Toupet (Tolliver), ein stechender Blick (Mrs. Brewster) oder ein hyperaktives Mundwerk (Frank). Und wenn im Verlauf der Geschichte Heisenbergs Unsch&#228;rferelation (»The more you look, the less you really know.«), existentialistische Poesie (»I was a ghost. I didn&#8217;t see anyone. No one saw me. I was the barber.«) und gar fliegende Untertassen relevant werden, sind wir f&#252;r Momente ganz und gar Gast auf dem Planeten Coen.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> »The Man Who Wasn&#8217;t There« kann man als Weiterf&#252;hrung einer Coen&#8217;schen Tradition sehen, n&#228;mlich der Reverenz an ber&#252;hmte amerikanische Kriminalautoren. So wie <a href="/2010/02/05/millers-crossing/">»Miller&#8217;s Crossing«</a> die Werke von Dashiell Hammett zum Vorbild hatte und <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»The Big Lebowski«</a> jene von Raymond Chandler, zieht »The Man Who Wasn&#8217;t There« stilistisch wie inhaltlich Inspiration aus den Stoffen von James M. Cain (»Double Indemnity«, »The Postman Always Rings Twice«).<br />
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (8): O Brother, Where Art Thou? (2000)</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 06:40:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Lebensk&#252;nstler Ulysses Everett McGill fl&#252;chtet mit zwei schlichteren Mitinsassen aus dem Knast, um einen Schatz zu bergen, welcher Gefahr l&#228;uft, &#252;berschwemmt zu werden. Ein Suchtrupp ist ihnen dicht auf den Fersen. Der Trip ger&#228;t zu einer Odyssee durch den Staat Mississippi, und was den Schatz angeht, war Everett auch nicht ganz ehrlich &#8230;
Coen Country. Mississippi zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/08_o_brother_where_art_thou.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="O Brother, Where Art Thou? (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Lebensk&#252;nstler Ulysses Everett McGill fl&#252;chtet mit zwei schlichteren Mitinsassen aus dem Knast, um einen Schatz zu bergen, welcher Gefahr l&#228;uft, &#252;berschwemmt zu werden. Ein Suchtrupp ist ihnen dicht auf den Fersen. Der Trip ger&#228;t zu einer Odyssee durch den Staat Mississippi, und was den Schatz angeht, war Everett auch nicht ganz ehrlich &#8230;</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Mississippi zu Zeiten der Depression. Die charakter&shy;vollen S&#252;dstaatler, die regionale Musik und die pittoresken, l&#228;ndlichen Szenerien mussten die Coens reizen.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> George Clooney (Ulysses Everett McGill), John Goodman (Big Dan Teague), Holly Hunter (Penny), John Turturro (Pete), Michael Badalucco (George Nelson), Charles Durning (Pappy O&#8217;Daniel), Roger Deakins (Kamera)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »Damn, we&#8217;re in a tight spot.« (Everett kriegt das Flattern)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Everett im Mom-and-Pop-Store; ein feines Beispiel des von den Coens kultivierten Subgenres des verkorksten Verkaufsgespr&#228;chs. Everett &#228;rgert sich erst &#252;ber die Auskunft des br&#228;sigen Ladenh&#252;ters, sein Autoersatzteil w&#228;re erst in zwei Wochen da, dann dar&#252;ber, dass das vorr&#228;tige Haarpflegeprodukt nicht seine Marke ist (»I don&#8217;t want Fop, goddamn it. I&#8217;m a Dapper Dan man!«) und dass seine Lieblingspomade ebenso lange br&#228;uchte wie das Ersatzteil (»Well, ain&#8217;t this place a geographical oddity. Two weeks from everywhere!«). Um sich dann, grummelnd zwar, mit einem Dutzend Haarnetzen zufrieden zu geben. Nur zu selten wird in einem Hollywood-Film die Sorge eines Mannes um sein Haupthaar thematisiert.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Um »O Brother, Where Art Thou?« zu verstehen, muss man Homers Odyssee nicht gelesen haben; nach eigenem Bekunden haben das die Coens auch nicht getan. Wir treffen zwar Ulysses und Penelope, einen Zyklopen und die Sirenen, aber der Film tr&#228;gt das gro&#223;e Vorbild nicht vor sich her, &#228;hnlich wie <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»The Big Lebowski«</a> die Ankl&#228;nge an Raymond Chandler allenfalls erahnen lie&#223;.</p>
