Archiv des Themenkreises ›Consortium‹


Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (1/2010)

Paris, 1. Februar 2010, 07:01 | von Paco

In Island

  ∙ für Julien Louis Geoffroy ∙  

1. The Maulwurf has landed! Ausgabe 5, für das Feuilletonjahr 2009, ergänzt von einem Umbl-Interview bei DRadio Kultur: »Das Feuilleton lauert überall.« – 12. Januar 2010, mp3

2. Vor ein paar Jahren, im Café Cantona: Die Erfindung des Umblätterers.

3. Das neue Outfit der Literaturzeitschrift EDIT, aua! Dieses Apothekerblau, und die Frontpage sieht aus, als ob die eigentliche Frontpage mutwillig ausgerissen wurde. Was ist da passiert? WER IST DAFÜR VERANTWORTLICH!

4. Auch wenn Christian Kracht inzwischen von Guido Westerwelle bevorwortet wird, wogegen sich leider niemand wehren kann, und jetzt hab ich das Ende des Satzes vergessen. Jedenfalls, der gerade erschienene Band »Christian Kracht« ist voller primärer Sekundär­literatur und eine uneingeschränkte Empfehlung wert. Eckhard Schumacher in Bestform! Und die erste apokryphe Schrift zum Band ist bereits hier im Umblätterer erschienen: »Der Eisenbahner Christian Kracht«.

5. »Zum 80. Geburtstag von Rainald Goetz.«

6. Immer noch die germanistische Königsdisziplin: die Aufzählung aller Teilbände der »Römischen Octavia«.

7. Seit dem 25. November 2008 kündigen wir hier so regelmäßig wie großspurig die große Coen-Brothers-Retrospektive an, eine Werkmonografie über alle bisherigen 14 Coen-Filme. Seit über einem Jahr war sie »so gut wie« fertig, und jetzt musste noch »A Serious Man« laufen, und jetzt ist es dann angeblich soweit. Der reguläre Betrieb setzt aus, hier gibt es dann zwei Wochen lang In-depth-Film-Feuilleton von San Andreas.

8. »Lost«, die sechste Staffel, das Finale, ab dem 2. Februar auf ABC. Wir sind beim narrativen Showdown dabei, Folge für Folge, wie immer (our very own Episodenführer). Nach dem ganzen zusammenge­stückelten SciFi-Brei in den Staffeln 4 und vor allem 5 kann es eigentlich nur schlecht enden, hehe. Bisheriger dramatischer Tiefpunkt ist natürlich der Satz von Locke bzw. dessen Resurrection-Double: »I think this is the best mango I’ve ever eaten.« (Folge 5.07) Die Recaps starten hier dann irgendwann nach der Coen-Brothers-Werkschau.

9. Hehe.


Fünf Jahre Feuilleton-Meisterschaft:
Das beste Feuilleton aller Zeiten

Leipzig, 7. Januar 2010, 02:25 | von Paco

Am 12. Januar 2010 kürt Der Umblätterer zum fünften Mal die zehn besten Texte aus dem Feuilleton des vergangenen Jahres. Als Steilvorlage dafür hier ein kleiner Essay über den täglichen Zeitungskauf, über »Brechertexte« und die weltweit hervorragendste Publikationsbastion.

»Einmal alle Zeitungen, bitte.« Die FAZ, die SZ, die taz immer zuerst, später die NZZ, die FR und auch die »Welt«, montags den »Spiegel«, donnerstags die »Zeit«, freitags den »Freitag«, sonntags die FAS. In dieser sowieso unvollständigen Aufzählung fehlen auch nicht-deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften, die französischen, italienischen und spanischen Blätter mit ihren Sparfeuilletons, die »New York Times«, der »Guardian«, der »Spectator« usw. Es passiert einfach selten, dass wir darin etwas so Geschärftes, Getriebenes, Wahnwitziges wie in den deutschsprachigen Kulturressorts finden.

Dort gibt es ihn noch, diesen schwer zu beschreibenden Willen zum unbedingten Feuilletonismus. Hier wird für die drei Leser geschrieben, die auch noch die hinterletzte Anspielung verstehen und dann auch noch wohlfeil oder richtig schlimm finden.

