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US-Serien:
Schlechte Zeiten für Englisch

Buenos Aires, 20. Dezember 2014, 13:28 | von Paco

Wir sind ja alle Serienjunkies usw., aber nach dem Hype kommen jetzt auch langsam die Bedenklichkeiten. Zum Beispiel, was die Sprache angeht, die so in den Writers’ Rooms produziert wird. Wer nur ein paar Serien gesehen hat, der hat damit automatisch massenhaft Sätze gehört wie (frei aus dem Gedächtnis zitiert):

  • »You guys seen the game last night?«
  • »Just five minutes, I promise!«
  • »Is this some kind of joke to you?«
  • »Trust me, I know what I’m doing.«
  • »I love you, I really do, but …«
  • »I guess you’re gonna have to trust me on this.«
  • »You should go talk to her.«
  • »You know, we’re not so different, you and I.«
  • »If he wants a war, it is war he’ll get.«
  • »I got your back on this.«
  • »Call me.«
  • (Bei nächtlichem Anruf:) »You have any idea what time it is?«
  • »I’m not even gonna dignify this with an answer!«
  • »You know, we should have done that more often.«
  • »Come on, it’s the least I can do.«
  • »What is it with this guy!«
  • »What was that all about?«
  • »Look, we’re both under a lot of stress right now.«
  • »It’s a date!«
  • »What are we doing?«

Usw.! Das sind alles eben keine Catchphrases, sondern (mal mehr, mal weniger) Versatzstücke aus dem Baukasten des sogenannten Creative Writing. Die einfachstmöglichen Textabbilder von Plotpoints, Twists usw. Die These geht dann so: Je weniger eine Serie davon hat, desto besser ist sie. (Sofortiges Gegenbeispiel natürlich: »24« ist trotz oder wegen des ständigen Floskelarmaggedons so spitze.)

Zusammen mit @heylindahey und Katana habe ich (vor allem letztes Jahr) mal ein paar Sachen mitgeschrieben, es folgen also ein paar konkrete Beispiele, aus irgendwelchen Gründen vor allem aus der schlimmen letzten »Dexter«-Staffel. Das Ganze funktioniert aber ebenso mit fast allen anderen Serien. Grad zum Beispiel gesehen, »Supernatural« 10×06, könnte man eigentlich hier komplett mit reinstellen. Highlight: »Trust you?! We don’t even know you!«

Die Floskellisten sind auch in keiner Weise vollständig, sondern jeweils nur eine Auswahl aus der jeweiligen Folge:

Alphas 1×06

  • »It’s time to step up our game.«
  • »All right. My bad. (Just do your thing, okay?)«
  • »Thanks for the advice.«
  • »I’m full of surprises.«
  • »Don’t twist this around.«
  • »You have to account for what you’ve done.«
  • »You can count on it.«
  • »I got this.«

Arrow 1×09

  • »I’m gonna have to call you back.«
  • »Something just doesn’t add up.«
  • »Is that what you wanted to see me about?«
  • »You’re off this case, effective immediately!«
  • »Either way, we need to find him.«
  • »I’m sure there’s more where this came from.«
  • »Be careful, he’s very dangerous.«
  • »If you got a better idea, now would be a lovely time!«
  • »The doctor said you’re gonna be fine.«
  • »What does it matter now! What’s done, is done.«

Dexter 8×01

  • (Telefon klingelt:) »Gotta take this. Business.«

Dexter 8×02

  • »This place ain’t the same without you.«

Dexter 8×03

  • »I stuck my neck out on the line for you!«
  • »Let me see if I’ll get you out of this.«
  • »You of all people should know!«
  • »I’ve been down this road, so I get it.«
  • »You might wanna straighten up.«
  • »I need to get to him, before he gets to me.«
  • »What’s going on?» – »She’s been having a hard time.«
  • »I’m figuring something out, thanks for the heads-up.«
  • »It’s my fault, okay?«
  • »He’s worried about you, we both are.«
  • »You got a sec?«
  • »I just wanted to let you know that I’ve been thinking about what you said.«
  • »You call me if you need me.«
  • »Will you please cut me some slack?«
  • »I didn’t think you’d understand.«
  • »Thanks for calling, you did the right thing!«

Dexter 8×04

  • »We knew that day was coming.«
  • »What if this has all been some horrible mistake?«
  • »Is he another one of your little experiments?«
  • »I don’t even want to know what that means.«
  • »I couldn’t have done it without you.«
  • »Are we really gonna do this?«
  • »Okay, let’s find this guy.«
  • »Come on, it’s not like you haven’t done the same.«
  • »We can’t know until we find him.«
  • »I was in a really bad place, but, you know, you were just looking out for me, like you always do.«

Dexter 8×05

  • »I need you to trace a number for me.«
  • »I understand what you’ve been through.«
  • »I can help you, I can, trust me.«
  • »So is this it?«

Dexter 8×09

  • »He could be more dangerous than you think.«
  • »I can’t go into it right now, but please, just do as I ask.«
  • »I just need a little time, you know.«
  • »Take all the time you need.«

Dexter 8×10

  • »I wish there was a different way, but there’s not.«
  • »I’ll do whatever it takes!«

Dexter 8×12

  • »I’ve done shit I’m not proud of.«
  • »You’re a good person.«
  • »I can’t believe this is actually gonna happen.«

Breaking Bad 5×11

  • »Sure that’s how you wanna play this?«
  • »Don’t tell me how to do my job!«

Breaking Bad 5×13

  • »I’ve got a flight to catch.«

Pretty Little Liars 4×01

  • »Like it or not. We’re in this together.«
  • »Remember. We’re the good guys.«

Ringer (ohne Folgenangabe)

  • »If you really think that – then you don’t know me at all.«
  • »I don’t care what it takes!«
  • »I think you should leave.«
  • »It was you and me against the world.«
  • »The way I see it, you have two choices.«
  • »Your feelings are clouding your judgment.«

True Blood 6×04

  • »Failure is not an option.«

Homeland 3×01

  • »We’ll get to the bottom of it.«
  • »Don’t tell me to calm down.«
  • »So, do we have a green light?«
  • »I never asked for the job.«
  • »Have you seen the paper yet?«
  • »You don’t think I know what you’re doing? I know exactly what you’re doing!«

Homeland 4×07

  • »Why wasn’t I told!« – »I’m telling you now.«

Soweit mal unsere kleine Phänomenologie des Sprachmaterials von US-Qualitätsserien. Wahrscheinlich kann man von zwei Extremen sprechen, einerseits den sprachbewussten Serien (wie den »Simpsons«) und andererseits den rein plotgetriebenen Serien. Sprachlich sind dann alle Serien irgendwo dazwischen anzusiedeln. Das könnte man mal irgendwann anhand der Untertiteldateien nachprüfen, etwa die vocabulary richness untersuchen, ähnlich wie das neulich jemand mit den Lyrics auf Rap Genius gemacht hat.