<p>Homer stellt den Aufh&#228;nger, dann &#252;bernimmt der kontrollierte Wahnsinn der Gebr&#252;der Coen: »O Brother &#8230;« ger&#228;t zu einer Art Roadmovie-Musical oder Musical-Roadmovie, das zug&#228;nglicher und kurzweiliger ist als die meisten anderen Coen-Filme. Das ist liebevolles, letztlich harmloses, aber eben feinstes Kino, das direkt ins Blut geht und vor allen Dingen Joel und Ethan Gelegenheit gibt, ihren angeschr&#228;gten Obsessionen zu fr&#246;hnen.</p>
<p>Ungebrochen beispielsweise ihre Faszination f&#252;r Mundarten; der herrliche S&#252;dstaatenslang macht jede Synchronisation zum Verbrechen, zumal der Film einen Teil seines Witzes aus dem Gegensatz zwischen dem rural gepr&#228;gten Dialekt der einf&#228;ltigeren Charaktere (»We thought you was a toad!«) und dem sich distinguiert gebenden, kunstvollen Duktus der St&#228;dter zieht. »Thank you for the conversational hiatus. I generally refrain from speech during gustation«, parliert beispielsweise John Goodman in seiner Paraderolle als eloquenter Grobian, seit <a href="/2010/02/04/raising-arizona/">»Raising Arizona«</a>, <a href="/2010/02/06/barton-fink/">»Barton Fink«</a> und freilich <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»The Big Lebowski«</a> ein Coen-Standard. Hier als windiger, ein&#228;ugiger Bibelverk&#228;ufer, der der erste ist, den wir sp&#228;ter bei einem KKK-Aufmarsch identifizieren k&#246;nnen: Seine Kapuze hat nur ein Guckloch.</p>
<p>Diese bizarre Veranstaltung weckt in ihrer ausbaldowerten Choreografie Erinnerungen an die <a href="/2010/02/09/the-big-lebowski/">»Lebowski«</a>-Traumsequenzen, entwickelt aber eine zus&#228;tzliche, omin&#246;se Qualit&#228;t. Schlie&#223;lich ist hier ein Lynchmob im Begriff, einen Farbigen aufzukn&#252;pfen, und wenn der Hexenmeister den schauerlichen Grabesblues »O Death« anstimmt, w&#228;hrend Clooney und Kollegen auf die Szene stolpern, halten sich Beklemmung und Belustigung auf wunderbare Weise die Waage.</p>
<p>Wiedererkennungswert hat ebenfalls die Figur des geheimnisvollen, d&#228;monischen Widersachers, diesmal in Gestalt des auch nachts sonnenbebrillten Suchtrupp-Anf&#252;hrers Cooley. Seine Szenen haben immer mit Tod und Feuer zu tun, weswegen viele Coen-Kenner mutma&#223;en, er w&#228;re der Teufel, dem der junge Musiker, den McGill und Co. aufgabeln, seine Seele verkauft haben soll. Nur einer von vielen Querverweisen im Film.</p>
<p>Gegen Ende erhascht der Zuschauer einen Blick auf eine Kuh auf einem schwimmenden Dach – ein Bild, dass man so oft nicht zu Gesicht bekommt. Ebenso wird niemand, der den Film gesehen hat, jemals ›Dapper Dan‹-Haarpomade vergessen, und den Unterwasser-Tanz Dutzender ›Dapper Dan‹-D&#246;schen. Die Poesie der kleinen Dinge: wohl das liebste Steckenpferd von Joel und Ethan.</p>
<p>Einige Kritiker identifizierten stolz all diese Elemente als Coen-Manierismen und postulierten – nach acht Filmen wohl so etwas wie eine Masche witternd – dass »O Brother, Where Art Thou?« trotz der guten Zutaten nicht zu einem Ganzen f&#228;nde. Dieser Eindruck mag von der episodischen Struktur des Films herr&#252;hren; die liegt in der Natur der Geschichte. Besser beraten ist man, sich vom Einfallsreichtum der Inszenierung beeindrucken zu lassen, der allein f&#252;r zwei, drei Durchschnittsfilme gereicht h&#228;tte.</p>