Wenn man genau liest, stehen jeden Tag unfassbare Dinge im deutschen Feuilleton. Und seit dem Zeitungsjahr 2005 küren wir jährlich die zehn angeblich™ besten Texte aus der Kulturbericht­erstattungsszene. Ursprünglich erschien die Bestenliste im Online-Feuilleton satt.org, aus dem dann ein Feuilleton-Thinktank ausgegliedert wurde, das Consortium Feuilletonorum Insaniaeque. Dessen Hauptinteresse: die Zeitungen von gestern, vorgestern und vorvorgestern.

Der »Goldene Maulwurf«

The Golden MoleHier im Umblätterer schreiben wir – nicht hauptsäch­lich, nur nebenbei – über die Kandidaten für die Feuilleton-Top-10. Anfang Januar, nach der Durchsicht aller Silvesterausgaben letzter Hand, wird der Inhalt unseres jährlichen Feuilleton-Readers ein paar Tage lang intern diskutiert und danach veröffentlicht, am 12. Januar 2010 zum fünften Mal.

Dem besten Text des Feuilleton-Jahrgangs verleihen wir dann den »Goldenen Maulwurf«, auch wenn wir immer behaupten, dass die Top-10 nicht gerankt, sondern nur durchnummeriert ist. Dazu gibt es zehn Mini-Laudatios, zu denen im letzten Jahr unser Leser »heiner« bemerkte:

»Von mehreren Artikeln wird ausdrücklich und ohne entschlüsselbare Ironie behauptet, sie seien schlecht. Trotzdem stehen sie auf einer Bestenliste. Was soll das.«

Genau das ist es: Nur beim Lesen des Feuilletons regt man sich über seine Hassautoren auf, über den von der FAZ, die von der SZ und den vom »Spiegel«, und liest sie dann trotzdem jedes Mal wieder mit unbändiger Neugier. (Nebenbei: Nicht ohne Grund haben die Absoluten Beginner dem deutschen Feuilleton ihren Song »Fäule« gewidmet, hehe.) Das Feuilleton ist die schönste Intellektuellen-Soap, und man hat es nur wirklich verstanden, wenn der Name des Journalisten unter dem Text mindestens genauso wichtig ist wie das, was er oder sie geschrieben hat.

Luxus auf Zeitungspapier

Der »Goldene Maulwurf«, unsere Wühltiertrophäe, ist – sicher zum Vorteil aller Beteiligten – eine rein virtuelle. Und sie handelt nicht von rein journalistischen Glanzleistungen, von gewagten Reportagen oder Textergüssen aus Krisengebieten – dafür gibt es schon genügend Auszeichnungen. Es geht um den Zusammenhang zwischen Kulturjournalismus und einem darin stattfindenden stilistischen und epistemologischen Überhang, um die Feuilletontradition, für die immer die Goldenen Zwanziger herhalten müssen, Tucholsky und eine Handvoll anderer Flaneure und Theaterkritiker. Dabei ist das gegenwärtige Feuilleton, dieser Luxus auf immer noch vorwiegend Zeitungspapier, das beste Feuilleton aller Zeiten, immer noch und immer wieder.

Jeder Journalist muss täglich neu ein Problem lösen: einen Text abliefern und dabei so gut wie möglich aussehen. Dabei ist im Feuilleton wie in keinem anderen Ressort auch Platz für Neuansätze und Experimente, die, wenn sie gelungen sind, laut und nachhaltig in den Lesealltag hineinbrechen. Das passiert vielleicht nur einmal im Monat. Aber wenn es passiert, wenn es zwischen dutzenden anderen Texten, nach wochenlanger Durchsicht von lediglich Rezensionsfried­höfen und Jubiläumsartikeln, wenn man dann diesen einen Brechertext liest, feiert und wiederliest, dauernd andere damit nervt und dauernd von anderen damit genervt wird, wenn dieser Zeitungs- oder Zeitschriftentext, gedruckt irgendwo hinten links zwischen fünf anderen Artikeln, monatelang im Gedächtnis bleibt, dann heißt das was.

Die Preisträger 2005–2008

2005 war das ein Verriss des Kritikers Stephan Maus. Sein Gegenstand war ein unbedeutendes Buch von Augusten Burroughs. Der in der SZ veröffentlichte Verriss begann mit den Worten: »Hi, ich bin Stephan. Ich bin Kritiker.«

2006 war das ein Text des polnischen Journalisten Mariusz Szczygieł, den die Wiener »Presse« nachgedruckt hatte, ein Text, den sich in seiner Unheimlichkeit sonst nur Jorge Luis Borges hätte ausdenken können: die Beschreibung des Tagebuchs einer Krakauer Hausfrau, die über 57 Jahre hinweg emotionslos all ihre Tätigkeiten verzeichnet hat.