Ein guter Einwand unterwegs war übrigens der hier, und die Credits gehen an @heylindahey: »Wir sollten aufpassen, dass wir nicht alles als Floskeln bzw. lame narrative devices verstehen. Sonst fällt uns noch auf, dass das ganze Leben eine Floskel ist (didn’t you know already?).«
 


Der letzte Maulwurf seiner Art

Buenos Aires, 15. Dezember 2014, 14:11 | von Paco

»Es war Dezember.«
(Christian Kracht)

Uwaga! Es ist nämlich so: Am 13. Januar 2015 (also traditionell am zweiten Dienstag des Jahres) findet zum zehnten und letzten Mal die von uns betriebene Verleihung des einzigen echten Feuilletonpreises »Der Goldene Maulwurf« statt. Es geht dabei wie immer um die Lobpreisung des einen bzw. der insgesamt zehn besten Feuilletonartikel des dann vergangenen Jahres 2014, so wie davor für die Jahre 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005.

Insgesamt haben wir dann also 10 Mal 10 Artikel aus 10 deutschspra­chigen Feuilletonjahren beisammen, »die Zeugnis geben von einer absoluten Blütezeit«, »dem goldenen Zeitalter des deutschen Feuilletons«, »dem besten Feuilleton der Welt« (jeweils Selbstzitate). Und verliehen wird dann wie stets eine virtuelle Kopie dieses netten Goldwurfs (CC by-sa 4.0):

Goldwurf 2014 (Lizenz CC by-sa 4.0)

Die oft aufgeworfene (aufgeworfene, hehe) Frage, ob es den Goldenen Maulwurf tatsächlich gibt, können wir also mit ja beantworten. Der Goldwurf wurde gehäkelt und mit einer Goldkorona versehen von Waltraud Pauer aus Pößneck, bei der wir uns sehr herzlich dafür bedanken. Und zu tun hatte und hat die ganze Maulwurfsmythologie natürlich mit dem von Henning Ritter und Wolf Lepenies nie geschriebenen »Aufsatz über die Geschichte der Maulwurfs-Metapher (›der Geist, ein Wühler‹)«, dem »grossen ›Maulwurf‹-Buch, das bald zum ›Maulwurf‹-Projekt wurde«.

Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch!

Warum wird nun der Maulwurfspreis, der eigentliche Gründungsgrund des Umblätterers eingestellt? (Und, by the way, warum ist eigentlich damals die »Fackel« nicht mehr erschienen, hehe?)

1 mal 1, hat Adam Ries gesagt. 2 mal 3 (macht 4), sang Pippi Långstrump. 5 mal 2, ergänzte François Ozon. Und 10 mal 10 sagen jetzt eben wir. 100 Texte aus 10 Jahren in der Halbwelt des Feuilletons.

Zu diesem Reader der goldenen Feuilletonjahre 2005–2014 fehlt aber noch die letzte Zehnertranche. Im Moment wird die Longlist zum Maulwurfspreis zusammengestellt (was für super Texte mal wieder). Und nach Silvester, wenn die letzten Feuilletons des Jahres 2014 erschienen sein werden, tritt die Jury zum letzten Mal via Etherpad und OTR zusammen und dann wird ordnungsgemäß ausdiskutiert, wer die letzten Preisträger werden, und es werden zehn letzte Laudationes geschrieben werden. Die dann am Dienstag, dem 13. Januar, in den frühen Morgenstunden herausposaunt werden. Und damit treten wir dann wieder ein »in einen Kreis, der der billigen und plebejischen Überlegenheit der Ironie überlegen ist«, wie es Ernst Jünger im »Abenteuerlichen Herz« so schön formulierte, und dann heißt es also wieder und immer wieder: Das deutsche Feuilleton, es lebe hoch, hoch, hoch!

Ach so

Ein paar intime Zuschauerfragen werden wir in dieser Phase auch noch beantworten, der pindarische Sprung wurde ja bereits verarztet, und zur Maulwurfsmythologie steht hier oben was. Und weil jetzt auch Leute immer wieder nach unserem als eminent empfundenen Hallmark »hehe« gefragt haben, die Lösung ist folgende: »hehe«, liebe Freunde, ist das letzte, unhintergehbare Wort, und der absolute Held dieser Bewegung ist unser lieber Freund, »der sympathische Bio-Metzger Wilhelm Hehe«, sozusagen ídolo por apellido.

Vorletzte Grüße aus der Halbwelt,
Paco

–Sprecher–
–Consortium Feuilletonarum Insaniaeque–

 


Vossianische Antonomasie (Teil 94 und Schluss)

Buenos Aires, 14. Dezember 2014, 17:30 | von Paco

 

  1. der schwäbische Nelly
  2. der Harald Martenstein des Indie-Rock
  3. der Jürgen Klopp der Situation
  4. eine Art Frank Schirrmacher des fantastischen Kinos
  5. der Peter Handke von Deutschland

Mit Dank an @thedailyfrown und @buechermacher.

 


Mar del Plata

Buenos Aires, 2. Dezember 2014, 03:53 | von Paco

Irgendwann letzte Woche kamen wir aus dem Ambassador und hatten da grad Bruno Dumonts »P’tit Quinquin« gesehen. Der Film kam im September schon als 4-teilige Serie auf Arte, und nun wurde die Serie also als 3:20h-Film auf eine südamerikanische Leinwand projiziert.