<p>Auch verliert man sich leicht im romantischen Retro-Look des Films; tats&#228;chlich war dies der erste Hollywoodfilm, der komplett digital umgef&#228;rbt wurde. So kommt das ausnahmslos stilecht in Szene gesetzte S&#252;dstaatenkolorit erst richtig zur Geltung: urw&#252;chsige Sumpflandschaften, Chaingangs auf staubigen Stra&#223;en, mit spanischem Moos behangene Baumriesen, weite Baumwollfelder, feudale Villen mit S&#228;ulenverandas. Die &#196;ra der Great Depression dr&#252;ckt dem Film ihren Stempel auf: Wir werden Zeuge baptistischer Taufrituale, erleben populistischen Provinzwahlkampf, erhalten Einblick in eine 25-Watt-Radiostation. In dem Moment, als Everett und Co. dort in eine Dose singen, feiert der heimliche Hauptdarsteller des Films seinen Auftritt: die Musik.</p>
<p>Sie allein ist das Eintrittsgeld wert. Wer nicht wenigstens mit der Fu&#223;spitze wippt, wenn die Soggy Bottom Boys den Folk-Gassenhauer »I Am a Man of Constant Sorrow« zum Besten schmettern, der ist im falschen Film. Als mehr oder weniger out-of-fashion galten im Jahr 2000 jene alten Lieder des Bluegrass, die S&#252;dstaaten-Spirituals, die Balladen der Appalachian Music, die archaischen St&#252;cke des Delta Blues, die fr&#252;hen Hillbilly-Songs – bis »O Brother, Where Art Thou?« kam und dieser uramerikanischen Musik zu neuer Popularit&#228;t verhalf: Der von T-Bone Burnett produzierte Soundtrack verkaufte sich allein in den Staaten mehr als sieben Millionen Mal und gewann drei Grammys, unter anderem als ›Album of the Year‹.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Inspiration zum Konzept von »O Brother, Where Art Thou?« lieferte die Geschichte »A Dozen Tough Jobs« von Howard Waldrop, die die Pr&#252;fungen des Herkules in den S&#252;den der 20er Jahre verlegte. Seinen merkw&#252;rdigen Titel, wie <a href="/2010/02/06/barton-fink/#coen-culture">an anderer Stelle</a> bereits erw&#228;hnt, borgt sich der Film aus Preston Sturges&#8217; Klassiker »Sullivan&#8217;s Travels«, in dem ein Regisseur einen sozialrealistischen Film diesen Titels zu drehen sich anschickt, aber niemals fertigstellt.<br />
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		<title>25 Jahre Coen-Kino (7): The Big Lebowski (1998)</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 06:36:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>San Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coen-Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Filmakademie]]></category>

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Der Teppich von Jeffrey »The Dude« Lebowski nimmt Schaden, als er mit einem Million&#228;r gleichen Namens verwechselt wird. Bei dem Versuch, sich das gute St&#252;ck wiederzubeschaffen, ger&#228;t er prompt in eine bizarre Kidnapping-Geschichte und ben&#246;tigt die volle Unterst&#252;tzung seiner Bowling-Kumpels.
Coen Country. Das L.A. der fr&#252;hen 90er Jahre. Nicht wirklich eine typische Coen-Location, m&#246;chte man meinen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/07_the_big_lebowski.jpg" ALIGN="left" BORDER="0" HSPACE="6" VSPACE="4" ALT="The Big Lebowski (Icon)" />
<div style="margin-left:90px;"><i>Der Teppich von Jeffrey »The Dude« Lebowski nimmt Schaden, als er mit einem Million&#228;r gleichen Namens verwechselt wird. Bei dem Versuch, sich das gute St&#252;ck wiederzubeschaffen, ger&#228;t er prompt in eine bizarre Kidnapping-Geschichte und ben&#246;tigt die volle Unterst&#252;tzung seiner Bowling-Kumpels.</i></div>
<p><b>Coen Country.</b> Das L.A. der fr&#252;hen 90er Jahre. Nicht wirklich eine typische Coen-Location, m&#246;chte man meinen, aber die Tempel der kleinb&#252;rgerlichen Bowling-Subkultur und die Gefilde der Haute-Volée erinnern an <a href="/2010/02/06/barton-fink/">»Barton Finks«</a> mal schmuddelig-beengten, mal weitl&#228;ufig-hellen Schaupl&#228;tze. Und das war auch L.A.</p>
<p><b>Coen Kl&#252;ngel.</b> John Goodman (Walter Sobchak), Steve Buscemi (Donny), John Turturro (Jesus Quintana), Peter Stormare (Uli Kunkel alias Karl Hungus), John Polito (Da Fino), Carter Burwell (Musik), Roger Deakins (Kamera)</p>