2007 ist Renate Meinhof für die »Seite Drei« der SZ eine hinreißende Reportage über einen 90-jährigen Wagnerianer gelungen, die sich einmal nicht mit der Erbfolgepolitik oder einer Premierenkritik beschäftigte, sondern mit dem letzten verbliebenen Rest von echtem Publikum.

Und 2008 hat Iris Radisch mit ihrer ungerechten, aber unübertroffen emphatischen Rezension von Jonathan Littells »Wohlgesinnten« den Text des Jahres verfasst. Ekkehard Knörer nannte ihn »den dämlich­sten Text des Jahres«, womit er zweifelsohne auch ein wenig Recht hat, und Alban Nikolai Herbst bemerkte: »Wenn Iris Radisch ein Buch mit Schaum vorm Mund verreißt, dann ist das immer ein unabweisbares Zeichen dafür, daß man es lesen muß.« Welcome to the German Feuilleton, der weltweit hervorragendsten Publikationsbastion! Noch neulich traf ich Karl-Heinz Ott in irgendeinem süddeutschen ICE, und nach ein paar anderen Themen kamen wir, en détail, auf diesen einen Artikel der »rasenden Radisch« zu sprechen, wie sie der erboste Klaus Theweleit genannt hat.

Das Feuilletonjahr 2009

Auch 2009 hatte das Feuilleton wieder einige sagenhafte Ideen. Die FAS druckte eine ganze Seite Frühneuhochdeutsch von Grimmels­hausen ab. Das SZ-Magazin hatte endlich mal die Eingebung, Maxim Biller und Henryk M. Broder gemeinsam zu interviewen. Und in irgendeiner FAZ vom Juni fand sich irgendwo mittendrin die rhetorische Frage des Jahres: »Was wäre eigentlich, wenn das Computerspiel eine sowohl ästhetische als auch soziale Zäsur markiert, die dem Einbruch der Zentralperspektive und damit einer neuen Zeit vergleichbar ist?« (Martin Burckhard)

Über das Jahr haben wir ständig Texte auf die Longlist gesetzt, – ach ja, danke für die vielen Hinweise per Mail (besonders die Peter-Richter-Gutfinder sind da sehr aktiv, hehe) – und davon sind dreißig Artikel übrig geblieben. Von zehn Texten werden wir bald behaupten, dass sie die besten des Jahres sind. Sie stehen dann vielleicht auch wieder mehr oder weniger plausibel für das Feuilletonjahr 2009, so wie unsere Listen für die Jahre davor.

Der »Goldene Maulwurf« könnte dem Namen nach auch ein Vereins­preis ambivalenter Schädlingsbekämpfer sein. Nächsten Dienstag, am 12. Januar, kommt er jedenfalls, nach einem Jahr besessenen Wühlens in einem Berg alter Zeitungen, wieder ans Licht.


Das Consortium tagt …

St. Moritz, 2. Januar 2010, 08:42 | von Paco

… da, wo es schön ist (Kommando Malojaschlange):

St. Moritz, Zarathustra auf Skiern

Im Hintergrund: Zarathustra auf Skiern. Und von oben scheint der Große Mittag ins Bild hinein. Die Ergebnisse der täglichen Après-Ski-Tagungen erscheinen dann hier ordnungsgemäß am 12. Januar.

Feuilletonistische Grüße,

Paco
–Consortium Feuilletonorum Insaniaeque–


Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (5/2009)

Paris, 29. November 2009, 10:10 | von Paco

Der Brocken im November – O Brocken em Novembro

1. Um|blät|te|rer, der; -s, - (Feuilleton-Thinktank).

2. Nur noch ein paar Wochen bis zum Goldenen Maulwurf – Best of Feuilleton 2009, die fünfte Ausgabe. (vorherige Jahrgänge: 2005, 2006, 2007, 2008)

3. Kunstbücher von Taschen sind wie Schuhe von Deichmann.

4. Я в восторге! Gestern in der FAZ in »Bilder und Zeiten« ein riesiger Artikel über Jünger, also die Renovierung seines Hauses und den damit verbundenen temporären Umzug seiner Hinterlassen­schaften nach Marbach. Dann noch Biller und Grandmaster Flash, da braucht man gar kein eigentliches Feuilleton mehr, deshalb haben sie das auch entsprechend mies belegt.