Viele Leute hatten eigentlich Bruno Dumont nach seinen letzten, in mehrfacher Hinsicht abgedrehten Filmen noch eine letzte Chance geben wollen. Und um die Wirkung des kleinen Quinquin auf die vielleicht 200 Zuschauer zu beschreiben, könnte eine neue Floskel dienen, die ich hiermit in die Kinorezeptionsberichterstattung einführen möchte: »Für viele Leute war es der beste Film, den sie seit langem gesehen haben.«

Wir gingen dann wie fast jeden Tag runter in den Club de Pesca, es gab wahrscheinlich einen Abadejo zu gelbem Weißwein, dazu den gesamten Atlantik als Kulisse. Und natürlich Brot mit Butter und grobem Salz à la Thielemann. Später gingen wir dann wieder langsam hoch, zum Teatro Auditorium, und dort sah ich dann, wie ein verdienter Jubilado vor der Logowand des Filmfestivals gerade ein Foto seiner Reisebegleiterin schoss, und das musste ich natürlich festhalten, so schön:

29. Festival del Cine, Mar del Plata, Argentinien

Die beiden so entstandenen Bilder sind nun wahrscheinlich das, was Schiller mit naiver und sentimentalischer Fotografierung gemeint hat. Und wir sahen dann noch Alice Rohrwachers wunderbaren Honigfilm »Le Meraviglie«, und eine Alexei-German-Retrospektive gab es außerdem und auch eine zu Claire Denis und noch ein paar andere Sachen, und eines Abends schoss River Plate mit einem Tor von Pisculichi die Boca Juniors ab, und danach fand so ein Asado statt und ein paar Schnecken kamen rasant in die Weingläser gekrochen und irgendwer erwähnte Buñuel und ein paar Brasilianer und Italienerinnen waren auch da.
 


Pindarischer Sprung

Buenos Aires, 1. Dezember 2014, 01:56 | von Paco

(Da Leute gefragt haben, was wir damit meinen, hier ein Annäherungs­versuch an eine Definition. Dique hat das Konzept im August 2010 auch mal in einem Interview mit NDR Kultur erklärt, aber wer es lieber zum Nachlesen will, hier bitte.)

Pindarischer Sprung. Als pindarischen Sprung oder pindarischen Flug (ital. salto pindarico bzw. volo pindarico; engl. Pindaric jump bzw. Pindaric flight) bezeichnet man einen gedanklichen Sprung, bei dem oft nicht mehr ohne Weiteres deutlich ist, was das inhaltlich verbindende Glied zwischen Ausgangs- und Zielgedanke ist. Die Bezeichnung ist im heutigen Italienisch noch ab und zu anzutreffen, wobei das Adjektiv ›pindarico‹ auch allein für eine allgemein gewagte Metapher stehen kann. Eine Definition für das deutsche Publikum findet sich in der von Ramler übersetzten »Einleitung in die schönen Wissenschaften« von Batteux:

»Ein Pindarischer Sprung wird ein rasender Unsinn, so bald man den Ort aus dem Gesicht verliert, woher man gekommen ist, oder das Ziel, wohin man gehen muß.«

Unbedingt auch die Fußnote dort lesen. Eigentlich ist im Original von »écarts pindariques« die Rede, »pindarischen Abwegen«, von denen wiederum Jean-Baptiste Rousseau et de Brosette schreibt:

»Was die Pindarische Ode betrifft, so wissen Sie wohl, was Herr de La Motte und nach ihm der Abbé Terrasson von Pindar behaupten? Sie nennen diese schöne Unordnung und diese großen Bewegungen, die wir in seinen Oden bewundern, Abwege; sie behaupten, er hätte sich nur auf solche Abwege begeben, um die Trockenheit und Unfruchtbarkeit seiner Stoffe zu verdecken.«

Das klingt erst mal harsch, aber kann ja sein. Pindar halt. Unsere eigene Adaption des Begriffs hab ich mal in einem Aufsatz für die EDIT versucht zu beschreiben. Demnach ist ein pindarischer Sprung

»ein überstürztes Assoziieren, wie es im Gespräch zwischen sinnlos überinformierten Menschen eben vor sich geht. Der salto pindarico eignet sich generell sehr gut zur digitalen Abbildung des analogen Genres ›Kaffeehausgespräch‹, wie wir sie seit 2007 im Umblätterer entwickeln.«

 


Vossianische Antonomasie (Teil 92)

Göttingen, 21. November 2014, 10:57 | von Paco

 

  1. der Justin Bieber der Wirtschaftswissenschaften
  2. der Tarantino des Barock
  3. Frankreichs Marcel Reich-Ranicki
  4. der Mozart der Komik
  5. der Mozart Wagners

#456: Dank an @GregorKeuschnig.
#457: Dank an @FJ_Murau.
#458: Dank an @CastorUndPollux.

 


Tausendseiter

Göttingen, 21. Oktober 2014, 13:40 | von Paco

Teilnahmebedingungen für Tausendseiter sind: eine Buchausgabe (egal welche Sprache, auch Übersetzungen) mit mindestens 900 Seiten. Mehrtausendseiter gelten hier vereinfacht auch als Tausendseiter. Bevorzugt kanonisierte Werke und keine Fantasy-Bahnhofsbuchladen­romane, auch keine expliziten Romanserien wie Harry Potter (romans-fleuves wie von Rolland und Proust dagegen schon).

Als Vergleich kann herangezogen werden die »List of longest novels« in der englischen Wikipedia, die aber seit ihrem Entstehen mehrfach ihren Charakter geändert und höchst problematisch ist, auch weil keine einheitliche Metrik verwendet wird.