<p><b>Coen Quote.</b> »You&#8217;re entering a world of pain.« (Walter l&#228;sst beim Bowlen nicht mit sich spa&#223;en)</p>
<p><b>Coen Gold.</b> Die Traumsequenzen. Die eine scheint direkt einer Choreografie von Tanzveteran Busby Berkeley entsprungen, die andere l&#228;sst &#252;ber L.A. Teppiche fliegen, und eine weitere beinhaltet die wohl einzige Kamerafahrt der Filmgeschichte aus dem Innern einer Bowlingkugel. Wom&#246;glich waren es diese Sequenzen, die den Film bei Psychedelia-Enthusiasten so beliebt machten.</p>
<p><b>Classic Coen?</b> Wer denkt bei »Lebowski« schon an Raymond Chandler? Niemand tut das, und doch liegt diesem durchgeknallten Film eine Story in seinem Geiste zugrunde. Und tats&#228;chlich, durch die Marihuana-Wolken hindurch erkennen wir einen Kriminalfall in aristokratischen Kreisen, wir haben auch perfide Gangster und jede Menge Verwicklungen. Und – wir haben einen Detektiv.</p>
<p>Nat&#252;rlich w&#228;ren die Coens nicht die Coens, wenn sie sich f&#252;r diesen Job nicht den unpassendsten, den am allerwenigsten daf&#252;r pr&#228;destinierten Zeitgenossen ausgesucht h&#228;tten: Jeff Lebowski, einen schlabberigen, schnodderigen Taugenichts in Bademantel und Flip-Flops, l&#228;ngst eine Ikone der Popul&#228;rkultur. Seinen Einstand gibt er im Supermarkt, an der Milchpackung nippend, mit einem Scheck &#252;ber 69 Cent bezahlend. Alles klar.</p>
<p>Kurz darauf f&#228;ngt der Film an, absonderliche Haken zu schlagen, und der Dude, so nennt ihn alle Welt, wurschtelt sich durch einen wunderbar &#252;berfrachteten Plot, der am Ende keinen interessiert, der im Grunde auch nicht wichtig ist (Wer hat bittesch&#246;n die Zusammenh&#228;nge in »The Big Sleep« verstanden? Nicht mal Chandler hat das, nach eigener Aussage &#8230;). Der Plot dient nur als Substrat, auf dem aberwitzige Situationen gedeihen, in denen sich unsere Helden bew&#228;hren m&#252;ssen.</p>
<p>Die Coens lassen diesbez&#252;glich s&#228;mtliche Bremskl&#246;tze sausen, nichts gebietet ihren Passionen Einhalt, das Skurril-O-Meter erreicht den Anschlag. Doch die Exzentrik artet nicht in Beliebigkeit aus. Sie vermittelt bei allem Geigel immer noch koh&#228;rente Klasse, sie h&#228;lt Kontakt zur den Charakteren und ihren Motiven. So kann man als Zuschauer eine Verbindung mit dem Film kn&#252;pfen. Und einen Film, dem die Leute sich tief verbunden f&#252;hlen, und der dabei einzigartig andersartig ist, nennt man Kult. »The Big Lebowski« ist ein Kultfilm geworden, aber ein richtiger, und niemand war &#252;berraschter dar&#252;ber als Joel und Ethan Coen. Bis heute finden in den Staaten j&#228;hrliche Lebowski-Festivals statt, selbst im weit entfernten Dresden gibt es eine Lebowski-Bar mit dem Film in Dauerscheife und White Russian satt.</p>
<p>Wie kann ein Film, in dem es um nichts geht, so vielen Menschen so viel bedeuten? Nun, Seinfeld war bekannterma&#223;en auch eine »show about nothing«; bei »Lebowski« treffen wir auf dasselbe Ph&#228;nomen: eine grundsympathische Sinnfreiheit. Wobei, nihilistisch ist der Film nicht, auch nicht fatalistisch. Seine Figuren haben immer noch Werte und Eigenschaften, die das Publikum wiedererkennt. Die Weltsicht des Films bringt gewisse, universale Saiten zum Schwingen.</p>
<p>Der Dude ist in seiner gut abgehangenen Art einfach unfasslich cool; im Lexikon m&#252;sste unter ›easy-going‹ ein Bild von ihm sein. Niemanden st&#246;rt es, dass diese Coolness nicht von einer intellektuellen oder psychologischen &#220;berlegenheit herr&#252;hrt, sondern von grenzenloser Ignoranz und Verantwortungslosigkeit. Sein Verh&#228;ltnis zu Walter, einem hitzk&#246;pfigen Kriegsveteran, gleicht dem eines streitbaren Ehepaares, und irgendwo ist es sehr ber&#252;hrend. Die Dinge werden bis an die Schmerzgrenze zerredet, Phrasen werden gedroschen, dass es eine Freude ist, und das Temperament Walters f&#252;hrt das sonst so gleichg&#252;ltige Wesen des Dudes ein ums andere Mal an den Siedepunkt. Aber irgendwie verstehen sich die beiden.</p>