5. »Klassenkampf«, sagte Doppler. »Wäre ’ne schöne Überschrift. Wie Klassenkrampf. Vielleicht lohnte es sich schon deshalb, einen Artikel über ihn zu schreiben. Wegen der Überschrift.« (Karasek, Das Magazin, S. 358)

6. US-TV-Serien: Wie gesagt, der Hype ist vorbei (cf. Umbl und serienjunkies.de). Narratologisch steht jetzt eine Flaute an, zu sehen an all den unterirdischen bis höchstens semi-mediokren Serien-Neustarts der Saison, detailliert nachzuverfolgen im sablog. Wir machen hier nur noch Curb 7 zu Ende (ich weiß, wir sind etwas hinterher) und im nächsten Jahr Lost 6.

7. »Dienstag, zu Hause, ich tat, ich weiß nicht was.« (Pontormo, »Il Libro Mio«)

8. L’Umblätterer goes Reading Room. Nach dem zehnteiligen Rundown der »Wohlgesinnten« im letzten Jahr folgt nun eine vierzehnteilige Exegese des grandiosen Supermarkt-Romans »Vier Äpfel« von David Wagner, und zwar am Dienstag.

 
Weitere Vorworte des Herausgebers zum aktuellen Jahrgang

 
I (29. 1.)   —   II (20. 4.)   —   III (22. 5.)   —   IV (29. 9.)
 


Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (4/2009)

Paris, 29. September 2009, 10:19 | von Paco

Oh Meer, oh Meer des Nordens

1. Der Umblätterer – Pindarische Sprünge, Inc.

2. Drei Viertel des Jahres sind um, wir haben schon 30 sehr gute Feuilletonartikel auf der Longlist stehen, Anfang Januar wird dann wieder Der Goldene Maulwurf für das Jahr 2009 vergeben, hier. Die Gewinner der letzten Jahre: 2005 ∙ Stephan Maus – 2006 ∙ Mariusz Szczygieł – 2007 ∙ Renate Meinhof – 2008 ∙ Iris Radisch.

3. Anfang August: Mona Lisa bekommt Teetasse an den Kopf. Entgegen anders lautender Meldungen (»Kein Schaden!«) ging die Tasse dabei zu Bruch.

4. Die rhetorische Frage des Jahres: »Was wäre eigentlich, wenn das Computerspiel eine sowohl ästhetische als auch soziale Zäsur markiert, die dem Einbruch der Zentralperspektive und damit einer neuen Zeit vergleichbar ist?« (Martin Burckhard, FAZ, 4. 6. 2009)

5. Paul Drägers manischer Verriss von Raoul Schrotts Homer: 68 Seiten! Der Geist der Errata-Liste weht durchs Netz. Allein Fußnote 9 (»v. u. Z.«) ist der Hammer, hehe. Andere Lieblingsfußnoten: 11, 18, 46, 79, 92.

6. Es geht um eine junge Dame, die in keinem Zimmer schlafen will, in dem nicht das Bildnis ihres Verlobten hängt. Und dann schreibt Jean Paul das: »Auf der ganzen empfindsamen Reise hatte der Kubikinhalt der Braut in lauter Zimmern geschlafen, an denen der Flächeninhalt des Bräutigams wie eine Kreuzspinne die ganze Nacht herunterhing.«

7. Der bisher biografischste Satz eines Feuilletonisten in diesem Zeitungsjahr: »Doch wer je selbst mit Drogen sein Bewusstsein erleuchtet hat, weiß, (…)« (Matthias Heine im Zuge seiner Rezension des Ernst-Jünger-Abends von Martin Wuttke, way to go!)

8. Die Marquise ging um 16:53 Uhr, kehrte aber noch mal zurück, weil sie etwas vergessen hatte. Um 17 Uhr verließ sie dann erneut das Haus.

9. Aufsatz: »Ich bin!« oder Der Schrei nach Aufmerksamkeit. Über die Rolle(n) des Wissenschaftlers Tim Boson im Weblog des Alban Nikolai Herbst. (forthcoming 2010)

 
Weitere Vorworte des Herausgebers zum aktuellen Jahrgang

 
I (29. Januar)   —   II (20. April)   —   III (22. Mai)
 


Die besten zehn Jahrhunderte

Paris, 23. Juni 2009, 22:42 | von Paco

 
        1.   Das 16. Jahrhundert

        2.   Das 18. Jahrhundert

        3.   Das 4. Jahrhundert v. Chr.

        4.   Das 20. Jahrhundert

        5.   Das 1. Jahrhundert v. Chr.

        6.   Das 9. Jahrhundert

        7.   Das 13. Jahrhundert

        8.   Das 19. Jahrhundert

        9.   Das 5. Jahrhundert

        10.   Das 15. Jahrhundert
 


Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (3/2009)