Die Sammlung unten wird momentan laufend ergänzt. Beginnen sollten wir (mit Ausnahmen) in der Neuzeit, das längste Buch der Antike (wohl Titus Livius’ nur fragmentarisch überlieferte römische Geschichte »Ab urbe condita«) oder die Vier klassischen Romane der chinesischen Literatur + Pflaumen­blüte (jeweils mehr als 1000 Seiten) u. ä. spielen erst mal keine Rolle. Die Liste ist jahrzehntweise geordnet. Auf geht’s:

* * *

Prosalancelot (Anfang 13. Jh.) 5526

Thomas Malory: König Artus (1485) 1102

Cervantes: Don Quijote (1605–1615) 1487
Honoré d’Urfé: L’Astrée (1607–1627) 5399 2188

Madeleine de Scudéry: Artamène, ou le Grand Cyrus (10 Bde., 1649–1653) 13095 7485

Baltasar Gracián: El Criticón (1651–1657) 1013
Madeleine de Scudéry: Clélie, histoire romaine (10 Bde., 1654–1660)

Anton Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel: Römische Octavia (1677–1762) >7000

Daniel Casper von Lohenstein: Großmüthiger Feldherr Arminius (1689/90) 3076

Johann Gottfried Schnabel: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer (1731–1743) 2272

Samuel Richardson: Clarissa (1748) 1536
Henry Fielding: Tom Jones (1749) 965

Theodor Gottlieb von Hippel: Lebensläufe nach aufsteigender Linie (1778–1781) 2290

Wilhelm Friedrich von Meyern: Dya-Na-Sore oder die Wanderer (1787–1791) 994

Giacomo Casanova: Geschichte meines Lebens (1794) 6227 3896
August Lafontaine: Quinctius Heymeran von Flaming (1795/96) 1452

Jean Paul: Titan (1800–1803) 903
Jan Graf Potocki: Die Handschrift von Saragossa (1805–1815) 959

Charles Robert Maturin: Melmoth der Wanderer (1820) 1006

Willibald Alexis: Schloß Avalon (1827) 1022
Alessandro Manzoni: Die Brautleute (1827/1840–1842) 914

Charles Dickens: Die Pickwickier (1836/37) 848 1039
Karl Immermann: Münchhausen (1838/39) 1089 929

Charles Dickens: Barnaby Rudge (1841) 768 940
Eugène Sue: Die Geheimnisse von Paris (1842/43) 1976
Charles Dickens: Martin Chuzzlewit (1843/44) 864 1000
Charles Dickens: Dombey and Son (1846–1848) 1072
William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit (1847/48) 987
Charles Dickens: David Copperfield (1849/50) 1008
Herman Melville: Mardi und eine Reise dorthin (1849) 1080
Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste (1850/51) 4111

Edward Bulwer-Lytton: Dein Roman (1850–1853) 1539
Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht (1852) 1273
Charles Dickens: Bleak House (1852/53) 1088 1166
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (1854/55) 908
Charles Dickens: Klein Dorrit (1855–1859) 1088 9946
Karl Gutzkow: Der Zauberer von Rom (1858–1861) 2920

Friedrich Spielhagen: Problematische Naturen (1861) 983 1078
Victor Hugo: Die Elenden (1862) 1684
Charles Dickens: Unser gemeinsamer Freund (1864/65) 928 978
Leo Tolstoi: Krieg und Frieden (1865–1869) 1291
Ippolito Nievo: Bekenntnisse eines Italieners (1867) 1679
Adalbert Stifter: Witiko (1867) 966
Iwan Gontscharow: Die Schlucht (1869) 1257
Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre (1870) 905

George Eliot: Middlemarch (1871/72) 1145
Fjodor Dostojewski: Böse Geister (1873) 962
Leo Tolstoi: Anna Karenina (1875–1878) 1204
Felix Dahn: Ein Kampf um Rom (1876) 1128
George Eliot: Daniel Deronda (1876) 1062
Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow (1880) 1063 1271

Benito Pérez Galdós: Fortunata und Jacinta (1887) 1282

Romain Rolland: Jean-Christophe (1904–1912) 1979 1489
Stefan Żeromski: In Schutt und Asche (1904) 990
John Galsworthy: Die Forsyte-Saga (1906–1921) 1111

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913–1927) 4229
Alfred Döblin: Wallenstein (1920) 924 750
Sigrid Undset: Kristin Lavranstochter (1920–1922) 1195 926

Roger Martin du Gard: Die Thibaults (1922–1940) 992
James Joyce: Ulysses (1922) 1014 987
Thomas Mann: Der Zauberberg (1924) 997 1100
Gertrude Stein: The Making of Americans (1925) 1021
Hans Grimm: Volk ohne Raum (1926) 1352
Michail Scholochow: Der stille Don (1928–1940) 1473
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1930–1942) 2154

Jules Romains: Les Hommes de bonne volonté (1932–1946) 4914
John Cowper Powys: A Glastonbury Romance (1933) 1120 1228
Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933) 1029
Thomas Mann: Joseph und seine Brüder (1933–1943) 1344
Miklós Bánffy: Siebenbürger Geschichte (1934–1940) 1777
Margaret Mitchell: Vom Winde verweht (1936) 1119

Tibor Déry: Der unvollendete Satz (1947) 1259 950
Alfred Döblin: November 1918 (1948–1950) 1650 2328
Carl Sandburg: Remembrance Rock (1948) 1067
Wolf von Niebelschütz: Der blaue Kammerherr (1949) 778 1147
Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer (1949–1961) 2144

Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege (1951) 908
Madison Cooper: Sironia, Texas (1952) 1731
Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts (1953) 990 736 943
J. R. R. Tolkien: The Lord of the Rings (1954/55) 1236 1360
William Gaddis: Die Fälschung der Welt (1955) 1227
Heimito von Doderer: Die Dämonen (1956) 1344
Ayn Rand: Der Streik (1957) 1258
S. Yizhar: Yemei Tziklag (1958) 1156
Wassili Grossman: Leben und Schicksal (1959) 1084

Paul Schuster: Fünf Liter Zuika (1962–2007) 928 1250
Marguerite Young: Miss MacIntosh, My Darling (1965) 1198
Roman Brandstaetter: Jesus von Nazareth (1967–1973) 1768
Albert Cohen: Belle du Seigneur (1968) 1109 890