<p>Die Diskussionen in der Bowlinghalle sind kolossal banal; hier wird in gro&#223;em Stil aneinander vorbeigeredet. Dann wieder erwecken Walters Kriegshintergrund und die Referenzen auf den gerade stattfindenden Golfkrieg den Eindruck, hier versteckten sich politische Doppelb&#246;den. Mitnichten. Aber die Spr&#252;che kommen uns bekannt vor. Sie klingen echt, die Leute reden so, vielleicht reden wir selbst sogar so. Und das ist so erschreckend wie am&#252;sant.</p>
<p>Wie derlei freidrehende Dialoge, solche farbigen Charaktere und das undurchdringliche Story-Konvolut entstanden sind, mag man sich gar nicht vorstellen; offenkundig wurden Joel und Ethan oft gefragt, was genau sie w&#228;hrend der Drehbuchsessions geraucht oder getrunken h&#228;tten. Doch wie es Art der Coens ist, wurde auch »The Big Lebowski« am Rei&#223;brett entworfen; die Parts von Steve Buscemi (Donny, dem es kaum verg&#246;nnt ist, einen Satz zu vollenden), John Goodman (Walter »Shut the fuck up Donny.« Sobchak) und John Turturro (Jesus Quintana, schmieriger Paradiesvogel) wurden beispielsweise extra f&#252;r diese Schauspieler geschrieben.</p>
<p>Das Skript aber entwickelt ein Eigenleben. Der Aberwitz der Situationen &#252;berlagert schnell ihren Zusammenhang; Logik und Stringenz treten konsequent zur&#252;ck hinter das Zelebrieren der fl&#252;chtigen, merkw&#252;rdigen Momente. Niemand wird je wissen, wie das Match von Dude &#038; Co. gegen die Mannschaft von Jesus Quintano ausgegangen ist. Ebenso wenig erf&#228;hrt der Film ›closure‹, indem der Dude am Ende mit seinem alten Teppich wiedervereint wird (ein Vorschlag des Produzenten, dem die Coens jedoch nicht folgten). Und der altgedienten Raspelstimme Sam Elliot (›The Stranger‹) konnten Joel und Ethan keine wirklich befriedigende Auskunft erteilen, als der fragte, was er in dem Film eigentlich soll.</p>
<p>Seine erdige Erz&#228;hlerinstanz hat die Story ebenso wenig im Griff wie wir, vermag aber zusammenzufassen, was wir f&#252;hlen: »It&#8217;s good knowin&#8217; he&#8217;s out there. The Dude. Takin&#8217; ’er easy for all us sinners.« Das Ende eines Films, dessen bunte und dunkle Elemente sich zu einem einnehmenden Ganzen zusammengef&#252;gt haben, wie durch ein Wunder s&#228;mtliche Klischees umschiffend, alles getaucht in wunderbare Bowling-Romantik, meisterhaft fotografiert von Roger Deakins (bereits sein vierter Film mit den Coens) und stilecht untermalt mit Feelgood-St&#252;cken von Kenny Rogers, CCR und den Gipsy Kings.</p>
<p>»The Big Lebowski« mag ein Film sein, in dem es um nicht viel geht, aber was w&#228;re das Kino der Neunziger ohne ihn? Er f&#252;llt seine eigene Nische, etabliert seine eigene &#196;sthetik, er hat keine Vorg&#228;nger, er hat keine Nachfolger. Heerscharen von Fans ist seine schr&#228;ge Attit&#252;de profund genug, sie hat etwas Anarchisches, gleichzeitig etwas Sorgloses. Aber wahrscheinlich m&#246;chten sie einfach nur sein wie der Dude – und wer m&#246;chte das nicht. Jemand, dessen einziges Problem sein kleiner Teppich ist. Denn der hat das Zimmer erst richtig gem&#252;tlich gemacht.</p>
<p><b>Coen Culture.</b> Steve Buscemi feiert hier seinen f&#252;nften (und vorerst letzten) Auftritt in einem Coen-Film, und wie Joel und Ethan im Making-of auff&#228;llt, haben sie ihn in jeder seiner Rollen sterben lassen (au&#223;er in den kleineren Parts in <a href="/2010/02/06/barton-fink/">»Barton Fink«</a> und <a href="/2010/02/07/the-hudsucker-proxy/">»The Hudsucker Proxy«</a>). Und nicht nur das: Seine &#220;berreste w&#252;rden kurioserweise mit jedem Film kleiner. In <a href="/2010/02/05/millers-crossing/">»Miller&#8217;s Crossing«</a> endet er als verunstaltete Leiche im Wald, in <a href="/2010/02/08/fargo/">»Fargo«</a> haben wir ein halbes Bein, in »Lebowski« nur noch Asche.<br />
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