Paris, 22. Mai 2009, 09:19 | von Paco

les pâquerettes dans le pré

1. Zulu–Romeo–Romeo! Nach dem ersten und zweiten hier nun das dritte Vorwort zum lfd. Feuilletonjahr.

2. Der Umblätterer – Feuilletonismus und Maulwurfsforschung.

3. Wie jedes Jahr am 23. Mai, dem Tag der Gründung der BRD, wird es morgen eine schöne Massakerminiatur von John Roxton geben.

4. Dialog, unfreiwillig mit angehört: »Und du?« – »Ich komm aus Göttingen.« – »Göttingen kenn ich, da studiert meine Mutter.«

5. Zehn Jahre Tristesse Royale (24.-26. April 1999). »Wäre das hier Cambridge und nicht Berlin, und wäre es jetzt der Herbst des Jahres 1914 und nicht der Frühling des Jahres 1999, wären wir die ersten, die sich freiwillig meldeten.« (S. 138)

6. Er schrie mich völlig ungehalten an: »Celan war WAHNSINNIG! Das dürfen Sie NIE VERGESSEN! WAHNSINNIG!«

7. Schon jetzt die größte Gurke des gesamten Jahres, allein wegen des unfreiwillig rekursiven Titels: »User-generated Nonsense«, der Telepolis-ähm-Aufsatz von einem Oliver Bendel. Bitte unbedingt in der überragend kommentierten Version von Andrea Diener lesen.

8. »Der Themenwechsel ist eine hohe Kunst und der Schlüssel zu fast allen anderen Künsten.« (César Aira, »Humboldts Schatten«)

9. Ein heißer Kandidat für den besten schlechten TextTM des Feuilletonjahres: Wolfgang Büscher war jetzt mal im St. Oberholz in Berlin-Mitte und hat in der »ZEIT« über seine Erfahrungen berichtet. So geil. (via 6 vor 9)

10. Wer sich über unsere megalomanischen »Lost«-Recaps beschwert: Diese TV-Serie ist einfach der größte erzählerische Wurf der letzten Jahre, daran kommt man nicht vorbei, wie sogar Marcel Gauchet neulich in Libé (28. April, S. 31) schrieb, über US-Serien allgemein, aber speziell auch über »Lost«: « J’y retrouve ce qui continue de m’enchanter dans les grands romans populaires français du XIXe siècle : l’art et les pouvoirs du récit, avec un sens plus poussé, souvent, de l’épaisseur des personnages. »

11. »Saving Private Ryan: Kriegsklamotte ohne Bud Spencer.« (aus einer Inhaltsangabe)

12. »Browserschwein!« Rief neulich ein bekannter Software-Entwickler, als sein Firefox abstürzte.


Dique — Das Interview

Paris, 18. Mai 2009, 12:00 | von Paco

Auf Wall of Time ist heute in der Reihe »Time traveler’s wisdom« ein großes Interview mit Le Dique erschienen, der hier beim Umblätterer vor allem für pindarische Sprünge und bisher nicht existierende Zusammenhänge zuständig ist. Hier zwei Auszüge aus dem Gespräch:

Zur Wirkungsgeschichte der Slayer-Platte »Reign in Blood«:

»Ich denke, wenn Stefan Zweig das noch erlebt hätte, hätte er bei Insel noch eine seiner Sternstunden der Menschheit dazu veröffentlicht.«

Zur Überwindung des Zeitlochs beim Zähneputzen:

»Ja, das Zähneputzen sollte man ja mindestens drei Minuten tun und je nach Schriftsatz kann man in dieser Zeit ungefähr ein bis zwei Buchseiten konsumieren. Ich brauche aber für die Dentalpflege etwas mehr Zeit, weil ich vor dem Bürsten noch die Zahnzwischenräume reinige, mittlerweile nicht mehr mit Zahnseide, dazu braucht man ja zwei Hände und kann kein Buch halten, sondern mit diesen kleinen borstigen Reinigungsstäbchen, und schaffe also in dieser Zeit einen längeren Artikel oder einige Buchseiten

Das Gespräch gibt es auch als entzückend schön gesetztes PDF-Handout.