Arno Schmidt: Zettel’s Traum (1970) 1330 1513
Uwe Johnson: Jahrestage (1970–1983) 2150
Alexander Solschenizyn: Das Rote Rad (1971–1991) ~6000
Thomas Pynchon: Die Enden der Parabel (1973) 1193
Carlos Fuentes: Terra nostra (1975) 1139
William Gaddis: JR (1975) 1039
Xavier Herbert: Poor Fellow My Country (1975) 1463
Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands (1975–1981) 1195
Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie (1978–1982) 924
Stephen King: The Stand (1978/1990) 1196
Norman Mailer: The Executioner’s Song (1979) 999

Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon (1982) 1117
Jo Jong-rae: Taebaek sanmaek (1983–1989) 3682
Marianne Fritz: Dessen Sprache du nicht verstehst (1985) 3387
Stephen King: Es (1986) 1214
Péter Nádas: Buch der Erinnerung (1986) 1303
Marge Piercy: Menschen im Krieg (1987) 759 999

Harold Brodkey: Die flüchtige Seele (1991) 1342
Alban Nikolai Herbst: Wolpertinger oder Das Blau (1993) 1009
James Clavell: Gai-jin (1993) 1247
Adolf Muschg: Der Rote Ritter (1993) 1006
Vikram Seth: Eine gute Partie (1993) 1421 1997
Peter Handke: Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994) 1066 628
William H. Gass: Der Tunnel (1995) 1092
Mircea Cărtărescu: Orbitor-Trilogie (1996–2007) 1834
J. J. Voskuil: Das Büro (1996–2000) ~5200
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (1996) 1547
Don DeLillo: Unterwelt (1997) 965
Thomas Pynchon: Mason & Dixon (1997) 1022 878
Alban Nikolai Herbst: Anderswelt-Trilogie (1998–2013) 2035
Neal Stephenson: Cryptonomicon (1999) 1180
Péter Esterházy: Harmonia caelestis (2000) 920
Alexander Kluge: Chronik der Gefühle (2000) 2036

Martin Kluger: Abwesende Tiere (2002) 1039
Alexander Kluge: Die Lücke, die der Teufel läßt (2003) 949
Neal Stephenson: Quicksilver (2003) 1145
Roberto Bolaño: 2666 (2004) 1093
Rafik Schami: Die dunkle Seite der Liebe (2004) 1033
Frank Schätzing: Der Schwarm (2004) 997
Neal Stephenson: The Confusion (2004) 1017
Neal Stephenson: The System of the World (2004) 1119
Dietmar Dath: Für immer in Honig (2005) 971 1035
Péter Nádas: Parallelgeschichten (2005) 1723
William T. Vollmann: Europe Central (2005) 1025
Matthias Wegehaupt: Die Insel (2005) 1013
Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten (2006) 903 1401 1383
Thomas Pynchon: Gegen den Tag (2006) 1595
A. F. Th. van der Heijden: Das Scherbengericht (2007) 1166
Elfriede Jelinek: Neid (abgeschlossen 2008) 936
Ma Jian: Peking Koma (2008) 927
Neal Stephenson: Anathem (2008) 1022
Uwe Tellkamp: Der Turm (2008) 972
Stephen King: Die Arena (2009) 1279
Karl Ove Knausgård: Min Kamp (2009–2011) >3600
Haruki Murakami: 1Q84 (2009/10) 1591

Jan Brandt: Gegen die Welt (2011) 927
Navid Kermani: Dein Name (2011) 1228
Stephen King: Der Anschlag (2011) 1055
Peter Kurzeck: Vorabend (2011) 1015
Neal Stephenson: Reamde (2011) 1023
Christopher Ecker: Fahlmann (2012) 1025
Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) (2014) 1279
Frank Schätzing: Breaking News (2014) 964
Donna Tartt: Der Distelfink (2014) 1022
 


Feuilletonpressegespräch

Göttingen, 14. Oktober 2014, 15:10 | von Paco

Wie schon Harald Staun in der FAS vom 29. Juni 2014, S. 40, schrieb: »Das Radiofeuilleton im Deutschlandradio Kultur, das nach seiner Programmreform seit Montag nicht mehr zu hören ist, muss mit sofortiger Wirkung wieder eingeführt werden. Sonst.«

Ja, sonst. Das gilt insbesondere für das »Feuilletonpressegespräch«, das bis inklusive 19. Juni 2014 immer nach den 10-Uhr-Nachrichten lief, also um ca. 10:07 Uhr. Doch von nun an: Kein vor Feuilletonlust schnaufender und schmatzender Jens Jessen mehr! Kein gestochen scharf kommentierender Andreas Platthaus mehr! Kein Peter Korfmacher mehr mit Neuem und Altem aus Leipziger Oper und Gewandhaus! Kein Adrian Prechtel mehr mit seinem »Servus aus München« für die gute Laune! Letzter Gesprächspartner war an besagtem 19. Juni vor knapp vier Monaten Andreas Fanizadeh von der taz.

In diesen speziellen morgendlichen Telefongesprächen ging es immer um das Feuilleton als Gesamtzusammenhang. Die »Zeit«, die FAZ, die »Süddeutsche«, die »Welt«, der »Spiegel«, der »Tagesspiegel«, die LVZ, die taz, die Münchner »Abendzeitung«. Ab und zu Luxusformate wie »Sinn und Form« oder »Das Gedicht«. Kurz den Aufmacher durchsprechen, dann ein bisschen umblättern und noch ein, zwei weitere Artikel anreißen.

Dieser Gesamtzusammenhang, das Feuilleton als breite Gegenwart, als täglich neu verfasster Großroman, bildet sich in der gedruckten Zeitung aber nicht mehr unbedingt ab, die rasante technologie­getriebene Diversifizierung lässt sich thematisch, stilistisch und personell einfach nicht mehr komplett auffangen und abbilden. Das hat jetzt nichts mit der Programmreform beim Deutschlandradio zu tun.

Da ist es auch lächerlich, einen der wirklich erbosten verwunderten Hörer besänftigen zu wollen mit so einer Antwort: »Das Feuilletonpressegespräch wird es weiter geben – künftig in der Sendung ›Kompressor‹ (montags bis freitags von 14.00 bis 15.00 Uhr), allerdings nicht mehr täglich, sondern 2–3mal pro Woche in der Rubrik ›Das Lesen der Anderen‹.«

Nun, 14 bis 15 Uhr ist wirklich keine Zeitungszeit. Vom schrecklichen Titel des Schrumpfformats ganz zu schweigen. Dagegen ›Feuilletonpressegespräch‹, so ein grauslig-schönes doppelfranzösisch-deutsches Kompositum!
 


Besuch im Serienland #9:
Die 15 besten US-Serien der Saison 2013/14

Göttingen, 9. Oktober 2014, 18:28 | von Paco

Neulich in Madrid, ein Montag, nach Mitternacht in der Metro. Eine Gruppe sympathisch betrunkener US-Teens unterhält sich über Serien. Der eine wirft zunächst »True Detective« in den Ring und erzählt dann stolz, dass er jetzt auch »Breaking Bad« kuckt. Darauf die eine: »›Breaking Bad‹? Naah, I hated it. It’s completely unrealistic, I mean, a wife having an affair with a colleague, just for revenge, what is this?« Und man kann über »Breaking Bad« wirklich einiges sagen, etwa den horrenden Body Count erwähnen, aber diese Kritik war dann doch die originellste, die ich je zu BB gehört habe!

Nun aber: Ich bin ja seit einigen Jahren (hehe) serienmüde und auch deswegen wird der Serien-Rundown heuer zum neunten und definitiv letzten Mal veranstaltet. Inklusive diesem Jahr hab ich dann 120 Staffeln verarztet, das reicht erst mal. Die Charts der letzten Jahre sind hier: 2005/06, 2006/07, 2007/08, 2008/09, 2009/10, 2010/11, 2011/12, 2012/13.

Und hier nun die besten (bzw. schlechtesten) fünfzehn US-Serien des Jahrgangs 2013/14:

1. Fargo   (1. Staffel, FX)
2. Breaking Bad   (5. Staffel/zweite Hälfte, amc)
3. Louie   (4. Staffel, FX)
4. Boardwalk Empire   (4. Staffel, HBO)
5. Game of Thrones   (4. Staffel, HBO)
6. House of Cards   (2. Staffel, Netflix)
7. Mad Men   (7. Staffel/erste Hälfte, amc)
8. 24   (9. Staffel, Fox)
9. Episodes   (3. Staffel, Showtime)
10. Homeland   (3. Staffel, Showtime)
11. True Detective   (1. Staffel, HBO)
12. Veep   (3. Staffel, HBO)
13. Silicon Valley   (1. Staffel, HBO)
14. Kirstie   (1. und letzte Staffel, TV Land)
15. Dexter   (7. Staffel, Showtime)

*

1. Fargo   (1. Staffel, FX)

Warum Martin Freeman den Emmy für »Sherlock« gewonnen hat und nicht für »Fargo«, weiß kein Mensch. Freeman und »Fargo« waren jedenfalls spitze, und ich danke den Leuten, die mich gezwungen haben, die Serie doch noch zu kucken. Es gelingt ihr über weite Strecken, das, was wir coenesk nennen, zu treffen, über Charaktere, Musik und Situationen und alles. Schön geschrieben und gespielt. Manche Folgen, besonders die sechste, enthielten ein paar drastische Szenen, da denkt man kurz: huch. Aber so stand das wohl im Drehbuch. Und nun wird es ja eine zweite Staffel geben, die offenbar von den mehrfach erwähnten Vorfällen in Sioux Falls 1979 handelt.


2. Breaking Bad   (5. Staffel/zweite Hälfte, amc)

Nach der großartigen Anagnorisis in der ersten Hälfte der Finalstaffel folgt nun die reale Konfrontation von Walt und Hank. Todd und sein Onkel Jack schalten sich dazwischen, irgendwas passiert (no spoilers), Walts Doppelleben fliegt endgültig auf und er nimmt alles auf seine Kappe (und verschleiert dadurch netterweise Skylars Mitschuld). Er selbst emigriert inkognito in eine abgelegene Hütte nach New Hampshire. Doch schließlich kehrt er natürlich zurück und macht ein bisschen auf MacGyver, lässt sich von Jack und seiner Truppe fangen und rächt sich aber durch ein selbstschießendes MG. Und um jetzt doch weiter zu spoilern, weil war ja eh klar: Walt geht drauf, Jesse dagegen kommt frei und stößt einen Jubelschrei aus, der noch lange im Zuschauer nachhallt. »Breaking Bad« ist solide zu Ende gegangen und irgendwann in ein paar Jahren kann man das ruhig auch noch mal von vorn kucken.


3. Louie   (4. Staffel, FX)

Ganz anders als Larry David in »Curb Your Enthusiasm« hat sich Louie CK für seine Ego-Comedy ein stilles, leises, verunsichertes Schluffidasein ins Drehbuch geschrieben. Das ist teilweise so was wie sentimental comedy, speziell die Rückblendstorys (etwa das überlange »In The Woods«). Es gibt diesmal mehrere multiepisodische Storybögen, etwa »Elevator«, und dieser handelt in ganzen sechs (von den insgesamt vierzehn) Teilen von Louies unmöglicher Liebe zur ungarischen Nichte seiner ungarischen Nachbarin, der er nebenbei zweimal im Fahrstuhl sozusagen das Leben rettet. Die Nichte spricht wirklich kein Wort Englisch und lernt es auch nicht (anders als damals Jin in »Lost«, hehe). Und diese incommunicado-Szenen erzeugen wieder diese Intensität, die man Louie CK immer wieder aufs neue nicht zutraut, obwohl ihm das schon dutzendfach gelungen ist. Das Ende der Staffel wird zu einer Anti-RomCom, die alte Liebe zu Pamela wird nach ihrer Rückkehr aus Paris rethematisiert (Pamela Adlon, schon in »Lucky Louie« seine Frau), und da auch Louie CK nicht am Lena-Dunham-Hype vorbeigehen kann, zieht er am Ende sein T-Shirt aus und schwabbelt in die Badewanne zu Pam. Ganz wunderbar ist auch Folge 4×03, »So Did the Fat Lady«, die hab ich dann sogar gleich noch mal angeschaut.