Dique zur Einführung:

The Best Newsagent (05/2007)
Der beste Investment-Essay aller Zeiten (09/2007)
Die FAS und die Tauben (01/2008)
Der letzte »Economist« (09/2008)
Der Vagina-Katalog (01/2009)
Im Halbschlaf (02/2009)
Im Apsley House (03/2009)

Usw.


Vorwort zum laufenden Feuilletonjahr (2/2009)

London, 20. April 2009, 08:08 | von Paco

1. »Mehr Vorworte!« (Goethe) Nach dem von Ende Januar hier also Vorwort Nr. 2/2009.

2. Die Kommandoaktion des Jahres! Eine ganze Seite Grimmelshausen in der FAS. Morgen mehr an dieser Stelle.

3. »Ist doch schön hier: Kommst morgens rein, trinkst deinen Kaffee, blätterst in deinen zehn Zeitungen, schälst ein paar Kartoffeln.« (Charles Schumann im FAS-Interview, 29. 3.)

4. Demnächst: Teil 3 der Speed-Tour-Serie. Nach dem Prado und den Vatikanischen Museen nun der Louvre. Sébastien2000 (unser Speed Guide) hat mich gebeten, mit dem Bericht zu warten, bis er mit seiner letzten Louvre-Tour durch ist. Jetzt ist es soweit, Text folgt nächste Woche (oder später).

5. Zuschrift von Leser Franz: Er werde den Umblätterer nicht mehr lesen, wegen der ausufernden »Lost«-Reviews. Macht nichts, Leser Franz, und ich halte das für die genau richtige Konsequenz, schließlich bedienen wir hier nicht nach Wunsch.

6. Der beste 2009er Text der Blogosphäre so far: »Willy Reichert oder der letzte Grund« bei Wall of Time.

7. »Unsere Knie schienen uns nicht mehr zu tragen, wie das in Träumen manchmal passiert, wenn man von bärtigen Nachrich­tensprecherinnen verfolgt wird.« (Evelyn Waugh, »Befremdliche Völker, seltsame Sitten«)

8. »Gosford Park: Whodunnit mit alten Frauen.« (aus einer Inhaltsangabe)

9. End of Blog, nach 2 Jahren: tobias-schwartz.de – Ein Klassiker des Genres ›arbeitsbegleitendes Bloggen eines Kulturjournalisten‹. Immer herausragend und immer to the point.

10. Die große Coen-Brothers-Werkmonografie unseres very own San Andreas. Zum ersten Mal angekündigt Ende November 2008. Jetzt endlich bald richtig endgültig fertig. Demnächst hier.

Usw.


Der Umblätterer 2009:
Vorwort des Herausgebers

London, 29. Januar 2009, 21:40 | von Paco

Maulwurfshügel 2009

1. Nachdem Dique, Marcuccio und unser geheimnisvoller Neuzugang Niwoabyl hier in den letzten Tagen einen Text nach dem anderen rausgeschossen haben, …

2. Danke für die mannigfachen Nachfragen: San Andis groß angekündigte Werkmonografie der Coen-Brüder kommt – demnächst. Vorher aber die Kinoschau 2008, so wie letztes Jahr.

3. Nach der Ankunft unseres lorbeerumkränzten Goldenen Maulwurfs 2008 greifen nun die Tiermetaphern um sich: Der Perlentaucher macht sich nicht etwa im Ozean auf die Suche nach neuer Perlenbeute. Sondern »im Ententeich«.

4. »Und wann kommt eigentlich die erste Doktorarbeit Über den Autounfall im Werk von Christian Petzold?« (courtesy of Wall of Time)

5. »Lost« – Season 5. Sie hat vor einer Woche begonnen und wird von Dique und mir wie Staffel 4 erzähltheoretisch und kultur­historisch (mindestens, hehe!) verhandelt werden, der Recap zur Doppelfolge 5.01/5.02 kommt morgen. (»When am I?« – Locke)

6. Ansonsten sammeln wir hier weiter die besten und schlechtesten Feuilleton-Artikel des laufenden Jahres, und schon in knapp 11,5 Monaten wird das Consortium Feuilletonorum Insaniaeque den Goldenen Maulwurf 2009 vergeben.

7. Bereits nominiert ist zum Beispiel das herrliche Bloggespräch zwischen Chris/F!XMBR und Jakob Augstein über deaktiviertes JavaScript und die Zukunft des in einer Woche gerelaunchten »Freitag« (Teil 1, Teil 2).

Usw.