4. Boardwalk Empire   (4. Staffel, HBO)

Gut, Staffel 4 ist jetzt schon eine ganze Weile her, aber ich muss sagen, dass das bisher die beste Staffel war. Einfach weil der neue Ekelbösewicht Dr. Valentin Narcisse wieder so interessant und fast noch besser ist als einst Gyp Rosetti. Und der bisher anstrengend dumpfe Chalky White kriegt eine richtig gute Storyline verpasst. Und so weiter! Staffel 5 läuft bereit und ist die letzte, was jetzt wirklich ein bisschen schade ist.


5. Game of Thrones   (4. Staffel, HBO)

Ok, in Folge 2 treten Sigur Rós auf mit ihrer Coverversion des Westeros-Chartbreakers »The Rains of Castamere«. In der selben Folge passiert auch etwas mit Joffrey, er endet mit so blutiger Kotze unter der Gesichtshaut. An viel mehr kann ich mich grad nicht erinnern, aber in Folge 4×10 unternimmt Tyrion seinen ganz persönlichen Rachefeldzug und dann hat man tatsächlich direkt Lust, mit Staffel 5 weiterzumachen, was aber erst ab April 2015 gehen wird.


6. House of Cards   (2. Staffel, Netflix)

Nachdem in Folge 9 die Freundschaft zum BBQ-Joint-Betreiber Freddy wegen medialer Rachefeldzüge von Frank Underwoods Gegnern in die Brüche geht, heißt es: »The road to power is paved with hypocrisy. And casualties. Never regret.« Laut dem sanften Verriss, den salon.com gebracht hat, ist es etwas enttäuschend, wie hier politische Pseudothemen durchgehechelt werden, nur um wieder auf das alte Stammtischding hinzuweisen: Dass Politik ab einem gewissen Level nicht mehr von Inhalten, sondern von Macht und Karriere handelt. Aber »House of Cards« ist wenigstens kurzweilig. Schon in Folge 1 der neuen Staffel gibt es einen saftigen main character kill. Und in Folge 7 kommt es zu einem Double Date zwischen Präsidenten- und Vizepräsidentenpaar. Und es wird mit Plastesoldaten gespielt, was natürlich sofort an Horst Seehofer und seine Modelleisenbahn im Keller erinnert.


7. Mad Men   (7. Staffel/erste Hälfte, amc)

Da kann man auch nur froh sein, dass MM endlich zu Ende geht. Nach Staffel 6 wäre eigentlich perfekt gewesen. In der bisher gesendeten ersten Hälfte von Staffel 7 kommt Don aber nach der erzwungenen Auszeit ins Büro zurück und muss persönlichen Restriktionen zustimmen, die sich die anderen Partner für ihn ausgedacht haben: »Outside of client hospitality, there will be no drinking in the office.« Wissen schon, eine Ära geht zu Ende. Und eine neue beginnt: Die Agency schafft sich einen Mainframe-Computer an (einen IBM System/360). Thematisiert wird das auch als Bedrohung, denn der Coypwriter Ginsberg wird wegen des Computers paranoid und tut sich Gewalt an (nipple multilation). In Folge 6 gibt es im Office wieder so ein schönes one-on-one mit Peggy und Don, so wie damals in Staffel 4, diesmal aber inkl. Tanzeinlage zu Sinatras »My Way«. In der vorerst letzten Folge 7×07 wird am Ende mondgelandet und Bert Cooper stirbt (20. Juli 1969). In der Folge lässt sich die Agency von McCann kaufen. Und nun warten bis Frühjahr 2015 und dann ist Schluss, Schluss, Schluss, dann sind endlich alle Werbemänner vom Hochhaus auf die Straße hinuntergefallen.


8. 24   (9. Staffel: »Live Another Day«, Fox)

Das wuchtige Uhrengeticke kam kurz zurück und mit ihm Jack Bauer, wieder aufgetaucht unter den fadenscheinigsten Drehbuchwendun­gen, na schön. Die diesmal nur 12-episodige Zusatzstaffel zu »24« trägt den Untertitel »Live Another Day«, die 12. Folge spielt von 10 pm bis 11 am, inkl. einem Zeitsprung von 10:46 pm auf 10:50 am. Worum geht es: Also, die ganze Staffel hindurch reden alle über dieses herrlich bekloppt ausgedachte »Override Device«, ein Gerät, mit dem man amerikanische/westliche Drohnen fremdsteuern und bevorzugt gegen zivile Ziele richten kann. Im Zuge der Irrungen und Wirrungen steht dann in Folge 8 der amerikanische Präsident himself in der Mitte des Wembley-Stadions, um sich von einer dieser fremdgesteuerten Drohnen abschießen zu lassen und sich für die britische Bevölkerung zu opfern! (Nicht!) Ansonsten wieder diese unfassbaren gelaberten Versatzstücke: »Sorry, I gotta take this.« »Put him on speaker!« »I can explain later, but you need to leave now before it’s too late.« »I think you wanna see this.« »At this point, I think I’m the only friend you have left.« »Where is the override device!!!«


9. Episodes   (3. Staffel, Showtime)

Die UK/US-Crossover-Serie »Episodes« geht einfach weiter, mit Sean und Beverly, mit Carol und Merc und Jamie und natürlich Matt LeBlanc. Nach Mercs Abtritt kommt ein neuer Executive (über die abgrundtief langweilige Rolle des Castor lieber nichts). Die gemeinsame TV-Serie »Pucks« soll aus dem Programm genommen werden, darum also geht es diesmal. Ein bisschen zu viel langwieriges Hin und Her, viel Luft ist in der Story nicht mehr drin, aber es kommt Anfang 2015 tatsächlich Staffel 4. Eigentlich hätte ich es lieber gesehen, wenn Stephen Merchants schöne neue HBO-Sitcom »Hello Ladies« eine zweite Staffel bekommen hätte, hat sie aber leider nicht.


10. Homeland   (3. Staffel, Showtime)

Spätestens jetzt nach Snowden fällt richtig auf, um was für eine Mickey-Mouse-Serie es sich bei »Homeland« handelt. Dieser Pseudo-CIA-Slang: »I’m gonna play you back into Iran«, Agentensätze zum Kaputtlachen. Das Drehbuch ist mit dem ganzen Iran-Thema auch etwas spät dran, diese Diskussion ist ja ziemlich over, aber was soll man machen, wenn man eine Serie mit reichlich dünner Story am Leben halten will, da passiert so was eben. Die thematische Exploitation zeigt sich auch am Anfang der Staffel im Venezuela-Plot um den irgendwie dort gestrandeten Brody. Und gerade den Hauptverdächtigen des Langley-Attentats vom Ende der 2. Staffel holt man dann, um ihn im Iran den Kopf der Revolutionsgarde fraggen zu lassen. Das Bootcamp-Training des zugedrogten Brody, um ihn wieder auf Vordermann zu kriegen, ist dann »Rocky« für ganz Arme (Folge 9). Also, wer rein systematisch das Gesamtwerk von Claire Danes seit »My So-Called Life« verfolgt, hat eine gute Ausrede für den weiteren »Homeland«-Konsum, die anderen eher nicht. Ansonsten könnte man noch mal den maßgeblichen »Homeland«-Artikel von Michael Cohen im »Guardian« lesen und dann für immer lieber andere Sachen kucken. Ach so, zur beginnenden 4. Staffel ist neulich noch ein herrlicher Artikel in der »Washington Post« erschienen: »›Homeland‹ is the most bigoted show on television«.


11. True Detective   (1. Staffel, HBO)

Woody Harrelson kann man in »True Detective« sekundenlang dabei zusehen, wie er zum Sprechen den Mund öffnet und ihn nach seiner Ansage wieder sekundenlang schließt. Und Matthew McConaughey lassen die Autoren einen Gedankenproll spielen, der vor allem diejenigen Zuschauer begeistert hat, die auch Kalendersprüche für Kantphilosopheme halten. Und dann nervt da noch die viel zu ausgestellte Unzuverlässigkeit des jeweiligen Erzählers, das instagrammige Zeitkolorit, das behäbig-verschlossene Louisiana­bildschirmtreiben. Aber! Ab dem Ende der fünften (von acht) Folgen, also nach nicht einmal zwei Dritteln der arg gestreckten Handlung, wird es sogar noch spannend. Ein längerer Film mit solider Rotten-Tomatoes-Wertung um die 60% hätte es also wahrscheinlich auch getan.


12. Veep   (3. Staffel, HBO)

Diese Sarah-Palin-Verschnitt-Serie ist leider schon länger nicht mehr lustig. Denn das einzige Stilmittel, der dauernde Zynismus überengagierter Imwegsteher, ist nur noch nervtötend. Okay, ein guter Witz ist drin in der Staffel, in Folge 3×10, der letzte Dialog nach der verlorenen Primary in New Hampshire. Amy: »Don’t get too concerned about New Hampshire, ma’am.« Selina: »I came in third, Amy. Okay? Even the Nazis came in second!«


13. Silicon Valley   (1. Staffel, HBO)

Eigentlich herrschen momentan gute Voraussetzungen für so eine Serie, die im Herzen des Silicon Valley spielt, wo ja grad unsere Gegenwart programmiert wird, of sorts. Aber schon der zuckerbergige Hauptdarsteller ist auf so himmelschreiende Weise fehlbesetzt, dass es als genau richtig verkauft wird. So stotternd wie strubbelhaarig, ein kaum mehr als mittelmäßiger Coder, der einen Kompressionsalgorithmus für Musikdaten geschrieben hat, um den herum die Company Pied Piper gegründet werden soll. Könnte man sich auch als Alan-Sorkin-Drama vorstellen, ist aber als Comedy eher ein »Big Bang Theory« in schlecht geworden. Bei den angeblichen Insiderwitzen fühlt man sich wie Timm Thaler, der Junge, der sein Lachen verkauft hat. Die Sprache, die Dialoge, die das Produktionsteam in jedem Zeitungsinterview selbst so abfeiert, wirken wie Beispielsätze von Sprachforschern. Von den wenigen Ausnahmen ist eine in Folge 7: »Just face it, Dinesh, you’re gay for my code, you’re code gay. (…) You’d like to fuck my code, wouldn’t you? Hey, would you like to masturbate to the subroutine I just wrote?«


14. Kirstie   (1. Staffel, TV Land)

»Fat Actress« war ja damals, 2005, wirklich nicht schlecht, wurde aber leider nach 7 Folgen abgesetzt. Und diese neue Serie um Kirstie Alley schien so ein bisschen daran anzuknüpfen. Was sie dann in keiner Weise tat. Es ist einfach eine Lachsack-Sitcom von der Stange, aber immerhin spielt auch »Seinfeld«-Veteran Michael Richards mit. Wobei er wieder nur mit Slapstick-Einlagen à la Kramer hantieren muss. Man sieht richtig, wie er in den ersten Folgen unterfordert ist und sich beinahe schämt, so eine armselig funktionale Nebenrolle zu spielen, aber das wird im Lauf der ersten (und allerdings auch letzten) Staffel ein bisschen besser. Und immerhin, das Season und Series Finale endet mit einem der wohl schönsten Hitler-Zitate ever, hehe.


15. Dexter   (8. Staffel, Showtime)

OMFG, was für ein schlechter Abgang, siehe die IMDb-Bewertungen für die letzte »Dexter«-Folge. Aber gut, dass das vorbei ist, about effing time!
 


Vossianische Antonomasie (Teil 88)

Göttingen, 5. Oktober 2014, 22:22 | von Paco

 

  1. der Woody Allen des Barock
  2. der Bruce Willis der Quartalsberichte
  3. der Don Quichote des Ozeans
  4. der J. D. Salinger der elektronischen Musik
  5. the Italian Wallace Beery

#436: Dank an @FJ_Murau.
#437: Bei ca. Min. 58:00 in »Stromberg – Der Film«.
#439: Dank an @CastorUndPollux.